Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
der Januar als der erste Monat im Jahr soll besonders der Gesundheit dienen. Da wird der trockene Januar ausgerufen, also der Januar ohne Alkohol. Viele gehen nach den Weihnachtstagen ins Fitnessstudio oder mit neuen Vorsätzen ins neue Jahr.
Wir bekommen heute auch eine Physiotherapie für unseren Glauben empfohlen. Ich lese Hebräer 12,
12Macht deshalb die müden Hände
und die erlahmten Knie wieder stark!
13Und schafft für eure Füße gerade Pfade.
Denn was lahm ist, soll nicht auch noch fehltreten,
sondern geheilt werden.
14Bemüht euch um Frieden mit allen Menschen
und auch um Heiligkeit.
Ohne sie wird niemand den Herrn sehen.
15Achtet darauf, dass niemand zurückbleibt
und so die Gnade Gottes verliert.
Lasst keinen Spross aus einer giftigen Wurzel aufgehen.
Sonst richtet sie Unheil an,
und viele werden durch sie vergiftet.
16Niemand soll unmoralisch oder ohne Gott leben wie Esau.
Der hat für eine einzige Mahlzeit
sein Recht als Erstgeborener verkauft.
17Ihr wisst ja: Als er später den Segen
und damit sein Erbe haben wollte,
wurde er verworfen.
Er fand keine Möglichkeit, sein Leben zu ändern,
obwohl er unter Tränen danach suchte.
Das unvergängliche Reich empfangen
18Ihr seid nicht zum Berg Sinai gekommen,
den man anfassen kann –
nicht zu dem brennenden Feuer,
zu Dunkelheit, Finsternis und Sturm.
22Ihr seid vielmehr zum Berg Zion gekommen
und zur Stadt des lebendigen Gottes:
zum himmlischen Jerusalem.
Ihr seid zu Zehntausenden von Engeln gekommen –
zu einer Festversammlung 23und zur Gemeinde derer,
die als Erste geboren wurden
und im Himmel aufgeschrieben sind.
Ihr seid zu Gott gekommen, der über alle Gericht hält,
und zu den Gerechten.
Sie sind schon zur Vollendung gelangt
und ihr Geist ist schon bei Gott.
24Ihr seid zu Jesus gekommen,
dem Vermittler des neuen Bundes –
und zu dem Blut, mit dem ihr besprengt seid
und das machtvoller redet als das Blut Abels.
25Gebt acht, dass ihr den nicht abweist,
der so zu euch spricht!
Macht die müden Hände und die erlahmten Knie wieder stark.
Das ist doch eine gute Idee. Aber wie geht das?
Physiotherapie nützt. Ich kann es bezeugen. Man muss die Übungen nur regelmäßig machen und möglichst auch nicht zu schlampig. Auch dann, wenn man gerade keine Lust dazu hat. Aber die Übungen, die mir meine Physiotherapeutin gezeigt hat, nützen.
Was könnten die physiotherapeutischen Übungen im christlichen Glauben sein, für uns persönlich, für unsere Kirchengemeinde, für unsere Gesellschaft insgesamt?
Persönlich ist die Lage klar: in den Gottesdienst gehen, in der Bibel oder im Gesangbuch oder in christlichen Büchern lesen, Beten und vielleicht die Sorgen und Ängste aufschreiben, um sie wirklich besser loszuwerden. Alle eure Sorgen werfet auf ihn, denn er sorgt für euch. Das zu tun ist schwer. Und auch hier gilt: regelmäßige Übungen helfen. Auch hier gilt: Physiotherapie nützt. Mein christlicher Glaube nützt mehr, wenn ich ihn übe und anwende.
Schauen wir uns die Kirchengemeinde an. Was können da die richtigen Physio-Übungen sein, damit wir zusammen im christlichen Glauben wachsen? Wir sind ein Gemeinwesen, das aus einzelnen Menschen besteht, die jeweils in ihren Problemen stecken. Und doch ist das Ganze mehr als die Summe seiner Teile. Wenn wir zusammen Gottesdienst feiern und im Stillen Gebet uns gemeinsam an Gott wenden – dann ist da mehr. Dann ist da der Blick zu Himmel erweitert. Daran wollen wir festhalten, was auch immer an Entwicklungen auf uns zukommt. Ich habe Kirchengemeinden immer als ein tolles Netzwerk erlebt. Eine wechselseitige Unterstützung. Unsere Physio als Kirchengemeinde lautet: einander unterstützen und Gott ins Spiel bringen. So werden wir mehr als die Summe der Teile. Weil Gott und sein Segen dazu kommen und unser Netzwerk an wechselseitiger Unterstützung stärken und Gelingen dazu geben. Gelingen mitten im Misslingen, trotz alles Misslingens.
