Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde, heute geht es um die Nachfolge. Wir Christen sind aufgefordert, Jesus Christus nachzufolgen. Wie können wir uns das vorstellen?
Die ersten Jüngerinnen und Jünger sind Jesus hinterher gelaufen durch das Land. Und sie haben von ihm gelernt. Irgendwann konnten sie genug und Jesus hat sie selbst durch das Land laufen lassen. Sie sind zu zweit gegangen und haben die Gute Nachricht verkündigt. Das Reich Gottes ist nahe herbei gekommen. Kehrt um und glaubt an diese gute Nachricht. Und dabei konnten sie Kranke heilen und Dämonen austreiben. Und wo sie nicht willkommen waren, da sollten sie gehen und den Staub von ihren Füßen schütteln. So hat Jesus große Teile des Landes erreicht. Überall war die Botschaft zu hören. Und diese Botschaft war mächtig: Kranke wurden geheilt. Dämonen ausgetrieben. Also Menschen von ihrer Sucht befreien. Aus der Verzweiflung holen. Sie wieder zu Glaube, Liebe und Hoffnung wirksam machen und stark und offen für all das Gute, das von Gott kommt.
Nachfolge heißt also: hinter Jesus her gehen. Von Jesus lernen. Und so wirken wie er. Damit Hoffnung wächst und Verzweiflung und Angst ihre Macht über die Menschen verlieren.
Nachfolge heißt: wir Christen sind die Vorkämpfer für das, was die Welt braucht. Wir leben etwas von dem, was von Gott kommt und wonach die Menschen sich sehnen. Sie trauen sich nur noch nicht, es zuzugeben.
Es gibt einen Kampf zwischen Gut und Böse. Wir gehören zu den Vorkämpfern für das Gute. Weil wir Jesus Christus den Raum in unseren Herzen und in unserem Leben geben. Der Kampf findet auch in unserem Inneren statt. Wir müssen immer wieder neu für das Gute, das von Gott kommt, eintreten. Wir müssen uns dafür öffnen. Und wenn es nicht klappt, uns an Jesus Christus wenden, der uns vergibt und uns auf den richtigen Weg bringt.
Unser Predigttext heute ist eine Ausbildung im christlichen Kampfsport. Es ist ein Kapitel für Fortgeschrittene, aber auch ihr Konfis könnt davon etwas verstehen und verwirklichen. Weil die Aufgabe so groß ist und ein Leben lang dauert, dass man immer wieder bei Null anfangen muss. Christsein ist etwas so Tapferes und Heldenhaftes, dass unser Christsein immer erst im Werden ist. Und es braucht viel Training.
Also zu unserem schweren Kapitel in der Ausbildung zum christlichen Kampfsport. Ich lese den heutigen Predigttext in der Übersetzung der Basisbibel aus Lukas 9 die Verse 57-62. 57Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. 58Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
59Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. 60Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
61Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind. 62Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Jesus sagt uns: das Reich Gottes, also dass Gott mit seiner Freundlichkeit die Herzen und Beziehungen erfüllt, ist so wichtig und dringend, dass alles andere dahinter zurück treten muss. Das kennen wir von Leistungssportlern. Wenn Olympia naht, dann muss sich das ganze Leben darauf einstellen. Und wir Christen werden hier zum Leistungssport und Kampfsport Glauben aufgefordert.
Wieso kann man nicht so ganz normal und nebenbei Christ sein?
Weil das Reich Gottes etwas ist, das wir nicht besitzen. Das Reich Gottes kann nur uns besitzen, wenn wir mit ganzem Herzen auf dem Weg sind. Von ganzem Herzen, mit ganzem Gemüte und mit aller Kraft sollen wir Gott lieben. Also nicht nebenbei. Ab und zu mal ein bisschen.
Wenn ich jemanden heirate, dann geht das ja auch nur ganz. Nicht nebenbei und ab und zu mal ein bisschen.
Jetzt muss ich natürlich zugeben, liebe Konfis: die Kirche, die ihr kennen lernt, ist da etwas lasch und bequem und lahm. So richtig nach Kampfsport und Olympia fühlt sich das nicht an, wenn die Leute höchstens mal an Weihnachten in die Kirche gehen. Und Trainingscamps Beten oder ein Wettbewerb im Bibellesen ist doch eher selten. Also es gibt es gar nicht.
Deshalb sind wir Christen in der heutigen Kirche auch in der Gefahr, dass das mit dem Reich Gottes nicht so richtig bei uns ankommt. Eine neue Welt soll da im Kern bei uns entstehen. Eine neue Welt, in der das richtige Leben mitten in all dem Falschen schon trainiert und eingeübt wird. Eine neue Welt, in der die Zukunft schon gelebt wird. Eine neue Welt, wo wir schon schmecken und sehen können, wie freundlich Gott ist und wie schön er seine Schöpfung gedacht hat.
So sollte es eigentlich sein. So ist es nur ganz selten. Ganz selten, wenn wir von ganzem Herzen beten. Ganz selten, wenn hier im Kirchenraum Gott uns anspricht. Das passiert mir sogar eher, wenn die Gottesdienste ganz klein sind. Denn in der Bibel heißt es: Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.
Also, liebe Mitchristen heute morgen hier in der Kirche: wir mögen wenige sein und vielleicht nicht nach der Kampfsportelite aussehen und uns vielleicht auch nicht so fühlen – wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Das verspricht Jesus Christus, dem wir nachfolgen wollen. Und er sagt nicht: wo zwei Supergläubige oder drei Glaubensweltmeister versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. Einfach nur zwei oder drei. Die Kraft kommt nicht von uns, sondern von Jesus Christus. Und der ist ziemlich mächtig. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.
Also, liebe Mitchristen, es kommt nicht darauf an, was wir leisten. Wir müssen auch nicht obdachlos werden oder nicht mehr zu Beerdigungen in der Familie gehen oder uns einen Handpflug kaufen und dann mit einem Zugtier üben, gerade Furchen zu ackern – aber wir sollten uns klar machen: es geht um das Ganze. Um die neue Welt Gottes, die zu uns kommen will. Und wir können uns dafür öffnen. So schwach wir sind und so wenig Kraft wir haben – es kann etwas geschehen von Gott her. Etwas Überraschendes. Etwas Wundervolles. Etwas, was einen Unterschied macht. Etwas, was uns wirksam macht.
Die Jünger, die Jesus ins Land geschickt hat, waren überrascht, was sie konnten. Und Jesus sagt: ja, da ist wichtiges passiert. Ich habe den Satan vom Himmel stürzen sehen. Die Herrschaft des Bösen ist erschüttert. Das Böse hat schon verloren und wir müssen den Sieg nur noch mit Jesus Christus nach Hause fahren. Aber noch wichtiger ist: freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel geschrieben stehen.
Das ist die Grundlage. Wir sind bei Gott angenommen. Deshalb können wir uns öffnen für diese große Kraft, die die Welt verändert. Sie wirkt bei uns. Und sie wirkt durch uns.
Möge es gelingen.
Und der Friede Gottes….