Begegnung 26.1.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am heutigen 3. Sonntag nach Epiphanias. Eine Epiphanie ist eine Gotteserscheinung. In unserer Geschichte heute geht es um eine Gespräch zwischen 2 Menschen. Jesus unterhält sich mit einer Samaritanerin. Samaria lag zwischen Galiläa im Norden und Judäa im Süden. Wenn man keinen Umweg machen wollte, musste man als frommer Jude da durch gehen oder anderweitig reisen. Die Samariter oderSamaritaner waren irgendwann vom rechtgläubigen jüdischen Weg abgebogen. Sie hatten die 5 Bücher Mose in eine leicht anderen Traditionslinie. Aber ihr heiliger Berg war der Garizim auf ihrem Gebiet. Von frommen Juden wurden sie als abweichende Sekte verachtet. In den Geschichten über Jesus kommen aber oft vorbildliche Samariter vor. Da ist der barmherzige Samariter, der dem Überfallenen hilft, während Priester und Levit sich nicht am Blut des Opfers verunreinigen wollen. Da werden 10 Aussätzige von Jesus geheilt, aber nur einer kehrt um und bedankt sich bei Jesus und ausgerechnet das ist ein Samariter.

Also: in unserem Predigttext begegnen sich zwei Menschen, die durch Gräben getrennt sind. Jude und Samariterin. Mann und Frau. Wunderprediger und verachtete Frau, die zur ungünstigen Zeit zum Brunnen geht um der Verachtung zu entgehen. Und dabei kommt es zu einer Epiphanie, einer Gotteserscheinung. Die Samariterin fängt an, in Jesus den zu sehen, der den Durst auf Leben wahrhaft löschen kann.

Ich lese Johannes 4,5-14 in der Übersetzung der Basisbibel. 

5Unterwegs kam er nach Sychar, einem Ort in Samarien.

In seiner Nähe liegt das Grundstück,

das Jakob einst seinem Sohn Josef vererbt hatte.

6Dort befand sich der Jakobsbrunnen.

Jesus war müde von dem langen Weg

und setzte sich an den Brunnen.

Es war um die sechste Stunde.

7Da kam eine Samariterin, um Wasser zu schöpfen.

Jesus bat sie: »Gib mir etwas zu trinken.«

8Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen,

um etwas zum Essen zu kaufen.

9Da sagte die Samariterin zu ihm:

»Du bist ein Jude, und ich bin eine Samariterin.

Wie kannst du mich um etwas zu trinken bitten?«

Denn die Juden vermeiden jeden Umgang mit Samaritern.

10Jesus antwortete: »Wenn du wüsstest,

was für ein Geschenk Gott den Menschen macht

und wer dich hier bittet: ›Gib mir etwas zu trinken‹! –

dann würdest du ihn bitten,

und er würde dir lebendiges Wasser geben!«

11Die Frau erwiderte:

»Herr, du hast nichts, um Wasser zu schöpfen,

und der Brunnen ist tief.

Woher hast du denn dieses lebendige Wasser?

12Bist du etwa mehr als unser Stammvater Jakob?

Er hat uns diesen Brunnen hinterlassen.

Er selbst hat daraus getrunken,

ebenso seine Söhne und sein Vieh.«

13Darauf antwortete Jesus:

»Wer von diesem Wasser hier trinkt,

wird wieder Durst bekommen.

14Aber wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe,

wird nie wieder Durst haben.

Denn das Wasser, das ich ihm geben werde,

wird in ihm zu einer Quelle werden:

Ihr Wasser fließt und fließt – bis ins ewige Leben.«

Das erste, was ich erstaunlich finde an diesem Predigttext. In der Begegnung von zwei Menschen kommt Gott zur Welt. Sicher, der eine Mensch ist Jesus und er redet mit ungewöhnlicher Autorität. Und doch: da ist kein brennender Dornbusch, der nicht verbrennt oder ein sonstiges Wunder. Eine Frau begegnet ihren Urteilen und Einschätzungen neu durch eine Begegnung. Durch die Fragen, die Jesus stellt. Auch dadurch, dass er ihre Sehnsucht anspricht. Im weiteren Verlauf zeigt er, dass er sie kennt und versteht und vor allem achtet, obwohl sie in ihrem Dorf am Rand steht. Deshalb muss sie in der Mittagshitze zum Brunnen gehen.

