Dritter Advent 13.12.20 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

stellen Sie sich vor, wie es wäre, wenn das Problem gelöst wäre, was Ihnen im Augenblick Sorgen macht. Wie würde sich das anfühlen? Was würden Sie dann machen?

….

So ging es Zacharias, einem Priester in Jerusalem, kurz bevor Jesus geboren wurde. Seine Frau Elisabeth und er waren alt und ihr großes Problem war: sie hatten keine Kinder. Wir können uns heute kaum noch vorstellen, wie schlimm das war. 

Die beiden hatten die Hoffnung schon aufgegeben. Und dann hat Zacharias Dienst im Tempel. Und das Erstaunliche geschieht: ein Engel erscheint und verkündet ihm die Geburt seines Sohnes. Weil er nicht gleich glauben kann, ist er stumm bis zur Geburt. Und dann schreibt er den überraschenden Namen Johannes auf eine Tafel und kann wieder sprechen. Und es kommt ein Lobgesang über seine Lippen, die monatelang geschwiegen haben. Sein Problem ist gelöst. Er lobt Gott von ganzem Herzen. Sein Herz ist übervoll. Und das Erstaunliche ist. Er beschreibt die Rettung für das ganze Volk, die nun mit Johannes als dem Vorbereiter des Erlösers Jesus beginnen soll, als schon geschehen. Im Lob, im Überschwang seines gelösten Problems ist er mit dem Herzen schon in der Zukunft. „Er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen und hat es befreit.“ Es ist schon geschehen in diesem Satz. Dieser Lobgesang, der die Zukunft schon als geschehen preist, ist wirksam gewesen in 2000 Jahren Kirchengeschichte. Das Christentum ist eine Zukunftsreligion, bereit zu Veränderung, weil aus der Zukunft Erlösung und Heil kommt. Und weil der Erlöser schon da ist, in unseren Herzen, in unseren Träumen, in unserem Unbewussten, in unseren Beziehungen. Es ist auch noch eine Menge nicht da. Deshalb brauchen wir solche Gottesdienste, die uns den Zauber der Zukunft zu Gehör bringen. Wir hören dabei Musik aus alter Zeit in einem alten Gebäude von einer alten Orgel. Auch der Priester Zacharias ist in seinem Lobgesang voller Anspielungen auf uralte Bibelstellen. Der Reichtum derer, die vor uns geglaubt und gehofft haben, hilft uns, unser Hoffnungslied zu gestalten. Die alten Erfahrungen mit Gott helfen uns, Gottes Spuren in unserem Leben aufzufinden.

Wir heute hoffen auf ein Ende der Corona-Zeit. Unsere Geduld wird strapaziert. Zacharias hat ein Leben lang auf ein Kind gewartet. Dann musste er monatelang ohne Sprache warten. Und dann ist der Lobgesang aus ihm herausgebrochen. Und in diesem Lobgesang ist eine gute Zukunft für alle aufgetaucht.

Stellen wir uns vor, wie es sein wird, wenn wir wieder Adventsgottesdiente feiern können und dabei die schönen Adventslieder singen. Wir werden Feste feiern. Viele Feste nachholen. Wir werden es nicht als selbstverständlich nehmen, dass man sich die Hand geben und umarmen kann.

Es ist gut, wenn wir in unseren Herzen die Hoffnungskraft stärken. Die Vorstellungen, wie es nach Corona sein wird, sind ja nicht aus der Luft gegriffen. Wir erinnern uns ja noch, wie es war. Die Hoffnung, die die Zukunft schon ausmalen und beschreiben kann, stärkt unsere Geduld.

Die Erlösung ist schon geschehen. In Jesus Christus, in dem Gott seine Menschlichkeit gezeigt hat. Deshalb können wir unsere Herzen öffnen für die Erlösung. Die Erlösung, die schon geschehen ist, und uns verändert. Die Erlösung, die kommen wird, und die wir ausmalen. Und die Erlösung, die dort sein wird, ganz anders, viel mehr, als wir uns jetzt schon vorstellen können.

Es braucht Geduld und Dabeibleiben. Wer ein Instrument wie die Orgel spielt, weiß das. Und wir können die nötige Geduld und Durchhaltekraft aufbringen, die wir für unser Leben brauchen, wenn wir ein Ziel vor Augen haben und eine Erlösung im Herzen spüren. Genießen Sie heute die Musik, die alten Bibeltexte, das Miteinander Gottesdienst feiern. 

Für mich sind die Gottesdienste und das gemeinsame Singen ein Bild, an das ich mich erinnere, und auf das ich zugehe. Wenn ich an Klavier oder Orgel Gesangbuchlieder für mich singe, dann verbinden sie mich mit dem, was war, und dem, was sein wird. 

Was war und was sein wird für alle, das hat Zacharias besungen: Er ist seinem Volk zu Hilfe gekommen und hat es befreit.“ So ist es, wenn wir uns nicht nur vorstellen, dass unsere Probleme gelöst sind, sondern wenn sie wirklich gelöst sind.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen.

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