9.6.25 Komm Heiliger Geist Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, wir alle sind dringend pfingstbedürftig. Wir brauchen den Heiligen Geist. Wir brauchen neuen Mut – zu viel Resignation macht sich breit. Wir verschleppen zu oft Probleme, statt sie  zu lösen. So  zu lösen, dass die Lösung auch zukunftsträchtig ist. Wir brauchen Kraft und Hoffnung und Leidenschaft und Überzeugung, dass es uns gelingen kann. Und den Zauber, dass das Gelingen mit uns ist, weil der Himmel mit uns ist. Die Überzeugung, dass wir mehr sind und mehr können, weil da der Geist Jesu Christi in uns und zwischen uns wirksam ist. Wir müssen Lähmung überwinden, Kränkungen heilen lassen, Ausgeschlossene wiedergewinnen – kurz, wir brauchen den Heiligen Geist. Wir brauchen es, dass  der Geist ausgegossen wird, wir so reden, dass Menschen dazu kommen. Wir brauchen neue Energie – mehr Energie als wir haben. Wir brauchen Energie des himmlischen Feuers. Wir brauchen die  Liebe, die brennt. In uns. Wir brauchen es, dass göttliches Licht sich in uns spiegelt und die Welt hell macht. Ich glaube, wir waren noch nie so pfingstbedürftig wie dieses Jahr 2025. Ich möchte unsere Bitte: Komm, Heiliger Geist, unsere dringende Bitte Komm, Heiliger Geist mit einem alten Lied veranschaulichen und meditieren, damit unsere Bitte stark werde und gehört werde.

128,1 Heilger Geist, du Tröster mein, 

hoch vom Himmel uns erschein

mit dem Licht der Gnaden dein.

In dem Lied steckt ein alter lateinischer Text von 1200 und dann ein deutscher Text von 1584 und die Melodie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Eine lange christliche Tradition. Wir stellen uns in diese Tradition. Und wir sehen: der Heilige Geist ist gekommen. Viel Gutes ist geschehen. Und leider auch viel Schlechtes. Weil Menschen nicht offen waren für den Heiligen Geist.

Der Heilige Geist ist der Tröster. Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern und verheißt den Tröster, der den Abschied erleichtern soll. Der Heilige Geist ist also die Gegenwart Jesu in anderer Form und eine Hilfe in unserer Trauer. Eine Hilfe in all dem, was uns das Leben schwer macht. Der Trost kommt vom Himmel zu uns wie ein Lichtschein. So wie die Sonne alles Leben ermöglicht. Aber wir müssen unser Herz dafür öffnen. Wenn wir Sonnenlicht auf der Haut haben wollen, müssen wir unsere Wohnung verlassen. Und wenn wir den himmlischen Trost im Herzen haben wollen, müssen wir unser Herz dafür öffnen. Das heißt Beten. Und dann warten.  Sich ausstrecken. Sehnen. Voller Andacht. Voller Inbrunst. Mit ganzem Herzen ausgerichtet sein auf diesen Himmelstrost. Dafür feiern wir Gottesdienst. Wir sind ausgerichtet nach vorne zu Altar, Kanzel und Orgel. Der Gottesdienst unterbricht unsere Alltagshandlungen. Wir werden stiller. Konzentrierter. Beim Singen wird unser Atem verdichtet. Jeder singt und betet für sich und trotzdem feiern wir Gottesdienst zusammen. Und ein Gebet, das wir zusammen singen, ist viel wirksamer.

128,2 Komm Vater der armen Herd

Komm mit deinen Gaben wert

Uns erleucht auf dieser Erd

Vater der armen Herd. Also Hirte. Der Heilige Geist ist der, der sich um uns kümmert. Der uns Licht gibt. Also Durchblick. Und Ermutigung. Einen Kümmerer brauchen wir. Einen, der die Sache überschaut. Uns den richtigen Impuls zur richtigen Zeit gibt. Es wäre gut, wenn wir diesen Fingerzeig spüren und beachten. Wir machen es oft genug nicht und dann entstehen Probleme. Heute haben wir die Chance, uns zu öffnen für diesen Vater der armen Herd, der uns erleuchten will. Bitten wir um die Erleuchtung, die heute für uns wichtig ist. Und hören wir hin……..

128,3 O du selge Gnadensonn

Füll das Herz mit Freud und  Wonn

Aller die dich rufen an.

Das Licht vom Himmel kann unser Herz hell machen. Das heißt für uns: Freude. Und Wonne. Wonne ist ein altes Wort dafür, dass es mir sehr gut geht und ich mehr als zufrieden bin. In den alten Liedern werden oft Sonne und Wonne gereimt. Und die Sonne ist oft die Gnadensonne. Gott wendet sich uns freundlich zu und macht unser Leben hell: das ist gemeint mit Gnadensonne. Und das bewirkt bei uns Freude  und Wonne. Mehr als Zufriedenheit. Ein glücklich geborgen sein in der freundlichen Zuwendung Gottes. Darum bitten wir, wenn wir um den Heiligen Geist bitten. Und damit legen wir alles, was uns unzufrieden macht, ab. Wir legen es in Gottes Hände und bitten den großen Kümmerer, sich darum zu kümmern. Den Vater der armen Herd.

128,4 Ohn dein Beistand, Hilf und Gunst

Ist als unser Tun und Kunst

Vor Gott ganz und gar umsonst.

Wir kennen das. Wir strengen uns an. Wir sind fleißig. Und dann geht was schief. Deshalb brauchen wir vom Himmel Beistand, Hilf  und Gunst. Den göttlichen Segen brauchen wir.

In den Geschichten vom Heiligen Geist in der Bibel gibt es ein großes Gelingen, das nichts mit dem menschlichen Fähigkeiten zu tun hat. Die Apostel reden und Menschen aus anderen Ländern können sie verstehen. Nicht weil die  Fremdsprachenkenntnisse groß wären, sondern weil es eine wunderhafte Verständigung gibt.

Künstler reden vom Flow. Manchmal fließt alles zusammen. Alles klappt.

Im Sport gibt es beides. Ein Gelingen, das das Gelingen hervorruft und eben auch das Gegenteil. Das berühmte Fußballzitat dazu ist: Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß.

Worum wir heute bitten ist Heiliger Geist. Gelingen, das uns trägt und über uns hinaus hebt. Und zugleich die Zuversicht in Situationen, wo es nicht läuft.

Manchmal, wenn es beim Boulespielen nicht läuft, gehe ich ein wenig zur Seite und summe ein altes Pfingstlied, das ich auswendig kann. Und oft gelingt es dabei, dass ich wieder Zugang zu meiner Stärke finde. Weil ich den Ärger loslassen kann.

Ich wünsche uns allen Zugang zu diesem himmlischen Gelingen. Und in Situationen des Nichtgelingens Vertrauen. Trotz allem.

128,5 Lenk uns nach dem Willen dein

Wärm die kalten Herzen fein

Bring zurecht die irrig sein.

Diese Strophe können wir nur bussfertig singen. Also mit der Bereitschaft, einzusehen, wo wir irrig sind. Und der Bitte: bring mich zurecht, wo ich mich irre. Lenke mich. Und bring etwas von göttlicher Freundlichkeit in mein kaltes Herz.

Vieles läuft schief, weil wir irrig sind. Wir schätzen etwas falsch ein. Unsere Gefühle bringen uns auf einen Pfad, der nicht gut ist. Oder unsere Gier. Unsere Angst zu kurz zu kommen. Unsere Ungeduld. Unsere alten Fehler. Unser Blick auf uns selbst, der uns runterzieht. Statt im Gottvertrauen zuversichtlich und ruhig zu sein.

Wir beten deshalb: bring zurecht. Erst mal und vor allem uns. Wirke in uns. Damit mehr von deinem guten Willen für uns geschieht.

128,6 Gib dem Glauben Kraft und Halt, 

Heilger Geist und komme bald

Mit den Gaben siebenfalt.

Die 7 Gaben sind Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Gottesfurcht und Frömmigkeit. Wir bitten also darum, dass göttliche Weisheit in uns fließt und uns hilft, das was wichtig ist, wichtig zu nehmen. Gott ruft uns mit Namen und kennt uns mit Namen. Gott hat einen Plan für uns. Ich mit meiner Geschichte und meinen Gaben kann etwas, was niemand sonst kann. Gottes Weisheit hilft mir, meinen Weg zu finden. Den Weg, der für mich der richtige ist. 

Natürlich gelingt es niemandem, immer auf dieser Bahn zu bleiben. Wir machen eine Menge Kram, der den göttlichen Segen für uns behindert. Deshalb bitten wir immer neu: komm, Heiliger Geist. Komm, mit deiner Weisheit in mein Herz. Zeige mir den Weg. Gib meinem Glauben Kraft und Halt, damit ich mit Zuversicht und Hoffnungskraft meinen Weg gehen kann. Erfüllt vom Heiligen Geist. Begleitet vom Segen. Beflügelt vom himmlischen Gelingen, das mit mir geht.

128,7 Führ uns durch die Lebenszeit

Gib im Sterben dein Geleit

Hol uns heim zur ewgen Freud.

Sterbestrophen zum Schluss sind eine gute Tradition, die wir wiederentdecken könnten. Denn die Tatsache, dass unser Leben begrenzt ist, ist doch immer im Hintergrund da. Das ist Grund zum Beten. Gottes Geist möge mit uns gehen. Durch die Lebenszeit. Durchs Sterben hindurch. Und dann in der ewigen Freude.

Was wir hier vom Heiligen Geist erbitten und erhalten, wenn wir unser Herz dafür öffnen, ist schon ein wenig von dieser ewigen Freude. Freude und Wonne gibt uns die Gnadensonne. Hier schon. Damit wir zuversichlich auf dem Weg bleiben.

Möge der Heilige Geist mit uns allen gehen. Und uns nahe sein auf dem Weg. Uns heilen vom Irrtum. Und leiten, damit der Glaube uns Kraft und Halt sei bis dann unser Weg in die ewige Freude eingeht.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.