Gott lieben 24.8.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, nach der langen Sommerpause freue ich mich wieder auf unsere Gottesdienste. Ich habe gehört, dass die Sommergottesdienste in den einzelnen Orten gut besucht waren, aber natürlich fehlt uns unser normaler Rhythmus. Aber wir wissen: das Leben besteht aus stetiger Veränderung. Wenn Menschen, die uns vertraut waren, sterben, dann merken wir das besonders stark. Vertraut den neuen Wegen, heißt es in dem Lied, das wir nach der Predigt singen werden. Meine Frau und ich werden dazu einmal eine Dialogpredigt machen, denn wenn eine Firmenleitung oder eine Regierung oder auch eine  Kirche  eine schlechte Reform macht, dann hilft es nicht, sich das schön zu reden. Aber die andere Seite ist: wir müssen mit den Veränderungen, auch wenn sie ärgerlich sind und unsinnig, mitgehen. Es tut niemandem gut, wenn wir schmollend uns ins Schneckenhaus zurückziehen.

Unser Predigttext heute fragt: was muss geschehen, damit ich ein gutes Leben haben kann und gleichzeitig dazu beitragen kann, dass alle ein gutes Leben haben. Wie können wir mitten in all den Zumutungen das Beste daraus machen?

Markus 12

28Und es trat zu ihm einer der Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Als er sah, dass er ihnen gut geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen? 29Jesus antwortete: Das höchste Gebot ist das: »Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, 30und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und mit all deiner Kraft« 5. Mose 6,4-5. 31Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« 3. Mose 19,18. Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

32Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Ja, Meister, du hast recht geredet! Er ist einer, und ist kein anderer außer ihm; 33und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und mit aller Kraft, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. 34Da Jesus sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Reich Gottes: das ist gutes Leben. Das ist Gott mitten in unserem Herzen. Das ist Gott in unseren Beziehungen. Gott in dem, wir wir miteinander umgehen. Gott in dem, wir wir uns selbst sehen, kritisch und doch barmherzig. Gott in dem, wir wir andere sehen, kritisch und doch barmherzig.

Das  Geheimnis ist die Liebe. Die Liebe zu Gott, mit ganzem Herzen. Von ganzem Gemüt. Mit aller Kraft. Und die Liebe zum Nächsten. Genauso stark wie die Liebe zu mir selbst.

Wo ich gerade bin und an welcher Liebe ich gerade arbeiten muss, das ist die Frage, die ich für mich selbst klären muss. Und vermutlich ist sie je nach Lebenslage immer wieder anders oder jedenfalls mit  anderem Schwerpunkt und mit einer anderen Brille gesehen.

In der Bibel wird unser Blick oft von uns selbst weg und hin auf Gott gerichtet. Im Vaterunser geht es erst um Gott und erst dann um uns und unsere Bedürfnisse. Genauso hier. Erst kommt die Liebe zu Gott und dann fließt daraus fast selbstverständlich die Liebe zum Nächsten und zu mir selbst. Die Feindesliebe ist hier ein Teil der Nächstenliebe. Denn die mir nahestehen sind oft auch die, über die ich mich ärgere.

Also: zuerst die Gottesliebe. Das ist für unsere Kultur sehr schwer geworden. Wir fragen uns: gibt es überhaupt Gott und wenn ja, wie kann ich etwas davon erkennen. Gott hat mit unserer alltäglichen Welt wenig zu tun. Je mehr wir in Bildschirmwelten eintauchen, desto weniger haben wir mit  der Natur zu tun und damit erst recht noch weniger mit Gott als der Quelle alles Lebendigen, als Kraft der Hoffnung, die sich nicht ins Bockshorn jagen lässt, als Grund unseres Urvertrauens, dass es am Ende gut sein wird, als Feuer der Liebe, die sich immer wieder neu entflammen lässt.

Die Bilder, die ich hier für Gott verwandt habe, sind entweder in der Natur zu finden oder tief in unserem Inneren. Beides wird überlagert durch all die vielen Bilder, die wir jeden Tag wahrnehmen. Die Stille, in der wir Gott finden können, wird überlagert durch all die vielen Geräusche des  Alltags. Der Hunger nach Gott, der in unserer Seele ist, wird verführt durch all das, was uns süchtig und abhängig machen will.

Wie kommen wir als Menschen im Jahr 2025 wieder zu Gott und zur Gottesliebe. Zu einem Leben mit ganzem Herzen. Das Gott von ganzem Herzen liebt und so einen Sinn ausstrahlt, den die vergehende Zeit nicht vernichten kann. Ein Leben, das in der Ewigkeit verankert ist durch die Gottesliebe.

Ich glaube, wir müssen uns insgesamt als Gesellschaft wieder auf die Suche begeben und einiges an Irrwegen weglassen. Ich sehe in unserer Kultur ein Suchen, aber es richtet sich zu selten auf Orte, wo es ein Finden gibt. Die Kirchen sind sehr fremd geworden und werden nur mit Abstand beäugt. Das  ist schade. Ich hätte gerne Rückmeldungen, wie die Kirchen, die die Antworten in dem Schatz ihrer Tradition haben, wieder zu den Suchenden finden können. Sprechen Sie mich gerne nach dem Gottesdienst an.

Das Erste ist die Gottesliebe. Dort wird unser Durst nach Leben gestillt. Dort kommt unser Sehnen ans Ziel. Dort wird unser wahres Bedürfnis gestillt. Deshalb sind wir mit ganzem Herzen, Gemüt, mit aller Kraft dabei. Da ist das Eine, das nottut. 

Wenn dieser Hunger gestillt ist, dann fließt daraus die Liebe zum Nächsten und zu sich selbst. Die Gottesliebe muss sich bewähren jeden Tag neu. Indem ich mich selbst liebe. Mich annehme, wie ich bin. Hoffe, dass Gott mich schon ein wenig so sieht, wie ich gerne wäre. Und dann, weil ich die Freundlichkeit Gottes annehmen kann, auch diese Freundlichkeit Gottes auf den Nächsten anwenden kann. Kritisch und barmherzig kann mein Blick sein auf mich selbst und auf den Nächsten.

Zum Glück, liebe Gemeinde, liegt es nicht  nur an uns und an der Frage, wie viel Raum wir dieser Liebe geben können in unserem Leben. Du bist nicht fern vom Reich Gottes sagt Jesus zu dem Schriftgelehrten, der ihn nach dem höchsten Gebot fragt. Im Vaterunser beten wir: dein Reich komme. Und am Ende sagen wir: Denn dein ist das Reich.

Wir bitten darum, dass das  Reich Gottes zu uns  kommt, obwohl wir an den Geboten, den höchsten, den mittleren und den unwichtigeren immer wieder scheitern. Es ist unsere Verantwortung, alles zu tun, damit wir in das Reich Gottes kommen und damit in ein gutes Leben für und andere. Zugleich hoffen wir auf die Barmherzigkeit, die uns schenkt, was wir nicht von uns erreichen können. Die uns beschenkt mit der Gegenwart des Reiches Gottes und uns so Kraft gibt zur Gottesliebe, Nächstenliebe und Selbstliebe.

Liebe Gemeinde, das Leben mutet uns notwendige Abschiede und Trennungen zu. Das verletzt unsere Bindungen, unsere Liebe, unsere Geborgenheit. Liebe wird in Frage gestellt und erschüttert und wir müssen damit umgehen. 

Gerade deshalb sind wir bedürftig nach der Quelle der Liebe, Gott selbst. Strecken wir uns aus. Öffnen wir uns. Nur so finden wir gutes Leben, für uns und andere.

Und der Friede Gottes…