Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
in der Bibel geht es oft um die Frage, wie man Regeln und Geboten umgehen sollte. Das war auch zur Zeit Jesu ein Riesenthema. Die Frömmigkeitsbewegung der Pharisäer, der Jesu zunächst nahe stand, hat sich entschieden, jedes Gebot bis in jede Einzelheit im Alltag zu erfüllen. Jesus nimmt ebenfalls die Gebote der Bibel sehr ernst. Nur kommt es ihm besonders auf die innere Haltung an. Es geht ihm um den Zweck, den die Gebote für das Zusammenleben erfüllen. Und ihm ist klar, dass die wörtliche Erfüllung der Gebote manchmal ihrem eigentlichen Zweck zuwiderläuft. Aber hören Sie selbst. Ich lese
Markus 2,23-28
An einem Sabbat ging Jesus durch die Felder.
Unterwegs rissen seine Jünger Ähren von den Halmen.
24Da sagten die Pharisäer zu ihm:
»Sieh doch, was deine Jünger tun!
Das ist am Sabbat verboten.«
25Er antwortete:
»Habt ihr denn nicht gelesen, was David getan hat?
Er und seine Männer waren in einer Notlage
und hatten Hunger.
26– Der Hohepriester war damals Abjatar. –
Da ging David in das Haus Gottes
und aß die Schaubrote, obwohl es verboten war.
Nur die Priester durften davon essen.
Aber er gab sogar seinen Männern von den Broten.«
27Jesus sagte zu den Pharisäern:
»Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht,
nicht den Menschen für den Sabbat.
28Also kann der Menschensohn bestimmen,
was am Sabbat erlaubt ist.«
Der Spitzensatz in dem Text ist für mich: Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht und nicht den Menschen für den Sabbat.
Das heißt der Ruhetag dienst dazu, dass die Menschen sich ausruhen und erholen können. Die einzelnen Ausführungsbestimmungen für den Sabbat sind dem eigentlichen Ziel untergeordnet. Die Menschen sollen sich an einem Tag in der Woche ausruhen können und nicht unendlich immer nur in ihrer Arbeit untergehen. In einer landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft war der freie Sonntag schon immer schwer umzusetzen. Wenn Regen aufzog, dann musste halt vorher noch das Heu oder die Ernte eingebracht werden egal welcher Wochentag nun war. Aber heute muss man in vielen Berufen nicht jeden Tag arbeiten. Da kann die Arbeit auch mal für alle ruhen.
Heute kommt die Bedrohung für den Ruhetag und die Erholung der Menschen von vielen verschiedenen Seiten. Frauen und Männer verbringen heute soviel Zeit mit der Erwerbsarbeit, dass viel Arbeit zu Hause liegen bleibt. Und da reicht das Wochenende oft kaum, um das alles aufzuholen, so dass viele gerade in der mittleren Generationen häufig keine Zeit finden mal durchzuatmen und sich richtig auszuruhen.
Und weiterhin gibt es so viele Erlebnisangebote am Wochenende, dass das manchmal schon in Freizeitstress ausartet, auch da bleibt die Erholung auf der Strecke. Und in einigen Jobs nehmen Leute regenmäßig Arbeit mit nach Hause, die ihnen dann auf der Seele liegt und die spätestens Sonntag abends noch erledigt werden muss.
Ich bin immer wieder überrascht, wie die Konfis das mit dem Gebot den Feiertag zu heiligen sehen. Wenn wir die 10 Gebote durchnehmen, lassen wir die Konfis sie nach ihrer Wichtigkeit sortieren. Natürlich landet das Gebot: Du sollst nicht Töten. Normalerweise auf Platz eins. Und das Gebot: Du sollst den Feiertag heiligen kann schon mal den letzten Platz einnehmen. Ich frage die Konfis dann immer, ob sie gerne sieben Tage in der Woche in der Schule verbringen möchten. Diese Idee gefällt ihnen normalerweise gar nicht. Aber sie sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Gebot und ihrem freien Wochenende. Der freie Sonntag ist eine Errungenschaft der jüdisch-christlichen europäischen Kultur. Und er ist früher in anderen Weltgegenden undenkbar gewesen. Wir sollten uns klar machen, wie gefährlich auch für unser Alltagsleben es ist, dass die Unterstützung für den christlichen Glauben in unserer Gesellschaft immer mehr bröckelt. Das bedeutet, dass kulturelle Selbstverständlichkeiten wie zumindest ein gemeinsamer freier Tag in der Woche bald auf dem Spiel stehen kann. Und auch andere Selbstverständlichkeiten können in Frage gestellt werden. Auch das wichtigste Gebot: Du sollst nicht töten! Wird zunehmend in Frage gestellt. Ich finde es sehr gefährlich, dass die Sterbehilfeorganisationen immer mehr Zustimmung bekommen. Man kann bereits jetzt in Holland sehen, dass der Druck auf alte und kranke Menschen wächst, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen, um niemanden zur Last zu fallen. Der Zweck des Gebotes ist es Menschenleben zu schützen. Und wenn das wegfällt, ist das für uns alle sehr gefährlich.
