Anspielungen auf das Alte Testament in der Weihnachtsgeschichte 24.12.23

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

  wir haben die Weihnachtsgeschichte heute wieder gehört. Wahrscheinlich ist das die bekannteste Geschichte der Bibel. Aber dass wir sie so oft gehört haben, heißt nicht, dass wir sie schon verstanden haben. Die Weihnachtsgeschichte ist eine Geschichte, die eingebettet ist in eine ganze Welt aus Geschichten und Geschichte. Ich versuche heute mal einen kleinen Teil der Anspielungen, die in dieser Geschichte vorkommen und die von ihren ersten Hörern sicher unmittelbar verstanden wurden, deutlich zu machen.

Fangen wir vorne an: 21Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. 2Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. 3Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Hier ist Geschichte: Es werden genaue historische Angaben gemacht. Augustus herrscht in Rom. Quirinius in der römischen Provinz Syrien zu der auch Nazareth gehört, wo Joseph und Maria wohnen.  Der römische Kaiser Augustus hatte ein Motto für seine Herrschaft, er behauptete der Friedensbringer für die ganze Welt zu sein. Und was tut er, er scheucht die Leute rum, um seine Steuerlisten zu aktualisieren. Damit sagt die Weihnachtsgeschichte: Augustus ist der falsche Friedensbringer, in Wirklichkeit geht es ihm nur ums Geld und darum seine Untertanen auszubeuten. Und er bringt den wirklichen Friedensbringer schon als Baby in Gefahr, indem er eine hochschwangere Frau zwingt 6 Tage lang über die Bergstraße von Nazareth nach Bethlehem zu gehen, um sich in eine Steuerliste eintragen zu lassen.

4Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, 5damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger.

Und  noch mehr Geschichte. Nun geht es um die Geschichte Israels. Joseph ist ein Nachkomme von David. David, damit eröffnet sich eine ganze Welt von Geschichten. David, der ideale von Gott eingesetzte König Israels, dessen Familie über ganz Israel in Ewigkeit herrschen soll, der ideale Herrscher, der für Gerechtigkeit sorgen und die Armen beschützen wird. David, das ist der zu dem Profet Samuel geschickt wurde, um ihn im Auftrag Gottes zum neuen König zu salben als Saul der erste König in Israel verrückt geworden war. David der jüngste Sohn in einer großen Familie. Samuel bekommt den Auftrag von Gott einen der 7 Söhne Isais zum König zu salben. Das kann er nicht tun, weil nur sechs Söhne zu Hause sind. Der jüngste ist unterwegs und hütet die Schafe. Das ist David, der Hirte. Und der ist von Gott ausgewählt worden, der neue König zu werden. Hier haben wir wieder die Konkurrenz zu Augustus. Ein gerechter König aus der Familie Davids wird geboren.

6Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. 7Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.

Kein Raum in der Herberge, kein schützender Ort für den neugeborenen König, eine Geburt unter gefährlichen Umständen. Auch da verstehen die Menschen damals, die das Alte Testament zum Teil auswendig kannten, jede Menge Anspielungen: Jesaja 7,14: Siehe eine junge Frau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt Gott mit uns. Der neugeborene ist der verheißene Friedenskönig, den Gott einsetzt, um Gerechtigkeit zu schaffen. Das kennen alle aus den Büchern der Profeten Jeremia, Jesaja und Sacharja.

Das genau wird bestätigt von der Erscheinung der Engel bei den Hirten und der Botschaft der Engel: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden. Engel sind bekannt als die Boten Gottes. Wenn Gott eine wichtige Nachricht für Menschen hat, dann schickt er seine Engel, so auch hier. Nur warum schickt er die Engel zu den Hirten aufs Feld und nicht zu dem Neugeborenen und zu Maria und Joseph? Weil Hirten in der Geschichte Israels eine herausragende Rolle spielen. Wir haben schon gesehen, dass der wichtigste König in Israel, David, Hirte gewesen ist. Der bekannteste Psalm in der Bibel beginnt mit: Der Herr ist mein Hirte. Der Profet Hesekiel spricht von Gott als dem guten Hirten, der für sein Volk sorgt, sich um sein Volk kümmert und es beschützt. Hirten sind Gott besonders nahe. Und draußen auf dem Feld in der freien Natur begegnet Gott vorzugweise den Menschen. Und dort ist auch der Ort, wo Gott Menschen beruft wie zum Beispiel Mose. Mose begegnet Gott als er die Schafe seines Schwiegervaters hütet an der Grenze zwischen der Wüste und dem Kulturland. Er sieht wie ein Dornbusch brennt aber nicht verbrennt. Mose zieht seine Schuhe aus und nähert sich dem Busch. Gott beauftragt ihn sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zu führen. Wenn also Engel den Hirten auf dem Feld begegnen, dann haben alle, die da zuhören schon eine Ahnung um welches Thema es geht, nämlich dass Gott sie heute von der römischen Herrschaft befreien wird.

Die Botschaft der Engel ist in dieser Hinsicht auch völlig klar: ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; 11denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.

Der Christus ist der Gesalbte Gottes, hebräisch der Messias, der gerechte Herrscher, der Gottes Vorstellungen von einem guten Leben für sein Volk umsetzen wird. Der König aus der Familie Davids.

Diese Botschaft vertrauen die Engel den Hirten an, denn die kommen rum und sie haben die Möglichkeit sie überall zu verbreiten. Und das tun sie auch: Als sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde gesagt war. 18Und alle, vor die es kam, wunderten sich über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.

Alle wundern sich, denn hier ist er, der wahre Friedenskönig im Gegensatz zum falschen Augustus. Sie können es gar nicht glauben, dass die alten Verheißungen sich nun erfüllen, dass Gott an sein Volk gedacht hat und ihnen jetzt die Rettung schickt, auf die sie so lange gewartet haben. Endlich greift Gott ein und sorgt für Frieden und Gerechtigkeit. Und sie sind dabei. Jetzt ist die Zeit, in der die Geschichte sich wendet und das geschieht, was sie Jahrhunderte erhofft haben.

Vielleicht haben Sie gedacht, die Weihnachtsgeschichte ist eine romantische Familiengeschichte. Und wir feiern an Weihnachten Vater, Mutter, Kind, Wärme und harmonisches Familienglück.

Nichts könnte weiter von der Botschaft der Weihnachtsgeschichte entfernt sein. Wir feiern an Weihnachten die Geburt des Christus, des gesalbten Gottes, in dem Gott zu einer bestimmten Zeit in dem hochbedeutsamen Ort Bethlehem in der Nähe von Jerusalem in einer jüdischen Familie unter kompliziertesten Bedingungen Mensch wird und zu uns kommt, um aller Welt den Frieden Gottes und seine Gerechtigkeit zu bringen. Hier hat es angefangen, dass die Idee von göttlichem Frieden und göttlicher Gerechtigkeit, die in Israel entstanden ist, sich auf den Weg macht, die ganze Welt zu erfüllen.

Und auch wenn wir heute immer noch nicht in Frieden leben und die Gerechtigkeit selbst in Deutschland noch nicht vollständig umgesetzt ist, so gibt es doch die Hoffnung, dass wir auf diesem Weg sind, und der Immanuel, Gott mit uns an unserer Seite geht.

  und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!