Familie 24.12.25

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Elke: Weihnachten. Wir feiern die Geburt Jesu mit der Geschichte seiner Geburt aus dem Matthäusevangelium.

Rebekka: Das ist aber nicht die bekannte Geburtsgeschichte. Die steht im Lukasevangelium. Was ist der Unterschied.

Elke: Bei Lukas dreht sich alles um Maria. Hier bei Matthäus tritt Joseph in der Vordergrund. Vor der eigentlichen Geburtsgeschichte steht der Stammbaum Jesus. Der geht zurück bis zu Abraham und enthält besondere Frauen. Zum Beispiel Tamar, der Juda ein Kind verweigert und die sich als Prostituierte an den Straßenrand stellt, um das Kind zu bekommen. Oder Rahab die Prostituierte in Jericho, die den israelischen Kundschaftern hilft, oder Ruth, die mit ihrer Schwiegermutter nach Israel geht und sich dort mit manchmal unmoralischen Methoden einen Mann angelt. Oder Bathseba, die von David in den Palast geholt wird und David lässt ihren Mann umbringen. Also lauter ungewöhnliche Frauen.

Rebekkka: Das hört sich vielversprechend an. Gehört Maria auch in diese Reihe von ungewöhnlichen Frauen? Aber lies doch erst mal.

Elke: Ich lese Matthäus 1,18-25

18Zur Geburt von Jesus Christus kam es so:

Seine Mutter Maria war mit Josef verlobt.

Sie hatten noch nicht miteinander geschlafen.

Da stellte sich heraus, dass Maria schwanger war –

aus dem Heiligen Geist.

19Ihr Mann Josef lebte nach Gottes Willen,

aber er wollte Maria nicht bloßstellen.

Deshalb wollte er sich von ihr trennen,

ohne Aufsehen zu erregen.

20Dazu war er entschlossen.

Doch im Traum erschien ihm ein Engel des Herrn

und sagte:

»Josef, du Nachkomme Davids, fürchte dich nicht,

Maria als deine Frau zu dir zu nehmen.

Denn das Kind, das sie erwartet,

ist aus dem Heiligen Geist.

21Sie wird einen Sohn zur Welt bringen.

Dem sollst du den Namen Jesus geben.

Denn er wird sein Volk retten:

Er befreit es von aller Schuld.«

22Das alles geschah, damit in Erfüllung ging,

was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

23»Ihr werdet sehen:

Die Jungfrau wird schwanger werden

und einen Sohn zur Welt bringen.

Dem werden sie den Namen Immanuel geben«,

das heißt: Gott ist mit uns.

24Josef wachte auf und tat,

was ihm der Engel des Herrn befohlen hatte:

Er nahm seine Frau zu sich.

25Aber er schlief nicht mit Maria,

bis sie ihren Sohn zur Welt brachte.

Und er gab ihm den Namen Jesus.

Rebekka: So ganz normal wirkt diese heilige Familie nicht. Das scheinen mir schon besondere und nicht ganz bürgerliche Familienverhältnisse zu sein.

Elke: Joseph ist sich offensichtlich sicher, dass Maria ihn betrogen hat. Er könnte sie jetzt steinigen lassen. Das wäre gesetzlich möglich.

Rebekka: Aber das will er nicht tun. Wahrscheinlich liebt er sie nach wie vor. Und er will sich von ihr trennen, aber heimlich. Maria trotzdem zu heiraten war allerdings für ihn undenkbar. Das ließ seine Ehre nicht zu.

Elke: Und dann erscheint ihm ein Engel im Traum. Und das reicht, um seine Meinung zu ändern? Es wäre doch ganz einfach gewesen diesen Traum als Wunschtraum abzutun und ihn nicht weiter zu beachten.

Rebekka: Wenn Joseph Maria liebt, dann ist dieser Traum ein einfacher Weg, doch das zu tun, was er tief in seinem Herzen möchte. Und jetzt kann er sich sagen: Ich bin erwählt: Ich muss mich um den Retter Israels kümmern. Ich kann doch nicht Gott und seinen Plan mit seinem Volk im Stich lassen.

Elke: Also Joseph heiratet Maria. Damit ist Jesus sein rechtlich anerkannter Sohn. Er wird ihn nicht nur aufziehen und dafür sorgen, dass er seinen Beruf lernt. Joseph als Nachkomme des großen Königs David schreibt damit Jesus in den berühmtesten Stammbaum in Israel ein.

Rebekka: Genetik spielte damals noch keine Rolle. Jesus wird als legitimer Sohn Josephs geboren und ist damit Teil der Generationenfolge, wie sie im Stammbaum am Anfang des Matthäusevangeliums steht.

Elke: Damit ist Jesus ein Nachkomme Davids und er ist ein Kind des heiligen Geistes. Das geht damals beides zusammen.

Rebekka: Damit wächst Jesus in einer sehr ungewöhnlichen Familie auf, die heilig und chaotisch ist.

Elke: Ja, das sind außergewöhnliche und spannungsreiche Verhältnisse in dieser Geschichte. Und das ist nicht die einzige Spannung. Jesus ist Kind Josephs. Jesus ist Kind des heiligen Geistes. Und genauso spannungsreich ist das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja, das das Matthäusevangelium hier anführt: Eine Jungfrau bekommt ein Kind und es wird Immanuel, Gott mit uns, heißen.

Rebekka: Die Jungfrau Maria bekommt ein Kind und Joseph wird es Jesus: Gott rettet! nennen. Da passt auch nur die eine Hälfte des Zitats.

Elke: Den Leuten damals werden diese Widersprüche auch aufgefallen sein.

Rebekka: Aber vielleicht geht es gerade darum – um Widersprüche. Irgendwie ist das, was Gott hier tut einfach nicht normal und ordentlich. Und eigentlich ist das, was Gott tut, einfach nie normal und ordentlich.

Elke: Jesus muss in einer ungewöhnlichen Familie aufwachsen. Er muss ja später auch etwas völlig ungewöhnliches und besonderes tun, wenn er die Welt rettet.

Rebekka: Na aber überleg doch mal, wie schwierig dieses Aufwachsen nach dieser Geschichte gewesen sein muss. Ist da nicht mitgedacht, dass Joseph sich jeden Tag fragen muss, ob Maria ihn vielleicht nicht doch reingelegt hat? Und wird er nicht Jesus ansehen und sich fragen, wer in der Nachbarschaft vielleicht sein Vater sein könnte? Und dann das Getuschel der Nachbarn. Diese Familie werden die Spannungen des Anfangs die ganze Zeit begleiten. Auch das werden sich die Hörerinnen und Hörer dieser Geschichte immer mit überlegt haben.

Elke: Das ist der Preis des Herausgehobenen. Maria und Joseph und Jesus gehen des Weg Gottes. Der beinhaltet große Hoffnungen und große Gefahren. Das gehört zusammen.

Rebekka: Und er ist auch immer irgendwie etwas unordentlich. Und weißt du was. Das finde ich gut. Mein Held hier ist Joseph. Sich einfach auf eine Engelerscheinung im Traum zu verlassen und darauf sein Leben zu setzten. Das ist beeindruckend.

Elke: Vielleicht sollten wir alle mehr auf unsere Träume hören und unsere Intuition mehr schätzen. Vielleicht würden dabei bessere Entscheidungen heraus kommen.

Rebekka: Allerdings habe ich hier auch eine Kritik. Maria wird Joseph doch sicher erzählt haben, dass sie vom heiligen Geist schwanger ist. Und er hat ihr nicht geglaubt.

Elke: Oder sie hat es ihm nicht erzählt, weil sie nicht von ihm ausgelacht werden wollte und die Geschichte zu unwahrscheinlich fand, dass er ihr glauben würde.

Rebekka: Egal, auf jeden Fall hätten die beiden darüber reden müssen. Kommunikation ist alles in guten Beziehungen.

Elke: Manche Dinge lassen sich auch durch Kommunikation nicht lösen. Meine Heldin ist Maria, die sich darauf verlässt, dass Gott die Sache schon irgendwie regeln wird und sie uns ihren Sohn nicht im Stich lassen wird. Soviel Gottvertrauen hätte ich auch gerne.

Rebekkka: Und was sagt uns diese Geschichte an Weihnachten?

Elke: Normale Familien gibt es nicht.

Rebekka: Hä, was meinst du damit?

Elke: Selbst die heilige Familie war nicht normal. Beziehungsweise gerade die heilige Familie war nicht normal.

Rebekka: Irgendwo gibt es einen Onkel mit Alkoholproblemen, ein Kind, was langfristig krank ist, Geschwister, die nicht mehr miteinander reden. Unsicherheit, wer jetzt der Vater ist. Menschen, die wir vermissen, weil sie weit weg wohnen oder schon gegangen sind.

Elke: Irgendwas ist immer. Weihnachten als Familienfest zeigt immer auch, was in einer Familie nicht gut ist.

Rebekka: Aber das hindert Gott an gar nichts. Gott verbreitet seinen Weihnachtssegen gerade auch in unseren unvollkommenen Verhältnissen.

Elke: Nichts muss perfekt sein. Gott kommt sehr gut mit unseren nicht perfekten Beziehungen klar. Gott rettet die Welt. Und Gott rettet uns alle auch als einzelne, ohne dass wir unser Leben super auf die Reihe kriegen.

Rebekka: Und Gott rettet sogar diejenigen, die ihr Leben bestens auf die Reihe kriegen. Wir können Gott allerdings ein bisschen mehr dabei helfen.

Elke: Etwas mehr Vertrauen wie Maria.

Rebekka: Etwas mehr Großzügigkeit und Gelassenheit wie Joseph. Das macht uns allen Weihnachten schöner und das Leben offener für Gottes Handeln auch heute unter uns.

Elke: und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!