Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
heute kommt die zweite Predigt der Reihe: Sommerpredigten zum Thema Hoffnung. Hoffnung brauchen wir dringend, gerade weil es düster aussieht und wir als Gesellschaft mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.
Ich habe mich gefragt: Was ist der Grund unserer Hoffnung? Dürfen wir hoffen, weil es so viele gute und engagierte Menschen unter uns gibt? Dürfen wir hoffen, weil wir wissen, was wir tun müssen, damit es besser wird. Und wir einfach nur Bekanntes umsetzen müssen? Ja, das alles ist Grund zur Hoffnung. Aber ob das reichen wird? Daran gibt es berechtigte Zweifel. Die Dynamik in unserer Welt ist so, dass man als einzelne oder einzelner nur sehr begrenzt etwas dazu beitragen kann, dass es besser wird. Aber genau das bedeutet auch, dass man als einzelne Person weder die Welt retten kann noch die Welt retten muss. Und deshalb ist der Grund unserer Hoffnung nicht das, was wir tun. Sondern der Grund unserer Hoffnung ist das, was Gott tut. Wie man sich das vorstellen kann beschreibt Jesus in einem Gleichnis: Ich lese Markus 4,26-29
26Danach sagte Jesus:
»Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern.
Er streut die Körner auf das Land,
27dann legt er sich schlafen und steht wieder auf –
tagaus, tagein.
Die Saat geht auf und wächst –
aber der Bauer weiß nicht, wie das geschieht.
28Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor.
Zuerst den Halm, dann die Ähre
und zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.
29Wenn das Getreide reif ist,
schickt er sofort die Erntearbeiter los,
denn die Erntezeit ist da.«
Ja, aber werden Sie als begeisterte Gärtnerin oder begeisterter Gärtner jetzt sagen: Wenn ich so vorgehe wir Jesus das hier beschreibt, werde ich nicht viel ernten. Ich muss, während ich darauf warte, dass etwas wächst, das Unkraut beseitigen und wenn es zu trocken ist, dann muss ich meinen Garten gießen. Ja, das stimmt. Aber in der Landwirtschaft in Israel vor 2000 Jahren, wenn man Weizen angebaut hat, dann konnte man nach der Saat nicht mehr viel machen. Künstliche Bewässerung war da nicht möglich. Und Unkraut jäten hätte nur den Weizen zerstört.
Was sagt uns das landwirtschaftliche Bild, das Jesus hier gebraucht über das Reich Gottes, die Hoffnung der Welt?
Das Reich Gottes wächst von alleine. Wir können säen. Wir können das Reich Gottes ankündigen, wir können darüber reden. Wir können unseren Glauben leben und ein Vorbild sein. Aber was daraus wird, das haben wir nicht in der Hand. Da müssen wir einfach abwarten, ob unsere Worte und unser Vorbild in den Herzen der Menschen Wurzel schlägt und dann in ihnen wächst. Und zu versuchen an den kleinen Pflänzchen zu ziehen und sie mit Gewalt groß zu ziehen, wird sie nur zerstören.
Wir können sähen. Aber das Wesentliche, das Wachstum, geschieht von selbst. Es liegt in Gottes Hand und nicht in unserer. Es bleibt uns nichts Anderes übrig als zu warten und zu hoffen. Und zu warten und zu warten. Und auf den richtigen Moment zu warten, wenn es soweit ist, und die Ernte herangereift ist. Dann wird es Zeit wieder etwas zu tun. Aber vorher wäre es fatal in Aktivismus auszubrechen. Denn dann schadet alles, was wir tun können, und wird nur dazu führen, dass die Saat verdirbt.
Aber genau hier liegt unser Problem. Wann sollten wir etwas tun? Und wann müssen wir abwarten und nichts tun? Wie können wir das eine von dem anderen unterscheiden?
Fragen wir einen Bauern! Wann ist die Zeit der Ernte gekommen? Der wird antworten: Wenn das Getreide reif ist, dann muss ich sehen, dass ich einen Mähdrescher da habe und das Wetter stimmt und dann muss die Ernte eingebracht werden. Kein Bauer wird sich fragen, ob er dann den Weizen ernten soll, wenn die Halme noch grün sind.
So ist es auch mit dem Reich Gottes. Wir werden merken, wenn die Zeit der Ernte gekommen ist. Und vorher wächst das Reich Gottes mitten unter uns. Wir wissen nicht wie. Und wir wissen nicht, wann? Und es entfaltet sich etwas und wir können nur zusehen und staunen.
Ich glaube, dass wir gerade eine solche Zeit erleben. Ich sehe, dass hier gerade eine Generation heranwächst, die ein gutes Gespür für Gerechtigkeit hat. Sie machen sich Gedanken, wie sehr unterschiedliche Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt, die mit unterschiedlichen Traditionen aufgewachsen sind, gut zusammen leben können. Sie sind neugierig auf Menschen, die anders sind, als sie es gewohnt sind. Sie heiraten quer durch die Kulturen und erziehen Kinder oft mehrsprachig.
