18. Sonntag nach Trinitatis 16.10.22

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext heute enthält etwas für uns heute Überraschendes. Er geht davon aus, dass man sich mit dem heiligen Geist berauschen lassen kann. Die Frage lautet also: Wie geht das? Und welche Folgen hat das?

 Aber hören Sie selbst. Ich lese Epheser 5,15-20:

15Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt: Nicht voller Dummheit, sondern voller Weisheit.16Macht das Beste aus eurer Zeit, gerade weil es schlimme Tage sind.17Aus diesem Grund sollt ihr nicht unverständig sein, sondern begreifen, was der Wille des Herrn ist!18Betrinkt euch nicht mit Wein, denn das macht euch zügellos. Lasst euch lieber vom Geist Gottes berauschen.19Tragt euch gegenseitig Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder vor. Singt für den Herrn und preist ihn aus vollem Herzen!20Dankt Gott, dem Vater, zu jeder Zeit und für alles –im Namen unseres Herrn Jesus Christus.

Wir haben über diesen Text bei der letzten Kirchenvorstandssitzung besprochen. Hier kommen als jetzt Überlegungen aus diesem Gespräch.

Die Frage welche Folgen hat es, wenn man sich von dem Heiligen Geist berauschen lässt? beantwortet der Text. Man wird nicht zügellos. Man singt und lobt Gott aus vollem Herzen. Und man dankt Gott im Namen von Jesus Christus. Und das Ganze führt zu Weisheit und dass man begreift, was der Wille Gottes ist. So kann man das Beste aus seiner Zeit machen gerade wenn die Zeiten schwierig sind.

Und ich vermute mal, dass man im Gegensatz zum Rausch mit Wein oder Bier keinen Kater und keine Kopfschmerzen bekommt, und dass man auch keinen Unsinn anstellt. Aber es ist und bleibt ein Rausch.

Also bleibt die Frage: Wie mache ich das? Wie lasse ich mich mit dem Heiligen Geist berauschen? Und da ich keine Freundin von Alkohol bin, stellt sich für mich auch noch die Frage: Will ich das überhaupt. Rausch finde ich nämlich eigentlich nicht gut. Ich bin mehr dafür mit beiden Beinen praktisch auf dem Boden zu bleiben.

Andererseits: Wenn ich lese was dieser Rausch für Folgen hat, nämlich Weisheit, Verstehen, was der Wille Gottes ist und Dankbarkeit. Dann will ich das schon.

Also wie lasse ich mich vom Heiligen Geist berauschen?

Wie beim Trinken von Alkohol geht das offensichtlich besser in Gesellschaft als alleine. Der Epheserbrief geht davon aus, dass man das im Gottesdienst tut, wenn man gemeinsam singt und betet. Und das deckt sich mit Erfahrungen, die manche von uns schon gemacht haben. Eine Kirchenvorsteherin meinte. Mich hat schon mal ein Lied oder ein Vaterunser aus großen Ängsten und Sorgen herausgeholt. Und Psalmen beten, wenn es einem schlecht geht, das hilft schon öfter. Und es unterstützt, wenn man das nicht alleine tun muss, sondern andere mitbeten. Eine Anmerkung am Rande: Es ist wichtig, nicht nur in die Kirche zu gehen, wenn einem danach ist. Klar geht man in die Kirche für sich selbst. Aber man tut es auch für andere. Wir sollten nicht unterschätzen wie es auf andere Kirchenbesucher wirkt, wenn wir im Gottesdienst viele sind. Man spürt, wenn viele gemeinsam beten. Und die göttliche Gegenwart wird für die einzelnen viel präsenter. Das ist auch der wesentliche Unterschied zu digitalen Gottesdiensten. Es entsteht im Raum eine Verbundenheit untereinander. Und wir hören die Stimmen der anderen, die sich gemeinsam in Liedern an Gott wenden. Und das stärkt unseren Glauben mehr als alles, was wir zu Hause tun können.

