Geborgen bei Gott 4.5.25

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Wenn ich etwas nicht in der Kirche erleben möchte, dann ist das, dass Menschen mit Schafen verglichen werden. Das sagte einmal ein Kirchenvorsteher. Eine gute Freundin hingegen erinnert sich gerne an ihre Zeit im Kindergottesdienst. Dort hat sie mit Begeisterung das Lied gesungen: Weil ich Jesu Schäflein bin.

Heute haben wir den Sonntag Misericordias Domini: Barmherzigkeit Gottes und in allen Predigttexten geht es um Gott bzw. Jesus als den guten Hirten. Ich lese

Johannes 10

11»Ich bin der gute Hirte.

Der gute Hirte setzt sein Leben ein für die Schafe.

12Anders ist das bei einem,

der die Schafe nur für Geld hütet.

Er ist kein Hirte, und sie gehören ihm nicht:

Wenn er den Wolf kommen sieht,

lässt er sie im Stich und läuft weg.

Und der Wolf reißt die Schafe

und jagt die Herde auseinander.

13Denn so ein Mensch hütet die Schafe nur für Geld,

und ihm liegt nichts an den Schafen.

14Ich bin der gute Hirte.

Ich kenne die, die zu mir gehören,

und die zu mir gehören, kennen mich.

15Genauso kennt mich der Vater,

und ich kenne ihn.

Ich bin bereit, mein Leben für die Schafe einzusetzen.

16Ich habe noch andere Schafe,

die nicht aus diesem Stall kommen.

Auch die muss ich führen,

und sie werden auf meine Stimme hören.

Alle werden in einer Herde vereint sein

und einen Hirten haben.

17Deshalb liebt mich der Vater:

Denn ich bin bereit, mein Leben herzugeben,

um es wieder neu zu bekommen.

18Niemand nimmt mir das Leben,

sondern ich gebe es freiwillig her.

Es steht in meiner Macht, es herzugeben. –

Und genauso steht es in meiner Macht,

es wieder neu zu bekommen.

Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater erhalten.«

27Meine Schafe hören auf meine Stimme.

Ich kenne sie, und sie folgen mir.

28Ich gebe ihnen das ewige Leben.

Sie werden in Ewigkeit nicht ins Verderben stürzen,

und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29Mein Vater, der sie mir anvertraut hat,

ist mächtiger als alle.

Niemand kann sie aus seiner Hand reißen.

30Ich und der Vater sind eins.«

Jesus hat das Bild von Gott als dem guten Hirten nicht neu erfunden. Er hat es aus dem Alten Testament übernommen. Psalm 23 beginnt mit: Der Herr ist mein Hirte. Und der Psalm führt dann aus, was dieser Hirte alles Gutes für seine Schafe tut. In Sacharja 11 wirft der Profet den Herrschenden vor, dass sie schlechte Hirten sind, die sich nicht um ihr Volk kümmern. In Ezechiel 34 verspricht Gott einen Hirten für sein Volk zu bestimmen. Und in Jesaja 40 beschreibt der Prophet oder die Prophetin, wie Gott als Hirte sich zärtlich um die Menschen kümmert.

Als also zur Zeit Jesu die Leute Jesus gehört haben, wie er sich als den guten Hirten bezeichnet, ist in deren Kopf ein ganzer Strauß an Bibeltexten aufgeploppt, die sie mit diesem Satz mitgehört haben.

In unserem Predigttext aus dem Johannesevangelium bezeichnet Jesus sich als den guten Hirten mitten in einer tödlichen Auseinandersetzung mit den Pharisäern. Kurz vor unserer Stelle heilt Jesus einen Blindgeborenen am Sabbat. Und die Pharisäer setzen den Geheilten und seine Eltern unter Druck, sich von Jesus zu distanzieren. Und sie werfen Jesus Gotteslästerung vor, was zur Steinigung führen kann. Dem setzt Jesus das Bild vom guten Hirten entgegen, der sogar bereit ist sein Leben für die ihm Anvertrauten zu geben. Und er bringt sich selbst in große Nähe zu Gott. Ja, er identifiziert sich mit Gott und zwar sowohl mit Gottes freundlicher Zuwendung als auch mit Gottes gewaltiger Macht.

