2. Weihnachtstag 26.12.22 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

unsere Wurzeln sind wichtig. Je älter wir werden, desto wichtiger wird das für uns. Die Erinnerungen an die Kindheit werden stärker. Manche Männer gehen in den Ruhestand und machen dann einen Familienstammbaum.

Unser Predigttext heute ist ein Stammbaum. Der Stammbaum Jesu. Es sind die ersten Verse des Neuen Testaments. Da ist viel Harmonie und Ordnung. 14 Generationen von Abraham bis David. 14 Generationen von David bis zur babylonischen Gefangenschaft. 14 Generationen von der babylonischen Gefangenschaft bis zu Jesus Christus. Die Harmonie durchbrechen die Frauenfiguren in diesem Stammbaum. Achten Sie beim Hören also besonders auf die Frauen.

Ich lese Matthäus 1,1-17

1Das Buch vom Ursprung

und der Geschichte von Jesus Christus,

der ein Sohn Davids und ein Nachkomme Abrahams war.

2Abraham war der Vater von Isaak,

Isaak von Jakob,

Jakob von Juda und seinen Brüdern.

3Juda war der Vater von Perez und Serach

– ihre Mutter war Tamar –,

Perez von Hezron, Hezron von Ram.

4Ram war der Vater von Amminadab,

Amminadab von Nachschon,

Nachschon von Salmon.

5Salmon war der Vater von Boas

– seine Mutter war Rahab –,

Boas war der Vater von Obed

– seine Mutter war Rut –,

Obed der Vater von Isai.

6Isai war der Vater von David, dem König,

David von Salomo –

seine Mutter war die Frau von Urija.

7Salomo war der Vater von Rehabeam,

Rehabeam von Abija, Abija von Asa,

8Asa von Joschafat,

Joschafat von Joram, Joram von Usija,

9Usija von Jotam,

Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija,

10Hiskija von Manasse,

Manasse von Amos, Amos von Joschija.

11Joschija war der Vater von Jojachin

und seinen Brüdern.

Dann kam die Verbannung nach Babylonien.

12Als die Verbannung nach Babylonien vorüber war,

wurde Jojachin Vater von Schealtiel,

Schealtiel von Serubbabel,

13Serubbabel von Abihud,

Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor,

14Azor von Zadok,

Zadok von Achim, Achim von Eliud,

15Eliud von Eleasar,

Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob,

16Jakob von Josef.

Josef war der Mann von Maria.

Maria war die Mutter von Jesus,

der Christus genannt wird.

17Alle Generationen zusammen sind:

von Abraham bis David

vierzehn Generationen,

von David bis zur Verbannung nach Babylonien

vierzehn Generationen,

von der Verbannung nach Babylonien bis zu Christus

vierzehn Generationen.

Die Frauenfiguren in diesem Stammbaum sind auch nach normalen und verbreiteten Moralvorstellungen sehr ungewöhnlich. Tamar sorgt  für ihr Recht. Sie war mit einem Sohn Judas, dem Sohn von Jakob verheiratet. Dieser ist gestorben.  Damit war sein Bruder verpflichtet, sie zu heiraten. Aber auch der starb bevor Tamar schwanger wurde. Und jetzt hätte sie den jüngsten Bruder heiraten sollen. Aber Juda verweigerte ihr ihr Recht und schob die Hochzeit hinaus, weil er fürchtete, dass die Unglück bringt. Und er auch noch seinen letzten Sohn verliert. Tamar muss sich als Hure verkleiden, um ein Kind von Juda zubekommen. Bei einem  Fest setzt sie sich als Hure an den Wegrand. Als Pfand fordert sie von ihrem Schwiegervater Juda, der ihr seinen jüngsten Sohn nicht zur Frau gibt, seinen Siegelring. Und als Tamar dann schwanger ist und wegen Ehebruch verbrannt werden soll, zeigt sie ihrem Schwiegervater den Siegelring und er muss zugeben: sie hat mehr Recht als ich. Sie zieht aus dem Elternhaus in das Haus ihres verstorbenen Mannes und gebiert Zwillinge. Und bei diesen Zwillingen geht es gleich um Recht. Der älteste streckt die Hand raus und die Hebamme wickelt ein Band darum. So gilt er als der älteste, obwohl sein Bruder eher geboren wird. Trickreich und phantasievoll für sich sorgen – das wird in dieser Geschichte nicht verurteilt, sondern mit Segen belohnt.

Tamar wird schwanger und holt sich so ihr Recht. 

Auch bei Rut geht es um das Erbe ihres verstorbenen Mannes. Auch sie muss den betreffenden Mann in eine Situation bringen, die anstößig ist und zu Tuscheleien Anlass gibt. Nachts ist sie bei ihm allein auf der Tenne beim gedroschenen Getreide. Beide Frauen sind zudem noch Ausländerinnen. Und dann ist da auch noch Rahab, die Hure aus Jericho, die vor der Eroberung der Stadt die Kundschafter Israels bei sich versteckt. Rechtzeitig erkennt sie die neue Macht, die Gott auf ihrer Seite hat.

All diese Frauen werden weder in der Erzählung ihrer Geschichte noch hier im Stammbaum Jesu getadelt. Sie haben dafür gesorgt, dass der göttliche Segen weitergeht. Indem sie für sich und ihr Recht gesorgt haben.

Die vierzehn Generationen, für die Matthäus ein bisschen  tricksen muss, sind Zahlensymbolik. Der Name David ergibt 14, wenn man die Buchstaben als Zahlen liest. Die wichtige Aussage des Stammbaums ist: Jesus gehört in die Geschichte Israels hinein. Er ist Nachkomme Davids, also der erwartete Retter der Endzeit.

In der letzten Generationenreihe gibt es nur 13 Generationen. Vermutlich  ist die Kirche die 14. Generation, die das Bild abrundet.

Die Kirche soll also das erwartete Heil und das in Jesus Christus zur Wirkung gekommene Heil in diese Welt bringen.

Was für eine Aufgabe!

2000 Jahre später sind wir als evangelische Christen in Deutschland gefühlt eine Volkskirche in Abwicklung. Was mich dabei tröstet:

Die Geschichte, in die Jesus hineingeboren wurde, ist keine einfache  Geschichte. Immer geht irgendetwas schief. Und sogar der berühmte König David, der Ahnherr des Messias ist ein Mörder und ein Ehebrecher. Er holt sich Bathseba, die Frau seines Offiziers in sein Bett und als sie schwanger von ihm ist, versucht er ihrem Mann Uria das Kind unterzuschieben. Als das nicht funktioniert, lässt er Uria im Krieg ermorden und heiratet die Witwe. Ihr Kind ist Salomo, der nächste König. Und trotzdem geht die Segenslinie damit weiter. Und auch Bathseba und David gehören zum Stammbaum Jesu. Davids Verbrechen ist ein Teil der Geschichte von Jesus.

Auch wenn wir heute vieles falsch machen. Und die Kirchengeschichte jede Menge Verfehlungen und Verbrechen enthält, auch damit geht der Segen Gottes weiter.

Wir heute werden ermutigt, darauf zu vertrauen, dass die Geschichte Gottes mit uns weitergeht, trotz unserer Fehler, unserer Schwäche, unserer Ängste, trotz allem, was schief läuft.

Die Harmonie, die der Stammbaum Jesu ausdrückt, sagt uns: verfallt nicht in hektische Aktivität. Bleibt ruhig und voller Gottvertrauen und tut das eure und eurem Platz.  Was auch geschieht, es ist in Gottes Plan. Wir können nicht aus Gottes Hand und aus Gottes Fürsorge fallen. Wir sind ein Glied, ein kleiner Bestandteil dieses göttlichen Plans. Und der Plan wirkt auch durch das hindurch, was wir falsch machen.

Wir sollen für unser Recht eintreten. Wie diese Frauen in Jesu Stammbaum. Aber zugleich glauben und wissen: für uns ist gesorgt.

Tamar, Ruth, Rahab und Bathseba sorgen trickreich und phantasievoll für sich und ihre Nachkommen. Das hat natürlich Grenzen für eine allgemeine Moral. Aber christlicher Glaube heißt nicht engstirniger Moralismus. Sondern Freiheit des Glaubens. Der feste Glaube, dass uns alles Entscheidende von Jesus Christus geschenkt ist. Und das Eintreten für Gottes Sache in dieser Welt.

Die Segensgeschichte soll weitergehen. Gott will Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung für diese Welt. Und Gott ist nicht engstirnig, was die Erfüllung seiner Gebote angeht.

Wie wir in diese  Geschichte  hineinpassen? Wir können nur mit unserem begrenzten Horizont das tun, was dran ist. Und auf Gott vertrauen, dass bei all unserem Tun Gutes bei rauskommt. Uns in Frage stellen lassen von Gottes Wort. Aber nicht von engstirnigem Moralismus.

Wenn wir heute innehalten bei diesem Gottesdienst, uns besinnen und auf unser Leben schauen, dann können wir vielleicht auch die ungewöhnlichen und schwierigen Dinge annehmen. Sie gehören in einen harmonischen Rahmen, zur Geschichte von Gottes Segen. Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Was auch immer bei uns ist, womit wir gerade unzufrieden sind – vom Standpunkt der Ewigkeit aus betrachtet ist da Segen. Gott kann aus dem, was bei uns ist, Segen machen. Uns verwandeln. Verwandeln, wie wir uns wahrnehmen. Uns, die wir hektisch und ängstlich und aktivistisch alles hinkriegen wollen, ruhig machen.

So wie der Zauber eines Gottesdienstes mit besonderer Musik uns verwandelt. Die göttliche Kraft ist für uns da. Die Kraft, die Schwieriges verwandelt und in eine Segensgeschichte einbaut.

Und der Friede Gottes…

%d Bloggern gefällt das: