Estomihi 14.2.21 Albrecht Burkholz

Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater, und unserem Herrn Jesus Christus!

Liebe Gemeinde, Fastnachtssonntag ist heute. Heute wäre normal noch Feiern dran, aber leider ist die ganze Fastnacht dieses Jahr Corona zum Opfer gefallen.  Ab Aschermittwoch, also in drei Tagen, ist dann Fastenzeit. 7 Wochen lang bis Ostern. Heute ist die Kirche mal ihrer Zeit voraus. Im Predigttext Jesaja 58,1-9a (gerade gelesen von Ute Zepfel) geht es heute schon um Fasten. Und dieses  Jahr passt das sehr zur ausgefallenen Fastnacht.

Früher hatte man es evangelisch überhaupt nicht mit dem Fasten. Katholisch hat man Freitags kein Fleisch gegessen, weil Freitag ja der Todestag Jesu ist. Deshalb war überall Freitags Fischtag. Auch heute ist das noch so.

Dass man auch als evangelischer Christ fastet, das ist erst seit einigen Jahren so. Das kam durch die Aktion 7 Wochen ohne. Die Idee war: wir versuchen bewusster und anders zu leben und uns in ein besseres Leben einzuüben.

Ich habe vor einigen Jahren 7 Wochen ohne Kaffee und Alkohol durchgehalten. Der Kaffee war das härteste. Danach hatte ich keine Lust mehr. Ich habe andere Methoden, mit Kaffee und Alkohol im Alltag klar zu kommen. Ich finde, ich brauche es nicht.

Da gibt mir unser Predigttext recht. Der sagt: Gott interessiert sich nicht so sehr dafür, was ihr esst oder trinkt. Sondern dafür, wie ihr mit eurem Nächsten umgeht. Wenn ihr so leben wollt, dass es Gott gefällt, dann müsst ihr aufhören, andere zu unterdrücken und das tun, was den anderen hilft. Wirkliches Fasten hat nichts mit Essen und Trinken zu tun, sondern mit Verhalten gegenüber anderen Menschen.

Unterdrücken wir als evangelische Christinnen und Christen in Messel andere Menschen?

Ich denke nein. Wir leben alle unser Leben. Jeder hat seine Schwierigkeiten. Aber andere unterdrücken, also das tun wir nicht.

Wir können sicher nicht behaupten, dass wir Heilige sind. Auch wenn bei Beerdigungen im allgemeinen ziemlich gut über die Menschen geredet wird, wissen wir doch: es gibt Rückseiten. Wer schlecht über uns reden will, der findet bestimmt was.

Jetzt gibt es natürlich Ungerechtigkeiten. Ich als weißer, gesunder, verheirateter Mann in Deutschland mit einem guten Beruf kann da jetzt ganz viel schlechtes Gewissen entwickeln. Frauen werden benachteiligt in unserer Gesellschaft. Meine Frau hat am Anfang unserer Zeit in Messel von einer Frau gehört, die nicht von einer Frau beerdigt werden wollte. Menschen mit anderer Hautfarbe, aus anderen Ländern, mit Behinderung, Homosexuelle und Menschen mit wenig Geld und schlechter Ausbildung werden immer noch benachteiligt und ausgeschlossen. Nur hilft es niemandem, wenn ich ein schlechtes Gewissen habe. Aber wenn mir klar ist, was los ist, kann ich für meinen Teil so gut es geht für mehr Gerechtigkeit sorgen. Ich teile mir ja die Pfarrstelle mit meiner Frau und das heißt, dass ich versuche, meinen Teil der Hausarbeit zu machen und dass wir eine Arbeitsteilung versuchen, die beiden möglichst gerecht wird. Dass meine Töchter selbstbewusste und erfolgreiche Frauen geworden sind, da hat meine Frau vermutlich einen größeren Anteil durch Vorbild, aber immerhin gehörte ich auch ins Bild.

Unser Helfen heute ist nicht mehr so einfach wie damals. Brich dem Hungrigen dein Brot. Noch nicht mal Bettler in der Darmstädter Innenstadt mit dem Schild „Ich habe Hunger“ wollen, dass ich ihnen was in der Bäckerei nebenan kaufe. Wer an unsrer Pfarrhaustür bettelt und Lebensmittel bekommt, ist auch nicht begeistert. 

Wie kann heute Hilfe aussehen, die in unsere Zeit passt und niemandem merkwürdige Gefühle macht?

Was wir als Kirche zu vermitteln haben, ist Anerkennung. Die Menschen sind in ihren Lebensgeschichten bedürftig danach, gesehen und gewürdigt zu werden. Vielleicht heißt heute Hilfe, verständnisvoll zuhören. In einer Situation, in der es schnell aggressiv wird, einfach zuhören und anerkennen. Dafür ist es gut, dass wir neben dem Pfarrerehepaar und der Gemeindepädagogin die ehrenamtlichen Seelsorger haben und den Besuchsdienst und den Kirchenvorstand. Viele Menschen in unserer Kirchengemeinde sind bereit, neben ihren eigenen Problemen die Probleme von anderen Menschen wahrzunehmen und Rückmeldungen zu geben. Ich glaube, das ist heute sehr wichtig. Das fördert den Zusammenhalt hier in Messel. Das ist etwas von dem sozialen Fasten, das unser Predigttext fordert.

Deshalb heute mein Dank an alle Menschen, die etwas für die Kirchengemeinde tun und auch in Vereinen für andere Menschen tun. Damit leisten wir etwas von der Hilfe, die in unserer Situation dran ist.

Unser Predigttext drückt es wunderschön aus: Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. Dann wirst du rufen und der Herr wird antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Das wünschen wir uns von Herzen. Licht in unseren Herzen. Heilung, die schnell voranschreitet. Nähe Gottes, weil unsere Beziehungen von Freundlichkeit und wechselseitiger Hilfe geprägt sind. Das wünsche ich uns allen. Vor allem natürlich in Coronazeiten die Heilung, die schnell voranschreitet.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.

%d Bloggern gefällt das: