Gott wird abwischen alle Tränen 30.7.23

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute kommt die letzte Predigt der Reihe: Sommerpredigten zum Thema Hoffnung. Hoffnung brauchen wir dringend, gerade weil es düster aussieht und wir als Gesellschaft mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wie geht es Ihnen mit dem Weinen? Sind Sie wie ich nahe am Wasser gebaut, oder weinen Sie fast nie? Und was löst das in Ihnen aus, wenn andere weinen? Möchten Sie dann flüchten oder die weinende Person in den Arm nehmen? Heute geht es darum, wie Gott mit unseren Tränen umgeht. Hören Sie Offenbarung 21,3-6:

3Und ich hörte eine laute Stimme vom Thron her rufen:

»Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen!

Er wird bei ihnen wohnen,

und sie werden seine Völker sein.

Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.

4Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen.

Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben,

kein Klagegeschrei und keinen Schmerz.

Denn was früher war, ist vergangen.«

5Der auf dem Thron saß, sagte:

»Ich mache alles neu.«

Und er fügte hinzu: »Schreib alles auf,

denn diese Worte sind zuverlässig und wahr.«

6Dann sagte er zu mir: »Es ist geschehen!

Ich bin das Alpha und das Omega,

der Anfang und das Ende.

Ich werde dem Durstigen Wasser geben,

das aus der Quelle des Lebens fließt.

Ich gebe es ihm umsonst.

Gott wird jede Träne von ihren Augen abwischen. Es wird nichts mehr geben, was uns zum Weinen und klagen bringt. Alle Verluste, alle Schmerzen sind vorbei.

Ich finde das ist einer der wichtigsten Hoffnungstexte in der Bibel. Die Tränen von jemand abzuwischen ist eine sehr intime und eine liebevolle Geste. Wir werden getröstet werden wegen dem, was wir bis jetzt an Traurigem und Schmerzhaften erlebt haben. Und dann wird die Trauer und der Schmerz vergehen und es wird keine neuen Anlässe dafür geben.

Ich kann mir das gar nicht richtig vorstellen.

Wenn man älter wird, ist das Leben ja unweigerlich von Trauer und Verlust und von Schmerzen geprägt. Menschen, die einem nahe standen sind gestorben. Der Kreis der Freunde um einen herum lichtet sich. Manche gehen nicht mehr aus dem Haus. Und die Besuche auf dem Friedhof häufen sich. Und wir verlieren ja nicht nur andere, die uns nahe standen. Wir verlieren auch immer mehr Möglichkeiten und Bewegungsspielraum. Wir wollen nicht mehr so weit in Urlaub fahren. Wir können nicht mehr so weit laufen. Die Anstrengung wird uns leicht zu viel. Das eine oder andere Gelenk schmerzt immer öfter. Und die Aussicht ist, dass nichts davon besser wird. Auch die Nerven liegen öfter blank. Und selbst die Erinnerungen schmerzen. Trauer wird ein ständiger Begleiter.

Und das soll sich grundlegend ändern? Dürfen wir das tatsächlich hoffen? Werden wir tatsächlich getröstet werden.

Oder ist das wieder nur so eine religiöse Vertröstung auf das Jenseits?

Nein, ich glaube es ist eher eine Erfahrung des Verfassers oder der Verfasser der Offenbarung des Johannes. Sie leiden unter einer schlimmen Verfolgungswelle durch die römische Herrschaft. Sie erleben wie Freunde gefoltert und ermordet werden. Und sie leiden große Angst. Und so ermutigen sie sich gegenseitig mit ihrer Hoffnung, dass diese schlimme Zeit vorbei gehen wird. Sie bestärken sich gegenseitig darin an ihrem christlichen Glauben festhalten zu wollen. Ich glaube in all dem spüren sie den Trost und die Nähe Gottes. Und sie wünschen diese Nähe und den Trost für alle Völker. Das ist ganz erstaunlich. Gottes Wohnung bei den Menschen, alle Völker Gottes Völker. Dies ist eine neue Sorte Hoffnung. Sie sehen den Trost und das Ende aller Schmerzen nicht nur für sich und ihre Freunde sondern für die ganze Welt. Universeller geht es nicht. Sie blicken nicht nur über sich selbst und ihre furchtbare Lage hinaus. Sie verstehen ihren Gott als einen Gott, der für alle da ist und der alle trösten und von ihrer Trauer und ihren Schmerzen erlösen wird.

Damit sagen sie gleichzeitig, dass ihre Verfolger und die die ihre Freunde quälen keine Chance haben, ihre Ziele zu erreichen. Sie werden keine Chance haben gegen den Gott, der jetzt erst recht alle erlösen wird. Und sie werden den Glauben an einen liebevollen Gott, der soviel Trost spendet, nicht aus der Welt schaffen können.  Und damit haben sie recht behalten. Die römische Herrschaft im Mittelmeerraum ist vergangen. Der christliche Glaube ist geblieben. Die gewalttätigen Verfolger hatten tatsächlich keine Chance. Diese Hoffnung hat sich bewahrheitet. Und das war damals sehr unwahrscheinlich. Und viele Zeitgenossen haben diese verrückten Christinnen und Christen mit ihrer wahnsinnigen Hoffnung auf einen liebevollen Gott belächelt. Das tun heute natürlich immer noch oder wieder Leute, die sagen: Eure Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod ist nur eine Illusion. Ich bin mir inzwischen ziemlich sicher, dass es keine Illusion ist. Denn ich erlebe es im Alltag immer wieder zum Beispiel in Gebeten aber auch in Gesprächen, dass Gott tatsächlich unsere Tränen abwischt, dass da eine liebevolle Macht ist, die uns umfängt und tröstet. Dass da etwas ist, das mich durch dunkle Zeiten trägt. Das ist keine Illusion. Das ist eine lebendige Erfahrung, dass der Schmerz nachlässt und ich aus der Trauer wieder auftauche und kleine Lichtblicke das Leben erhellen. Und das geschieht durch die schwierigen Zeiten hindurch.

Wieso sollte ich also nicht genau das, was ich in diesem Leben jetzt schon erfahre für eine darüber hinaus gehende Zukunft hoffen dürfen?

Im Laufe der Geschichte des Christentums haben immer wieder ganz viele Menschen Erfahrungen mit der liebevollen und tröstenden Gegenwart Gottes gemacht. Gottes Geist in ihnen hat ihre Trauer und ihren Schmerz verwandelt. Warum sollte uns das nicht auch passieren? Jetzt und in Zukunft?

Lassen Sie uns an der Hoffnung auf den liebevollen Gott, der alle Tränen abwischen wird, festhalten. Und springen wir nicht kürzer als unsere Mitchristinnen und Mitchristen damals in der Gemeinde des Johannes. Diese Hoffnung gilt nicht nur für uns. Wir hoffen darauf, dass Gott bei uns Menschen wohnen wird und alle Völker seine Völker sein werden. Darunter tun wir es nicht. Wir hoffen für alle Mitmenschen mit. Und wir vertrauen auf einen Gott, der alle Menschen im Blick hat und alle trösten will. Heute in unserer zusammengerückten vernetzten Welt wissen wir, dass wir nicht nur an uns selbst denken können oder an das christliche Abendland, was immer das auch gewesen sein sollte. Heute gilt unsere Hoffnung für die ganze Welt und für alle Menschen und Völker. Wir rechnen damit, dass Gott keinen Unterschied machen wird, welcher Religion diese Menschen anhängen werden. Alle Völker werden seine Völker sein. Daran glauben wir. Und darauf hoffen wir. Und Gott wird alle Tränen abwischen. Und Gott wird allen Durstigen Wasser geben, dass aus der Quelle des Lebens fließt. Also für uns heute kommt es nur darauf an, dass wir zu den Durstigen gehören. Heute im Leben vor dem Tod, geht es darum, dass wir uns nach Gott sehnen und Durst haben und das Wasser des Lebens trinken wollen, dann werden wir jetzt schon davon unseren Durst stillen und den Trost empfangen, den eines Tages alle erleben werden, weil der liebevolle Gott niemanden im Stich lassen wird, erst recht nicht die, die sich nach ihm sehnen und auf ihn hoffen.

Damit tun wir nicht nur etwas für uns selbst. Wir halten auch einen Raum der Hoffnung für alle anderen offen. Wie traurig wäre es, wenn alle depressiv und ohne Hoffnung auf ihren Tod zugehen würden in der Überzeugung: Mit dem Tod ist alles aus. Und erst danach merken würden, dass das ja gar nicht stimmt.

Mit unserer Hoffnung auf einen liebevollen Gott, der Zukunft und Leben für uns alle bereit hält, geben wir den anderen zumindest die Chance noch mal zu überlegen, ob an dieser Hoffnung doch etwas dran sein könnte. Vielleicht ist das allein ja schon ein Trost.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!