Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
heute am Buß- und Bettag haben wir einen spannenden Bibeltext, über den wir nachdenken dürfen. Bestraft Gott Einzelne oder auch ganze Völker, wenn sie Böses tun und sich nicht an seine Gebote halten? Sind die Katastrophen unter denen wir momentan leiden, Kriege, Klimawandel, Dürren, Seuchen, Artensterben, Strafen Gottes für unser falsches Handeln?
Ich lese
Hesekiel 22,23-31
23Das Wort des Herrn kam zu mir:
24Du Mensch, sag zum Land Israels:
Du bist ein Land, das nicht rein gemacht wurde.
Es fiel kein Regen mehr auf dich,
als mein Zorn dich traf.
25Die Herrscher des Landes verhalten sich wie Löwen:
Sie brüllen und reißen Beute.
Sie haben Menschen gefressen,
Schätze und Reichtümer genommen
und viele Frauen im Land zu Witwen gemacht.
26Die Priester des Landes
haben meine Weisung willkürlich ausgelegt.
Sie verachteten das, was mir heilig ist.
Sie machten keinen Unterschied mehr
zwischen Heiligem und Alltag.
Sie haben nicht mehr gelehrt,
was rein ist und was unrein.
Sie sorgten sich nicht um den Sabbat.
So wurde ich in diesem Land in den Dreck gezogen.
27Die Herrscher des Landes reißen Beute wie Wölfe:
Sie vergießen Blut und töten Leben,
um sich unrechtmäßig mit Beute vollzustopfen.
28Die Propheten verschleiern das für sie:
Ihre Visionen sind nutzlos
und die Orakel für das Land sind trügerisch.
Sie sagen: »So spricht Gott, der Herr!«
Aber der Herr hat überhaupt nicht gesprochen.
29Das Volk des Landes hat Erpressung und Raub begangen.
Es hat Arme und Besitzlose ausgebeutet,
Fremde ungerecht behandelt und mit Gewalt unterdrückt.
30Ich habe unter ihnen jemanden gesucht,
der die Schutzmauer des Landes ausbessert.
Ich wollte jemanden finden, der mich aufhält,
damit ich das Land nicht zerstöre.
Doch ich habe niemanden gefunden.
31Da goss ich meinen Ärger über sie aus.
Im Feuer meines Zorns machte ich ihnen ein Ende.
Ich ließ sie die Folgen ihres Verhaltens spüren.
– So lautet der Ausspruch von Gott, dem Herrn.
Hesekiel deutet die Katastrophe, die über Israel hereingebrochen ist als Strafe Gottes für das gottlose Verhalten des Volkes Israel, seiner Herrscher, Priester und Profeten. Israel bzw, das Südreich Juda wurde von den Babyloniern vernichtet und die Oberschicht ins Exil nach Babylon verschleppt. Hesekiel sitzt jetzt mit den anderen verschleppten Israeliten in Babylon und trauert über das verlorene Land und verlorenen Leben.
Und er sagt seinen Leuten: Ihr seid selbst schuld an dem was euch da passiert ist. Ihr habt den Zorn Gottes auf euch herab gerufen, indem ihr systematisch Gottes Gebote gebrochen habt, gewalttätig gegen Fremde Arme und Besitzlose gehandelt habt. Und außerdem habt ihr nicht den Sabbat also den wöchentlichen Ruhetag eingehalten und behauptet, Gott hätte zu euch gesprochen, obwohl er das gar nicht getan hat. Sie haben so getan als wäre alles in Ordnung, war es aber nicht. Hesekiel findet, seine Leute müssen einsehen, was sie falsch gemacht haben. Denn diese Einsicht birgt Hoffnung. Wenn sie selbst an der Katastrophe schuld sind, dann können sie sich ändern und anders handeln und dann gibt es eine Chance, dass Gott ihnen aus ihrer verzweifelten Lage heraushelfen wird.
Spannend finde ich in unserem Text Vers 31: 31Da goss ich meinen Ärger über sie aus.
Im Feuer meines Zorns machte ich ihnen ein Ende.
Ich ließ sie die Folgen ihres Verhaltens spüren.
– So lautet der Ausspruch von Gott, dem Herrn.
Ich ließ sie die Folgen ihres Verhaltens spüren. Ich glaube das ist auch für uns heute wichtig. Die Strafe Gottes ist, dass Gott nichts tut. Er lässt uns die Folgen unseres Verhaltens spüren.
Der Klimawandel ist die Folge, davon dass wir klimaschädliche Gase in die Atmosphäre freisetzen. Das Artensterben hängt mit unserer Form Landwirtschaft zu treiben zusammen. Die Kriege sind die Folge davon, dass mindestens eine von zwei Konfliktparteien, sich nicht um den Ausgleich von Interessen gekümmert hat. Und manche tropischen Krankheiten wandern zu uns, weil es wärmer wird. Wir ernten, was wir gesät haben. Und die Folgen erwischen nicht nur die Schuldigen sondern auch die Unschuldigen.
Die Strafe Gottes ist, dass Gott nichts tut. Er lässt uns und die ganze Weltbevölkerung die Folgen unseres Verhaltens spüren.
Dies ist die Idee des Profeten Hesekiel im Exil in Babylon. Können wir dem folgen?
Passt das zu unserem Bild von Gott?
In der Grundschule haben wir den Kindern beigebracht, dass Gott lieb ist und uns alle liebt und beschützt.
Das stimmt schon. Aber es ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, dass Gott uns Regeln und Gebote gegeben hat, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen würden. Und wir ständig dagegen verstoßen und uns selbst und anderen damit das Leben schwermachen. Und es uns möglicherweise damit gelingen wird, die Menschheit zu vernichten. Ich habe mir zufällig ein Buch in der Hessen Onleihe von einem Amerikaner ausgeliehen mit dem schönen Titel: Menschen sind Idioten und ich kann es beweisen. Das Buch muss man nicht unbedingt gelesen haben. Es enthält nicht so viele neue Ansichten. Aber der Titel stimmt: Wir Menschen sind ständig damit beschäftigt uns selbst Fallen zu stellen, uns das Leben schwer zu machen und lauter Dinge zu tun, die uns selbst und anderen, die uns wichtig sind, schaden.
Und was tut Gott. Er oder sie lässt uns machen.
Offensichtlich hat Gott uns die Verantwortung für unser Leben und Handeln übertragen und findet, dass wir auch die Folgen davon tragen sollten. Und zwar nicht nur wir selbst sondern auch die anderen, mit denen wir zusammen leben. Das empfinden wir heute als ungerecht. Aber damals zur Zeit des Profeten Hesekiel war das selbstverständlich, dass man in ein Geflecht von Beziehungen eingebunden ist und mit allem eigenen Handeln auch dieses Geflecht beeinflusst und dann auch das gemeinsame Schicksal teilt.
Das heißt: Kinder sterben in Gaza weil über mehr als ein halbes Jahrhundert es niemandem gelungen ist, den Nahostkonflikt zu lösen? Wer auch immer daran schuld ist. Kinder verhungern, weil Dürre in einigen Landstrichen Afrikas herrscht und es heißer geworden ist. Und das ist nicht Gottes Verantwortung sondern die der Menschen.
Und wir können uns jetzt natürlich fragen: Gott tut nichts gegen unser falsches Handeln und überlässt uns unserem Schicksal? Ist das so?
Nein, Hesekiel sieht das zumindest anders. Gott überlässt uns den Folgen unseres Handelns, damit wir umkehren und es in Zukunft besser machen. Er sagt seinen Schicksalsgenossen in Babylon, wenn ihr einseht, was ihr falsch gemacht habt und es in Zukunft besser macht, dann wird Gott uns helfen. Dann bringt Gott uns zurück in unser Land und gibt uns noch einmal eine Chance.
Hier möchte ich mich dem Profeten anschließen. Wenn wir unsere Fehler einsehen und umkehren und die Probleme angehen und versuchen es besser zu machen, dann wird Gott uns noch eine Chance geben. Dann wird er oder sie einen Ausweg zeigen und uns helfen etwas zu finden, was die Folgen unseres bisherigen Handelns aufhält. Davon bin ich überzeugt und ich setze meine ganze Hoffnung darauf. Aber das wird nur gehen, wenn wir alle aufhören wie das Kaninchen auf die Schlange auf die scheinbar unlösbaren Probleme starren und endlich anfangen etwas gegen unsere Probleme zu tun.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!