Und gleichzeitig ist dieser Text eine Leidensankündigung. Hier versucht Jesus seinen Freundinnen und Freunden zu sagen, dass er sterben wird. Und auch dass dies seine eigene Entscheidung sein wird.

Soviel zur Interpretation des Textes. Wie geht es Ihnen mit dem Bild von Gott und Jesus als gutem Hirten. Fühlen Sie sich eher beleidigt, dass dieses Bild Sie mit Schafen vergleicht oder fühlen sie sich eher dadurch geborgen, dass sich jemand um Sie kümmert Sie beschützt und Ihnen Gutes tun möchte?

Ich finde beide Gefühle gegenüber dem Bild von Gott als dem guten Hirten wichtig. Der Wunsch, die Selbständigkeit zu wahren, in den eigenen Entscheidungen ernst genommen zu werden, ist auch Gott gegenüber wichtig. Selbstbestimmung brauchen wir, um uns stark und sicher zu fühlen. Wir müssen das Gefühl haben, unser Leben selbst in der Hand zu haben. Und um so mehr wir unsere eigene Situation beeinflussen können, um so besser geht es uns.

Genauso ist aber in uns auch der Wunsch nach Zugehörigkeit. Wir wollen durchaus zu einer Herde gehören. Uns ist wichtig, was die anderen über uns denken und zwar besonders diejenigen, die Macht und Einfluss haben. Und wir möchten jemanden haben, dem wir vertrauen und dem wir uns anvertrauen können. Und von dieser Person wünschen wir uns, dass sie Gutes für uns will und uns nicht ausnutzt. Wir sind durchaus bereit auf die Stimme von jemandem zu hören, der uns zu Gutem leitet, besonders wenn er oder sie wie es hier in unserem Predigttext heißt uns kennt und auch wir diese Person gut kennen. Nicht nur als Kinder wünschen wir uns, beschützt zu werden. Denn gerade auch im Alter wissen wir, dass das Leben gefährlich ist und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden.

Und deshalb finde ich, was hier in unserem Bibeltext steht vor allen Dingen tröstlich. Hier werden ja auch große Versprechen gemacht. Jesus sagt, er gibt uns das ewige Leben und nichts und niemand kann uns aus seiner Hand reißen. Wir sind sicher und geborgen bei Gott. Jesus hat dafür gesorgt und dafür sogar sein eigenes Leben eingesetzt, und das einerseits ganz freiwillig und andererseits im Auftrag Gottes, seines Vaters.

Mich spricht das tief in meiner Seele an. Gerade weil ich in meinem Leben die Erfahrung gemacht habe, dass Zugehörigkeit nicht so selbstverständlich ist. Weil ich zu oft erlebt habe, dass Menschen in Gruppen dazu neigen andere auszuschließen und man immer vorsichtig sein muss, dass einem das nicht selbst passiert. Gerade deshalb finde ich es so wunderbar, zu Jesus Schafen zu gehören und die Zusage zu hören, niemand kann mich aus seiner Hand reißen. Und gerade weil die Nachrichten uns täglich damit konfrontieren, dass die Welt so unsicher ist und was alles Schlimmes passiert und was noch alles Schlimmes passieren kann, freue ich mich so sehr darüber, dass hier jemand sagt: ich beschütze dich und ich habe auch die Macht dich erfolgreich zu behüten.

Und ich finde, wenn man ein Weilchen alleine gelebt hat, dann weiß man es zu schätzen, wenn um einen herum eine Stimme ist, die mit einem redet und zwar freundlich mit einem redet. Da bin ich gerne bereit auf diese freundliche Stimme zu hören.

Ich wünsche uns allen, dass wir bei Gott die Geborgenheit erfahren, die uns hier zugesagt wird und dass Gottes Stimme für uns ein Ort der Zugehörigkeit und der Sicherheit ist.

Und ich wünsche uns für unser Miteinander hier in Messel, dass wir in dem Raum dieser Gemeinde gemeinsam auf die göttliche Stimme hören und einander das Gute gönnen, dass Gott uns hier anbietet.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!