Dritter Sonntag nach Epiphanias 23.1.22 Rahel Burkholz

Kanzelgruß: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,

vertrauen ist schwer. Und doch ist es ein Fundament auf das wir alle unser Leben aufbauen.

Wenn alles gut läuft vertrauen wir als Kinder auf unsere Eltern, vielleicht auch auf Gott, später vertrauen wir guten Freunden und erleben aber auch erste Enttäuschungen unseres Vertrauensgeschenks.

Ab da werden wir vorsichtiger und wählen aus, wem oder was wir vertrauen.

Gerade in unserer heutigen Krise sehen wir, wie wichtig vertrauen für unser Überleben sein kann. Und wie schwer es andererseits ist, mit ein paar Argumenten Vertrauen herzustellen, wenn die Erfahrung der Personen doch dagegenspricht.

Vertrauen wir auf die medizinischen Experten, oder auf unsere Regierung? Und was, wenn diese Experten sich auch noch widersprechen? Oder vertrauen wir auf andere Stimmen? Oder auf niemanden?

Und doch gibt es Personen und Situationen, wo wir doch vertrauen können.

Wie wichtig und wie stark und überzeugend Vertrauen sein kann, merken wir am heutigen Predigttext aus dem Matthäusevangelium.

Jesus wirkt in der Umgebung von Kapernaum am See Genezareth und heilt Kranke. Sein Ruf hat sich wohl herumgesprochen, seine Taten sprechen für sich. Und selbst die römischen Soldaten, die Israel besetzt haben, und in Kapernaum leben, haben von ihm gehört.

Und so kommt ein römischer Hauptmann, der eigentlich zu den Feinden, des jüdischen Volkes damals gehört, zu ihm und vertraut auf ihn. Doch hören/lesen Sie selbst wie diese Begegnung ablief:

Mt 8, 5-13:

DER HAUPTMANN VON KAPERNAUM

(Lk 7,1-10; Joh 4,46-53)

5Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn 6und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen. 7Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen. 8Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. 9Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.

10Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

11Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; 12aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

13Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Liebe Gemeinde,

ein römischer Hauptmann ist so beeindruckt von Jesus Christus, dass er zu ihm kommt, obwohl er zu seinen Feinden gehört. Und dieser Mann sorgt sich so um seinen Diener, dass er bereit ist zu seinem Feind zu gehen und ihn um Hilfe zu bitten.

Er fängt an, in dem er anschaulich Jesus vom Leid seines Dieners berichtet. Und das zeigt schon wie ungewöhnlich dieser römische Hauptmann ist. Ihm ist das Schicksal eines Dieners wichtig genug, um sich an Jesus zu wenden. Das könnte ihm von seinen Vorgesetzten angekreidet werden. Doch er tut es trotzdem.

Und Jesus bietet sofort seine Hilfe an, und er bietet damit auch an, alle kulturellen und sonstigen Grenzen zu überschreiten um einem leidenden Menschen zu helfen.

Auch für Jesus ist es nicht ungefährlich einem, vom jüdischen Volk verhassten, römischen Hauptmann zu helfen. Und sogar in sein Haus zu kommen, was ihn in den Augen seiner jüdischen Mitbürger „unrein“ werden lässt.

Auf beiden Seiten sind hier also Risiken.

Vielleicht auch deshalb bittet der römische Hauptmann nun um etwas anderes. Er denkt als Hauptmann militärisch und kennt Befehle und Gehorsam. Und so vertraut er darauf, dass auch Jesus Christus so mächtig ist wie jeder Hauptmann und auch durch einen Befehl, ein Wort, von Ferne seinen Diener heilen kann.

Und Jesus Christus ist so beeindruckt vom Vertrauen des Hauptmannes, dass er ihn gegenüber seinen Nachfolgern lobt und ihm seinen Wunsch gewährt.

Nur mit seinem Wort heilt er den Diener von Ferne.

Diese Begegnung wurde vom Vertrauen auf beiden Seiten getragen und hätte durchaus anders ausgehen können.

Und doch hat hier das Vertrauen eines Mannes gesiegt, der Jesus nicht kannte, und doch in ihm den vertrauenswürdigen Gott erkannt hat, den wir auch durch Jesus Christus kennengelernt haben.

Ein Gott, der jedem helfen will, der ihm darum bittet und auf seine Hilfe bittet. Egal aus welchem Volk dieser Mensch kommt.

Und ein Gott, der mächtig genug ist zu helfen, selbst durch nur ein einziges Wort.

Dieser Gott ist einer, dem ich immer wieder mein Vertrauen schenken kann, auch in so ungewissen Zeiten wie diesen.

Ich lade Sie ein es mir gleichzutun. Es lohnt sich!

Kanzelsegen: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

Ihre Pfarrerin Rahel Burkholz

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