Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde, heute beginnt die Reihe der Sommerpredigten zum Thema Hoffnung.
Meine Frau und ich haben uns überlegt, dass wir das als Gesellschaft gerade sehr dringend brauchen: Hoffnung.
Es liegen viele Veränderungen vor uns. Manche nennen diese Veränderung Transformation. Das klingt nach was, aber am Ende ist es einfach eine Veränderung. Eine Umgestaltung. Und ob das für uns gut ist, das müssen wir sehen. Hoffentlich können wir die Veränderung mitgestalten und so dafür sorgen, dass es gut für uns wird.
Was steht an an Veränderung. Das Klima verändert sich und wir müssen uns anpassen. Wir müssen mit der Veränderung des Wetters unser Verhalten ändern. Wir müssen im Sommer danach schauen, dass wir nicht zuviel Hitze abbekommen. Wir müssen in den trockenen Sommern schauen, dass das Wasser insgesamt nicht knapp wird. Wir müssen für die Heizungen weniger Erdöl und Erdgas verbrauchen und auch für den Verkehr.
In der Kirche wird gekürzt. Es gibt weniger Pfarrpersonen und wir müssen schauen, wieviel Gebäude wir als Kirchengemeinde erhalten können. Jedenfalls werden die Entscheidungen nicht mehr einfach nur vor Ort gefällt, sondern in einem größeren Bereich, dem Nachbarschaftsraum mit den Nachbarorten.
Viele Veränderungen stehen an. Normalerweise schauen ältere Menschen nicht so hoffnungsvoll auf die Zukunft. Schließlich drohen Krankheit und Tod. Normalerweise ist die junge Generation mehr für Hoffnung zuständig. Denn wenn man jung ist, hat man das Leben vor sich. Man kann ganz viel entdecken. Man kann seine Fähigkeiten entwickeln. So vieles ist möglich.
Für euch heute, liebe Konfis, ist es nicht mehr so klar, dass ihr mit mehr Hoffnung auf die Zukunft schaut wie eure Eltern und Großeltern. Da gibt es die Angst, dass wir wirtschaftlich nicht mehr so gut dastehen werden als Menschen in Deutschland.
Ich nehme wahr, dass ihr trotzdem voller Hoffnung auf das Leben schaut. Voller Erwartung seid ihr und gespannt auf eine gute Zukunft. Deshalb brauchen wir euch als junge Generation. Ihr stärkt unsere Hoffnung.
Zum christlichen Glauben gehören Glaube, Liebe, Hoffnung. Die Liebe ist wichtigsten, so sagt es der Apostel Paulus in dem berühmten Hohelied der Liebe am Ende: Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen. 1. Korinther 13 Vers 13. Das wird gerne bei Trauungen gelesen, aber es ist auch ein beliebter Konfispruch. Konficoach Lina-Marie hat diesen Spruch sogar als Tätowierung am Oberarm.
Von der Hoffnung sagt Paulus: Gott gibt uns eine Hoffnung wider alle Hoffnung. Diese Hoffnung zeigt sich besonders bei der Auferweckung von Jesus aus dem Tod. Wenn jemand gestorben ist, dann denken wir ja, dass alle Hoffnung vorbei ist. Aber Gott hat Jesus nicht im Tod gelassen, sondern auferweckt. Deshalb hat am Ende die Hoffnung über den Tod gesiegt.
Es gibt ein großes Kapitel über die Auferstehung von dem Apostel Paulus. 1. Korinther 15. Da steht in Vers 28: Am Ende wird Gott sein alles in allem. Kurz vorher heißt es, dass Jesus Christus alle Herrschaft und alle Macht und alle Gewalt vernichtet. Dann gibt Jesus Christus alles an Gott. Und Gott wird sein alles in allem.
Das heißt: wir als Christinnen und Christen sind Teil einer Entwicklung, einer großen Veränderung. Und am Ende dieser großen Entwicklung, dieser großen Veränderung steht das Ende aller Kämpfe, aller Herrschaft, aller Missverständnisse zwischen Menschen. Sogar unterschiedliche Religionen braucht es dann nicht mehr. Die Unterschiede zwischen Menschen werden unwichtig, wenn Gott alles in allem ist.
Unser Leben ist voller Gegensätze. Voller Kämpfe. Voller Auseinandersetzungen. Voller Unterschiede, die zu Missachtung und Ausschluss und Schlechtmachen und all den sozialen Schwierigkeiten führen.
Unser Predigttext heute sagt: es gibt ein Ende von all dem. Es gibt dann, am Ende, wirklichen Frieden. Wenn alle Gegensätze aufgehoben sind. Wenn die Machtkämpfe beendet sind, weil Jesus Christus alle besiegt, auch den Tod, und dann alles an Gott gibt.
Ein Philosoph im Mittelalter hat von dem Zusammenfließen aller Gegensätze in Gott gesprochen. Coincidentia Oppositorum. Nikolaus von Kues.1401-1464. Das heißt, wir können auch Gott so denken, dass Gegensätze in Gott nicht mehr Gegensätze sind.