Unsere Zeit heute ist damit der Zeit Jesu ziemlich ähnlich. Damals gab es auch im Mittelmeerraum eine Begegnung der Kulturen. Und Jesus war ein Jude, der die Grenzen seiner eigenen Religion überschritten hat. Er hatte Kontakt mit Griechen, Samaritanern und selbst römischen Soldaten. Und er war immer wieder überrascht welchen Glauben er bei diesen Menschen gefunden hat.
Heute ist das Christentum diejenige Religion, die auf der ganzen Welt unterschiedliche Personen für den Glauben an Gott begeistern kann. Denn bereits in den Ursprüngen hat sich das Christentum im multikulturellen Mittelmeerraum entfaltet. Und es hat in einer extrem ungerechten Gesellschaft, in der Sklaverei selbstverständlich war, Sklaven und Freie, Männer und Frauen, Kinder, Reiche und Arme, Gebildete und Menschen, die nicht lesen und schreiben konnten, zusammengebracht und erklärt, dass sie vor Gott gleich wertvoll sind. Das hat dem Christentum von 1700 Jahren den Vorwurf eingebracht eine Religion von Frauen und Sklaven zu sein. Das hat die reichen freien Männer am Christentum gestört. Aber auch freie reiche Männer, die einen Sinn für Gerechtigkeit hatten, haben zum christlichen Glauben gefunden und sich der Kirche angeschlossen.
Und so ist es heute immer noch. In von starren Hierarchien und großen Ungerechtigkeiten geprägten Gesellschaften wächst das Christentum in aller Welt. Es schließen sich die Benachteiligten, sie sonst wenig Chancen haben, den christlichen Gemeinden an. Sie hoffen auf eine bessere Zukunft. Und diese Hoffnung erfüllt sich für viele, weil sie aus ihrem Glauben und dem Bewusstsein Gottes geliebte Kinder zu sein, eine neues Selbstwertgefühl schöpfen und deshalb die Chancen, die sich ihnen bieten wahrnehmen können. Und außerdem unterstützen sie sich in den oftmals kleinen Gemeinden gegenseitig. Hier wächst weltweit das Reich Gottes heran. Und das wird auf uns in Europa und Amerika zurückwirken.
Ich glaube, dass Gottes Gerechtigkeit gerade dabei ist, sich über die Erde auszubreiten. Die Pflanzen sind noch klein. Sie sind kaum zu sehen. Aber sie haben die Erdkruste durchbrochen und sie werden wachsen. Und für uns hier heißt das, dass wir Geduld brauchen und Durchhaltevermögen.
Denn es sieht ja gerade so aus, als würde alles schlimmer. Und es wird ja auch vieles schlimmer. Und ja wir haben Grund uns wegen steigernder Energiepreise, Inflation und Klimawandel und schlechteren Ernten, die die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln weltweit behindern, Sorgen zu machen.
Auch zur Zeit Jesu waren die Menschen verzweifelt, weil die römische Herrschaft schwer auf ihnen gelastet hat. Und doch hat Jesus einen Weg gefunden, ihnen die innere Kraft zu geben, mit den Problemen ihres Lebens in der Hoffnung auf Gottes Hilfe klar zu kommen.
Und ich glaube, diese Kraft hat der christliche Glaube auch heute noch. Auch wenn die Leute aus der Kirche austreten und verzweifelt und verärgert und wütend sind, weil es nicht so läuft wie sie sich das vorgestellt haben und überall auf der Suche nach Sündenböcken sind. Gerade in den Zeiten wo die AFD stärker wird und jeder nur an sich selbst denkt, wird der christliche Glaube mehr denn je gebraucht.
Gerade jetzt wächst auch die Sehnsucht nach Zusammenhalt und dass wir gemeinsam die Probleme angehen. Gerade jetzt wächst der Wunsch, dass allen Gerechtigkeit widerfährt und niemand ausgeschlossen wird. Gerade jetzt werden wir gebraucht, wenn wir geduldig darauf warten, dass die Menschen wieder anfangen zu fragen: Was ist der Grund eurer Hoffnung? Warum glaubt ihr, dass es trotz allem eine gute Zukunft geben wird? Könnt ihr uns zeigen, wie das geht: Auf Gott vertrauen und damit klarkommen, wenn man gerade warten muss und geduldig sein. Und wenn man gerade nicht viel machen kann.
Ja, wir vertrauen darauf, dass die Zeit der Ernte kommen wird, dass Gott der Welt durch die Schwierigkeiten hindurch helfen wird und auch uns als Kirche. Es ist nicht schlimm ist, wenn wir gerade nichts tun können und wenn wir uns hilflos fühlen. Wir sind nicht hilflos. Denn Gott lässt wachsen, und gerade jetzt können wir darauf vertrauen, dass die Zeit der Ernte bald kommen wird. Bald werden wir zusammenstehen und gemeinsam die Probleme der Welt angehen. Denn wir wissen, Gott lässt uns nicht im Stich. Wir sind seine geliebten Kinder und wir werden Hilfe bekommen.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!