Liebe Gemeinde,
heute geht die Weihnachtszeit zu Ende. Wir feiern Nacht der Lichter. Die Kerzen brennen. Die Tage werden wieder länger. Das Licht setzt sich durch. Unser heutiger Predigttext erzählt auch von einem Lichtphänomen oder sollte ich sagen einem ungewöhnlichen Feuer.
Ich lese 2. Mose 3,1-15: Mose hütete die Herde seines Schwiegervaters Jitro. Jitro war der Priester von Midian.
Einmal trieb Mose die Herde über die Steppe hinaus.
So kam er an den Berg Gottes, den Horeb.
2Da erschien ihm ein Engel des Herrn:
Eine Flamme schlug aus einem Dornbusch.
Mose bemerkte, dass der Dornbusch in Flammen stand
und trotzdem nicht verbrannte.
3Mose sagte sich: »Ich will hingehen
und mir diese auffallende Erscheinung ansehen.
Warum verbrennt der Dornbusch nicht?«
4Der Herr sah, dass Mose vom Weg abbog
und sich die Erscheinung ansehen wollte.
Da rief ihn Gott mitten aus dem Dornbusch:
»Mose, Mose!«
Er antwortete: »Hier bin ich!«
5Gott sprach: »Komm nicht näher! Zieh deine Schuhe aus!
Der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land.«
6Weiter sprach er: »Ich bin der Gott deiner Väter,
der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.«
Da verhüllte Mose sein Gesicht.
Er hatte Angst davor, Gott zu sehen.
7Der Herr sprach:
»Ich habe die Not meines Volks in Ägypten gesehen.
Die Klage über ihre Unterdrücker habe ich gehört.
Ich weiß, was sie erdulden müssen.
8Deshalb bin ich herabgekommen,
um sie aus der Gewalt der Ägypter zu befreien.
Ich will mein Volk aus diesem Land führen.
Es soll in ein gutes und weites Land kommen,
in dem Milch und Honig fließen.
Es ist das Land der Kanaaniter und Hetiter,
der Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.
9Darum sei gewiss:
Die Klage der Israeliten ist zu mir gedrungen.
Ich habe auch gesehen, wie die Ägypter sie quälen.
10Nun geh! Ich sende dich zum Pharao.
Du sollst mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führen.«
11Mose sagte zu Gott:
»Wer bin ich denn, dass ich einfach zum Pharao gehe?
Und wie soll ich die Israeliten aus Ägypten führen?«
12Gott antwortete: »Ich werde bei dir sein!
Daran wirst du sehen, dass ich dich gesandt habe:
Wenn du das Volk aus Ägypten geführt hast,
sollt ihr mir an diesem Berg dienen.«
13Mose antwortete Gott:
»Ich werde zu den Israeliten gehen und ihnen sagen:
›Der Gott eurer Väter schickt mich zu euch.‹
Was ist, wenn sie mich fragen: ›Wie heißt er?‹
Was soll ich ihnen dann sagen?«
14Da sprach Gott zu Mose:
»›Ich werde sein, der ich sein werde.‹
Das sollst du den Israeliten sagen:
Der ›Ich-werde-sein‹ hat mich zu euch geschickt.«
15Weiter sprach Gott zu Mose:
»Das sollst du den Israeliten sagen:
›Der Herr hat mich zu euch geschickt,
der Gott eurer Väter Abraham, Isaak und Jakob.‹
So heiße ich schon immer, und so will ich
bei all ihren Nachkommen genannt werden.
Da ist der Gott, der eine Zukunft für sein Volk hat und einen unmöglichen scheinenden Auftrag für Mose – in dem Feuer, das brennt und den trockenen Busch aus Dornen nicht verbrennt.
Das ist der Gott, der sein wird, der er sein wird und das Leid seines Volkes sieht. Und da ist Mose, der nicht will. Mose ist alt. Mose hat schon so viel gesehen. Schon als Baby bedroht durch die ägyptische Macht, gerettet von der ägyptischen Prinzessin. Entflammt in Leidenschaft für sein Volk Israel. Als junger Mann bringt er einen ägyptischen Sklaventreiber um, der einen alten israelitischen Mann mißhandelt hat. Er muss in die Wüste fliehen. Dort findet er ein neues freies Leben bei den Nomaden, die am Rande des Kulturlandes leben. Er gründet eine Familie bekommt Kinder. Und nun soll er noch einmal zurück nach Ägypten, dorthin, wo er aufgewachsen ist, in das, was er hinter sich gelassen hat. Mose will nicht.
Und Gott braucht gerade ihn, gerade ihn mit seinen schlechten Erfahrungen und seiner Freiheit. Und er zeigt es Mose in der Art wie er ihm erscheint. Ja, das ist Mose ein alter vertrockneter Busch. Mose wird brennen in Leidenschaft für sein Volk. Und diesmal wird es kein kurzes Strohfeuer sein, das in einem Mord endet. Diesmal wird Mose leidenschaftlich sein aber er wird auch Ausdauer haben. Mit Gott an seiner Seite wird es gelingen. Mose wird sein Volk befreien. Und er wird es durch die Wüste zu seinem Gott führen durch mehr Widrigkeiten hindurch als man sich vorstellen kann. Es ist nicht nur der Pharao, der sich Mose in den Weg stellen wird. Es wird auch das Volk selbst sein, das wieder nach Ägypten zurück will, das ihn nervt und undankbar sein wird, das sich nicht traut in das gelobte Land einzuziehen, dass es nicht aushält, dass Mose so lange weg ist, um die 10 Gebote auf dem Berg Gottes zu holen.
Die ganze bittere und anstrengende Geschichte der Befreiung aus der Sklaverei bis zum Aufbau einer neuen freien Gesellschaft.
Und wir feiern Nacht der Lichter und sehen den Dornbusch brennen, in dem Gott sich zeigt und fragen: Wer bist du Gott, der du Israel aus der Sklaverei befreit hast. Wer bist du Gott, dessen Name lautet: Ich werde sein, der ich sein werde? Und was hast du vor mit uns, Kirche in Europa, die wir nicht gerade für brennende Leidenschaft bekannt sind? Durch welche Widrigkeiten müssen wir uns hindurch kämpfen um dorthin zu kommen, wo du uns haben willst, um die Freiheit zu finden, die du uns schenken willst?
Viele von uns hier sind alt. Wir haben viel gesehen und viel erlebt. Leidenschaft für die Freiheit? Unser Thema ist viel eher, wieviele einigermaßen gesunde Tage uns noch vergönnt sein werden. Leidenschaft für die Freiheit? Dafür sollen wir noch Kraft haben?
Was bedeutet es für uns, dass Gott sich einen alten Mann gesucht hat, der erstens gar nicht wollte und zweitens insofern ungeeignet war, als er nicht gut reden konnte? Was ist unsere Aufgabe als alte und müde Kirche in Europa?
Vielleicht ist unsere Stärke gerade, dass wir schwach geworden sind. Vielleicht kann Gott etwas mit uns anfangen, weil wir Ausdauer haben. Wir sind immer noch hier, obwohl sich unsere Gesellschaft nur noch wenig um christliche Werte schert. Wir sind immer noch hier, obwohl viele austreten und versinken in ihren alltäglichen Problemen und sich nicht mehr um die anderen scheren. Wir kommen zum Gottesdienst zusammen und fragen nach dem Gott, der sein wird wer er sein wird, nach dem Gott, der sich um die Zukunft in Freiheit kümmert. Und wir tun das, obwohl wir nicht die Macht haben unsere Kinder und Enkel vor den Folgen des Klimawandels zu beschützen und wir auch der Wirtschaft nicht helfen können und auch nicht einfach die anderen Probleme unserer Gesellschaft lösen können. Und doch sind wir hier, denn wir glauben dem Gott, der Israel trotz aller Widerstände in die Freiheit geführt hat und wir glauben an den Gott, der durch Jesus Christus gesagt hat: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst. Wir versuchen so gut wir können uns umeinander zu kümmern und einander zu helfen. Und wir werden uns nicht damit abfinden, dass unser Land in sozialer Kälte versinkt und Hass und Hetze die Umgangsformen bestimmen. Denn viele von uns sind zwar alt aber wir brennen immer noch für Freiheit und Mitmenschlichkeit, und gerade weil wir alt sind, wissen wir, dass Probleme nur miteinander und nicht gegeneinander gelöst werden können. Und wir wissen, dass es immer noch Hoffnung gibt, weil Gott etwas anfangen kann mit verdorrten Dortbüschen, Leuten, die öfter mal etwas falsch machen und solchen, die noch eine Zukunft sehen, wo andere längst aufgegeben haben.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!