Gott kommt uns entgegen 1.12.24

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

Erinnern Sie sich an den amerikanischen Wahlkampf? Da sah man eine schreiende Versammlung. Und dann kommt Donald Trump auf die Bühne. Das Volk johlt. Er hebt die Hände das Volk johlt noch mehr. Und dann fängt er an solche Dinge zu sagen. Ich werde Amerika wieder groß machen. Und im Publikum jubeln evangelikale Christen, weil Gott einen Retter für Amerika geschickt hat.

Zur Zeit Jesu gab es etwas Ähnliches. Den Triumphzug des Kaisers, wenn ein Krieg gewonnen wurde. Das Volk steht in den Straßen und johlt. Der Kaiser reitet auf einen Kriegsross mit einem Lorbeerkranz auf dem Kopf. Die Armee hinter sich und vor sich. Die Gefangenen werden in Ketten mitgeführt um später auf dem Sklavenmarkt verkauft zu werden. Später gibt es Essen und Getränke umsonst.

Vergleichen Sie mal wie das bei Jesus war ein paar Tage bevor er verhaftet und dann gekreuzigt wurde. Ich lese

Matthäus 21,1-11

1Kurz vor Jerusalem kamen Jesus und seine Jünger

nach Betfage am Ölberg.

Da schickte Jesus zwei seiner Jünger voraus

2und sagte zu ihnen:

»Geht in das Dorf, das vor euch liegt.

Dort findet ihr gleich eine Eselin angebunden,

zusammen mit ihrem Jungen.

Bindet sie los und bringt sie mir.

3Und wenn euch jemand fragt: ›Was soll das?‹,

dann sagt: ›Der Herr braucht sie.‹

Dann wird er sie euch sofort geben.«

4So ging in Erfüllung,

was Gott durch den Propheten gesagt hat:

5»Sagt zu der Tochter Zion:

›Sieh doch: Dein König kommt zu dir!

Er ist freundlich und reitet auf einem Esel,

einem jungen Esel – geboren von einer Eselin.‹«

6Die Jünger gingen los und machten alles genau so,

wie Jesus es ihnen aufgetragen hatte.

7Sie brachten die Eselin und ihr Junges herbei

und legten ihre Mäntel über sie.

Jesus setzte sich darauf.

8Die große Volksmenge breitete ihre Mäntel

auf der Straße aus.

Andere schnitten Palmzweige von den Bäumen ab

und legten sie ebenfalls auf die Straße.

9Die Volksmenge, die vor Jesus herging und ihm folgte,

rief unablässig: »Hosianna dem Sohn Davids!

Gesegnet sei, wer im Namen des Herrn kommt!

Hosianna in himmlischer Höhe!«

10So zog Jesus in Jerusalem ein.

Die ganze Stadt geriet in Aufregung.

Die Leute fragten sich: »Wer ist er nur?«

11Die Volksmenge sagte: »Das ist Jesus, der Prophet aus Nazaret in Galiläa.«

Eine Machtdemonstration, die Einführung eines neuen Königs und doch so anders als die Triumphzüge der Kaiser oder Wahlveranstaltungen von Donald Trump. Die Menge jubelt auch. Die Stadt war in Aufregung. Aber Jesus reitet auf einem Esel nicht auf einen Schlachtross. Und er führt keine Gefangenen mit. Die Menschen bekommen keine Geschenke und trotzdem sind die Leute begeistert und werfen Palmzweige auf den Weg. Und Jesus schweigt. Er macht keine großen Versprechungen wie Donald Trump oder der Kaiser, der der Welt den Frieden verspricht.

Wieso haben wir diesen Predigttext am 1. Advent?

Im Advent bereiten wir uns auf Weihnachten vor. Wir warten auf die Ankunft des Gotteskindes. Wir warten auf die Ankunft des Sohnes Gottes in unserer zerrissenen Welt. Denn das feiern wir an Weihnachten.

Dieser Predigttext erinnert uns daran, dass wir nicht nur ein kleines Kind erwarten. Wir erwarten den Retter der Welt. Wir erwarten Jesus Christus, der die Geschichte gewendet hat und eine neue Hoffnung in die Welt gebracht hat.

Was erwarten wir denn von Jesus Christus? Brot und Spiele offensichtlich nicht und auch nicht die Beendigung des Krieges in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden oder dass Amerika wieder groß wird.

