Predigt am 2. Advent über Lk 21, 25-33 am 07.12.2025
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
heute am 2. Advent warten wir auf Weihnachten. Wir warten und bereiten uns vor. Verschiedenste Weihnachtsmärkte finden statt, Lichterketten werden aufgehängt, Kerzenlicht flackert, die erste Weihnachtsdekoration vom Dachboden oder Keller geholt. Vielleicht Plätzchen gebacken. Ungeduldig der Adventskalender geöffnet und gezählt, wie lange es noch bis Weihnachten ist.
Und ich muss gestehen für mich als Pfarrerin auch mit dem mulmigen Gefühl, Weihnachten kommt schneller als mir manchmal lieb ist. Denn es gibt noch einiges zu tun für das Weihnachtsfest.
Bis ich Gott auf dieser Erde wirklich gut empfangen kann.
Denn bei aller Adventsromantik, ja wir Christen bereiten uns auch darauf vor, dass Gott auf diese Welt kommt, dass er uns näher kommt in unseren Alltag.
Und unser Alltag, der sieht im Moment leider oft düster aus. Es ist schon fast manchmal Weltuntergangsstimmung. Kriege, immer wieder Naturkatastrophen und Angst vor dem, was da kommt, und Bilder die mich erschüttern, wenn ich Nachrichten überhaupt noch ansehe.
Es ist beides in dieser Adventszeit da, und das schon von Anfang an, denn auch die Bibel berichtet uns davon, auch wenn man im ersten Moment nicht denkt, dieser Text würde in die Adventszeit passen. Es geht im Lukasevangelium hier um das Kommen des Menschensohnes. Ich lese aus Lk 21:
Lk 21, 25-33: Luther 17
25Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen und Wogen des Meeres, 26und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. 27Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. 28Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.
29Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den Feigenbaum und alle Bäume an: 30wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht es, so wisst ihr selber, dass der Sommer schon nahe ist. 31So auch ihr: Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.
32Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis es alles geschieht. 33Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.
Tja, liebe Gemeinde, 26und die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.
So fühlt es sich schon fast gerade an, unser letztes Jahr war von so einem Gefühl geprägt. Das ich gerade im Advent doch eigentlich gerne vergessen würde.
Und doch müssen wir ja keine Angst haben. Denn der Evangelist Lukas hat eine klare Botschaft für uns.
Selbst wenn morgen die Welt unter geht, und die Zeichen danach aussehen. Habt keine Angst, sondern erhebt eure Häupter.
Senkt nicht sorgenvoll den Blick, sondern schaut nach vorne. Richtet euch auf aus eurer Angst und schaut hoffnungsvoll und zuversichtlich nach vorne, denn eure Erlösung naht.
Was da kommt, ist Gott, der euch erlösen will. Und das schon längst durch seinen Sohn Jesus Christus getan hat.
Wenn Jesus Christus der Menschensohn also mit gewaltigen Zeichen und gewaltiger Macht auf die Erde kommen wird, dann können wir ablegen, was uns den Kopf senken lässt und zuversichtlich in die Zukunft blicken, denn Gott wird uns nahe kommen, wie nie zu vor, und uns ein für alle mal erlösen.
Er wird uns erlösen, von allem, was unsere Welt dunkel macht.
Das ist eine der schönsten Botschaften, die ich kenne. Und ein Grund immer wieder geduldig, aber auch sehnsüchtig zu warten.
Denn immerhin naht unsere Erlösung.
Doch natürlich stellt sich bei so wagen Zeitangaben, schon die Frage, wann wird das geschehen? Wie lange müssen wir noch in Angst leben, bevor unsere Erlösung naht?
Und wie erkennen wir, dass das die wirklichen Zeichen sind, die Gottes Kommen ansagen?
Nun wie so oft bemüht der Evangelist Lukas dafür ein Gleichnis.
Wenn ein Baum, hier ein Feigenbaum, seine Blätter und Blüten im Frühling bekommt, dann wissen wir alle aus Erfahrung, dass der Sommer nicht mehr weit sein kann.
Und so ist es wohl auch mit dem Kommen Gottes und des Menschensohnes. Wenn also die Welt droht unterzugehen und der Himmel ins Wanken gerät, dann ist das Reich Gottes nicht mehr weit.
Hm, das ist nicht wirklich hilfreich, wenn ich bedenke, wie oft unsere Welt in ihrer Geschichte kurz vor ihrem Untergang war. Und doch ist das Reich Gottes nicht gekommen. Oder doch, zumindest in Teilen, und wir haben es nicht bemerkt?
Es ist wahrscheinlich egal, wann er wirklich kommt. Er hält die Zeitangaben wohl bewusst wage. Denn Lukas will uns hier vor allem mitteilen: Ihr braucht keine Angst zu haben, vor den Schrecken dieser Welt. Denn sie sind nur ein Zeichen das Gott zu uns kommen wird, und unsere Erlösung naht.
Denn die Worte Jesu Christis werden nicht vergehen, bis das alles passiert ist. Sein Versprechen für uns seine Anhänger, gilt auch 2000 Jahre später noch. Schaut zuversichtlich und mit Hoffnung in die Zukunft, egal wie die Welt auch gerade aussieht. Denn eure Erlösung ist näher als ihr denkt, und wird vielleicht auch leiser kommen als auf dieser Wolke.
Ein schönes Beispiel dafür ist die Geschichte von Imre Kertész, der als Überlebender der KZs des Nationalsozialismus voller Überzeugung eine Geschichte schreiben konnte, die von einer Erlösung und Rettung erzählt, mit der man eben nicht rechnete.
Als einziger überlebt ein Mensch ein Schiffsunglück und wird an den Strand einer Insel gespült. Tag für Tag hofft er auf Rettung, aber die Rettung bleibt aus. Da baut er sich aus dem herumliegenden Treibholz eine Hütte. Aber auch die verliert er, denn die Hütte geht eines Tages in Flammen auf. Nun hat der Mensch nichts mehr. Der Mann wimmert und klagt vor Angst und Ärger. Am nächsten Morgen hört er ein Motorboot. Das Unwahrscheinliche geschieht. Rettung ist da! „Woher wusstet ihr, dass ich hier bin?“, fragt er taumelnd die Fischer, die an Land kommen. Und die antworten: „Wir haben Ihr Rauchsignal gesehen.“
Diese Geschichte kann nur einer erzählen, der selber erlebt hat, was es bedeutet, Todesangst zu haben. Einer, der nicht wissen konnte, ob er den nächsten Tag noch erlebt. So ist es Imre Kertész ergangen. So musste er es erleben und aushalten in seiner Gefangenschaft im Konzentrationslager. Schlussendlich war es die Hilfe seiner Mithäftlinge, die ihm das Leben gerettet haben.
Und daher will ich mir an seinem Leben aber auch dieser Geschichte ein Beispiel nehmen. Selbst wenn die Welt gerade so aussieht, als würde sie untergehen. Ich will mich daran erinnern, dass ich mich als Christin selbst in solchen Zeiten und gerade auch in der Adventszeit an die Hoffnung auf Gott und sein Kommen halten kann. Ich kann mein Haupt erheben und auf Jesus Christus und Gott hoffen, und darauf vertrauen, dass sie mich erlösen wollen. Ich weiß nicht wann, ich weiß nicht wie, aber ich vertraue darauf, sie kommt näher meine Erlösung.
Und ich warte gespannt und mit Vorfreude auf sie, gerade in der Advents- und Weihnachtszeit.
Denn vielleicht kommt ein Stückchen Erlösung auch durch das Warten auf ein schönes Fest, mit Kerzenschein und Plätzchen und Glühwein, guten Gesprächen und hoffentlich guten Begegnungen mit der Familie.
Egal wie das Weihnachtsfest wird, liebe Gemeinde, ich gebe ihnen die Worte von Lukas mit: Seht auf und erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung naht!
Und der Friede Gottes der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen