Festmahl 21.4.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Ostermontagsgemeinde,

gestern haben wir zusammen mit dem Osterfrühstück der Osterfreude Ausdruck verliehen. Wir begehen ein Fest, indem wir miteinander essen und trinken. Wir feiern, wir lassen es uns gut gehen, wir begehen die Gemeinschaft und das gemeinsame Anliegen, den Glauben in uns  zu stärken, damit Hoffnung und Liebe wachsen können und in uns und zwischen uns stark werden. Heute gibt es im Anschluss an den Gottesdienst noch einen Umtrunk. In unserer Kirchengemeinde ist das gemeinsame Essen und Trinken eine gute Tradition. Wir haben einen Himmlischen Kochclub und ein Himmlisches Frühstück. Wir sind sehr am gemeinsamen Essen und Trinken orientiert, weil wir wissen: so kommt der Segen zu uns.

Unser Predigttext heute bestärkt uns darin, so zu handeln und so gemeinsam den Glauben zu begehen. Ich lese Jesaja 25,6-9

Das Festmahl der Völker

6Der Herr Zebaot wird allen Völkern

auf dem Berg Zion ein üppiges Festmahl bereiten.

Es wird erlesene Weine und würzige Speisen geben.

Man trinkt gut gelagerte, alte Weine.

7Dann vernichtet Gott auf dem Zion den Trauerschleier,

der allen Völkern das Gesicht verhüllt.

Er entfernt das Tuch, das sie alle bedeckt.

8Gott, der Herr, wird den Tod für immer vernichten

und die Tränen von allen Gesichtern abwischen.

Er nimmt seinem Volk die Schmach,

unter der es auf der ganzen Erde gelitten hat.

Ja, das hat der Herr gesagt.

9Zu der Zeit wird man sagen:

Seht, das ist unser Gott!

Auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt,

und er hat uns geholfen.

So ist der Herr, auf den wir gehofft haben.

Lasst uns fröhlich sein und über seine Hilfe jubeln.

Dann, wenn Gott den Tod verschlingen wird und alle Tränen abwischen wird, wird es ein großes Festmahl geben auf dem Gottesberg Zion, also in Gottes Nähe. Gute Weine wird es geben. Leckeres Essen wird es geben. Die Trauer wird zu Ende gehen. Der Schleier, der zur Trauer gehört, wird abgelegt. Es gibt einen neuen, freien Blick auf die Menschen, die mit mir das große Fest feiern. Der Tod wird verschlungen. Und wir werden ein Lied singen, ein gemeinsames Lied. Voller Lob und Dank, denn unsere Hoffnung ist erfüllt. Gott hat uns geholfen.

Liebe Gemeinde, wenn wir das Osterhalleluja singen, dann singen wir schon ein wenig von der Zukunft. In vielen Osterliedern gibt es jubelndes Halleluja. Ein Preist Gott.

Beim Abendmahl singen wir Heilig, heilig, heilig und wissen uns damit verbunden mit den Engeln vor Gottes Thron. Und immer, wenn wir Loblieder singen, sind wir mit der guten Zukunft verbunden, die von Gott her auf uns zukommt.

Deshalb ist es gut, dass die bekanntesten evangelischen Lieder Loblieder sind. Danke. Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren. Großer Gott, wir loben dich.

Inmitten von aller Klage und allem, was schwieriger wird, richten wir  unseren Blick auf das, was uns verheißen ist, was auf uns zukommt und dessen wir im Glauben gewiss sind.

Wir hatten vor einiger Zeit ein Essen im Vereinslokal in Dieburg mit unserer Ligamannschaft in Boule. Zwischendrin wurde sehr geklagt. Eine Pflegerin klagte über die Bedingungen in ihrem Beruf, die immer schwieriger werden und v.a. den Personalmangel. Eine ehemalige Lehrerin beklagte, dass die Schüler heute zu wenig lernen, mit den Händen etwas zu machen. Meine Frau und ich konnten natürlich Klagen aus der Kirchenpolitik beitragen.

Es war ein gutes, festliches Essen mit einer guten Bedienung und eigentlich einer guten, aufbauenden Stimmung. Aber diese Klageeinheit zwischendrin ist bei mir sehr haften geblieben.

Liebe Ostergemeinde, wir müssen immer wieder vom Klagen zum Loben durchdringen. Wir kommen von Karfreitag und singen gerade deshalb heute das Osterlob im Vorgriff darauf, dass wir es dann in der Zukunft mit allen Völkern singen werden. Wir müssen den Blick immer wieder neu weg richten von dem, was wir gerne beklagen und betrauern würden, hin richten auf die Zukunft, die schon da und wirksam ist.

Letztens bin ich in der Post einer Frau begegnet, die ich gut kenne und fragte sie, wie es ihr geht. Sie sagte: ich bin zufrieden. Ich war erstaunt, weil ich weiß, dass sie selbst und ihr Mann ziemlich gesundheitliche Probleme haben. Und ich habe geantwortet: Das ist toll, wenn man das sagen kann: ich bin zufrieden.

Als ich vor 30 Jahren als junger Pfarrer nach Messel kam, und mir v.a. ältere Frauen sagten: ich bin zufrieden, dachte ich: eigentlich sollte es doch noch mehr geben als bloß zufrieden. Heute weiß ich: das ist viel. Wenn wir vom Klagen und Trauern durchdringen können zum Loben, dann gelingt die Zufriedenheit und das ist sehr viel.

Wir sehen ja in unserer Gesellschaft zu viele Stimmen, die alles mies machen und Ängste, Hass und Ressentiments schüren. Das Gefühl: wir kommen zu kurz.

Setzen wir das Bild von diesem großen Festmahl dagegen.

Der Wein ist sehr gut und er fließt in Strömen.

Dass Essen ist sehr lecker und für alle ist gesorgt.

Die Stimmung kann nicht besser sein: der Tod ist verschlungen. Der Schleier der Trauer weggenommen. Gott selbst trocknet die Tränen. Und wir singen alle das Loblied zusammen, weil wir wissen: unsere Hoffnung hat einen guten Grund. Gott ist bei uns, unsere Hilfe. Gott ist da, Grund unserer Zufriedenheit. Ja, mehr noch, Anlass zum Singen eines Siegeslieds mit einem Halleluja, das aus sich herausgeht. Denn der Tod ist besiegt.

Ja, es ist noch nicht so. Ja, wir sind noch nicht da. Dort, wo der Tod von Gott verschlungen wird.

Aber ein großer Anfang ist gemacht. Jesus Christus ist auferstanden. Wir Christen sind mit Jesus Christus verbunden. Wir gehören schon zur Auferstehungswirklichkeit. Insofern wir glauben. Insofern Jesus Christus in uns ist.

Ja, wir gehören auch zur vergänglichen Zeit, zu dieser Zeit des Sterbens, der Krankheit, der Ungerechtigkeit, der Spannungen zwischen den Völkern. Zu all dem, was schief läuft in unserer Gesellschaft und weltweit. Ja, dazu gehören wir. Das zieht uns runter. Das ist Grund zum Klagen, zur Trauer, zum Erschüttertwerden in der Hoffnung.

Aber in uns  ist ein Keim gelegt. Ein Keim der Auferstehungshoffnung. Und dieser Keim wirkt und wächst. In uns einzelnen Christinnen und Christen.  Zwischen uns, sodass wir als Leib Jesu Christi mehr sind als das, was die einzelnen Christen an Glaubensstärke haben.

Ein Festmahl wartet auf uns. Dort, am Ende der Zeit, wenn Gott den Tod verschlingen wird. Das ist zukünftig, aber es ist auch jetzt schon da und wirksam. Denn diese Zeitlinie hat begonnen in Jesus Christus. Und diese Zeitlinie der Hoffnung wirkt.

Geben wir ihr Raum.

Das heißt für mich: wenn ich in Gesprächen bin, in denen viel geklagt wird, denke ich im Hintergrund an diese Zeitlinie der Hoffnung und überlege, wie ich diesen anderen Blick einbringen kann.

Denn bei allem Grund zur Klage – es geschieht ja jetzt schon auch das andere, das zur Hoffnung Anlass gibt. Es gibt verschiedene Newsletter mit guten Nachrichten. Die kann man abonnieren. Und bei dem, was wir lesen oder sehen: das kann man auch immer gegen den Strich bürsten.

Ich wünsche uns allen, dass wir dieses starke Bild vom Festmahl für alle Völker, vom Verschlingen des Todes und vom Loblied, das alle gemeinsam singen, mitnehmen in all das, was uns klagen lässt. Ich freue mich schon auf den guten Wein und  die leckeren Speisen dann, dort, bei Gott. Jetzt aber genieße ich, was es nach diesem Gottesdienst gibt draußen und dann beim Essen.  Und der Friede Gottes…