Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
die Adventszeit ist da. Wir haben den Weihnachtsmarkt erlebt. Leckeres gegessen und uns an den Lichtern überall erfreut. Licht scheint in die Finsternis. In diesen dunklen Tagen brauchen wir das besonders. Und wie Licht in die Finsternis kommt, da hat unser Predigttext heute den ultimativen Rat. Aber Hören Sie selbst. Ich lese
Römer 13,8-12:
8Bleibt niemandem etwas schuldig,
außer einander zu lieben!
Denn wer seinen Mitmenschen liebt,
hat das Gesetz schon erfüllt.
9Dort steht:
»Du sollst nicht ehebrechen!
Du sollst nicht töten!
Du sollst nicht stehlen!
Du sollst nicht begehren!«
Diese und all die anderen Gebote
sind in dem einen Satz zusammengefasst
»Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!«
10Wer liebt, tut seinem Mitmenschen nichts Böses an.
Darum wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.
Leben im Licht des kommenden Tages
11Ihr wisst doch, dass jetzt die Stunde schlägt!
Es ist höchste Zeit für euch,
aus dem Schlaf aufzuwachen.
Denn unsere Rettung ist näher als damals,
als wir zum Glauben kamen.
12Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.
Lasst uns alles ablegen,
was die Finsternis mit sich bringt.
Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen,
die das Licht uns verleiht.
Licht scheint in die Finsternis und es scheint durch uns, wenn wir uns an das grundlegende Gebot Jesu halten. Bleibt niemand etwas schuldig außer einander zu lieben. Wir haben im Kirchenvorstand überlegt, was dazu alles gehört. Schritt eins, uns selbst lieben, Schritt zwei die Menschen lieben, die uns begegnen, Schritt drei Bedingungen unterstützen, die es allen leichter machen einander zu lieben. Vielleicht ist dabei der erste Schritt der schwierigste. Sich selbst lieben ist heute schwerer denn je. Wir werden im Radio im Fernsehen und im Internet bombadiert mit Botschaften, dass wir nicht ok sind, sondern in jeder Hinsicht besser sein müssten. Das fängt beim Körper an. Ich habe inzwischen tausende von Vorschlägen bekommen, wie ich abnehmen soll. Die Welt ist voll von Bildern von Frauen, die mal dick waren und jetzt schön schlank und durchtrainiert daher kommen. Von Pillen über Tees bis Spritzen und Übungsprogrammen für die schrägsten Sportarten oder einfachsten Körperübungen bis teuren Mitgliedschaften in Sportstudios ist da alles dabei. Es nervt. Klar ist es gesünder dünner zu sein. Aber es ist auch gefährlich, wenn sich das innere Bild dünn sein zu müssen in eine Magersucht auswächst. Da besteht dann wirklich Lebensgefahr.
Aber diese Verhinderung von Selbstliebe macht beim Körper nicht halt. Jede einfache Serie enthält inzwischen Bilder von Männern, die sich einfach perfekt gegenüber ihren Partnerinnen verhalten. Sie sind einfühlsam, liebevoll und tragen ihren Frauen auf Händen. Ersten fühlen sich Männer davon schlecht, weil sie diesen Grad an perfektem Verhalten bei all dem Stress im Alltag nie erreichen können. Und es fühlen sich Frauen schlecht, weil sie diese Männer mit ihren eigenen Partnern vergleichen und dann denken, dass sie es schlecht getroffen haben. Und dann denken sie vielleicht noch, wenn ich so aussehen würde wie diese Fernsehschönheit, dann würde er mich vielleicht auch so behandeln. Das ist natürlich alles Blödsinn, aber gefährlicher Blödsinn, weil diese perfekte Welt im Fernsehen uns einsam macht und gereizt. Und sie macht es uns unendlich schwer uns selbst und dann auch die Menschen zu lieben, mit denen wir zu tun haben.
Um die Menschen zu lieben, mit denen wir zu tun haben, bräuchten wir echt andere Bedingungen. Wir bräuchten auf jeden Fall weniger Druck, mehr ruhige Zeiten, viel weniger Stress. Und wir müssten anfangen zu akzeptieren, dass wir in einer nicht perfekten Welt leben. Und diese Welt auch nie so perfekt sein wird, wie wir sie uns wünschen. Und dazu gehört, dass weder wir so sein werden wie wir uns uns selbst wünschen. Und auch die anderen werden nie so sein wie wir sie uns wünschen. Die Kunst einander nichts schuldig zu bleiben außer einander zu lieben, besteht wesentlich darin das Unvollkommene zu lieben und etwas oder jemanden auch dann wertzuschätzen, wenn er, sie oder es nicht unseren Vorstellungen entspricht.
Dazu gehört dann auch das Gute zu sehen und nicht nur das Schlechte. Es gibt immer Beides. Und es kommt darauf an auch beides wahrzunehmen und nicht nur die eine Hälfte der Wirklichkeit – und uns damit zu versöhnen.
Wir sind alle wie ein angeschlagenes Milchtöpfchen. Vielleicht ist schon etwas vom Henkel abgeplatzt. Das hübsche Muster ist schon etwas verblasst. Vielleicht kann man es nicht mehr bis oben hin füllen. Aber es hält die Milch noch.
Der letzte Vers unseres Predigtextes sagt: 12Die Nacht geht zu Ende, der Tag bricht schon an.
Lasst uns alles ablegen,
was die Finsternis mit sich bringt.
Lasst uns stattdessen die Waffen anlegen,
die das Licht uns verleiht.
Die Waffen des Lichts. Sie sind wichtig. Sie erlauben uns, dass alles gut ausgeleuchtet wird. Sie helfen uns zu erkennen, was wirklich ist und nichts nur das was Radio, Fernsehen und Internet uns sehen lassen wollen. Die Wirklichkeit Gottes, Licht für alle Menschen, das erscheint, wenn wir uns Zeit nehmen für eine tiefere Wahrnehmung. Wenn wir uns in der Natur bewegen, den Wechsel der Jahreszeiten erleben, das sprießende Wintergetreide, die gefrorenen Pfützen, die Kälte im Gesicht spüren. Eine tiefere Wahrnehmung, wenn wir uns Zeit nehmen einander wirklich zuzuhören, das Leuchten in den Augen der Kinder sehen und die Traurigkeit in der Haltung der Nachbarin, die ihren Mann verloren hat. Die Liebe zum Nächsten finden wir ganz einfach, wenn wir anfangen ins uns selbst und im anderen das geliebte Kinde Gottes zu erleben.
Ich weiß das ist schwer, gerade wenn dieses geliebte Kind Gottes mich mal wieder sehr wütend gemacht hat. Aber genau dann brauche ich die andere Seite. Dann brauche ich zu merken, wo dieses geliebte Kind Gottes auch etwas Gutes hingekriegt hat, vielleicht auf eine Art und Weise, auf die ich so etwas nie geschafft hätte.
Liebe Gemeinde, üben wir den Blick auf uns selbst und auf die anderen, der beide Seiten sieht. Die Grenzen, das Ärgerliche aber auch das Schöne und das Gute. Und halten wir uns daran fest, dass in der Tiefe wir und die anderen liebenswert sind gerade in unserer Unvollkommenheit, gerade in dem, was wir gerne los wären und anders hätten. Gott hat diese Welt gut geschaffen. Aber sie ist noch nicht fertig. Und auch wir und die anderen sind noch nicht fertig. Es gibt immer noch Luft nach oben und Luft nach unten. Lassen Sie uns uns an der Unvollkommenheit dieser Welt freuen und uns selbst und unsere Nächsten in genau dieser Unvollkommenheit lieben. Nehmen wir uns die Zeit und die Geduld, genau hinzusehen, genau zuzuhören, dann wird die Liebe in uns und in anderen zum Vorschein kommen und das Leben hell machen. Denn Gott hat diese Möglichkeit zu lieben in uns alle gelegt. Auch wenn sie manchmal verschüttet ist, sie kann doch wieder zum Vorschein kommen, wenn wir den Stress zurückdrängen und uns Zeit und Ruhe gönnen.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!