Der Sinn des christlichen Lebens 20.5.24

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Wir feiern Pfingsten. Die Geburtsstunde der Kirche. Und damit sind schon mal zwei Dinge gesetzt. Es reicht nicht zu sagen, ich habe irgendwie meinen Glauben. Und das mache ich in mir selbst und mit mir selbst aus. Der christliche Glaube ist nichts Individuelles. Er beruht auf Gemeinschaft. Und das zweite: Der Inhalt des christlichen Glaubens ist nicht, ich glaube ja schon, dass es ein höheres Wesen gibt. Der Inhalt enthält eine klare Orientierung auf Jesus Christus. Es geht um die Kenntnis von Gottes Sohn. Aber hören Sie selbst. Ich lese

Epheser 4, 11-15

11Und er selbst hat jedem eine besondere Gabe geschenkt:

Die einen hat er zu Aposteln gemacht.

Andere zu Propheten

oder zu Verkündern der Guten Nachricht.

Und wieder andere zu Hirten oder Lehrern.

12Deren Aufgabe ist es,

die Heiligen für ihren Dienst zu schulen.

So soll der Leib von Christus aufgebaut werden.

13Schließlich sollen wir alle vereint sein im Glauben

und in unserer Kenntnis von Gottes Sohn.

Wir sollen zu vollendeten Menschen werden

und erwachsen genug,

Christus in seiner ganzen Fülle zu erfassen.

14Denn wir sollen nicht mehr wie unmündige Kinder sein

ein Spielball von Wind und Wellen

im Meer zahlreicher Lehren.

Sie sind dem falschen Spiel von Menschen ausgeliefert,

die sie betrügen und in die Irre führen.

15Dagegen sollen wir uns an die Wahrheit halten

und uns von der Liebe leiten lassen.

So wachsen wir in jeder Hinsicht dem entgegen,

der das Haupt ist: Christus.

Im Grunde war die Zeit damals als der Brief an die Epheser geschrieben wurde unserer nicht unähnlich. Die Leute waren genauso desorientiert wie heute. Und die Gesellschaft fiel auch auseinander. Es wurden genauso überall merkwürdige Ideen und Fake News verbreitet, so dass es schwer war festzustellen, was ist denn nun wahr und was frei erfunden.

In dieser Situation sagt der Epheserbrief: Der christliche Glaube bietet eine klare Orientierung. Wir halten uns an die Wahrheit und lassen uns von der Liebe leiten. Wir gehören zu einem Leib. Und der Kopf dieses Leiben ist Jesus Christus. Und wir Christinnen und Christen haben in diesem Leib verschiedene Aufgaben, die einander ergänzen und am Ende dazu führen, dass wir Christus entgegen wachsen und zu vollendeten Menschen werden.

Was heißt das jetzt?

  1. Wir irren nicht orientierungslos durch die Welt. Wir haben ein Ziel und eine Aufgabe. Wir orientieren uns an der Wahrheit und lassen uns dabei nicht verunsichern.
  2. Wir gehören zu einer Gemeinschaft und sind in dieser Gemeinschaft nicht nur für uns selbst sondern auch für die anderen verantwortlich. Unser Sozialverhalten ist wichtig. Wir versuchen in der Liebe zu leben.
  3. Wir stehen zu unserem Glauben an Jesus Christus und versuchen immer klarer zu erkennen wer Jesus Christus ist und werden selbst immer vollkommener. Also wir entwickeln uns im Glauben weiter.

 Zu 1:

Orientierung: Es gibt im Netz und auch sonst eine Menge religiösen und esoterischen Blödsinn, der ziemlich abgedreht und unvernünftig und verführerisch ist. Ob Echsenmenschen und Gemtrails Verschwörungstheorien und Heilsversprechen aller Art. Wir werden heute überschwemmt mit merkwürdigsten Vorstellungen. Insofern ist es heute wichtiger denn je, da eine Grenze zu ziehen und zu sagen: Das ist noch christlich und das nicht mehr. Und auch das ist Kirche und das andere ist eine Sekte. Natürlich ist das schwer. Und Volkskirche bedeutet auch, dass man eine gewisse Breite an Überzeugungen akzeptiert und für verschiedene Vorstellungen offen ist. Und natürlich lernen wir auch von anderen Religionen. Das hat das Judentum und das Christentum immer getan. Und das ist auch richtig so. Aber bei aller Offenheit muss immer klar bleiben, dass es am Ende um Jesus Christus geht und da ist die Grenze.

Zu 2:

Man kann nicht ohne Gemeinschaft und nur für sich alleine Christ sein. Wir brauchen die anderen. Wir brauchen den Austausch über die Inhalte unseres Glaubens. Und wenn man nicht versucht, sich gegenüber anderen Menschen sozial zu verhalten, der Epheserbrief sagt in der der Liebe zu leben, der eigene Glaube also keinerlei Auswirkungen auf das Leben hat, dann kann man den christlichen Glauben sofort vergessen. Wir brauchen die anderen, um uns über unseren Glauben zu verständigen. Wir brauchen die anderen, damit unser Glaube praktisch werden kann. Wie könnte sich unsere Liebe zeigen, wenn nicht dadurch, dass wir uns liebevoll gegenüber anderen Menschen verhalten. Und was wäre das für eine Herausforderung, wenn wir es dabei nur mit Menschen zu tun hätten, die wir nett finden und die auch uns gegenüber sich liebevoll verhalten. Die wirkliche Aufgabe ist, mit den ganz normalen arroganten, ängstlichen, verwirrten, rechthaberischen und sonst wie schwierigen Personen auszukommen. Und am Ende gehören wir alle zu den schwierigen Personen. Und Jesus Christus muss irgendwie mit uns klar kommen.

Wir brauchen die anderen, weil wir als Kirche ein Leib sind, dessen Kopf Jesus Christus ist. Und in diesem Leib haben wir verschiedene Aufgaben. Und ohne diesen Leib wären wir als Christinnen und Christen nicht lebensfähig. Denn dann wären wir getrennt von Jesus Christus. Und ohne Jesus Christus wäre alles sinnlos. Unser Sinn, unsere Orientierung, unsere Lebensrichtung kommt von Jesus Christus. Auf ihn wachsen wir zu.

Und somit sind wir bereits bei Drittens:

Wir entwickeln uns weiter. Wir werden immer vollkommener werden. Das widerspricht unseren Erfahrungen mit dem älter werden. Eigentlich wird alles immer schwieriger. Unser Nervenkostüm wird löchriger. Die Schwierigkeiten machen uns mehr aus. Wir brauchen mehr Ruhe und können nicht mehr soviel schaffen wie früher. Und das ist ja auch das Lebensgefühl von vielen. Die Welt geht den Bach runter. Alles wird immer schlechter. Die Probleme wachsen uns als Gesellschaft über den Kopf. Und doch sagt der Epheserbrief: Wir wachsen auf Christus zu. Und das ist das Gegenteil von unseren normalen Erfahrungen, die uns ja sagen, dass der christliche Glaube sich in unserer Gesellschaft immer mehr verflüchtigt und uns das natürlich auch verunsichert. Und wir uns beginnen zu fragen, ob das alles richtig ist, was wir glauben, wenn die nächsten Generationen unseren Glauben nicht mehr teilen, wir nicht mehr die Mehrheit in der Gesellschaft sind.

Die Leute an die der Epheserbrief geschrieben wurde waren weit davon entfernt die Mehrheit zu sein. Aber sie haben eine Gemeinschaft erlebt, in der sie nicht Niedergang sondern Aufbruch für ihr eigenes Leben finden konnten. Das Geheimnis dieses Aufbruches war das Vertrauen auf Jesus Christus und das Versprechen, einer zukünftigen persönlichen Entwicklungen gegen den allgemeinen gesellschaftlichen Trend. Sie haben einen Sinn gefunden, der so unendlich mehr geboten hat als das, was sie von ihrer Gesellschaft erwarten konnten. Und das hat sich bis heute nicht verändert. Das Versprechen von Sinn im christlichen Glauben ist so gigantisch. Jesus Christus stärkt uns von innen. Jesus Christus schenkt uns Hoffnung. Jesus Christus traut uns so viel mehr zu als wir uns selbst zutrauen. Jesus Christus schafft in uns ein Maß an Geduld und an Liebe, dass im Grunde außerhalb unserer Möglichkeiten liegt. Und das Wichtigste: Jesus Christus kann mit unserem Schmerz und mit unserem Versagen umgehen. Und wenn mal wieder etwas schief gegangen ist, nimmt er uns in den Arm und tröstet uns und sagt uns: Das ist nicht schlimm. Ich gebe dir die Kraft weiter zu machen und es nochmal zu versuchen. Du kannst weiter gehen. Und du kannst mir immer näher kommen.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!