Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Ostermontagsgemeinde 2026, unsere Geschichte heute ist ein Bild, wie wir Gott das abgeben können, was schwer ist. Und wie wir das annehmen können von Gott, was uns jetzt hilft. Es ist ein Weg, den wir mit den Emmausjüngern gehen. Auf diesem Weg reden wir und hören wir. Und wir kommen von dem Erschrecken über etwas Schlimmes dazu, mit Hoffnung und einem neuen Blick in diese schwere Lage zurück zu gehen. Ich lese Lukas 24, 13-35 13Am selben Tag waren zwei Jünger unterwegs
zu dem Dorf Emmaus.
Es lag gut zehn Kilometer von Jerusalem entfernt.
14Sie unterhielten sich über alles,
was sie in den letzten Tagen erlebt hatten.
15Während sie noch redeten und hin und her überlegten,
kam Jesus selbst dazu und ging mit ihnen.
16Aber es war, als ob ihnen jemand die Augen zuhielt,
und sie erkannten ihn nicht.
17Er fragte sie:
»Worüber unterhaltet ihr euch auf eurem Weg?«
Da blieben sie traurig stehen.
18Einer von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete:
»Du bist wohl der Einzige in Jerusalem, der nicht weiß,
was dort in diesen Tagen passiert ist?«
19Jesus fragte sie: »Was denn?«
Sie sagten zu ihm: »Das mit Jesus aus Nazaret!
Er war ein großer Prophet.
Das hat er durch sein Wirken und seine Worte
vor Gott und dem ganzen Volk gezeigt.
20Unsere führenden Priester
und die anderen Mitglieder des jüdischen Rates
ließen ihn zum Tod verurteilen und kreuzigen.
21Wir hatten doch gehofft,
dass er der erwartete Retter Israels ist.
Aber nun ist es schon drei Tage her,
seit das alles geschehen ist.
22Und dann haben uns einige Frauen,
die zu uns gehören, in Aufregung versetzt:
Sie waren frühmorgens am Grab.
23Aber sie konnten seinen Leichnam nicht finden.
Sie kamen zurück und berichteten:
›Wir haben Engel gesehen.
Die haben uns gesagt, dass Jesus lebt!‹
24Einige von uns sind sofort zum Grab gelaufen.
Sie fanden alles so vor, wie die Frauen gesagt haben –
aber Jesus selbst haben sie nicht gesehen.«
25Da sagte Jesus zu den beiden:
»Warum seid ihr so begriffsstutzig?
Warum fällt es euch so schwer zu glauben,
was die Propheten gesagt haben?
26Musste der Christus das nicht alles erleiden,
um in die Herrlichkeit seines Reiches zu gelangen?«
27Und Jesus erklärte ihnen,
was in der Heiligen Schrift über ihn gesagt wurde –
angefangen bei Mose bis hin zu allen Propheten.
28So erreichten sie das Dorf,
zu dem sie unterwegs waren.
Jesus tat so, als wollte er weiterziehen.
29Da drängten sie ihn: »Bleib doch bei uns!
Es ist fast Abend, und der Tag geht zu Ende!«
Er ging mit ihnen ins Haus und blieb dort.
30Später ließ er sich mit ihnen zum Essen nieder.
Er nahm das Brot, dankte Gott,
brach das Brot in Stücke und gab es ihnen.
31Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen,
und sie erkannten ihn.
Im selben Augenblick verschwand er vor ihnen.
32Sie sagten zueinander:
»Brannte unser Herz nicht vor Begeisterung,
als er unterwegs mit uns redete
und uns die Heilige Schrift erklärte?«
33Sofort brachen sie auf
und liefen nach Jerusalem zurück.
Dort fanden sie die elf Jünger beieinander,
zusammen mit allen anderen, die zu ihnen gehörten.
34Die Jünger riefen ihnen zu:
»Der Herr ist wirklich auferstanden!
Er hat sich Simon gezeigt!«
35Da erzählten die beiden,
was sie unterwegs erlebt hatten –
und wie sie den Herrn erkannt hatten,
als er das Brot in Stücke brach.
Die beiden Jünger gehen weg von Jerusalem. Dort ist Jesus gestorben. Die Gerüchte über die Auferstehung können sie nicht glauben. Sie gehen zurück in das Leben, das sie geführt hatten, bevor sie Jesus begegnet sind. Ihre Hoffnung ist enttäuscht worden. Sie reden hin und her, aber sie drehen sich dabei im Kreis. Sie bestärken sich nur gegenseitig in ihrer fruchtlosen Klage.
Dann kommt einer dazu, der das Geschehen nicht zu kennen scheint. Sie müssen also das Erlebte so erzählen, dass es ein Fremder verstehen kann. Dazu müssen sie das alles ordnen. Sie hören auf, sich im Kreis zu drehen. Sie geben dem Geschehenen eine Gestalt. Dann legt ihnen der unbekannte Begleiter die Schrift aus. Er gibt dem Ganzen eine Deutung. Alles, was so sinnlos schien, ergibt nun einen Sinn. Jesus, der verheißene Retter, musste sterben. Das gehört zu Gottes Plan. Während der Unbekannte ihnen einen neuen Blick schenkt, brennt ihr Herz. In ihnen wird etwas verändert. Eine große Veränderung passiert da. Ihr Herz brennt. Die Gefühle, die sie nicht weiterbringen, die sie einsperren in ihrer Klage, die nicht weiterhelfen, die werden verbrannt. Beiseite geschoben. Überwunden. Überwunden durch einen neuen Blick. Das, was so sinnlos und bitter erschien – es gehört zu Gottes Plan. Das, was wie ein Niedergang aussah – es ist der Beginn von etwas Neuem und Gutem. Das, was aussah wie ein bitteres Ende – es kann der Anfang von etwas sehr Segensreichem sein. All das geschieht beim Zuhören und Gehen. Ihr Herz brennt. Und verbrennt alles, was sie abhält davon, die Möglichkeiten Gottes in ihrem Leben zu sehen.
Sie kommen an ihr Haus. Es ist Abend. Sie laden den Unbekannten ein. Aus Höflichkeit und Gastfreundschaft, aber auch aus dem Wunsch heraus, noch mehr von ihm zu hören. Der Unbekannte bricht das Brot, spricht das Dankgebet und reicht ihnen das Brot. Da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen. Das ist ja Jesus. Und zugleich verschwindet er. Die Begegnung mit dem Auferstandenen hat ihr Ziel erreicht. Jetzt erkennen sie: unser Herz brannte. Jetzt erkennen sie: das Gerücht, das die Frauen vom leeren Grab mitgebracht haben, ist glaubwürdig. Sie eilen die 10 km nach Jerusalem zurück. Und auch die Jüngerinnen und Jünger dort glauben inzwischen. Der Auferstandene hat sich auch Petrus gezeigt.
Jürgen Habermas, der verstorbene Philosoph, hat eine Theorie des kommunikativen Handelns entwickelt. Unsere Gesellschaft soll darauf beruhen, dass wir einander zuhören und nur auf den zwanglosen Zwang des besseren Arguments hören. Nicht auf Manipulation oder Machtsignale.
Ich finde, wir können an unserer Geschichte eine Theorie des kommunikativen Handelns für den christlichen Glauben entwickeln.
Wir sagen Gott im Gebet, was los ist. Dabei gestalten wir das, was uns belastet. Und wir nehmen dabei ein wenig schon den Standpunkt der Ewigkeit ein. Das, was mir jetzt so groß und wichtig erscheint – es ist nur ein kleiner Teil von Gottes Plan.
In der Begegnung mit anderen Menschen kann uns unerkannt Jesus begegnen. Auch in denen, die unsere Hilfe brauchen. Aber auch in denen, die uns widersprechen. Und in denen, die einen anderen Blick auf die Welt haben.
Wichtig ist: Wo sind Gottes Möglichkeiten in meinem Leben jetzt? Wo kann in mir das verbrennen, was mich daran hindert, diese göttlichen Möglichkeiten zu nutzen?
Wichtig ist die Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen. Wir erzählen einander, was los ist und gestalten es dabei. Wir sind miteinander auf dem Weg und wissen und glauben: Jesus geht mit. Er hört zu, wenn wir es brauchen. Er widerspricht uns, wenn wir es brauchen. Er bricht uns das Brot, wenn wir es brauchen. Und er lässt uns unseren eigenen Weg gehen, wenn es dran ist. Wichtig dabei ist, dass wir die Gemeinschaft mit den Mitchristen pflegen, die Jesus auf ihre Weise erleben. Indem wir uns davon erzählen, wird der Auferstandene unter uns gegenwärtig.
Ich wünsche uns allen für den Weg, der für uns dran ist, dass Jesus mitgeht. So wie wir es gerade brauchen. Und dass wir die Möglichkeiten Gottes in unserem Leben sehen und ergreifen können.
Und der Friede Gottes…