Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
Heiligabend. Wir feiern die Geburt von Jesus Christus. Ein Kind ist uns geboren. Dieser Satz ist viel älter als die Geschichte von der besonderen Geburt, die wir heute feiern. Er stammt von dem Profeten Jesaja 700 Jahre vorher. Der Profet erzählt von der Hoffnung auf dieses Kind, von der Hoffnung auf den, der endgültig für Israel den göttlichen Frieden bringt. Die ersten Christen haben diesen Text auf Jesus gedeutet. Ich lese
Jesaja 9,1-6
1Das Volk, das in der Finsternis lebt,
hat ein großes Licht gesehen.
Es scheint hell über denen,
die im düsteren Land wohnen.
2Gott, du lässt sie laut jubeln,
du schenkst ihnen große Freude.
Sie freuen sich vor dir,
wie man sich bei der Ernte freut.
Sie jubeln wie beim Verteilen der Beute.
3Zerbrochen hast du das drückende Joch,
die Stange auf ihrer Schulter
und den Schlagstock der Peiniger.
Es ist wie damals,
als die Midianiter besiegt wurden.
4Verbrannt wird jeder Stiefel,
mit dem die Soldaten dröhnend marschierten.
Ins Feuer geworfen wird jeder Mantel,
der im Krieg mit Blut getränkt wurde.
5Denn uns wurde ein Kind geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt worden.
Ihm wurde die Herrschaft übertragen.
Er trägt die Namen: wunderbarer Ratgeber,
starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst.
6Seine Herrschaft ist groß
und bringt Frieden ohne Ende.
Er regiert als König auf dem Thron Davids
und schafft Recht und Gerechtigkeit.
So festigt und stärkt er sein Königreich
jetzt und für immer.
Der Herr Zebaot bewirkt das
in seiner leidenschaftlichen Liebe.
Und diese Vorhersage soll heute erfüllt sein? Dieses Kind, das wir heute feiern, soll den ewigen Frieden gebracht haben. Sein Name wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst, der herrscht in Ewigkeit und das durch die leidenschaftliche Liebe Gottes.
In Wirklichkeit ist dies doch wieder nur eine Hoffnung. Ins Feuer geworfen der blutgetränkte Mantel keine Unterdrückung mehr. Von dieser Situation sind wir weiter entfernt denn je. Können wir uns überhaupt vorstellen, dass auf der Erde jemals Frieden herrschen wird, dass Recht und Gerechtigkeit sich durchsetzen und es keine Unterdrückung mehr gibt.
So etwas wäre naiv, oder?
Die ersten Christen, die unter römischer Herrschaft lebten, was eine Gewaltherrschaft war, die immer wieder zu Verfolgungen von Minderheiten wie es die Christen waren, geführt hat, können doch nicht angenommen haben, dass jemals Recht und Gerechtigkeit und Frieden herrschen werden?
Doch das haben sie erwartet. Und sie sind davon ausgegangen, dass diese Zeit kurz bevorsteht und man überall schon Zeichen des kommenden göttlichen Friedensreiches erkennen kann.
Können wir ihnen darin folgen?
Was die Weltpolitik angeht sicher nicht. Weltweiter Friede, das erwarten wie ganz sicher nicht.
Aber warum feiern wir dann die Geburt dieses Kindes, das Friedefürst genannt wird und das in Ewigkeit herrschen soll durch die leidenschaftliche Liebe Gottes?
Weil auch wenn wir uns den Frieden auf Erden hier nicht vorstellen können, wir ihn doch ersehnen, weil es das ist, was Gott will und was Gott anstrebt und was wir für ein gutes Leben brauchen. Wir brauchen diesen Frieden im Großen wie im Kleinen. Wir brauchen die Abwesenheit von Bomben und Drohnen und Raketen und Panzern und Kriegsflugzeugen und Zerstörern. Und wir brauchen Frieden in unseren Familien mit den Nachbarn und den Menschen, auf die wir uns verlassen. Wir brauchen Frieden in den Schulen und in den Altenheimen, wir brauchen Frieden bei der Arbeit und Frieden im Verein. Wir brauchen Frieden in unseren Gedanken und in unseren Vorstellungen von uns selbst und von den Menschen, die wir lieben. Wir brauchen ein Einverständnis mit unserem Körper und unseren Aussehen. Und wir brauchen Zufriedenheit in unserem Leben.
