Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde, der größte Teil von Weihnachten liegt hinter uns und wir begehen den zweiten Weihnachtsfeiertag. In den Forderungen, einen Feiertag zu streichen, ist der nicht vorgekommen. An diese Zeit traut sich dann doch niemand ran. An diese ungewöhnliche Zeit des Feierns und der Besuche. Unser Alltag wird unterbrochen und die Zeit hat etwas Ungewöhnliches, Feierliches, Geheimnisvolles. Wir werden offener für das göttliche Geheimnis, das doch auch in unserem Alltag in den Grundlagen unseres Lebens da ist und unser Leben trägt.
Unser Predigttext für heute steht in Hebräer 10,32-39.
32Erinnert euch an die früheren Tage,
als ihr vom Licht erfüllt worden seid.
Damals seid ihr in einem harten Leidenskampf
standhaft geblieben.
33Die einen wurden öffentlich zur Schau gestellt,
indem man sie beschimpft und misshandelt hat.
Die anderen standen denen zur Seite,
denen es so erging.
34Ihr habt mit den Gefangenen gelitten.
Und wenn man euch euren Besitz geraubt hat,
habt ihr das mit Freude ertragen.
Denn ihr wisst,
dass ihr ein besseres und unverlierbares Vermögen habt.
35Werft also eure Zuversicht nicht weg!
Sie wird reich belohnt werden.
36Was ihr jetzt braucht, ist Geduld.
Tut, was Gott will –
dann werdet ihr erhalten, was er versprochen hat:
37»Nur noch eine kurze, ganz kurze Zeit.
Dann wird der auftreten, der kommen soll.
Und er wird nicht auf sich warten lassen.
38Aber mein Gerechter
wird aufgrund seines Glaubens das Leben erlangen.
Wenn er sich jedoch von mir abwendet,
habe ich keinen Gefallen an ihm.«
39Wir gehören aber nicht zu denen,
die zurückschrecken und damit in ihr Verderben rennen.
Sondern wir gehören zu denen,
die glauben und dadurch das ewige Leben gewinnen.
Der Hebräerbrief schreibt an eine Gemeinde, die früher verfolgt wurde und jetzt in der Gefahr ist, die Geduld zu verlieren und den Glauben hintan zu stellen. Die frühere Leidenschaft und die erwartete Belohnung sollen die Christinnen und Christen dazu ermutigen, geduldig an ihrer Zuversicht festzuhalten.
Wir evangelische Christinnen und Christen kennen keine Verfolgung, oder? Damals wurden die Christen ins Gefängnis geworfen, das werden wir sicher nicht. Aber wie ist das, leben wir frei und anerkannt unseren Glauben? Ich finde nicht. Ich habe es immer wieder mit merkwürdigsten Reaktionen zu tun, wenn ich von meinem Beruf erzähle. Seit ich denken kann, begegne ich groß missachtenden Sprüchen bezüglich meines Glaubens. Sie sind unsachlich, überheblich und haben keine Ahnung von der Sache, aber halten sich für überlegen, weil die Sache des Glaubens ja angeblich so was von veraltet ist. Eine Folge davon ist, dass unsere Gottesdienste manchmal schwach besucht sind und dass wir insgesamt schrumpfen und schwächer werden.
Haben wir trotzdem Grund, zuversichtlich zu sein? Ja, selbstverständlich. Denn Menschen, die den Glauben missachten, verfehlen sich selbst. Denn sie verfehlen, wie wir Menschen eigentlich gedacht sind. Der Gottesbezug ist tief in unserer Seele verankert. Wir sind auf Dialog mit Gott ausgerichtet. Bekannt sind ja die Stoßgebete in Not: Gott, wenn es dich gibt, dann hilft mir!
Wir haben Grund, zuversichtlich zu sein, weil zu unserem Glauben gehört, unser Kreuz auf uns zu nehmen, Jesus nachzufolgen und so an der Herrlichkeit seiner Auferstehung teilzuhaben.
Unser Kreuz sollen wir auf uns nehmen. Das persönliche Leid sollen wir tragen. Unsere Ängste und Schwächen sollen wir annehmen. Das Schwächerwerden des christlichen Glaubens sollen wir mutig tragen und uns nicht schwächen lassen dadurch und die Chancen ergreifen, die sich bieten.
Wir haben Grund, zuversichtlich zu sein, weil es zum In-Christus-Sein dazu gehört, dass es Kreuz gibt. Kreuz und Auferstehung, die gehören zusammen. Die gehören zusammen bei Jesus. Und wir gehören zu Jesus. Deshalb ist auch unser Kreuz nur eine Wegstrecke, die das Ziel Auferstehung hat.
