Dazu gehören 9.6.24

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute ist der Tag der Europawahl. Und spannenderweise geht ist in unserem Predigttext heute zwar nicht um die Integration der Europäischen Union aber um die Integration der christlichen Gemeinde zu der Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen und Herkunftsreligionen gehören.

Ich lese Epheser 2,17-22

17Er kam und verkündete Frieden:

Frieden für euch in der Ferne

und Frieden für die in der Nähe.

18Denn durch ihn haben wir beide

in ein und demselben Geist Zugang zum Vater.

19Ihr seid also nicht mehr Fremde

und ohne Rechte in Israel.

Ihr seid vielmehr Mitbürger der Heiligen

und Mitglieder von Gottes Hausgemeinschaft.

20Ihr seid gegründet

auf dem Fundament der Apostel und Propheten,

dessen Grundstein Christus Jesus ist.

21Durch ihn wird der ganze Bau zusammengehalten.

So wächst er zu einem heiligen Tempel empor,

der dem Herrn gehört.

22Weil ihr zum Herrn gehört, werdet auch ihr

als Bausteine in diesen Tempel eingefügt.

Gott wohnt darin durch den Heiligen Geist.

Frieden für alle für die in der Ferne und in der Nähe. Wer hätte sich vor hundert Jahren vorstellen können, dass Frankreich und Deutschland zu einer Europäischen Union gehören könnten und in ihrer Freundschaft diese Union tragen. Vor hundert Jahren war gerade mal der erste Weltkrieg zu Ende und Frankreich und Deutschland wurden als Erbfeinde bezeichnet. Und jetzt ist ein Krieg innerhalb der Europäischen Union undenkbar geworden. Was für ein Fortschritt in einer relativ kurzen Zeit. Vielleicht dauert es gar nicht mehr so lange bis Frieden sich über die Grenzen der bisher verfeindeten Länder hinweg ausdehnt. Frieden für euch in der Ferne und Frieden für die in der Nähe ist in den Bereich des Vorstellbaren gekommen. Und wenn sich die Menschen erst mal etwas vorstellen können, dann dauert es vielleicht gar nicht mehr so lange bis es möglich wird. Der Verfasser des Epheserbriefes hat sich diesen Frieden innerhalb der christlichen Weltgemeinschaft vorgestellt und hat damit viel bewirkt. Auch wenn die Begründung dafür hier reichlich konfus wirkt. Der Verfasser des Briefes an die Gemeinde in Ephesus vermischt hier in kurzen Sätzen mehrere Bilder.

  1. Wir sind keine Ausländer mehr sondern Mitbürger und gehören zur Hausgemeinschaft Gottes, der Israel als sein Volk erwählt hat. Wir haben jetzt die gleichen Rechte wie Mitglieder des Volkes Israel in dieser neuen Hausgemeinschaft aus Juden und Griechen.
  2. Wir sind Steine in einem Bauwerk, dessen Grundstein Christus ist und dessen Fundament die Apostel bilden. Dieses Bauwerk ist der heilige Tempel Gottes.
  3. In dem heiligen Tempel Gottes, der aus Menschen besteht, wohnt Gott durch den Heiligen Geist, der damit in diesen Menschen wirkt.

  Diese Bilder eröffnen interessante Perspektiven, wenn man sie auf die heutige Situation überträgt.

Im christlichen Abendland wurde die Demokratie entwickelt. Und unser Glaube ist ein wichtiger Baustein für Demokratie. Erstmals in der Geschichte wurde die Idee entwickelt, dass alle Menschen Mitbürger sein können. Gleichberechtigte Bürger eines Gemeinwesens, was nicht nach der Herkunft fragt sondern  nach den eigenen Möglichkeiten und nach der Zukunft des Gemeinwesens. Entscheidend ist nicht, ob man Deutsche oder Franzose ist oder Litauerin oder Rumäne, oder damals Jüdin oder Grieche. Entscheidend für das Bürgerrecht ist die Möglichkeit sich für den Geist Gottes zu öffnen und etwas zu seinem heiligen Tempel beizutragen.

