Auf die Vernichtung verzichten 25.6.23

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute geht es um das Ende des Buches Jona. Gott beruft Jona, um der Weltstadt Ninive, der Hauptstadt Assyriens, des gefährlichsten Feindes Israels mitzuteilen: Noch drei Tage dann wird Ninive untergehen. Jona weiß, das ist mein Todesurteil. Er geht zum Hafen und schifft sich in die Gegenrichtung nach Spanien ein. Sein Schiff gerät in einen Sturm. Alle beten zu ihren Göttern nur Jona versteckt sich. Der Sturm wird schlimmer und es wird klar, dass Jona die Ursache der Katastrophe ist. Er lässt sich freiwillig ins Meer werfen. Dort verschlingt ein großer Fisch ihn und spuckt ihn an der Küste Assyriens wieder aus. Er geht nach Ninive und sagt: Noch drei Tage dann wird Ninive untergehen. Der König und alle Menschen kehren um kleiden sich in Sack und Asche und geloben nichts Böses mehr zu tun. Da entscheidet Gott Ninive doch nicht zu vernichten. Und jetzt kommt das vierte Kapitel:

Jona 4,1-11 Jona ärgerte sich sehr darüber.

Der Zorn packte ihn.

2Er betete zum Herrn und sagte:

»Ach Herr, genau das habe ich mir schon gedacht,

als ich noch zu Hause war.

Deshalb wollte ich auch nach Tarschisch fliehen.

Ich wusste ja:

Du bist reich an Gnade und Barmherzigkeit,

unendlich geduldig und voller Güte.

Du bist ein Gott, dem das Unheil leidtut.

3Jetzt ist es genug, Herr.

Lass mich sterben!

Denn ich will lieber tot sein als weiterleben.«

4Der Herr aber fragte:

»Hast du recht, dass du so zornig bist?«

Gott antwortet auf Jonas Zorn

5Jona verließ die Stadt.

Er suchte sich östlich der Stadt einen Platz

und baute sich dort eine Hütte.

Er setzte sich in ihren Schatten und wollte sehen,

was mit der Stadt geschehen würde.

6Da ließ Gott, der Herr, eine Rizinus-Pflanze

in die Höhe wachsen.

Die wuchs über Jona empor

und gab seinem Kopf Schatten.

Jona sollte darüber seinen Ärger vergessen.

Er freute sich sehr über den Rizinus.

7Am Morgen aber, bevor die Sonne aufging,

schickte Gott einen Wurm.

Der biss die Wurzeln durch,

sodass der Rizinus verdorrte.

8Nachdem die Sonne aufgegangen war,

schickte Gott einen heißen Ostwind.

Die Sonne brannte Jona auf den Kopf,

sodass er fast die Besinnung verlor.

Da wünschte er sich den Tod und sagte:

»Ich will lieber tot sein als weiterleben.«

9Gott aber fragte Jona:

»Hast du recht, dass du so zornig bist,

weil der Rizinus verdorrt ist?«

Er antwortete:

»Ja, ich habe recht, dass ich so zornig bin

und mir den Tod wünsche!«

10Da sagte der Herr:

»Die Rizinus-Pflanze tut dir leid.

Doch du hast keine Mühe mit ihr gehabt

und sie auch nicht großgezogen.

Sie wuchs über Nacht und verdarb über Nacht.

11Und jetzt frage ich dich:

Sollte Ninive mir nicht leidtun –

eine große Stadt mit mehr als 120.000 Menschen?

Sie alle wissen nicht, was links und was rechts ist.

Dazu kommen noch die vielen Tiere.