Die Gemeinde, für die unser Predigttext verfasst wurde, hat früher Verfolgung erduldet. Jetzt ist die Aufgabe, Geduld aufzubringen und die Zuversicht nicht wegzuwerfen, die doch eine große Belohnung hat. Eine schwierige Wegstrecke ist vorbei. Jetzt gibt es eine Wegstrecke, die braucht Ausdauer. Aber das Ziel ist am Horizont schon manchmal zu sehen. Trotzdem dauert es viel länger, als wir gedacht haben. Und es dauert ja immer noch. Und immer noch sind wir nicht da. Kann da niemand mal Geduldpillen in der Apotheke kaufen? Die Zeit wird lang. Der Weg wird lang. Es ist anstrengend.
…Werft euer Vertrauen nicht weg. Bleibt geduldig in eurem Glauben.
Gerade deshalb feiern wir Weihnachten. Wir begehen eine Harmonie und einen Frieden und eine Fülle, die es jetzt noch gar nicht gibt. Aber wir leben schon ein bisschen so, als wären wir da. Es ist wie ein Ausruhen auf dem langen Weg. Wie ein Hochklettern auf den Aussichtsturm. Da, ja das Ziel ist wirklich da. Wir können es schon manchmal sehen und fühlen und uns vorstellen, wie es wäre. Eia, wärn wir da. …
Wir sind noch nicht da. Aber wir können zuversichtlich sein und bleiben. Das, was uns belastet, ist da. Aber es ist nicht alles. Wir haben die Erinnerung, wie wir damals bewahrt wurden in Schwierigkeiten. Wir haben den Zugang zur göttlichen Fülle jetzt durch Zuversicht und Geduld. Und wir bleiben ausgestreckt auf das, was uns verheißen ist und was kommen wird.
Werft eure Zuversicht nicht weg. Das tun wir, indem wir Lichter anzünden in dieser dunklen Zeit. Am Anfang unseres Predigttextes heißt es Erinnert euch an die früheren Tage, als ihr vom Licht erfüllt worden seid. Dass wir Glauben lernen, das ist vom Licht erfüllt zu sein. Ich bedaure Menschen, die ihren Glauben verloren haben oder den Zugang dazu verloren haben. Es ist ein großes Geschenk, glauben zu können. Es ist wie von Licht erfüllt zu sein mitten in der Dunkelheit. Ich beobachte, dass besonders Menschen, die nicht kirchlich sind, viel Wert auf Licht am Haus oder in der Wohnung legen. Die Sache mit Gott lässt uns nie los. Dort sehe ich Reste des Wunsches nach Glauben. Daran lässt sich hoffentlich anknüpfen in schwierigen Zeiten.
Werft eure Zuversicht nicht weg. Das tun wir, indem wir auch die guten Nachrichten wahrnehmen, wertschätzen und hoch gewichten. Wir veröffentlichen ja immer eine gute Nachricht im Newsletter und damit im Nachrichtenblatt. Wenn ich in der Zeitung das Ergebnis einer Umfrage oder eine Statistik lese, dann merke ich: ich kann mehr das gute sehen oder mehr das schlechte. Und oft nimmt die Überschrift in der Zeitung mehr das Schlechte in den Blick. Unnötigerweise. Denn das tut uns nicht gut. Wir müssen das, was nicht gut ist, einordnen, damit unsere Geduld und unsere Zuversicht nicht ermatten.
Werft eure Zuversicht nicht weg. Dazu hilft es uns, Gottesdienst zu feiern und zu beten. Und die Grundlagen unseres christlichen Glaubens zu pflegen, indem wir z.B. in der Bibel lesen oder Bücher lesen, die sich mit christlichen Themen befassen oder entsprechende Dinge im Internet wahrnehmen und verstärken.
Heute möchte ich mich bei allen bedanken, die mit mir Gottesdienst feiern. Das stärkt meine Zuversicht. Auch kleine Gottesdienste tun mir gut.
Also, liebe Weihnachtsgemeinde am Ende des Jahres 2025, an der Schwelle zu der neuen größeren Kirchengemeinde, bleiben wir zuversichtlich. Und wenn wir verzagen, dann stützen wir uns gegenseitig und helfen uns zu neuem Mut, neuer Geduld und impfen uns mit neuer Zuversicht. Wo zwei oder drei versammelt sind in meinen Namen, da bin ich mitten unter ihnen. Das ist der Grund unserer Zuversicht. Denn Jesus Christus, der da unter uns ist, ist wahrhaftig mächtig, dem Lähmenden und Frustrierenden und die Geduld Zermürbendem entgegenzuwirken.
Der Grund unserer Geduld und die Quelle unserer Zuversicht gehe mit uns. Amen.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben.