Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde, liebe Gnadenkonfirmandinnen und Gnadenkonfirmanden, liebe Mitglieder des Ortsausschusses und die es werden wollen,
wir befinden uns kurz vor Ostern, heute ist Palmsonntag. Jesus zieht in Jerusalem ein. Es geht auf den Showdown zu. Die Hoffnungen seiner Anhänger steigen. Sie denken er wird als Messias in Jerusalem die Macht übernehmen und die Römer vertreiben. Sie bereiten sich auf wichtige Jobs in der neuen Regierung vor. Aber Jesus weiß es besser. Er sagt es seinen Freunden auch: Ich werde leiden müssen. Ich werde sterben. Aber da hören die lieber weg. Aber nicht alle verleugnen das, was auf Jesus zukommt. Da ist eine Frau, die mit Jesus fühlt.
Ich lese Markus 14,1-9:
1Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest
und den Tagen der ungesäuerten Brote.
Die führenden Priester und die Schriftgelehrten
suchten nach einer Möglichkeit,
Jesus mit einer List zu verhaften und umzubringen.
2Sie sagten aber: »Auf gar keinen Fall während des Festes,
damit es keine Unruhe im Volk gibt.«
3Jesus war in Betanien.
Er war zu Gast bei Simon, dem Aussätzigen.
Als er sich zum Essen niedergelassen hatte,
kam eine Frau herein.
Sie hatte ein Fläschchen mit Salböl dabei.
Es war reines kostbares Nardenöl.
Sie brach das Fläschchen auf
und träufelte Jesus das Salböl auf den Kopf.
4Einige ärgerten sich darüber und sagten zueinander:
»Wozu verschwendet sie das Salböl?
5Das Salböl war über 300 Silberstücke wert.
Man hätte es verkaufen
und das Geld den Armen geben können.«
Sie überschütteten die Frau mit Vorwürfen.
6Aber Jesus sagte: »Lasst sie doch!
Warum macht ihr der Frau das Leben schwer?
Sie hat etwas Gutes an mir getan.
7Es wird immer Arme bei euch geben,
und ihr könnt ihnen helfen, wann immer ihr wollt.
Aber mich habt ihr nicht für immer bei euch.
8Die Frau hat getan, was sie konnte:
Sie hat meinen Körper im Voraus
für mein Begräbnis gesalbt.
9Amen, das sage ich euch:
Auf der ganzen Welt
wird man die Gute Nachricht von mir verkünden.
Dann wird man auch erzählen, was sie getan hat.
So wird man sich immer an sie erinnern.«
Wahrscheinlich ist Jesus zunehmend verzweifelt. Er sieht seinem Ende entgegen und seine Freunde sind voller Vorfreude auf das, was da kommen wird. Und diese Freunde reagieren schon wie eine zukünftige Regierung. Wir müssen für die Armen sorgen. So eine Verschwendung können wir nicht dulden. Was will diese dahergelaufene Frau eigentlich. Wir sind für die Verwaltung von Jesu Vermögen zuständig. Was mischt sie sich in unsere Angelegenheiten ein. Wenn Jesus etwas braucht, dann kümmern wir uns darum. Sie vereinnahmen Jesus für ihre Pläne und ihre Hoffnungen und sie hören ihm nicht zu.
Aber eine Frau hat zugehört. Eine Frau hat begriffen, was wirklich passieren wird. Eine Frau hat Mitgefühl mit Jesus. Sie versteht, dass er jetzt Mitgefühl und Ermutigung braucht. Und sie fragt nicht lange, sondern tut, was sie kann. Egal wieviel es kostet. Und Jesus erkennt das an. Und Jesus sagt: Ihr gehört die Zukunft. An sie wird man sich erinnern, später wenn eure Pläne geplatzt sein werden und etwas ganz anderes passiert ist als ihr erhofft und erwartet.
Diese unbekannte Frau wird zum Vorbild für seine Anhänger. Sie wird zum Vorbild, weil sie besser als seine Anhänger verstanden hat, worum es Jesus geht, worum es im christlichen Glauben geht.
Es geht um Mitgefühl. Es geht um Nächstenliebe. Es geht darum zu sehen, was dran ist, was die Situation erfordert und es dann zu tun. Und es geht darum zu erkennen, was andere gerade brauchen.
Deshalb ist der sich überall auf der Welt ausbreitende Rechtsradikalismus so dem christlichen Glauben entgegen gesetzt. Weil die Rechtsradikalen versuchen Mitgefühl auszuschalten, sich weigern, sich in andere Menschen einzufühlen, ihr angebliches Recht gegen die Bedürfnisse anderer gnadenlos durchzusetzen versuchen. Stärke verehren statt Freundlichkeit. Barmherzigkeit ablehnen. Das ist das Gegenprogramm zum christlichen Glauben.
Der christliche Glaube lebt davon, den anderen wahrzunehmen und anzunehmen und ihm zuzuhören und seine Rechte und Wünsche genauso ernst zu nehmen wie die eigenen Rechte und Wünsche und dann Wege zu finden wie es dem anderen und einem selbst gut gehen kann. Und da ist egal wo der oder die andere herkommt. Einfühlungsvermögen ist dafür der Schlüssel. Verständnis füreinander ist der Weg wie Zusammenleben funktioniert.
Jesus hat sich entschieden nicht die Macht zu übernehmen wie seine Anhänger das wollten und wie er das möglicherweise gekonnt hätte. Er hat sich entschieden, dem Weg Gottes zu folgen, dem Weg lieber selbst zu sterben als die anderen in einem Aufstand zu opfern. Er hat sich entschieden auf Mitgefühl und Verständigung zu setzten und für Nächstenliebe einzutreten statt Macht und Gewalt auszuüben, um seine Ziele durchzusetzen. Und er war damit unendlich viel erfolgreicher als er auf dem anderen Weg hätte sein können. Seine Herrschaft in Jerusalem wäre heute längst Geschichte an die sich niemand mehr erinnert. Statt dessen haben wir heute eine Weltreligion, die überall auf der Erde das Programm Jesu erklärt und zu leben versucht. Milliarden von Menschen lesen heute, wie Jesus gelebt hat, was er getan hat und auch was diese unbekannte Frau getan hat, als sie mit Jesus Mitgefühl gezeigt hat.
Im Christentum geht es um Mitgefühl. Es geht um Nächstenliebe.
Und natürlich geht es auch um Jesus, darum Jesus zu ehren, Jesus zuzuhören, Jesus zu folgen. So zu handeln wie Jesus es gerne gesehen hätte. Natürlich ist das schwer. Das sehen wir an den Anhängern Jesu als er noch unter ihnen gelebt hat. Selbst als sie jeden Tag mit ihm unterwegs gewesen sind, haben sie ihn doch immer wieder missverstanden und haben nur ihre eigenen Wünsche und Ideen im Kopf gehabt und wollten seinen Weg nicht mit ihm gehen. Das ist heute immer noch die Gefahr, dass wir unsere Vorstellungen versuchen durchzusetzen anstatt den anderen wirklich zuzuhören und ihre Wünsche und Ideen mit in unsere Überlegungen einzubeziehen. Aber genau das ist unsere Aufgabe als Christinnen und Christen und das ist auch die Aufgabe des neuen Ortsausschusses, den wir im Anschluss an diesen Gottesdienst wählen werden. Jesus folgen, Nächstenliebe in den Mittelpunkt stellen und einander zuhören. Ich bin optimistisch, dass das oft gelingen wird. Denn als Christinnen und Christen machen wir immer wieder die Erfahrung, Jesus Christus zu ehren, tut uns gut. Uns daran zu erinnern, was er getan hat und wie er gelebt hat, ermutigt uns, darauf zu achten wie wir auch anderen helfen und ihnen Verständnis entgegen bringen können. Klar ist das alles nicht so einfach, wenn man älter wird und nicht mehr so kann wie früher. Trotzdem, was immer noch geht ist anderen zuhören, freundlich sein, andere ermutigen. Sich bei denen bedanken, die einem helfen. Das geht in jedem Alter. Also ist es auch in jedem Alter möglich, Jesus zu folgen, Jesus zu ehren und Nächstenliebe zu üben.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!