Ja, Gebote und Regeln sind wichtig. Das sieht Jesus genauso. Aber für Jesus ist es auch wichtig, dass die Regeln das Leben der Menschen fördern und nicht behindern. Gott hat den Sabbat für den Menschen gemacht und nicht den Menschen für den Sabbat. Das heißt wir müssen uns im Umgang mit allen Gesetzen und Regeln nicht nur fragen: Ist es Gottes Wille, dass wir diese Regel befolgen? Wir müssen uns auch fragen: Welchen Zweck verfolgt diese Regel und wie kann ich mit meinem Handeln diesen Zweck am Besten erfüllen? Und wie muss meine innere Haltung aussehen, damit ich das Richtige tue?
Wir kennen alle Paragraphenreiter, die erklären das ist Regel und deshalb muss etwas so und so laufen. Besonders nervig finde ich das beim Boulespielen. Ja, man muss im Kreis stehen, wenn man die Kugel wirft. Man muss 2 Meter vor der werfenden Person und der Zielkugel wegstehen und nicht zwischen Kreis und Kugel stehen. Das sind sinnvolle Regeln. Aber niemand tut es weh, wenn man aus Versehen mal zwei Zentimeter auf dem Kreis steht. Ja ein Schweinchen also die Zielkugel sollte gewisse Eigenschaften haben zum Beispiel ein Mindestgewicht. Aber auf einem Turnier ist mal einer unserer Gegenspieler mit einer Waage angerückt und hat das Schweinchen gewogen und zwei Gramm zu leicht befunden. Das ist anstrengend und dient dazu den Gegenspieler auf die Palme zu bringen, damit er schlechter spielt. Und das ist hochgradig unfair.
So wurden die Pharisäer von ihren Mitmenschen damals zu Jesu Zeiten oft wahrgenommen. Und ja, das ist unangemessen. Regeln sind gut, aber sie verfolgen einen gewissen Zweck und wenn sie zweckentfremdet werden, um etwas anderes zu erreichen, dann ist das falsch. Zumindest sieht Jesus das so. Jesus sagt damit: Wenn ihr eure Sabbatregeln auspackt, um mich und meine Jünger zu maßregeln, dann missbraucht ihr die Gebote Gottes. Es geht euch nicht darum, dass Menschen sich erholen. Es geht euch darum, mich anzuklagen. Und damit folgt ihr nicht mehr Gott und dem Sinn der Sabbatregeln. Und für alle Regeln gibt es Situationen, in denen man die Regel brechen muss, um den Sinn der Regel zu erfüllen. Damals als David und seine Leute die Schaubrote aßen, was das so eine Situation. Und meine Leute hatten gerade Hunger, und das ist auch so eine Situation, wo der Hunger vorgeht.
Sie sehen liebe Gemeinde, das mit den Regeln und Geboten ist manchmal komplizierter als man auf den ersten Blick sieht. Deshalb warnt Jesus auch davor, andere vorschnell zu verurteilen. In der Bergpredigt sagt er: Ziehe zuerst den Balken aus deinem eignen Auge bevor du dich dem Splitter im Auge deines Nachbarn widmest. Selten können wir eine Situation so gut einschätzen, dass wir wissen, was jetzt gerade richtig ist und warum der andere gerade ein Gebot verletzt hat. Wir sind oft schnell im Verurteilen, ohne genau zu wissen in welcher Lage der andere ist, und was gerade für ihn nötig ist. Seien wir vorsichtig mit Urteilen und fragen uns bevor wir uns über jemanden aufregen, was könnte ihn oder sie dazu gebracht haben, das so zu sehen oder so zu handeln. Ja, ich weiß, das macht das Leben auf jeden Fall komplizierter. Aber die Regeln sind halt für die Menschen und ihr Zusammenleben gemacht und nicht die Menschen für die Regeln.
Ich finde wir sind auf jeden Fall auf der richtigen Spur, wenn wir versuchen Mitgefühl mit den anderen zu entwickeln und uns um Mitmenschlichkeit bemühen und uns bei Urteilen zurückhalten.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!