Christliche Physio – was kann das für unsere Gesellschaft heißen hier in Deutschland?
Ich beobachte: die Konfessionslosen sind die größte Konfession in Deutschland und sie wachsen am stärksten. Was leisten sie für die Gesellschaft? Ich finde, viel weniger als wir Kirchenmitglieder. Wir Kirchenmitglieder leisten viel für den Zusammenhalt und das Miteinander. Und das müssen die Konfessionslosen erst mal nach machen. Es wird Zeit, dass diese Trittbrettfahrer unter Druck und nicht wir Kirchenmitglieder. Der Trend muss umgekehrt werden, damit unsere Gesellschaft auch in Zukunft noch ein Mindestmaß an Menschlichkeit und Freundlichkeit und Hoffnung und Gelassenheit hat. Der gesellschaftliche Druck führt dazu, dass die Kirche vieles zurückschraubt. Das ist bitter und wird uns schwächen. Aber für unsere Gesellschaft ist eine starke christliche Stimme sehr wichtig. Menschen, die mit Gott verbunden sind beeinflussen ihre Umgebung positiv. Schon von Abraham wird das in der Bibel erzählt. In der Gegend, durch die Abraham zog, haben die Schafe und Ziegen sich gut vermehrt und haben keine Krankheiten bekommen. Die Ernten haben sich verdoppelt, Heuschrecken sind drum herum geflogen und die Menschen hatten genug zu essen.
Liebe Gemeinde, wir sind nicht einfach Gerechte wie es von Abraham erzählt wird. Aber wir machen uns Gedanken über uns Verhalten. Wir hören auf die Worte der Bibel und versuchen etwas davon zu leben. Wir beten dafür, dass gute Entscheidungen getroffen werden, in unserem Ort, in unserem Landkreis, in unserem Bundesland, in Deutschland, in Europa und weltweit. Wir tragen damit dazu bei, dass diese Gesellschaft menschlich bleibt und die Hoffnung nicht verliert. Christliche Physio für diese Gesellschaft könnte bedeuten, dass wir erkennen und würdigen, wie wichtig eine gut funktionierende christliche Kirche ist. Zu einem Zeitpunkt, wo diese Kirche einiges ausdünnt und sich aus der Fläche zurückzieht. Damit diese Politik sich ändert, muss anders gedacht werden. Und damit beginnen wir heute. Physio bedeutet: ich habe ein Problem. Ich lasse mir Übungen sagen, die helfen. Und dann muss ich nur noch regelmäßig die Übung machen.
Aber Übungen sind natürlich nicht alles. Sie werden uns nur Weiterbringen, wenn sie mit der Hoffnung auf Gottes unverdiente Gnade verbunden sind. Gott verheißt uns eine wunderbare Zukunft, die wir uns nicht verdienen können. Unser Predigttext aus dem Hebräerbrief enthält etwas davon. Da ist die Rede von einer geheimnisvollen, himmlischen Welt. Wir gehören schon zum himmlischen Jerusalem, zur Festversammlung mit Zehntausenden Engeln und Christinnen und Christen aus aller Welt und vergangenen und künftigen Zeiten. Unser Blick wird geweitet über unsere kleinen persönlichen Probleme hinaus. Wir gehören zu einer großen Geschichte. Zur Geschichte Gottes mit seinem Volk.
Übrigens: die Bibel ist oft sehr realistisch. Wir sind ja immer auch noch christliche Anfänger und wir sollen uns nicht überfordern. Wir sind christliche Anfänger und machen unsere Übungen für Anfänger. Wir achten aufeinander und darauf, dass niemand zurückbleibt. Aber wir überfordern uns nicht.
Liebe Gemeinde.
Physio nützt. Man muss nur die Übungen machen.
Das können wir. Als einzelne Christinnen und Christen können wir unsere Glaubensentwicklung fördern und stärken. Als Kirchengemeinde können wir mit Hoffnung und Gottvertrauen und Gelassenheit durch die Veränderungen gehen, die anstehen. Als Gesellschaft können wir anfangen wertzuschätzen, was wir an funktionieren christlichen Gemeinden haben.
Ich wünsche uns gute Erfahrungen und Gelingen bei der christlichen Physio.
Und der Friede Gottes…