Geburt der Retter 25.12.23

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Wir feiern Weihnachten, die Geschichte einer wunderbaren Geburt. Jesus ist geboren. Gott kommt zu uns in Bethlehem. Der Retter der Welt ist da und wir feiern.

In unserem Predigttext geht es auch um eine Geburt. Der Text steht im Alten Testament und erzählt die Geschichte von der Geburt und Rettung von Mose, dem Mann, der Israel aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hat.

Ich lese 2. Mose 2,1-10

1Ein Nachkomme aus dem Stamm Levi

heiratete eine Tochter des Levi.

2Die Frau wurde schwanger

und brachte einen Sohn zur Welt.

Als sie sah, wie schön er war,

versteckte sie ihn drei Monate lang.

3Länger konnte sie ihn nicht verborgen halten.

Deshalb nahm sie ein Kästchen aus Papyrus

und dichtete es mit Asphalt und Pech ab.

Dann legte sie das Kind hinein

und versteckte es im Schilf am Ufer des Nil.

4Seine Schwester blieb in der Nähe.

Sie wollte wissen, was mit dem Kind geschah.

5Da kam die Tochter des Pharao zum Baden an den Nil.

Ihre Begleiterinnen gingen so lange am Ufer auf und ab.

Sie entdeckte das Kästchen mitten im Schilf

und ließ es von ihrer Dienerin holen.

6Als sie es öffnete, fand sie ein Kind darin.

Sie sah, dass der kleine Junge weinte.

Da bekam sie Mitleid mit ihm und sagte:

»Das ist eins von den hebräischen Kindern.«

7Die Schwester des Jungen, die in der Nähe war,

fragte die Tochter des Pharao:

»Soll ich zu den Hebräerinnen gehen

und dir eine Frau rufen, die gerade stillt?

Die könnte das Kind für dich stillen!«

8Die Tochter des Pharao antwortete: »Ja, tu das!«

Da ging das Mädchen und rief die Mutter des Kindes.

9Die Tochter des Pharao trug ihr auf:

»Nimm dieses Kind und stille es für mich!

Ich will dich dafür angemessen bezahlen.«

So nahm die Frau das Kind zu sich und stillte es.

10Als der Junge groß genug war,

brachte sie ihn zu der Tochter des Pharao.

Die nahm ihn als ihren Sohn an und nannte ihn Mose.

Sie sagte: »Ich habe ihn ja aus dem Wasser gezogen.«

Die Geschichte von Mose ist in vielerlei Hinsicht parallel zu der Geschichte von Jesus. Und zwar von der Geschichte von Jesus wie sie im Matthäusevangelium erzählt wird.

Der Retter wird in einer wichtigen Familie geboren. Mose stammt aus einer Priesterfamilie. Jesus kommt aus einer Königsfamilie, sein Vater ist ein Nachkomme von David, dem berühmtesten König in Israel.

Mose ist schon als kleines Baby in Gefahr. Der Pharao von Ägypten hat befohlen alle neugeborenen hebräischen Jungen umbringen zu lassen, damit das Volk Israel nicht weiter wächst und eine Gefahr für die Ägypter wird, die es versklavt haben und zur Zwangsarbeit verdammt haben. Deshalb muss seine Mutter den Jungen verstecken und irgendwie einen Weg finden wie er überlegen kann. Ziemlich schlau macht sie das. Denn der einzige Ort, an dem ihr Kind sicher ist, ist der Palast seiner Feinde.

Auch Jesus ist schon als kleines Baby in Gefahr. Die Sterndeuter aus dem Osten haben den neugeborenen König der Juden gesucht. Sie sind seinem Stern gefolgt und in Jerusalem bei König Herodes gelandet. Herodes befragt seine Schriftgelehrten, wo der Messias geboren werden soll. Sie antworten: In Bethlehem. Herodes beauftragt die Sterndeuter, ihm mitzuteilen, wenn sie ihn gefunden haben unter dem Vorwand, er wolle das Kind auch anbeten. In Bethlehem angekommen finden die Sterndeuter Jesus in einer Krippe liegend und geben ihre Geschenke ab. Sie träumen, dass sie auf einem anderen Weg wieder zurück gehen sollen. Und als Herodes nichts mehr von den Sterndeutern hört schickt er Soldaten nach Bethlehem und lässt alle Babys dort töten. Im Traum warnt ein Engel Joseph rechtzeitig und die Familie fliegt nach Ägypten. Dahin wo auch Mose vor der Bedrohung durch einen Herrscher Zuflucht gefunden hat.