Sollte es mir da nicht leidtun?«

Klar ist Jona wütend, dass die Feinde Israels nicht vernichtet werden. Er hat sein Leben riskiert, wenn auch nicht besonders freiwillig und dann macht Gott seine Ankündigung nicht wahr. Er fühlt sich betrogen und ist so wütend, dass er sterben will. Ich finde Gott geht hier sehr freundlich und zugewandt mit Jona um. Er versucht ihn davon zu überzeugen, dass seine Entscheidung Ninive zu verschonen richtig ist. Und er tut das nicht nur mit Worten sondern er lässt es Jona am eigenen Leib erfahren. Das Buch endet mit einer Frage. Sollte es Gott nicht leid tun, um die verirrten und unwissenden Menschen und Tiere?

Später wird genau diese Aussage im Zentrum von Jesu Botschaft stehen. Es tut Gott leid um die unwissenden Menschen und Tiere. Gott ist gnädig und verständnisvoll und kümmert sich um alle Menschen und möchte dass sie umkehren und ihre Fehler einsehen. Und Jesus wird um die Gerechten in Israel werben und versuchen sie dazu zu bringen sich den Sündern zuzuwenden wie Gott das tut.

Ich denke diese Botschaft ist für uns heute eine genauso große Herausforderung wie sie es für Jona war. Überlegen Sie mal über wen Sie sich in der letzten Woche geärgert haben und warum? Mir fällt da sofort jemand ein. Was sagt Ihnen ihr Gefühl dazu. Würden Sie sich nicht freuen, wenn diejenige Person mal eins auf die Nase bekommt? Sollte nicht mal jemand dieser Person die Meinung geigen? Und überhaupt. Die Menschen werden doch immer rücksichtsloser im Straßenverkehr und im Supermarkt. Kommt man sich nicht als der Dumme vor, wenn man sich heute noch an Regeln hält und zum Beispiel die Küche im Gemeindehaus immer sauber und ordentlich verlässt, aber die andere Gemeindegruppe noch nicht mal das Sieb der Spülmaschine reinigt und sich wieder den eigenen Vorräten bedient hat.

Denn die Fehler machen ja immer die anderen. Mir würde so etwas niemals passieren. Naja bis auf letztes Mal nach dem Konfitag als ich einfach keine Zeit mehr hatte.

Kennen Sie das, Fehler machen immer nur anderen, während ich selbst ja perfekt bin und nie so etwas tun würde.

Liebe Gemeinde,

die Botschaft des Jona Buches und die Botschaft Jesu sind für uns heute immer noch eine große Herausforderung. Es fällt nicht nur mir schwer, die eigenen Fehler zu sehen und den Fehler nicht nur bei anderen zu suchen. Wenn Gott mir gegenüber gnädig ist, dann geht es voll in Ordnung. Weil ich habe ja nur die besten Absichten und lebe insgesamt ordentlich und entsprechend der Regeln. Aber wenn Gott gnädig und barmherzig gegenüber den anderen ist, die so rücksichtslos und egoistisch sind, dann gefällt mir das schon viel weniger. Der beste Weg ein bisschen toleranter gegenüber den Fehlern der anderen zu werden, ist etwas mehr Aufmerksamkeit für die eigenen Fehler zu entwickeln. Und das ist ganz schön schwer, denn sich selbst für fehlerfrei zu halten ist ein gutes Gefühl. Und oft ist der Ärger über die anderen ja auch berechtigt. Trotzdem ist es gut für das Zusammenleben, den freundlichen und gnädigen Blick Gottes einzuüben und sich manchmal zu fragen: Sollten mir diese vielen verirrten Personen, die nicht wissen wo links und rechts ist nicht leid tun? Und muss ich mich wirklich darüber ärgern?

Naja ich bin nicht Gott, also darf ich mich auch ärgern. Aber irgendwann ist es gesünder den Ärger auch mal loszulassen und etwas Abstand dazu zu gewinnen. Auch wenn der Ärger berechtigt ist. Und damit zu rechnen, dass andere sich auch über mich ärgern und auch deren Ärger manchmal berechtigt ist.

Und wenn Gott auf unsere Vernichtung verzichtet können wir vielleicht auch darauf verzichten uns gegenseitig zu vernichten.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!