Und wir feiern die Geburt des Friedefürst, weil egal wo wir sind und wie wir leben jedes kleine Stück Frieden egal auf welcher Ebene politisch oder persönlich, jedes kleine Stück Gerechtigkeit vor der Haustür oder in der weiten Welt ein Grund zum Feiern ist.
Ich möchte es feiern, dass die Heizung hier in der Kirche funktioniert und wenn ich nachher nach Hause komme, dann wird es dort warm sein und es wird Kartoffelgratin mit Feldsalat geben, unser traditionelles Weihnachtsessen. Und dann werden wir uns zusammensetzen und das Pad anmachen und unsere Tochter, die in Kirtorf ist zuschalten. Und wir werden uns darüber freuen, was in unseren Leben alles gut läuft und wieviel Frieden wir erleben dürfen.
Denken sie zurück an das letzte Jahr. Und konzentrieren Sie sich einmal nicht darauf, was alles schief gelaufen ist, sondern fragen Sie sich. Wo und wie haben Sie Frieden erlebt? Ich glaube nicht, dass der heutige Abend ausreicht um das alles aufzuzählen. Und wenn Sie das immer wieder tun, sich auf den Frieden besinnen, der Ihnen geschenkt wurde, dann wird auch der Friede in ihnen wachsen. Und vielleicht haben die ersten Christen das ja gemeint als die alte Verheißung von Jesaja auf Jesus Christus bezogen haben. Sie haben erlebt, dass Jesus Christus ihnen diesen inneren Frieden geschenkt hat, den der sich selbst Friedensbringer nennende Kaiser Augustus ihnen nicht geben konnte.
Jesus Christus, Gottes Sohn war davon überzeugt, dass es keine andere Möglichkeit gibt, den Frieden auf die Erde zu bringen als die Herzen der Menschen zu verändern. Wenn die Herzen der Menschen sich für den göttlichen Frieden öffnen, dann wird der Friede sich auf der Erde ausbreiten. Und wie wir 2000 Jahre später wissen, geht das nicht schnell und es gibt immer wieder Rückschläge und wahrscheinlich funktioniert es nie vollständig. Leider. Aber es gibt keinen anderen Weg. Denn Frieden, den ein Imperium bringen kann, das wird immer ein Frieden ohne Gerechtigkeit und mit großer Unterdrückung sein, und das ist kein Frieden. Leider hat Gott die Ausbreitung des wahren Friedens von seinen Menschen abhängig gemacht. Und Gott wirkt diesen Frieden durch uns ärgerliche und unzufriedene und gar nicht friedliche Menschen. Und da ist es schon ein Wunder, wenn wir in Deutschland fast 80 Jahre ohne einen heißen Krieg leben durften. Ich finde wir haben jeden Grund Weihnachten zu feiern und dass der göttliche Friede manchmal unter uns auf dieser kriegerischen Welt aufleuchtet. Und ich finde wir sollten uns über jede Minute freuen, in der wir so etwas wie inneren Frieden empfinden dürfen.
Lassen Sie uns Weihnachten feiern und damit die Möglichkeit von Frieden auf Erden den Menschen an denen Gott Wohlgefallen hat, weil sie ihre Herzen dem göttlichen Frieden geöffnet haben. So kann Gott in diese Welt hineinwirken. Und wir können zu diesen Menschen gehören, zwar nicht immer aber wenigsten ab und zu.
Denn genau wie wir den inneren Frieden nicht herstellen können, so können wir auch den Glauben nicht herstellen. Aber wir können das Geschenk empfangen, das Jesus Christus der Friedefürst uns anbietet. Und natürlich können wir jede Minute genießen, die wir im Frieden mit uns selbst, im Frieden mit unseren Nachbarn, im Frieden mit unseren Familien und im Frieden überhaupt verbringen dürfen. Diese Zeit ist kostbar und sie ist alles andere als selbstverständlich.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!