4. Sonntag nach Trinitatis 10.7.22

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

das Thema heute ist: Jesus streitet sich mit seinen Jüngern. Und Jesus leidet darunter, dass seine Jünger so schwer von Begriff sind und sie ihn immer wieder falsch verstehen. Er geht auf seinen Tod zu und sie rangeln um die besten Plätze in seinem Reich. Petrus verspricht vollmundig, dass er bereit ist mit Jesus in den Tod zu gehen, aber wenn es ernst wird, wird er ihn dreimal verleugnen. Sie gehen durch das Gebiet von Samaria und erfahren Ablehnung. Die Jünger verlangen von Jesus, dass er Feuer vom Himmel regnen lässt und die Samaritaner vernichtet. Jesus schüttelt nur den Kopf.

Die Beziehungen zwischen Jesus und den Jüngern sind kompliziert. Jesus beruft sie. Sie folgen ihm, weil sie beeindruckt sind oder die einmalige Chance nicht vorüber gehen lassen wollen. Aber sie wissen nicht wirklich worauf sie sich einlassen. Jesus weiß es. Er beruft völlig unterschiedliche ziemlich normale Männer. Und natürlich weiß er, dass sie noch viel lernen müssen. Unter seinen Jüngern sind verheiratete und unverheiratete, da gibt es Zöllner und Pharisäer, da gibt es reiche und arme. Und in dem ganzen Troß ziehen auch noch Frauen mit. Kein Wunder, dass es schwer ist, dass sich diese unterschiedlichen Menschen verständigen. Und es ist schwer dafür zu sorgen, dass alle mit ihren unterschiedlichen Vorstellungen und Lebenswelten verstehen, was Jesus von ihnen will. Jesus mutet sich die anstrengende Aufgabe zu so viele unterschiedliche Personen zu unterrichten, damit möglichst viel von der Botschaft ankommt, dass Jesus für alle gekommen ist und möchte, dass alle dazu gehören. Ihm war schon klar, dass das für seine jünger ungewohnt war und dass es zu Konflikten führen würde. Aber diese Botschaft ist für Jesus so wichtig, dass er sich mit ihnen auch praktisch leben möchte.

Aber manchmal wird es Jesus auch zu viel und er verliert  die Geduld. Andererseits hat Jesus gewaltige Anforderungen an seine Jünger. Und er traut ihnen Dinge zu, die sie sich selbst niemals trauen würden. Zum Beispiel schickt er sie jeweils zu zweit aus. Sie sollen nichts mitnehmen und auf die Menschen angewiesen sein, zu denen sie gehen. Und sie sollen Dämonen austreiben und heiligen und die frohe Botschaft von der Liebe Gottes zu allen Menschen verkünden. Und als sie zurück kommen, erzählen sie sich gegenseitig überrascht. Ja, es hat geklappt. Wir haben Macht über die Dämonen. Die Leute haben uns zugehört und wir konnten heilen. Jesus traut seinen Jüngern und auch allen anderen Menschen unglaubliches zu. Er sagt solche Sätze wie. „Dein Glaube hat dir geholfen!“ Das sagt er oft nach seinen Heilungen. Aber einmal als seine Jünger ein Kind nicht heilen konnten, wird Jesus sauer und beschwert sich darüber, dass sie zu wenig Vertrauen haben und dann sagt er zu ihnen: „Wenn euer Glaube nur so groß ist wie ein Senfkorn , könnt ihr diesem Berg befehlen: ›Geh von hier nach dort!‹ – Und er wird dorthin gehen. Dann wird für euch nichts unmöglich sein.“ Ja, Jesus stellt hohe Anforderungen an seine Jünger. Er traut ihnen aber auch unglaublich viel zu. Und manchmal ist sein Zutrauen zu ihnen auch berechtigt. Manchmal sind die Jünger hoffnungslos überfordert.

Und so ist das auch mit uns heute. Wir sind ja auch Jünger Jesu. Und ich glaube wir haben ganz genau die gleichen Probleme wie die Jünger damals. Wir sind total unterschiedlich und haben manchmal Probleme einander zu verstehen. Wir verstehen Jesus auch ganz unterschiedlich. Wir folgen Jesus. Wir gehen in die Kirche. Wir hören uns an, was Jesus uns zu sagen hat. Und wir versuchen unser Bestes. Aber die Ergebnisse sind mal besser und mal schlechter.

Ich hab mir in diesem Monat mal wieder den alten Spruch anhören müssen: Ich bin ja so keine Kirchengängerin, aber ich bemühe mich doch anderen zu helfen. Und die sind auch nicht besser, die immer in die Kirch renne.

Ich bin wirklich genervt von solchen Sprüchen und ich habe mich zurück gehalten aber das nächste Mal antworte ich: Ja, mit in die Kirch renne und mit anderen mal helfen ist es ja im christlichen Glauben wirklich nicht getan: Die Ansprüche von Jesus sind sehr viel höher: Eigentlich müssten wir alle einen Glauben haben, der Berge versetzt. Jesus traut uns zu, dass wir

  1. Verständnis und Liebe aufbringen für Leute, die ganz anders sind als wir, also zum Beispiel jeden Sonntag in die Kirch renne oder auf Konzerte mit so lauter Musik gehen, dass uns die Ohren weh tun würden. Und wir wissen, dass wir auch mit solchen Leuten zusammen gehören.
  2. Jesus traut uns zu, dass wir Macht über die Dämonen haben. Und Macht über Dämonen ist eine gewaltige Aufgabe: Das heißt dass wir unseren Süchten nicht erlauben uns und Menschen, die uns nahe stehen zu zerstören. Das ist echt schwer. Dazu gehört auch der Werbung nicht auf den Leim zu gehen und uns zu überlegen, was wir wirklich wollen und nicht neidisch auf diejenigen zu sein, die alles mögliche haben, was wir gar nicht brauchen. Macht über die Dämonen heißt eben auch nicht der in unserer Gesellschaft allgegenwärtigen Gier verfallen.
  3. Und Jesus traut uns zu, dass wir andere heilen – und zwar nicht nur wenn wir in einem medizinischen Beruf arbeiten. Ich glaube, wir können alle dazu beitragen, dass andere und auch wir selbst geheilt werden. Klar unser Weltbild ist heute anders. Damals war man daran gewöhnt, dass es Wundertäter gibt und dass diese etwas Bestimmtes sagen oder tun und dann Heilung auftritt. Das sehen wir heute eher skeptisch. Und wir würden uns auch weigern zu einem Gelähmten zu sagen: „Steh auf und gehe!“ Damals habt Jesus seinen Jüngern und sich selbst Wunderheilungen zugetraut. Und das hat auf dem Hintergrund einer anderen Vorstellung von der Welt wohl auch manchmal funktioniert. Ich glaube aber trotzdem, dass auch wir heute mit unserem naturwissenschaftlich geprägten Weltbild auch wenn wir keine Tabletten verschreiben dürfen, etwas zu Heilungen beitragen können. Denn genau wie Worte verletzen können. So können Worte auch heilen. Wir können wie Jesus auf Leute zugehen und ihnen etwas zutrauen. Wir können Leuten zuhören und sie ermutigen. Das hat meines Erachtens alles heilende Wirkungen. Auch wenn es nicht sofort Wunder wirkt.

Jesus hatte für jeden seiner Jünger eine Aufgabe und Jesus hat jedem seiner Jünger etwas zugetraut und zwar mehr als er sich selbst zugetraut hat. Und Jesus ist davon ausgegangen, dass der Glaube Berge versetzen kann. Und deshalb sind wir hier in der Kirche. Wir begegnen hier einer Macht, die in unserer Gesellschaft massiv unterschätzt wird. Diese Macht kann unser Leben halten und beschützen und zum Besseren verändern. Und sie kann in eine Welt ausstrahlen, die nichts mehr braucht als Vertrauen zu den anderen Menschen, Vertrauen zu Gott und zu sich selbst und die Hoffnung, dass Gott am Ende alles gut machen wird und wir nicht auf eine Katastrophe sondern auch ein gutes Ende zugehen.

Dieses Vertrauen brauchen wir heute mehr denn je. Und wo sollen wir es finden, wenn nicht bei Gott und in der Kirche?

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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