Besser leben 2.11.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch  allen. Amen.

Liebe Gemeinde, am 2. November 1666 hat der damalige Pfarrer Dietz die Überlebenden der Pest vielleicht 70 Personen hier in der Kirche versammelt. Die Pest war vorüber. Das letzte der 28 Pestopfer war gestorben. Nach dem dreißigjährigen Krieg, der erst 18 Jahre lang vorbei war, nun auch noch diese verheerende Seuche. Pfarrer Dietz hat die Gemeinde ein Gelübde ablegen lassen. Jedes Jahr wollen wir am 2. November einen Pestgedenktag feiern. Wir erinnern an die Verstorbenen. Wir danken für die Rettung. Und wir wissen, unser Überleben hat den Sinn, gut zu leben und die Erinnerung weiter zu geben.

Wann das Buch Jona mit dem Pestgedenktag verknüpft wurde, wissen wir nicht. Aber es bietet sich an. Im  Buch Jona tut eine ganze Stadt Buße angesichts einer drohenden Katastrophe. Sie kehrt um von  allem Bösen. Und Gott lässt Gnade walten und verschont die Stadt. So erzählt das dritte und vierte Kapitel. Die ersten beiden Kapitel haben wir als Lesung gehört: Aber noch  mal die Geschichte im Zusammenhang. Jona bekommt von Gott den Auftrag nach Ninive, die Hauptstadt der Assyrer und Todfeinde Israels, zu gehen und anzukündigen: In drei Tagen wird Ninive untergehen. Jona denkt sich: Das mach ich nicht, wenn ich das tue bin ich so gut wie tot. Sie werden mich umbringen. Und er besteigt ein Schiff in die Gegenrichtung. Da kommt ein Sturm auf. Die Mannschaft stellt fest, dass es an Jona liegt und das Schiff sinken wird, wenn sie den Gott Jonas nicht besänftigen. Jona lässt sich ins Meer werfen. Gott schickt einen Fisch, der Jona verschlingt. Dort im Bauch des Fisches erklärt Jona sich bereit Gottes Auftrag auszuführen. Der Fisch spuckt Jona vor der Küste Assyriens aus. Jona geht nach Ninive und erklärt: Noch drei Tage dann wird Ninive untergehen. Wider Erwarten tun alle Buße. Gott verschont Ninive. Jona überlebt. Aber er ist sauer, setzt sich in die Sonne und will sterben. Gott lässt einen Strauch wachsen, der Jona Schatten spendet. Dann schickt Gott einen Wurm, der den Strauch vernichtet. Jona ist noch saurer. Gott wirbt um Jona und versucht ihm zu erklären, dass er Mitgefühl mit Ninive hat und findet, dass Jona es gut finden soll, dass die Katastrophe nicht eingetreten ist.

Wir Messeler bitten heute darum, vor Katastrophen bewahrt zu werden. Wir wissen: Auch wir machen Fehler und handeln oft nicht so wie Gott es will. Auch wir sind darauf angewiesen Buße zu tun und umzukehren.  Auch wir sind auf die Freundlichkeit Gottes angewiesen. Deshalb wollen wir in unserem Verhalten die Freundlichkeit Gottes und die gute Zukunft für unser Gemeinwesen Messel widerspiegeln.

In den Zeiten nach Corona und der der Ahrtalflut wissen wir: unser Leben ist durch die Klimaveränderungen unsicherer geworden. Das stresst. Das macht Menschen ungenießbarer. Und das ist Anlass dafür, sich an Gott zu wenden. Die Unsicherheit und Angst dort bei Gott zu lassen. Und Gott zu bitten uns zu helfen Buße zu tun, umzukehren und mehr für den Klimaschutz zu tun.

Ich finde, die Geschichte von Jona kann uns dazu helfen. Da ist alles so dramatisch zugespitzt. Und in dieser Zuspitzung können wir mit unseren Gefühlen vorkommen.

Da ist Jona. Jona geht einem gefährlichen Auftrag Gottes aus dem Weg. Was denkt er sich nur? Denkt er, er kann dem entkommen?

Ich sehe das auch heute. Da rauchen Menschen weiter, obwohl es von ihrer Gesundheit her dringend wäre, damit aufzuhören. Da schaffen es Menschen nicht, ihre Angst vor einer Behandlung zu überwinden. Wir als Gesellschaft schaffen es nicht, angemessen und vernünftig und  sachlich zu diskutieren und erst recht nicht zu handeln. Wissenschaftler mahnen seit 50 Jahren, dass wir zu viel Treibhausgase in die Atmosphäre pusten und es so immer wärmer wird. Und es geschieht zu wenig.

Diese Erfahrung haben fast alle Propheten in der Bibel gemacht. Sie mahnen im Namen Gottes. Die Reichen sollen die Armen nicht ausbeuten und ungerecht behandeln. Das Volk soll Gott vertrauen  und nicht in Panik verfallen. Und all diese Worte sind in den Wind gesprochen.

