5.4.26Auferstehung Dialog

Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Ostern, wir feiern die Auferstehung Jesu. Dazu hat uns Paulus wichtiges zu sagen:

Ich lese 1. Korinther 15,19-28

19Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen,

sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen.

Christus ist der Erste, der auferweckt wurde

20Nun ist Christus aber vom Tod auferweckt worden,

und zwar als Erster der Verstorbenen.

21Denn durch einen Menschen kam der Tod in die Welt.

So bringt auch ein Mensch die Auferstehung der Toten.

22Weil wir mit Adam verbunden sind,

müssen wir alle sterben.

Weil wir aber mit Christus verbunden sind,

werden wir alle lebendig gemacht.

23Das geschieht für jeden nach dem Platz,

den Gott für ihn bestimmt hat:

Als Erster wird Christus auferweckt.

Danach, wenn er wiederkommt,

folgen alle, die zu ihm gehören.

Albrecht: 24Dann kommt das Ende:

Christus übergibt Gott, dem Vater, seine Herrschaft.

Zuvor wird jede andere Herrschaft, jede Gewalt

und jede Macht vernichtet.

25Denn Christus muss so lange herrschen,

bis Gott ihm alle seine Feinde zu Füßen gelegt hat.

26Der letzte Feind, den er vernichten wird, ist der Tod.

27Denn alles hat Gott ihm zu Füßen gelegt.

Das bedeutet: Alles ist ihm unterworfen.

Eines ist jedoch offenkundig:

Davon ist der ausgenommen,

der ihm alles unterworfen hat – Gott.

28Sobald ihm nun alles unterworfen ist,

wird auch der Sohn selbst sich unterwerfen:

Er wird sich Gott unterwerfen,

der ihm alles unterworfen hat.

Das geschieht,

damit Gott alles umfasst und in allem gegenwärtig ist.

Elke: 19Wenn wir nur für dieses Leben auf Christus hoffen, sind wir bedauernswerter als alle anderen Menschen. Das finde ich auch. Wir sind auf moralische Maßstäbe verpflichtet. Alle tricksen, lügen und betrügen. Sie kümmern sich nur um sich selbst und nehmen jeden Vorteil mit, den sie kriegen können. Aber wir vertrauen auf Jesus Christus und versuchen uns an die Regeln zu halten und uns moralisch zu benehmen. Das ist kein ausgeglichener Wettbewerb. Es ist unfair.

Albrecht: Nein, so kannst du das nicht sehen. Versuchen sich moralisch zu benehmen ist nicht das gleiche wie moralisch handeln. Wenn man eine Statistik führen würde: Handeln Christinnen und Christen moralischer als andere Menschen, wäre ich mir nicht sicher, ob die wirklich zu Gunsten des Christentums ausginge.

Elke: Doch, das ginge sie. Allein durch ihre Kirchenmitgliedschaft fördern Evangelische und Katholische jede Menge soziale Belange. Allein das ist schon ein Unterschied zur Gesamtbevölkerung.

Albrecht: Ja gut, aber leben Leute, die mehr tricksen, lügen und betrügen wirklich besser als Menschen, die sich an die Regeln halten?

Elke: Naja, vermutlich haben sie mehr Geld und bessere Jobs.

Albrecht: Nein, das glaube ich nicht. Es gibt eine Untersuchung von Harvard, eine 75 Jahre lange Langzeituntersuchung über die Frage, welche Kinder später die besten Karrieren machen. Das Ergebnis ist völlig überraschend. Es sind nicht die mit den guten Noten und auch nicht die, viele Freizeitaktivitäten pflegen. Es sind diejenigen, die im Haushalt mithelfen. Denn diese Kinder lernen früh Verantwortung zu übernehmen und das tun sie auch im Beruf und damit haben sie bessere Aufstiegschancen als die anderen, denen immer alles hinterhergetragen wurde.

Elke: Und was willst du jetzt damit sagen?

Albrecht: Ich glaube, dass es Menschen, die etwas für andere tun besser geht als Menschen, die nur an sich selbst denken.

Elke: Du meinst, sie leben bessere Beziehungen, sie sind angesehener und im Beruf erfolgreicher, weil sie besser mit anderen zusammenarbeiten.

Albrecht: Genau. Also auch wenn es keine Auferstehung von den Toten gäbe, und wir uns nur hier in diesem Leben auf Christus verlassen würden, auch dann wäre das besser für uns als wenn wir tricksen, lügen und betrügen. Allein die Wahrscheinlichkeit nicht im Gefängnis zu landen ist damit sehr viel höher.

Elke: Also gut, christliches Leben würde sich auch lohnen, wenn es keine Auferstehung von den Toten gäbe.

Paulus sieht das also falsch?

Albrecht: Ja, nicht ganz falsch. In seiner Zeit hatte er es mit Christenverfolgung und viel Ablehnung seines Glaubens zu tun. Das ist anders als heute.

Elke: Wie ist es dann mit den anderen Argumenten des Paulus?

Albrecht: So ganz glücklich bin ich damit auch nicht. Da ist ziemlich viel Hierarchie und Macht die Rede, von Unterwerfung und Kampf. Es wirkt wie ein Fahrplan für die Weltgeschichte. Und im Zentrum des Kampfes steht Christus.

Elke: Dann sieh doch mal genauer hin, was in dem Kampf passiert und wie das Ergebnis sein soll.

Albrecht: Ok, also wir alle werden wieder lebendig gemacht. Jede Gewalt und jede Macht wird vernichtet.

Elke: Das ist doch die beste Nachricht, die man sich vorstellen kann. Schluss mit all den autokratischen Herrschern, die ihre Völker unterdrücken und die Welt gefährden. Das ist das Ende von allen Kriegen. Keine häusliche Gewalt gegen Frauen mehr. Keine Morde mehr an Frauen durch ihre Partner oder ehemaligen Partner. Überhaupt kein gewaltsamer Tod mehr. Kein Mobbing mehr, keine ungerechten Chefs. Unfassbar, einfach nichts Böses mehr. Sich so etwas überhaupt vorzustellen. Mich wundert, dass damals jemand wie Paulus dazu überhaupt im Stande war.

Albrecht: Und der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. Ja, ich gebe zu, das ist eine wirklich umfassende Veränderung von allem. Das ist eine Vision, die man sich erst mal trauen muss. Wenn heute jemand so etwas sagen würde, dann würde man ihn sofort als verrückt erklären. Aber hier findet sich das im Brief des Paulus vor 2000 Jahren. Das ist unfassbar, oder?

Elke: Ja, soviel Optimismus, soviel Hoffnung für diese Welt, soviel Vertrauen darauf, dass Gott am Ende alles gut machen wird. Das traut sich heute niemand mehr ernsthaft zu sagen.

Albrecht: Und dabei geht es nicht nur um das Ende vor Herrschaft und Gewalt um die Vernichtung des Todes. Hier traut sich Paulus das Ziel der Weltgeschichte zu benennen. Ziel der Weltgeschichte ist, dass Gott alles umfasst und in allem gegenwärtig ist. Das ist einfach traumhaft schön. Das Böse wird vergehen und alle werden in der vollständigen Gegenwart Gottes leben. Darauf wird alles hinauslaufen.

Elke: Was das für den Sinn unseres Lebens bedeutet, ist doch unfassbar. Wir sind Teil eines Prozesses, in dem die Welt sich auf Güte und Mitgefühl und Nächstenliebe zubewegt. Und Christus, der im Endeffekt diesen Prozess abschließen und die Herrschaft Gott übergeben wird, dieser Christus hat schon angefangen alles zu verändern. Und wir, wir sind mittendrin in diesem Prozess und können jetzt schon etwas dazu beitragen, weil wir ja zu Christus gehören. Und bereits bevor dieser Prozess abgeschlossen ist und alles gut geworden ist, haben wir als Christinnen und Christen schon Zugang zu diesem Endergebnis der Weltgeschichte. Wir können jetzt schon mit Christus leben, der diesen ganzen Prozess der Weltgeschichte beherrscht. Wir werden Christus in die Auferstehung von den Toten folgen. Da ist sich Paulus sicher.

Albrecht: Genau, zusätzlich zu allem, was gut ist am christlichen Leben hier in dieser Welt, haben wir auch noch Zugang zu dem, was gut sein wird, in der kommenden Welt.

Elke: Wir gehen also durch den Tod hindurch in eine Ewigkeit, die von Gottes umfassender Macht bestimmt wird, auf etwas zu, wo es für alle umfassend gut werden wird. Hier ist Paulus ziemlich nahe an dem, was in der Theologie Allversöhnung heißt. Er hat die Vision eines guten Ausgangs nicht nur für Christinnen und Christen sondern für alle.

Albrecht: Heute können wir uns Paulus dabei nur anschließen. Heute können wir uns die Güte Gottes nur so vorstellen, dass es  nur ein Frage der Zeit ist, bis alle einbezogen werden in das gute Ende der Weltgeschichte.

Elke: Im Grunde ist der christliche Glaube die optimistischste und hoffnungsvollste Vorstellung über diese Welt und ihr Ziel, das möglich ist.

Albrecht: Und deshalb finde ich es auch sehr unverständlich, wie man daran festhalten kann, dieses Universum für zufällig die Geschichte für ziellos zu halten. Diese depressive Weltsicht braucht niemand.

Elke: Nein, wir glauben an die Auferstehung von Toten und das ewige Leben und dass am Ende Gottes alles in allem sein wird.und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.