Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen. Liebe Gemeinde, unser Predigttext heute aus Jeremia 14 ist überschrieben: Die große Dürre
1Das ist das Wort des Herrn,
das er Jeremia wegen der Dürre mitgeteilt hat:
2Juda liegt traurig da,
seine Tore sind verfallen.
Trauernd sind die Menschen zu Boden gesunken,
Klagegeschrei steigt auf aus Jerusalem.
3Die Reichen schicken ihre Diener, um Wasser zu holen.
Sie gehen zu den Zisternen,
aber sie finden kein Wasser mehr.
Sie kehren mit leeren Krügen zurück.
Enttäuscht und betrübt verhüllen sie ihren Kopf.
4Der Erdboden hat lauter Risse,
weil es nicht geregnet hat.
Auch die Bauern sind betrübt und verhüllen ihren Kopf.
5Selbst die Hirschkuh lässt ihr Junges im Stich.
Gleich nach der Geburt hat sie es verlassen,
weil es nirgendwo mehr Gras gibt.
6Die Wildesel stehen auf den kahlen Höhen
und hören sich an wie heulende Schakale.
Ihre Augen sind trüb geworden,
denn weit und breit wächst kein Grün mehr.
Das Volk betet um Hilfe
7Ach Herr, unsere Schuld klagt uns an,
aber hilf uns doch um deines Namens willen!
Wir haben viel Schlimmes getan
und uns so gegen dich gestellt.
8Doch du bist die Hoffnung Israels,
unser Retter in Zeiten der Not!
Warum interessieren wir dich dann nicht?
Unser Land scheint dir gleichgültig wie einem Fremden,
wie einem Wanderer, der nur eine Nacht bleibt.
9Warum tust du so, als ob du nicht helfen kannst?
Warum bist du wie ein Held, der nicht retten kann?
Dabei bist du doch mitten unter uns, Herr,
und wir tragen deinen Namen!
Lass uns doch nicht im Stich!
Vor kurzem waren meine Frau und ich in einem schlecht besuchten Gottesdienst. Ich habe danach mit dem Prädikanten geredet, der den Gottesdienst gehalten hat. Ich fand, es war ein schöner Gottesdienst und er hat den Gottesdienst gut, würdig und hilfreich gestaltet. Er erzählte mir folgendes: In einem Dorf hatte er vor kurzem einen Gottesdienst mit 8 Besuchern gehalten. Ein alter Mann sagte hinterher zu ihm: früher waren hier 80 Menschen im Gottesdienst. Wo soll das nur hinführen? Bald machen wir aus der Kirche einen Hühnerstall!
Dürre. Wir haben durch Klimawandel wirklich Wasserprobleme, sogar in unserem wasserreichen und waldreichen, auch seenreichen Deutschland. Wir müssen dringend das Klima schützen und vielfältige Maßnahmen ergreifen, um mit den Folgen klar zu kommen. Wir brauchen ein gutes Wassermanagement. Wenn es zuviel Wasser gibt, müssen wir es in einer Schwammstadt speichern. Wir müssen für Verdunstungsschutz und Abkühlung sorgen. Und so weiter.
Dürre hat aber auch eine geistliche Bedeutung. Wir haben zu wenig von dem Wasser des Lebens, das aus Gott kommt, in unseren Herzen Frucht bringt und uns zu Gott hin ausrichtet und zu Gott hin führt.
Die Menschen zur Zeit des Propheten Jeremia in unserem Predigttext finden, dass die Dürre etwas mit Gott zu tun hat. Sie flehen Gott um Hilfe an. Dass Gott nicht zu reagieren scheint, macht sie fassungslos. Du gehst an dem Land vorbei, als wären wir fremd für dich. Flehend bitten alle zusammen: lass uns doch nicht im Stich.
Klagen und Jammern höre ich genug in unserem Land. Wir sind uns aber uneinig über den Grund der Probleme. Ja sogar in der Beschreibung der Problem sind wir uns uneinig. Wir brauchen viel Gespräche miteinander, wenn wir zu einem gemeinsamen Flehen an Gott kommen wollen: lass uns doch nicht im Stich.
Viel zu wenige flehen mit uns in den Gottesdiensten. Das ist ein Problem. Das verursacht die Dürre. Das Christentum ist stark. Es ist weltweit die größte Religion und wächst sehr. Aber bei uns in unserem Land, dem Mutterland der Reformation, wird der christliche Glaube schwach. Deshalb mein Dank an alle, die mit mir heute sich an Gott wenden. Hier bei uns und nebenan im Kindersonntag und in der katholischen Kirche und in den vielen Kirchen in den anderen Orten.
Ich bedanke mich bei allen Menschen, die sehr viel Zeit und Herzblut für die Sache ihres christlichen Glaubens, für tätige Nächstenliebe und für mutige Hoffnungszeichen einsetzen. So viele Menschen tun das, all überall in den Gemeinden vor Ort.
Für das gemeinsame Flehen: lass uns doch nicht im Stich. Gehe nicht wie ein Fremder an unserem Land vorüber. Beende die Dürre. Lass uns wieder Zugang zum Wasser des Lebens finden. Für dieses gemeinsame Flehen müssen wir uns ja nicht in allen Punkten einig sein. Wir sind viele Christinnen und Christen und damit verschieden. Und das ist auch gut so. Denn so sind wir gemeinsam stärker, wenn wir die Verschiedenheit dazu nutzen, die Kraft richtig auszurichten. Nicht gegeneinander, sondern zusammen uns zu Gott hin ausstrecken.
Wie Gott dann auf das Flehen reagieren wird, das liegt bei Gott. Und dann werden vielleicht unsere Unterschiede, über die wir uns so viel Gedanken machen, ganz unwichtig. Weil Gottes Gebetserhörung so anders sein kann, als wir es gedacht haben.
Ich wünsche uns in diesem ersten Jahr als neu zusammengesetzte Kirchengemeinde, dass wir die Probleme nicht unter den Tisch kehren. Sie müssen benannt werden. Die Dürre muss beschrieben werden, damit wir richtig beten können. Und dann müssen wir geduldig sein und die Erhörung wahrnehmen, auch wenn sie ganz anders wird als gedacht.
Ich wünsche uns, dass die Menschen wieder Zugang finden zu Glauben, Hoffnung und Liebe. Vielleicht kommen nicht mehr die Massen zu den normalen Gottesdiensten. Wir verlieren viel zu viel Mitglieder. Wir kürzen Pfarrstellen und Gebäude. Und das alles frustriert, lähmt, macht traurig, wütend und manchmal auch defätistisch und zynisch. Wie diese Aussage: Wir machen aus der Kirche demnächst einen Hühnerstall.
Ich kenne die Kirche, um die es geht. Sie ist sehr schön. Sie hat eine historische Orgel. Der Ort hat eine gute Gemeinschaft und die Kirchengemeinde ist dafür wichtig. Ich bin zuversichtlich, dass diese Kirche noch lange eine wichtige Rolle spielen wird bei kleinen und großen Gottediensten.
Aber wir alle müssen das Wenigerwerden verarbeiten. Und dass wir uns zu größeren Einheiten zusammenschließen, kann das Problem ja nicht verdecken. Aber vielleicht können wir gemeinsam flehender bitten: geh doch nicht wie ein Fremder an uns vorüber. Du bist doch mitten unter uns. Du bist doch der Held, der uns schon oft gerettet hat. Du bist doch mitten unter uns und wir tragen deinen Namen.
Gerade die unterschiedlichen Herangehensweisen können uns Gott näher bringen. Dass wir die Dürre sehen, kann unser Gebet flehender machen, gemeinschaftlicher und hoffentlich auch offener für Erhörungen des Gebets, die wir bisher nicht wahrgenommen haben.
Ich finde, bei allem, was schief läuft bei uns in der evangelischen Kirche hier in Deutschland, können wir doch auch stolz sein. Wir haben soviele engagierte Menschen. Ja, alle sind immer mal wieder frustriert und gelähmt und auch manchmal zynisch und defätistisch in die Niederlage verliebt. Aber das ist eben nicht alles. Wir feiern gemeinsam Gottesdienst und wir gehen anders nach Hause. Erfüllt und erquickt durch das Wasser des Lebens.
Manchmal entsteht aus etwas Ärgerlichem etwas Gutes. Denn Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade. Dieser Predigttext für heute ist uns aufgegeben, weil Menschen, denen das Gespräch mit dem Judentum wichtig ist, viele alttestamentliche Texte in die Gottesdienstordnung hineinverhandelt haben. Ich finde das manchmal übertrieben. Aber es entstehen gerade durch die Reibungen, durch die Fremdheit, durch das zunächst sich Ärgern hindurch Öffnungen für das Wasser des Leben, das zu uns kommen will. There is a crack in every thing. Thats where the light gets in. Singt Leonard Cohen. Durch die Risse kommt das, was von Gott heilsam zu uns kommen will. Durch unser Leiden, auch das Leiden an dieser Kirche und an dieser Gesellschaft, kommt das zu uns, mit dem Gott uns auf den Weg bringt. Dazu, das Wasser des Lebens aufzusaugen und damit Frucht zu bringen. Dazu, in unserer Gesellschaft für Klimaschutz einzutreten. Dazu, Menschen wahrzunehmen, die in Not sind und sie in ihrem Flehen zu unterstützen.
Und der Friede Gottes….