22.2.26 Sündenfall Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, der Predigttext für den heutigen ersten Sonntag der Passionszeit ist die Geschichte vom Sündenfall aus 1. Mose 3 die Verse 1-24

Die Schlange war schlauer

als alle anderen Tiere des Feldes,

die Gott der Herr gemacht hatte.

Sie sagte zu der Frau:

»Hat Gott wirklich gesagt,

dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft?«

2Die Frau erwiderte der Schlange:

»Von den Früchten der Bäume im Garten

dürfen wir essen.

3Nur die Früchte von dem Baum,

der in der Mitte des Gartens steht,

hat Gott uns verboten.

Er hat gesagt:

›Esst nicht davon,

berührt sie nicht einmal,

sonst müsst ihr sterben!‹«

4Die Schlange entgegnete der Frau:

»Ihr werdet ganz bestimmt nicht sterben.

5Denn Gott weiß:

Sobald ihr davon esst,

gehen euch die Augen auf.

Ihr werdet wie Gott sein

und wissen, was Gut und Böse ist.«

6Da sah die Frau, dass dieser Baum zum Essen einlud.

Er war eine Augenweide und verlockend,

weil er Klugheit versprach.

Sie nahm eine Frucht und biss hinein.

Dann gab sie ihrem Mann davon, und auch er aß.

7Da gingen den beiden die Augen auf,

und sie erkannten, dass sie nackt waren.

Sie banden Feigenblätter zusammen

und machten sich Lendenschurze.

8Als am Abend ein kühler Wind blies,

ging Gott der Herr im Garten umher.

Der Mann und seine Frau hörten ihn kommen.

Da versteckten sie sich vor Gott dem Herrn

zwischen den Bäumen im Garten.

9Gott der Herr rief den Menschen

und fragte: »Wo bist du?«

10Der Mensch antwortete:

»Ich habe dich im Garten gehört und Angst bekommen.

Ich habe mich versteckt, weil ich nackt bin.«

11Gott fragte:

»Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist?

Hast du von dem verbotenen Baum gegessen?«

12Der Mensch entgegnete:

»Die Frau, die du mir zur Seite gestellt hast,

hat mir davon gegeben, und ich habe gegessen.«

13Da fragte Gott der Herr die Frau:

»Was hast du getan?«

Die Frau erwiderte:

»Die Schlange hat mich dazu verführt,

und ich habe gegessen.«

14Da sagte Gott der Herr zur Schlange:

»Weil du das getan hast, sollst du verflucht sein –

unter allem Vieh und allen Tieren auf dem Feld!

Auf dem Bauch wirst du kriechen

und Staub fressen dein Leben lang.

15Ich stifte Feindschaft zwischen dir und der Frau,

zwischen ihrem und deinem Nachwuchs.

Er wird dir den Kopf zertreten,

und du wirst ihn in die Ferse beißen.«

16Zur Frau sagte er:

»Jedes Mal, wenn du schwanger bist,

wirst du große Mühen haben.

Unter Schmerzen wirst du Kinder zur Welt bringen.

Es wird dich zu deinem Mann hinziehen,

aber er wird über dich bestimmen.«

17Und zum Mann sagte er:

»Du hast auf deine Frau gehört

und von dem Baum gegessen.

Ich hatte dir aber verboten, davon zu essen.

Daher soll der Erdboden deinetwegen verflucht sein!

Dein Leben lang musst du dich abmühen,

um dich von ihm zu ernähren.

18Dornen und Disteln wird er hervorbringen,

du musst aber von den Pflanzen des Feldes leben.

19Im Schweiße deines Angesichts wirst du Brot essen,

bis du zum Erdboden zurückkehrst.

Denn aus ihm bist du gemacht:

Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.«

20Der Mensch, Adam, gab seiner Frau den Namen Eva,

das heißt: Leben.

Denn sie wurde die Mutter aller Lebenden.

21Gott der Herr machte für Adam und seine Frau

Kleider aus Fellen.

Die zog er ihnen an.

22Dann sprach Gott der Herr:

»Nun ist der Mensch wie einer von uns geworden

und weiß, was gut und böse ist.

Er soll seine Hand nicht ausstrecken

und auch noch Früchte vom Baum des Lebens pflücken.

Er darf sie nicht essen, sonst lebt er für immer.«

23Da schickte Gott der Herr ihn aus dem Garten Eden weg.

Er musste von nun an den Ackerboden bearbeiten,

aus dem er gemacht war.

24Gott jagte den Menschen fort.

Östlich des Gartens Eden

stellte er Kerubim und das lodernde Flammenschwert auf.

Die sollten den Zugang zum Baum des Lebens bewachen.

Als ich meiner Frau von dem Predigttext erzählt habe, habe ich gescherzt: Hätten die damals nicht auf das Essen verzichten können! Was wäre uns erspart geblieben. Denn das hat uns alle in der Folge aus dem Paradies hinaus geworfen.

Stellen Sie sich das vor. Wir leben im Paradies. Ein herrlicher Garten. Auf den Bäumen wächst, was uns nährt. Es gibt vier Flüsse, also genug Wasser. Tiere und Pflanzen und Menschen voller Unschuld, in Frieden und Fülle lebend. Wäre das nicht schön? So etwas wie immerwährender Urlaub.

Würde es langweilig werden mit der Zeit? Es gäbe keine spannenden Serien zu kucken und keine großen Sportereignisse. Was könnten die Nachrichten erzählen? Dass Eva die Feigen am kleinen Hügel besonders gut schmecken und dass Adam sich mit einer Ziege besonders gut versteht.

Viele Ausleger meinen, dass es um die unschuldige Zeit der Kindheit geht, aus der wir alle hinaus gehen müssen. Damit müssen wir Verantwortung übernehmen. Damit begegnen wir Schmerzen und Mühe.

Ich möchte mir heute diese Geschichte darauf hin anschauen, wie wir verführt werden können. Denn heute haben wir viele Versuchungen, die uns begegnen. Und wir müssen lernen, gut damit umzugehen, damit Schmerzen und Mühe für uns gering bleiben.

Die listige Schlange fragt Eva: Hat Gott wirklich gesagt, dass ihr von keinem der Bäume im Garten essen dürft? Es beginnt also mit einem Zweifel. Und mit einer Übertreibung. Denn nur vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen war es den Menschen verboten zu essen. Misstrauen steckt in diesem Satz der Schlange. Misstrauen gegenüber Gott, dem großen Kümmerer und Versorger. Und dieses Misstrauen wirkt. Und zwar, indem es tastend, fragend, übertreibend daher kommt. Eva übertreibt mit ihrer Antwort. Sie sagt: wir dürfen die Früchte dieses Baums nicht einmal berühren. Der Zweifel, den die Schlange ausgesät hatte, hat Früchte getragen. Das Misstrauen ist da. Ausgesprochen. Und das Einfallstor für die Sünde, die Entzweiung von Gott, ist geöffnet. Die Schlange sagt: ihr werdet nicht sterben, sondern ihr werdet sein wie Gott durch die Erkenntnis von Gut und Böse. Sie sagt also: Nur aus Böswilligkeit Gottes gibt es das Verbot. Gott will euch unselbständig halten. Er will euch nicht auf Augenhöhe lassen. Eva sieht die Frucht an und wie verlockend sie ist. Das Werbeversprechen der Schlange macht die Frucht so verlockend. Wer sollte etwas dagegen haben, wichtiger zu werden. Angesehener zu werden. Mehr anerkannt zu werden. Sie ist und gibt auch Adam, der daneben steht und nicht weiter bearbeitet werden muss. Die erste Erkenntnis: sie sind nackt. Sie machen sich Lendenschurze aus Feigenblättern.

Abends im kühlen Wind geht Gott im Garten umher. Adam und Eva verstecken sich. Gott ruft: Adam, wo bist du? Adam sagt, dass er Angst bekommen hat wegen seiner Nacktheit. Die Folge der Erkenntnis ist das schlechte Gewissen und dass das Miteinander beeinträchtigt wird. Ich weiß nicht, sondern ich vermute, was die anderen über mich denken. Eine merkwürdige Erkenntnis ist das. Ein zuviel an Gedankenmachen. Ein Gedankenkarussell, das mich einsam macht. Jetzt beginnt das Spiel, die anderen verantwortlich für die eigenen schlechten Taten. Adam schiebt es auf Eva, Eva schiebt es auf die Schlange und die Schlange wird nicht mehr befragt. Die Folgen: ein Fluch für die Schlange. Sie soll auf dem Bauch kriechen und Staub fressen und es soll Feindschaft sein zwischen den Nachkommen der Schlange und den Nachkommen der Frau. Bei den Menschen ist nicht von einem Fluch die Rede. Zu den Folgen des Herausfallens aus der Unschuld des Paradieses gehören die Geburtsschmerzen und die Unterdrückung der Frau durch den Mann und die Arbeitsmühsal und das Bewusstsein des Sterbenmüssens.

Aber Gott kümmert sich auch um seine Menschen. Er macht ihnen Kleider aus Fellen. Er schickt sie heraus aus dem Garten Eden. Jenseits von Eden müssen sie nun leben. Das Paradies aber ist verschlossen durch mächtige Engel mit einem lodernden Flammenschwert.

Liebe Gemeinde, uns bleibt nur zu bitten: führe uns nicht in Versuchung. Die Passionszeit hilft uns, uns bewusst zu machen, wo wir im Alltag vielleicht auf etwas verzichten können oder etwas ändern können, um gut zu leben. Gott will, dass seine Menschen gut leben können. Er hat die Todesdrohung nicht umgesetzt. Aber wir müssen mit der Wirklichkeit des Todes und seiner Bitterkeit leben. Und darüber nicht das Gottvertrauen verlieren. Wir bekommen dazu heute eine Stärkung. Das Mahl der Unsterblichkeit, wie es in der alten Kirche genannt wurde. Das uns verbindet mit dem lebendigen Gott, über unsere Sterblichkeit hinaus.

Und der Friede Gottes….