18. Sonntag nach Trinitatis 11.10.20 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die
Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Unser Predigttext
steht im 5. Buch Mose Kapitel 30 in den Versen 11-14

11Denn das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht
zu fern. 12Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns
in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 13Es ist
auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns
über das Meer fahren und es uns holen, dass wir’s hören und tun? 14Denn es
ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass
du es tust.

Wir sind in der Bibel am Ende der Mosebücher und Mose verabschiedet sich.
Das Volk Israel ist aus der Gefangenschaft in Ägypten entkommen. Gott es mit
vielen Wundern begleitet und beschützt. 40 Jahre lang musste das Volk die
Regeln der Freiheit lernen und Gottvertrauen, egal wie die Situation ist.
Nun steht das Volk kurz davor, in das verheißene Land zu kommen, in das
Land, in dem Milch und Honig fließt. Viele Gesetze und Gebote gibt es in den
5 Büchern Mose. Hier wird alles noch einmal zusammengefasst: das eigentliche
ist ganz nah. In deinem Herzen. Du musst es nur tun.

Andere Völker schicken irgendwelche Helden in den Himmel, um die Mittel zum
Heil zu besorgen. Andere Völker schicken Helden über das Meer in die Ferne,
um den Zugang zu einem guten Leben zu finden. Aber das braucht ihr nicht.
Alles, was ihr braucht, ist ganz nah. In euren Herzen. Ihr müsst nur tun,
was euer Herz euch befiehlt. Was euer Gewissen euch sagt.

Das Volk muss Mose, den großen Führer verabschieden. In dem Land, das seit
40 Jahren sein Ziel ist, wohnen Riesen. Deshalb brauchen sie in dieser
Umbruchszeit die Ermutigung. Das Wort ist ganz nah bei dir, in deinem Munde
und in deinem Herzen, dass du es tust.

Ein Wort, das uns ganz nah kommt. Ein Wort, das uns ermutigt in
Umbruchssituationen.

Ein Freund hat mir folgendes erzählt. Er war vor einer schweren Operation im
Krankenhaus. Er hat in der Bibel geblättert und folgenden Vers gefunden: Er
aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren
Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres
Herrn Jesus Christus. 1. Thessalonicherbrief Kapitel 5 Vers 23. Er hat
diesen Vers, der zu den fettgedruckten Bibelstellen gehört, auswendig
gelernt und immer wieder für sich im Herzen gesagt. Das war für ihn das Wort
in seinem Mund und in seinem Herzen, das die göttliche beschützende
Gegenwart ausdrückte.

Eine Frau hat mir erzählt, dass sie vor einer Operation immer wieder die
Liedzeile gebetet hat: Größer als der Helfer ist die Not ja nicht.

Eine andere Frau, die sich eigentlich selbst nicht als besonders christlich
empfindet, betet in der Nacht, wenn sie nicht schlafen kann, Psalmverse, die
sie auswendig gelernt hat. Ich weiß nicht mehr, was es war, aber
empfehlenswert ist z.B. Psalm 37,5: Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe
auf ihn, er wird’s wohl machen. Oder gleich die Liedzeile dazu: Befiehl du
deine Wege und was dein Herze kränkt, der allertreusten Pflege, des der den
Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, der
wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Dass wir nicht singen dürfen,
hindert uns ja nicht daran, Bibelverse oder Liedtexte auswendig zu lernen
und anzuwenden.

Wie kommen wir zu dem Wort, das für uns gerade richtig ist? Ich glaube,
etwas in uns ist auf der Suche und findet das richtige. Es empfiehlt sich
nur, an der richtigen Stelle zu suchen. Wenn ich nur Popsongs höre, wird es
leicht eine Zeile aus einem Popsong. Deshalb ist Vielfalt gut. Und Texte,
die gehaltvoll sind. Aber notfalls geht alles. Und selbst wenn ich das Wort
missverstehe: der Geist Gottes, der in uns tätig ist, wirkt. Er hilft uns,
das richtige Wort zu finden. In unserem Unterbewusstsein gibt es die
richtige Deutung, die uns weiterhilft. Und dann müssen wir nur noch tun, was
in unserem Herzen ist.

In der evangelischen Kirche sind wir mehr am Wort orientiert. Die
katholische Kirche hat mehr anschauliche, körperliche, räumliche Zeichen.
Wir bekommen einen Taufspruch, einen Konfirmationsspruch, einen Trauspruch
und auch bei der Beerdigung versucht ein Bibelwort die Deutung und die
Orientierung beim Abschiednehmen. Das sind wichtige, lebenslange Bibelworte,
die für manche Menschen sehr wichtig sind. Dann gibt es die Wochensprüche,
zu denen wir immer eine kurze Deutung ins Nachrichtenblatt schreiben. Es
gibt die Losung und einen Bibellese für jeden Tag. Und dann gibt es Worte,
die in bestimmten Situationen in unser Herz dringen. Wir können sie uns
gegenseitig sagen. Denn wir sehen bei den anderen etwas, was die selbst
nicht sehen. Wenn wir einfühlsam damit umgehen, dann können von uns Worte
ausgehen, mit denen der Heilige Geist beim anderen Menschen weiterarbeiten
kann. Notfalls einfach nur durch Hören, Dabeisein, Fragen und einem anderen
Blick können wir dazu beitragen, dass das richtige Wort zur richtigen Zeit
ins Herz fällt und wirken kann. Jetzt in Coronazeiten merke, dass die
Menschen besonders offen für Gespräche sind. Weil wir in unseren Kontakten
eingeschränkt sind, werden die, die wir haben, wichtiger.



Etwas anderes finde ich an unserem Predigttext wichtig. Die 5 Bücher sind
lang. Vor allem im 3. Buch Mose gibt es viele Vorschriften, was rein und
unrein betrifft und was das Opfern betrifft. Viele Menschen, die die Bibel
einmal von vorne bis hinten durchlesen wollten, sind im 3. Buch Mose stecken
geblieben. Es brauchte bald Experten, die die Gesetze auslegen konnten.
Priester, Leviten, Gesetzeslehrer. Für die Religion, für ein gutes
Gottesverhältnis brauchte man Experten.

Im Vergleich dazu ist unser Predigttext ermächtigt unser Predigttext die
ganz normalen Menschen. Das Wort ist dir nah in deinem Herzen. Eigentlich
ist klar, was zu tun ist.  Es ist schon klar, dass lügen und stehlen und den
anderen schlecht machen nicht das sein kann, was Gott will. Es ist schon
klar, dass das Ausbeuten von Armen nicht gerecht  ist und nicht Gottes Wille
sein kann. Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir
fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor
deinem Gott. Micha 6,8  

Leider kommen immer wieder unsere Vorurteile in den Weg. Unsere Fähigkeiten,
uns selbst in die Tasche zu lügen, wenn es unserem Vorteil entspricht.

Die Ritter im Mittelalter dachten selbstverständlich, dass sie mit ihrem
Kämpfen neben den Kirchenleuten mit ihrem Beten für das Heil sorgen, und
dass die einfachen Leute nur arbeiten können und nicht die wahrhaft
christlichen Aufgaben erfüllen können. Damit befanden sich die Ritter mit
ihren Vorurteilen im Gegensatz zu Jesus, der die Kinder zu sich kommen ließ,
bei den Nichtjuden die größeren Wunder vollbrachte und die verachteten
Sünder und Zöllner annahm.

Wo die Vorurteile unserer Zeit liegen, wissen wir nicht. Und wir sind
geprägt von den Vorurteilen unserer Zeit. Um so wichtiger ist es, dass
göttliche Worte in unseren Herzen wirken und uns sagen, was wir tun sollen. 

Ein Gottesdienst ist eine hervorragende Gelegenheit dazu. Da kommen Texte
aus einer anderen Zeit uns nahe. Sie können wirken, weil wir zur Ruhe und
Besinnung kommen und dem Nachdenken, Nachsinnen, Nachbeten Raum geben.

Ich wünsche uns, dass wir die Worte finden, die unser Herz braucht. Ich
schlage manchmal das Gesangbuch zufällig auf und verlasse mich drauf, dass
bei diesem Zufälligaufschlagen schon das richtige geschieht. In der Bibel
wurde auch immer das Los geworfen. Wir müssen nur offen sein für die Worte,
die uns begegnen. Wir müssen in unserem Herzen dafür Raum geben. Und dann
bleibt nur noch das Tun.

Vertrauen wir darauf, was uns heute unser Predigttext zusagt: Denn es ist
das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es
tust.

Und der Friede Gottes…

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