Ich will das an einem Beispiel klar machen. Normalerweise ist eine Person uns gegenüber freundlich oder zornig. Diese Person kann nicht beides zugleich sein. Vielleicht sind diese Gefühle nah beieinander denkbar. Z.B. könnte es sein, dass eine Mutter schimpft und dann innehält und sagt: Du weißt doch, ich bin streng zu dir, weil ich dich beschützen will.
Gott ist uns gegenüber auch freundlich oder zornig. Beides zusammen kann eigentlich nicht sein. Zorn und Freundlichkeit sind Gegensätze.
In einem Lied im Gesangbuch heißt es: Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt.
Damit ist gemeint: In Jesus Christus hat Gott uns sowohl seine zornige wie seine freundliche Seite gezeigt. Die zornige Seite: Jesus musste sterben. Die freundliche Seite: Gott will uns damit in einen Weg der Versöhnung hineinnehmen. Die freundliche Zuwendung Gottes kommt durch Jesus zu uns. Und am Ende wird Gott alles in allem sein. Am Ende wird der Zorn nur ein kleiner Teil der Geschichte sein.
Ich versuche das anzuwenden. Ihr als Jugendliche, liebe Konfis, müsst ab und zu mit euren Eltern streiten. Das ist nötig. Aber am Ende wird es ein Teil der Geschichte mit euren Eltern sein. In jeder Beziehung gehört Streiten dazu. In jeder Beziehung gehört Versöhnen dazu. Und am Ende ist beides Teil der gemeinsamen Geschichte. Am Ende fallen auch bei einer normalen Beziehung die Gegensätze ineinander.
Um so mehr bei Gott und seiner Geschichte mit uns Menschen. Diese Geschichte von Gott ist eine lange Beziehungsgeschichte. Sie begann vor unserer Geburt. Sie wird mit dem Tod nicht enden. Und sie hat ein Ziel: Gott wird alles in allem sein.
Ihr könntet jetzt sagen: das mag ja in der Bibel stehen. Aber was da auf uns an Zukunft zukommt, das klingt überhaupt nicht gut. Wieviel Anlass zur Hoffnung haben wir wirklich?
Haben wir nicht Grund genug, wirklich verzweifelt zu sein?
Ich möchte euch etwas erzählen über das, was mir sehr wichtig ist. Die Zukunft der evangelischen Kirche. Meine Frau und ich haben dafür gekämpft, dass nicht vor Ort gekürzt wird. Wir haben diesen Kampf verloren. Es wird einiges wegfallen. Diese Pfarrstelle Messel wird spätestens anfang 2028, wenn ich in Pension gehe, nur noch eine halbe Pfarrstelle sein. Wir können hoffen, dass das Pfarrhaus und das Gemeindehaus so halbwegs erhalten bleiben.
Das ist ein langer Trauerprozess, das anzunehmen. Das dauert. Da gibt es Zorn, berechtigten Zorn. Da gibt es Verzweiflung. Berechtigte Verzweiflung. Da gibt es Depression also Niedergeschlagensein. Traurigsein. Ohne Antrieb sein. Wozu noch was machen, wenn alles den Bach runtergeht. Auch dieses Gefühl ist berechtigt.
Und doch ist die Trauer ein seelischer Weg, der lange dauert. Aber irgendwann und auch schon zwischendrin gibt es neue Hoffnung. Hoffnung, die sich mit dem Verlust abfindet. Und das Beste daraus zu machen versucht.
Jeder Menschen muss in seinem Leben trauern und diese schwierigen seelischen Wegstrecken gehen. Zorn. Verzweiflung. Depression. Und für all diese Situationen gilt: es gibt ein Ende. Es gibt ein Danach. Es gibt eine Zeit, in der das alles aufgehoben ist. In der Frieden herrscht, jedenfalls soweit das hier in diesem Leben möglich ist.
Dann aber, dort, jenseits der Zeit, wenn der Tod als der letzte Feind besiegt ist, dann gibt endgültigen Frieden. Dann werden alle Gegensätze aufgehoben sein. Dann wird Gott alles in allem sein.
Und wir Christinnen und Christen wissen heute: wir gehen auf dieses Ziel zu. Und das verändert, wie wir unterwegs sind.
Wir sind wie Menschen auf einer Urlaubsfahrt. Wir wissen: bald sind wir am Ziel. Am Meer oder am See oder in den Bergen. Dort ist es schön. Dort können wir ausruhen. Dort herrscht Friede. Dort gibt es Entspannung. Dort können wir so sein wie wir sind. Dort können wir uns selbst annehmen. Alles, was schwierig ist, ist vorbei.
Wir Christinnen und Christen sind voller Hoffnung. Weil wir auf dem Weg sind. Und das Ziel wirkt schon.
Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben. Amen.