Sich mit dem heiligen Geist erfüllen lassen, dabei helfen die anderen, die mit uns in der Kirche sind, auch.

Aber was kann ich dazu beitragen? Eine Kirchenvorsteherin meinte: Wichtig ist es demütig zu sein und sich auf das Wertvolle zu besinnen. Und eine andere meinte: Ja, wir haben schlimme Tage und wir sind an vielem selbst schuld. Aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben. Bei der Demut ist es wichtig, sich an Kleinigkeiten zur freuen, etwas zu finden, was wir loben können. Worüber wir uns im Herzen freuen können. Und wir müssen lernen diese Dinge zu sehen und zu bemerken wie wertvoll sie sind. Dabei bekommen wir eine demütige Einstellung und einen positiven Blick auf das Gute in unserem Leben, für das wir Gott danken können. Das gehört auch zum Verständigsein und zur Weisheit.

Und eine andere meinte: Im Grunde ist dieses sich vom Heiligen Geist erfüllen lassen etwas Körperliches: Mit Singen und Tanzen lobe ich Gott. Meine Stimme kommt aus meinem Körper und Ausdruck meiner Seele.

Der heilige Geist in mir verändert meine Stimmung und und schenkt mir Weisheit.

Ja, genau erzählte eine andere: Wenn ich in einer Prüfung sitze und mir gerade nichts einfällt, dann hilft mir, dass ich auf meinen Füller sehe. Auf dem Füller steht: Der Herr ist mein Hirte. Und dann fühle ich mich geborgen und dann schreibe ich weiter.

Und eine weitere: Ich habe gelernt meiner Intuition mehr zu vertrauen. Bei einer wichtigen Entscheidung in meinem Leben habe ich die Pro und Contra Argumente gegeneinander abgewogen. Und ich bin zu keinem Ergebnis gekommen. Nächtelang habe ich überlegt. Und dann habe ich mir meinen Konfirmationsspruch ins Gedächtnis gerufen und ich wusste auf einmal, dass Gott mich beschützt und mir hilft. Und dann habe ich auf mein Bauchgefühl gehört. Und es hat sich gezeigt: Das war die richtige Entscheidung. Das war für mich ein Beispiel dafür, dass der Heilige Geist auch Weisheit schenkt. Und seitdem höre ich öfter in mich hinein und vertraue meiner Intuition mehr. Und ja manchmal muss man auch ein Risiko eingehen.

Und ein anderer hat erzählt: „Ich habe Wow gesagt: Und ich wusste. Das ist der heilige Geist.“

Vom heiligen Geist erfüllt und berauscht zu werden. Das ist eine individuelle Erfahrung, die wir häufig an wichtigen Wendepunkten in unserem Leben machen. Und trotzdem ist es auch etwas Gemeinschaftliches, bei dem die anderen um uns herum eine wichtige Rolle spielen. Und es ist immer Beides: Der heilige Geist weht, wo er will und ist für uns unverfügbar. Wenn der heilige Geist uns erfüllt, dann ist das Gnade und nicht eigener Verdienst. Das wissen wir in diesem Moment sofort und sehr sicher. Aber es gilt auch das andere: Wir können uns vor dem heiligen Geist verschließen und die Chance verringern, dass der heilige Geist uns erreicht. Oder wir können mit dem heiligen Geist rechnen und uns nach den Zeichen von Gottes Gegenwart in uns und in den anderen Menschen und in der Natur umsehen und dem was da auf uns zu kommt, Aufmerksamkeit schenken. Insofern macht die Aufforderung des Epheserbriefs Sinn: Lasst euch mit dem Heiligen Geist erfüllen. Probieren wir es doch einfach mal aus. Und teilen wir die Erfahrungen, die wir dabei machen. Herzlichen Dank an die Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher, die dies am Mittwoch getan haben. Und von deren Erfahrungen wir alle heute profitiert haben. Vielen Dank!

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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