Und das ist auch heute der Punkt. Wir brauchen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die bereit sind etwas zu dem Ganzen beizutragen, die eine Gemeinschaft sei es nun den Ort Messel oder die Europäische Union tragen können.

Der Geist Gottes ist grundsätzlich allen Menschen zugänglich, denn Gott hat uns alle mit dieser Möglichkeit geschaffen. Und Jesus Christus hat allen grundsätzlich im Geist den Zugang zu Gott eröffnet. Das ist ein universaler Satz unseres Glaubens. Wir wissen, dass der heilige Geist weht wo er will. Und damit wissen wir auch, dass wir ihn nicht in eine begrenzte Kirche sperren können, ihn nur für uns in Anspruch nehmen dürfen und damit versuchen Gott eine Grenze in seiner Wirksamkeit zu setzen. Das ist nicht möglich. Und das heißt, wir sollten unseren Glauben glaubwürdig vertreten und auch darauf bestehen, dass wir etwas Wichtiges von Gottes Wirken darin erfasst haben. Aber wir müssen damit rechnen, dass Gott auch durch andere Religionen und andere Traditionen wirkt. Wir dürfen stolz darauf sein, Mitbürger und Hausgenossen Gottes zu sein. Aber in diesem Haus Gottes wird es auch Zimmer geben, in denen Menschen wohnen, die wir nicht verstehen, die aber auch wichtige Bausteine zum Tempel Gottes beitragen.

Und natürlich dürfen wir darauf vertrauen, dass das Fundament dieser Gemeinschaft und dieses heiligen Tempels Gottes stark und fest und sicher ist, weil der Grundstein Christus ist und das Fundament von den Aposteln gebildet wird.

Vieles ist heute ins Schwimmen geraten. Es ist schwer etwas zu finden, auf das man sich verlassen kann.

Und da höre ich gerne auf den Epheserbrief, wenn er sagt: Hier ist ein zuverlässiges Fundament. Im christlichen Glauben könnt ihr Frieden finden. Hier gibt es einen Zugang zu dem Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat. Und ihr werdet hineingenommen in eine Gemeinschaft, die vielleicht auf den ersten Blick schwach aussieht, aber es überhaupt nicht ist. Denn Gott ist dabei sich diesen Tempel aus Menschen zu bauen. Das geht vielleicht langsam. Aber es der Tempel wächst immer weiter in die Höhe. Und ihr gehört dazu, zu einer Gemeinschaft, die auf sicherem Fundament steht.

Hmm… Widerspricht hier der Epheserbrief nicht unserer Erfahrung. Ist nicht genau diese Gemeinschaft gerade dabei zu zerbrechen?

Viele können mit dem christlichen Glauben nichts mehr anfangen. Das finde ich verständlich, denn um in der Tiefe zu verstehen, was das Evangelium für eine tolle Botschaft ist, was uns hier Gott Wunderbares anbietet. Dafür muss man sich schon ziemlich intensiv damit beschäftigen. Der Zugang ist nicht so einfach. Und vielleicht ist es sogar nötig etwas älter zu werden und merken wie brüchig und gefährdet das ist, worauf Menschen sonst versuchen ihr Leben zu gründen. Sei es materieller Reichtum, Ansehen, viel Arbeit oder Coolness.

In unserer zweitausendjährigen Geschichte finden sich viele Schätze, die darauf warten gehoben zu werden. Und deshalb mache ich mir keine großen Sorgen über den Zusammenbruch der christlichen Kirchen. Obwohl es mich ärgert, dass die Leute unserem Glauben hier vor Ort so wenig zutrauen und überall auf der Welt nach Spiritualität suchen nur nicht zu Hause. Aber auch das wird sich wieder ändern. Die Schätze unserer Tradition warten darauf gehoben zu werden und das Angebot Gottes an seine Menschen steht. Der heilige Geist oder die die heilige Geistkraft weht wo sie will. Ich freue mich schon, wenn sie hier mal öfter vorbei kommt.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!