Was dann? Und was können wir realistischerweise erwarten, wo wir doch jedes Jahr Weihnachten feiern und dass Gott seinen Sohn in unsere Welt geschickt hat?

In der Bibel sagt Jesus von sich selbst über seine Aufgabe:

»Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt den Menschen nahe. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht!«

Es geht darum, dass die gute Nachricht in unseren Herzen ankommt und wir ihr glauben. Es geht darum das Reich Gottes in uns ankommen und wachsen zu lassen und sich klar zu machen. Das Königtum Gottes in unserer Welt ist eine Realität, die zwar verborgen aber wirksam ist und auf Dauer jede Lebenswirklichkeit erfassen wird.

Die Reiche dieser Welt vergehen. Das römische Kaiserreich ist schon lange Geschichte und die Präsidentschaft Donald Trumps wird auch bald Geschichte sein. Aber Jesus Christus wirkt weiter. Und er wirkt völlig anders als die Herrschaft der reichen Männer in den USA oder die Diktatur eines reichen Mannes in Russland. Jesus Christus wirkt durch die Veränderung der Herzen der Menschen, die an ihn glauben. Er wirkt durch Demokratie, durch uns alle, durch eigentlich machtlose Menschen, die sich am Ende als stärker erweisen werden als die mächtigen Menschen, weil in Jesus Christus Gott uns entgegen kommt und uns Hoffnung und Durchhaltevermögen schenkt, die weit über die Macht der Mächtigen hinaus geht.

Muss es uns da nicht beunruhigen, dass immer mehr Menschen aus der Kirche austreten und dass sich gerade in westlichen Gesellschaften eine gewisse Kirchenfeindlichkeit sich immer weiter ausbreitet und dass die Berührungsängste mit dem christlichen Glauben steigen. Wenn Gott in den Herzen der vielen wirkt und nicht an die Herrschaft der wenigen gebunden ist, ist es dann nicht ein schlechtes Zeichen, dass die westlichen Demokratien schwächer werden und die Diktaturen sich im Aufwind befinden?

Ja, das macht mir durchaus Sorgen. Und ich kenne viele Leute, die deshalb besorgt sind.

Aber ich glaube um Gott und die Wirksamkeit von Jesus Christus müssen wir uns keine Sorgen machen. Wir erinnern uns. Nach dem triumphalen Einzug in Jerusalem kam der schreckliche Weg ans Kreuz. Und alle dachten es ist nun vorbei. Aber drei Tage später fing es erst richtig an als Maria Magdalena dem Auferstandenen begegnet ist.

Gott und sein Sohn Jesus haben jede Menge Erfahrungen damit wie durch schwere Krisen hindurch und durch schlecht aussehende Situationen hindurch der Glaube gestärkt wird und die Menschen sich in die Herrschaft des menschenfreundlichen Gottes hineinbegeben. Jesus Christus kennt sich aus mit offenen Herzen und dem Wecken von Glauben in Situationen, die erst mal ungeeignet aussehen.

Ich glaube, dass Jesus Christus sich auf uns als Einzelpersonen und auf uns als Kirche zubewegt gerade weil wir es momentan so schwer haben.

Weil wir gerade soviel Hoffnung nötig haben, werden wir diese Hoffnung geschenkt bekommen. Da bin ich sicher. Jede Bewegung löst eine Gegenbewegung aus. Gerade weil viele Menschen aus der Kirche austreten und die Kirche in der Gesellschaft an Bedeutung verliert, sind andere Menschen um so mehr davon überzeugt, dass wir gerade jetzt einen Glauben brauchen, der uns durch diese schwierigen Zeit trägt. Und viele erfahren, dass ihnen dieser Glaube geschenkt wird.

Jedenfalls freue ich mich sehr, dass ihr heute gekommen seid und dass wir heute feiern dürfen, dass so viele Menschen sich hier in Messel in der Evangelischen Kirche engagieren. Und wir sind ja nicht die Einzigen auch in der Katholischen Kirche engagieren sich viele Messelerinnen und Messeler.

Und in all dem feiern wir auch, dass Jesus Christus uns entgegen kommt und auch dieses Jahr wieder Weihnachten werden wird.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!