Bei Jesus bleiben

Die Gnade unseres…Liebe Gemeinde, heute 3 Wochen nach Ostern ist unsere Frage: Worauf kommt es im christlichen Leben an? Unser Predigttext gibt uns eine ganz einfache Antwort: Verbunden bleiben mit Jesus Christus, so wie die Rebe mit dem Weinstock. Dann bringen wir Frucht. Ein ganz natürliches Bild aus der Landwirtschaft. Was daran nicht so einfach ist, darauf kommen wir später. Ich lese Johannes 15,1-8 in der Übersetzung der Basisbibel. »Ich bin der wahre Weinstock.

Mein Vater ist der Weinbauer.

2Er entfernt jede Rebe an mir, die keine Frucht trägt.

Und er reinigt jede Rebe, die Frucht trägt,

damit sie noch mehr Frucht bringt.

3Ihr seid schon rein geworden durch das Wort,

das ich euch verkündet habe.

4Bleibt mit mir verbunden,

dann bleibe ich mit euch verbunden.

Eine Rebe kann aus sich selbst heraus

keine Frucht tragen.

Dazu muss sie mit dem Weinstock verbunden bleiben.

So könnt auch ihr keine Frucht tragen,

wenn ihr nicht mit mir verbunden bleibt.

5Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.

Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm,

bringt reiche Frucht.

Denn ohne mich könnt ihr nichts erreichen.

6Wer nicht mit mir verbunden bleibt,

wird weggeworfen wie eine unfruchtbare Rebe

und vertrocknet.

Man sammelt die vertrockneten Reben ein

und wirft sie ins Feuer, wo sie verbrennen.

7Wenn ihr mit mir verbunden bleibt

und meine Worte in euch bewahrt, dann gilt:

Ihr dürft bitten, was immer ihr wollt –

und eure Bitte wird erfüllt werden.

8Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar,

dass ihr viel Frucht bringt

und euch als meine Jünger erweist.«

Einfach verbunden bleiben, darauf kommt es an im christlichen Leben. Das ist ja auch ganz einleuchtend. Wir haben ein gutes Leben, wenn wir mit der Quelle des Lebens, dem göttlichen Grund, der uns in Jesus  Christus begegnet, verbunden bleiben.

Wie bleiben wir verbunden? In ihn leben, weben und sind wir, sagt Paulus in Athen. Das ist das natürliche. Wir können eigentlich gar nicht außerhalb dieser Verbindung sein. Wir sind von Gott erschaffen. Ehe wir im Mutterleib gebildet wurden, hat er uns beim Namen gerufen.

Unser Predigttext redet aber von Reben, die keine Frucht bringen. Die abgeschnitten werden und verbrannt werden. So wie es die Aufgabe eines Winzers ist.

Wie kann das sein?

Unsere Gesellschaft wird immer weniger christlich. Das ist gefährlich, finde ich. Denn im Glauben liegt eine große Chance. Wir sehen jetzt schon die Folgen. Die Umgangsformen werden schlechter, die Zufriedenheit wird geringer, die Wut wächst.

Wir als Gesellschaft in Deutschland sollten wieder zurück finden zu den Wurzeln des Glaubens.

Für mich als einzelne Christin, als einzelner Christ heißt das: die Verbindung mit Jesus Christus pflegen und stärken.

Dazu hilft es sicher, einen Gottesdienst zu besuchen oder bei einer Beerdigung ein Vaterunser mitzubeten. Und zu versuchen nach christlichen Werten zu leben. Den Nächsten zu lieben. Nicht nur an meinen Vorteil zu denken, sondern Verantwortung für das Zusammenleben und den Zusammenhalt zu übernehmen. Ganz wichtig finde ich: wir werden verändert im Leben. Und es ist gut, wenn wir in diesen Veränderungen offen sind für Gott und für das, was von Gott her als Impuls in mein Leben kommt. Als Hinweis: da muss ich etwas ändern. Als Erinnerung: ich bin geliebt. Als Wegzeichen: dort kann ich mich hin entwickeln, weil ich dort Frucht bringen kann. Als Mahnung: dort kann ich probieren, über meinen Schatten zu springen. In all den Veränderungen meines Lebens kann Veränderung von Gott kommen und mich heilsam und befreiend verändern. Dann geschieht etwas von Erlösung und von Reich Gottes. Also von einer Zukunft, die uns Christen bevorsteht und jetzt schon manchmal erfasst.

In der orthodoxen Kirche gibt es die Tradition des Herzensgebets. Beim Einatmen bete ich Jesus, beim Ausatmen Christus. Oder beim Einatmen: du in mir und beim Ausatmen ich in dir. Wenn man nachts eine Zeit hat, in der man nicht schlafen kann, empfehle ich das  sehr. Es macht ruhig und es verbindet mit Jesus Christus, meinem Erlöser und Freund. Auch tagsüber kann ich das in Pausensituationen oder Wartezeiten. Das Gute daran: ich unterbreche die Hektik und mache mir klar, wer ich eigentlich bin. Gottes geliebtes Kind. Eine Rebe am Weinstock Jesus Christus. Verbunden mit dem Weinstock und dadurch auch mit allen anderen Reben.

Verbunden sein. Das lernen wir von klein auf in der Familie. Das lernen wir in der Partnerschaft. In Freundschaften. Im Verein.

Wir sind verbunden. Das Verbundensein muss gepflegt werden.

Und der Inbegriff des Verbundenseins ist: wir sind Geschöpfe. Wir haben ein ewiges Ziel. Wir bringen Frucht als Reben am Weinstock.

Meine Frau liest gerade ein Buch von einem amerikanischen Theologen. Der beschwert sich, dass die Menschen in seiner frommen amerikanischen Gemeinde mit einer Konsumhaltung in die Kirche kommen. Er findet: Christen müssen aktiv sein. Sie müssen versuchen, nach der Bergpredigt Jesu zu leben. Nach den hohen Ansprüchen der Bergpredigt mit Feindesliebe, nicht sorgen, eintreten für die Gerechtigkeit, nicht über andere richten, nicht sich Schätze sammeln auf Erden, sondern im Himmel.

Ja, diese großen Ansprüche sind unser Maßstab. Aber nicht umsonst gibt es in der katholischen Kirche wenige Menschen, die Heilige sind. Normale Christen sind eben normale Menschen und die großen Ansprüche bleiben ein Ziel. Und wir Christen sollen das Gute tun, in uns selbst das Böse überwinden, auch im Zusammenleben das Böse mit dem Guten überwinden – aber auch als Christen, die immer wieder daran scheitern, bleiben wir als Reben mit Jesus Christus verbunden. Ganz einfach verbunden. Das ist das wichtige. Das andere kommt und wächst. Vielleicht bringe ich nicht so viel Frucht wie manche Heilige.

Aber manchmal gibt es Situationen, da kann nur ich diese christliche Frucht bringen.

Wenn ich jemandem sage: du bist ein guter, du bist eine gute – dann kann das Gottes Botschaft sein: du bist Gottes geliebtes Kind.

Wenn ich mit einer Beobachtung  oder Tat zur richtigen Zeit helfe, dass in einem bestimmten Bereich etwas besser gemacht wird, dann helfe ich mit, dass Gottes Welt des Friedens und der Gerechtigkeit unter uns wächst.

Wenn ich mit einem Scherz die Situation entspanne, die so angespannt war, dann helfe ich mit dazu, dass es mehr Dank und mehr Halleluja in der Welt gibt.

Wenn ich in eine Situation anpacke und helfe, dann helfe ich mit, dass wir in einer Welt leben, in der man sich umeinander kümmert und niemand aufgegeben wird. So wie Jesus als Arzt zu den Kranken gegangen ist, als Heiler zu den Aussätzigen, als Freund zu den Verachteten.

Meine Frau und ich waren bei einer Schreibretraite mit dem Titel: In der Stille findet mich das Wort. Wir haben mit einem Psalm aus der Bibel gearbeitet und es war sehr schön. Wir sind gut ins Schreiben reingekommen. Erst spielerisch und dann ernsthaft. Wichtig ist mir heute der Titel dieser Fortbildung: In der Stille findet mich das Wort.

Das Wort, das Sie brauchen, das kann Sie finden. Sie müssen dafür aufmerksam sein. Bereit sein, es zu erkennen. Es muss nicht aus der Bibel sein. Es muss nur meine Verbundenheit mit Jesus Christus stärken. Mich dazu stärken und ermutigen und ermächtigen, Frucht zu bringen. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit, heißt es im Epheserbrief. In diesem Sinne lasst uns Frucht bringen. Dazu segne uns Gott, der handeln kann mit uns und auch trotz uns und neben uns.

Und der Friede Gottes…