Vielleicht ist es vor allem die Anerkennung durch einen, der mit solcher Autorität auftritt. Jedenfalls wird bei dieser Samariterin etwas ausgelöst. Ein Weg zur Befreiung beginnt. Sie, die am Rand steht, wird zu der, die ihrem Dorf erfolgreich die gute Botschaft von der Erlösung bringt. Gott tritt in Erscheinung mitten in dieser Welt. Hier bei einer Begegnung von 2 Menschen in der Mittagshitze am Brunnen. Und im Bild vom Wasser, das den wahren Durst löscht, der in uns Menschen ist. Denn all das, was wir suchen, in all dem, was wir tun und versuchen, führt letztlich zu Gott. Dort erst wird unsere Sehnsucht gestillt. Dort erst wird unser Durst so gestillt, dass man nicht mehr suchen muss. Da kommen wir zur Ruhe. Da kommen wir an. Da finden wir, was wir brauchen. Wir müssen nur unsere Sehnsucht mitbringen. Unseren Durst. Und dann in der Mittagshitze am Brunnen Jesus begegnen. 

Auch was das soziale Leben betrifft, findet ein Durststillen statt. Die verachtete Einzelgängerin am Ran findet zuerst Jesus und damit Zugang zu Gott als der wahren Quelle des Lebens und dann neuen Zugang zu ihrem Dorf. Ihr Glaube, der sich durch die Gottesbegegnung heilsam verändert hat, stärkt ihr soziales Leben, trotz ihrer Geschichte, die sie isoliert hat.

Das zweite, was mich heute an dieser Geschichte anspricht: es findet eine Begegnung über große Unterschiede hinweg statt. Und so geschieht etwas von Gott mitten in der Welt.

Wir haben hat heute im Anschluss die Gemeindeversammlung und informieren darüber, dass wir ab 1.1.2026 Evangelische Kirchengemeinde Dieburger Land heißen und eine große Kirchengemeinde von Groß-Zimmern im Süden bis zu Altheim im Norden sind. Begegnungen über Unterschiede hinweg werden stattfinden. Wir hoffen als evangelische Christinnen und Christen in den einzelnen Orten darauf, dass Jesus dabei ist in den Begegnungen. Dass wir bei allen Missverständnissen, die mit menschlicher Kommunikation notwendigerweise verbunden sind, trotzdem etwas Heilsames geschieht. Dazu brauchen wir wirklich, dass Jesus da ist. Das kriegen wir alleine nicht hin. Wir sehen jetzt erst mal den Verlust der Selbständigkeit und müssen das verarbeiten. Für die Sache Gottes, für Glaube, Liebe und Hoffnung, wollen wir uns aber öffnen für das, was Jesus in unsere Begegnungen bringen kann.

Übrigens: das braucht Zeit. Das Gespräch Jesu mit der Samariterin geht über das ganze Kapitel 4 des Johannesevangeliums hinweg. Und es  ist Zeit für grobe Missverständnisse wie z.B. wie willst du mir zu trinken geben, du hast ja kein Trinkgefäß dabei. Bist du etwa wichtiger als unser Vater Jakob.

Also für uns als evangelische Christinnen und Christen in dieser Region heißt es: wir haben Zeit. Wir brauchen Geduld miteinander. Es wird Missverständnisse geben, aber das ist hoffentlich nicht schlimm.

Auch unsere katholischen Geschwister sind mitten in einer großen Umgestaltung. Unsere Orte verändern sich. Bei uns hat die Metzgerei zugemacht, aber der Netto wird größer, der vermutlich im April öffnet. In all den Veränderungen gilt: wir werden weiter Weihnachten feiern und dann Epiphanias. Gott erscheint in unserer Welt. In unserer ganz normalen Welt mit all den Veränderungen. Und wenn wir auf die Impulse Jesu hören, dann können wir das überwinden, was uns blockiert und können uns öffnen für das, was von Gott kommt. Dann wird unser Durst gestillt.

Was mich wirklich wundert, ist, dass Menschen lieber eine Serie bingewatchen statt zum Gottesdienst zu kommen. Gut, ich muss aufstehen und hingehen. Aber gerade deshalb begegnet mir etwas, das mich verändern kann. Heilsam verändern um mit den Veränderungen klar zu kommen, die mir das Leben aufzwingt.

Damit der Durst gestillt wird, müssen wir in der Mittagshitze an den Brunnen gehen und dort offen sein für das, was Jesus uns sagt. Also den Hintern hoch kriegen. Das tun, was nötig ist, um das Beste draus zu machen. Und gerade dabei offen zu sein. Der Mensch, der mir begegnet, könnte etwas von Gott für mich bereit halten.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.