Schon als Baby haben diese beiden großen Retter in Israel einiges gemeinsam. Später dann erst recht. Mose rettet sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten.

Jesus rettet alle Welt vor der Versklavung durch die Macht der Sünde und des Todes. Insofern setzt er das Rettungswerk fort, das Gott mit Israel angefangen hat und nun mit Jesus auf die ganze Welt ausdehnt.

 Na ja, uns geht es doch gut. Wieso müssen wir eigentlich gerettet werden. Wir leben selbstbestimmt. Wir können ganz viel selbst entscheiden und wir leben in einer Demokratie. Wir haben genug zu essen und kommen soweit ganz gut klar. Warum sollen wir die Geburt eines Retters feiern. Wir brauchen keine Rettung.

Gut, Mose wurde wirklich gebraucht. Da gab es Zwangsarbeit und die männlichen Babys wurden ermordet. Da ist Rettung angesagt.

Aber Jesus, wieso sollten wir ihn brauchen?

Nun, wir haben noch ein paar grundlegende Probleme. Zum Beispiel müssen wir sterben. Das betrifft uns alle. Und mit unserer Selbstbestimmung ist es nicht so weit her. Unsere Gesellschaft ist süchtig. Und wir sind es auch. Ich meine nicht nur Alkohol und Zigaretten, Spielsucht und Magersucht und Handysucht und Esssucht. Wir schaffen es alle auf die eine oder andere Art und Weise uns ein Bein zu stellen und unsere Freiheit selbstzerstörerisch zu nutzen. Paulus hat das mal so fomuliert: Ich entdecke also bei mir folgende Gesetzmäßigkeit: Obwohl ich das Gute tun will,

bringe ich nur Böses zustande. 24Ich unglücklicher Mensch! Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen.

Kann mich denn niemand davon befreien?

Wer kann von sich behaupten, dass er oder sie das eigene Leben so lebt, wie er oder sie er gerne hätte und sich idealerweise vorstellen würde. Das schaffen wir nicht, weil wir alle schwierige Erfahrungen gemacht haben, die uns nachhängen. Wir sind verletzte Menschen, die andere wieder verletzten. Und es gibt keinen Weg aus diesem Teufelskreis.

Wir können uns nicht selbst daraus befreien. Wir brauchen eine Macht, die größer ist als wir selbst, und der wir uns anvertrauen können. Das brauchen wir um überhaupt nur zu bemerken wie wir anderen und uns selbst schaden.

Gott hat seinen Sohn zu uns geschickt, damit wir eine Chance bekommen, eine Chance uns aus dieser elenden Verstrickung der Zerstörung befreien zu lassen. Das Geschenk ewigen Lebens anzunehmen, hier und in Zukunft ein Leben zu führen, das diesen Namen verdient. Ja, der Retter ist da. Rettung liegt vor unserer Nase. Aber wem gefällt das schon, wenn er oder sie gerettet werden muss. Wem gefällt das schon, wenn wir ein Geschenk annehmen müssen und uns nicht aus eigener Kraft aus dem Sumpf der Sucht ziehen können. Wenn wir uns nicht alleine von Tod und Krieg und Zerstörung befreien können. Es ist schwer sich retten zu lassen.

Die Israeliten waren übrigens auch nicht erfreut, als sie von Mose aus der Sklaverei gerettet wurden. Bei den erstbesten Problemen fingen sie an zu murren und meinten: Wir wollen zurück nach Ägypten, da gab es viel besseres Essen als hier in der Wüste.

Viele wollen heute auch zurück in vorchristliche Zeiten, wo sie noch sagen konnten. Wir sind die Guten, wir kriegen das alles hin. Und einen Gott brauchen wir wirklich nicht und schon gar keine Rettung und Erlösung. Ich gehöre da manchmal auch dazu. Bis ich merke, dass mir dann die Hoffnung verloren geht und ich anfange mich wieder so verloren zu fühlen vor all den Problemen in unserer Welt. Bis ich mir wieder klar mache, offensichtlich hat Gott es geschafft, eine Lösung für unsere Fehler und unsere Zerstörungskraft und unsere Verbohrtheit zu finden. Und sie heißt Jesus Christus und sein Heiliger Geist ermöglicht uns, dass wir tatsächlich heilen und anfangen, dass zu tun, was in seinem Sinne ist. Und glauben sie mir, das ist ein unfassbares Wunder – auch wenn die Macht der Selbstzerstörung immer noch stark ist, aber sie hat nicht mehr die vollständige Kontrolle über unser Leben. Und das ist unfassbar gut.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!