Jona denkt sich zu Recht. Ich soll nach Ninive gehen. In die Hauptstadt des Feindes. Ich soll denen sagen: noch 3 Tage, dann wird Ninive untergehen. Dabei gefährde ich nur mich selbst. Die hauen mich zusammen oder bringen mich um. Und sie hören ganz bestimmt nicht auf mich. Wann wurde denn je auf mahnende Propheten gehört? Die können Sonntagsreden halten so viel sie wollen. Der Alltag ist der Alltag und da muss man Ellbogen ausfahren. Wer da moralisch zögert, hat schon verloren.

Dann gibt es die  dramatische Lage auf dem Schiff. Mitten im Sturm kann Jona schlafen. Er kann gut verdrängen auf seiner Flucht vor Gott. Aber dann gibt er zu, was los ist und fordert die Matrosen auf, ihn von Bord zu werfen. Nach menschlichem Ermessen also dem sicheren Tod auszuliefern. Und tatsächlich: der Sturm hört auf, sobald Jona über Bord ist. Die Matrosen wissen: hier ist etwas von Gott geschehen. Und dann ist Jona drei Tage im Bauch des Fisches und betet seinen Psalm um Rettung. In der Tiefe ist er jetzt wahrlich. Am Tiefpunkt angekommen. Und der Tiefpunkt ist tatsächlich der Wendepunkt. Die erste große wundersame Umkehr im Jonabuch ist die Umkehr des Jona. Er hört auf, wegzulaufen. Er stellt sich dem, was dran ist. Er stellt sich seiner Angst.

Die zweite große wundersame Umkehr ist die Umkehr der ganzen Stadt. Vom König bis zum Kleinkind. Sogar die Tiere bekommen einen Sack übergestülpt und ein wenig Asche übergestreut als Bild der Trauer.

Jetzt kommt die dritte wundersame Umkehr. Gott kehrt um. Er wollte Ninive zerstören wie damals Sodom und Gomorrha. Da war doch Hopfen und Malz verloren. Damals waren noch nicht einmal 10 Gerechte in der ganzen Stadt. Und jetzt kehrt Gott  um. Glaubt er etwa wirklich, dass da jetzt die Gerechtigkeit ausbricht in Ninive?

Gott setzt darauf, dass auch in der Geschichte von Nivive der Wendepunkt wirksam ist. Dass vielleicht die Menschen nicht sofort ihre Ellbogen einsetzen müssen, weil sie tief im Inneren noch die Erinnerung mit sich tragen: ich bin wertvoll für Gott. Gott hat auf mein Beten reagiert. Ich bin gerettet. Jetzt kann ich auch als ein geretteter Mensch leben.

Und jetzt müsste noch eine vierte Umkehr kommen. Aber die ist offensichtlich die Schwierigste. Jona ist sauer, dass sein Auftrag nicht zur Zerstörung von Ninive geführt hat. Das ist die Hauptstadt der Feinde. Das ist so, wie wenn ein Prophet aus der Ukraine den Auftrag von Gott bekommt, nach Moskau zu gehen. Er soll sich auf den Roten Platz stellen und predigen: Noch 3 Tage, dann wird Moskau untergehen. Moskau kehrt um und wird verschont. Und er ist vor der Stadt und ist sauer. Er hat es wider Erwarten überlebt. Aber auch Moskau hat es wider Erwarten überlebt.

Das Buch Jona endet mit einem sanften Werben um Jona. Gott wirbt darum, dass Jona allmählich aufhört, so in Feindschaft und Wut eingegraben zu sein. Gott handelt an ihm wie an einem trotzigen Kindergartenkind. Er lässt eine Staude wachsen, die ihm in der Mittagshitze Schatten gibt. Er lässt einen Wurm die Staude kaputt fressen. Und Gott fragt: dich bekümmert diese Staude und mich sollten nicht die vielen Menschen in der Stadt kümmern?

Ob auch Jona es schafft, umzukehren von seinem Zorn, das bleibt offen.

Auch um unsere Umkehr geht es. Wo ist die bei uns nötig? Wo sind wir so eingegraben, dass wir die Freundlichkeit Gottes verpassen und das, was sie bei uns an Wunderbarem bewirken kann? Und das betrifft nicht nur den Klimawandel. Es geht auch um unsere Beziehungen in den Familien in den Nachbarschaften.

Möge unsere Umkehr gelingen! Das Wunder kann geschehen. Das bezeugt die Bibel immer wieder und weltweit und religionsübergreifend gibt es viele Erzählungen, die davon berichten. Mehr als wir manchmal denken. Vielleicht sind Wunder gar nicht so selten, wenn wir anders auf die Wirklichkeit schauen.