Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
heute ist der erste Sonntag der Passionszeit, in der wir an das Leiden Jesu denken. Heute feiern wir Abendmahl. Wir vergewissern uns, dass Jesus bei uns ist und uns mit Gott verbindet. So werden wir rechtzeitig Hilfe bekommen, wie es eine alte Predigt aus dem Hebräerbrief sagt. Aber hören Sie selbst. Ich lese
Hebräer 4,14-16
14Wir haben einen großen Hohepriester,
der alle Himmel durchschritten hat:
Es ist Jesus, der Sohn Gottes.
Lasst uns also an dem Bekenntnis zu ihm festhalten!
15Er ist kein Hohepriester,
der nicht mit unseren Schwachheiten mitleiden könnte.
Er wurde genau wie wir
in jeder Hinsicht auf die Probe gestellt.
Nur war er ohne Sünde.
16Lasst uns also voller Zuversicht
vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten.
So können wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden.
Und so werden wir zur rechten Zeit Hilfe bekommen.
Ja, wir werden rechtzeitig Hilfe bekommen, weil Jesus Christus uns mit dem Himmel verbindet. Jesus Christus als der Hohepriester ist ein altes Konzept. Einmal im Jahr ging der Hohepriester im Tempel in Jerusalem in das Allerheiligste. Und er nahm die Sünden des Volkes, legte sie auf den Sündenbock und der wurde dann in die Wüste gejagt. Und so wurde das Volk von allen seinen Sünden befreit.
Der Hebräerbrief nimmt das Alte auf und entwickelt es weiter. Jesus hat das ein für alle Mal geschafft, was der Hohepriester jedes Jahr widerholen musste. Alle, die an ihn glauben haben jetzt direkten Zugang zum Himmel, direkten Zugang zu Gott. Und ihre Sünden sind ein für allemal weg.
Wir leben hier auf der Erde, aber durch Jesus Christus können wir vor den Thron Gottes treten. Unser Leben ist im Himmel verankert. Durch Jesus Christus ist der Himmel mit der Erde verbunden. Denn Jesus Christus ist auch über diese Erde gegangen und hat Mitleid mit uns, denn er kennt das alles, was wir mitmachen müssen. Er ist nicht abgehoben da oben. Sondern er war in den ganzen Schwierigkeiten, in denen wir uns auch bewegen. Und deshalb hat er Mitgefühl mit uns. Wegen ihm können wir uns auf Gottes Barmherzigkeit verlassen und darauf, dass wir rechtzeitig Hilfe bekommen.
Der Hebräerbrief betont die Nähe Gottes und Gottes Barmherzigkeit und Gottes Hilfe für uns alle. Warum?
Weil es der Gemeinde für die der Hebräerbrief geschrieben wurde so ging wie es uns heute geht. Sie waren müde und frustriert. Leute haben die Gemeinde verlassen und haben keinen Zugang mehr zu ihrem ehemaligen Glauben gefunden. Gott war für sie sehr weit weg. Und sie haben einfach nicht mehr damit gerechnet, dass Gott ihnen noch helfen würde.
Ich glaube, das ist der Punkt heute bei uns auch. Die Leute rechnen nicht mehr damit, dass Gott ihnen helfen wird, ja schlimmer noch. Sie rechnen nicht mehr damit, dass Gott ihnen helfen kann. Sie leiden unter Hoffnungslosigkeit und darunter, dass sie erwarten, dass immer nur alles schlimmer wird. Sie sind wütend über die Entwicklung der Welt im Allgemeinen, obwohl sie über sich selbst sagen, dass es ihnen eigentlich wirtschaftlich gut geht. Aber es geht ihnen seelisch nicht gut. Wie damals der Gemeinde des Hebräerbriefes sind sie müde frustriert und sie erwarten keine Hilfe von Gott mehr.
Was hält der Hebräerbrief dagegen? Leute, sagt er, denkt doch an Jesus Christus. Hier ist eure Verbindung zum Himmel. Hier habt ihr Zugang zu Gottes Thron. Warum wollt das wegwerfen?
Ja, das ist ja auch unsere Botschaft heute. Denkt doch an Jesus Christus. Hier ist eure Verbindung zum Himmel. Hier habt ihr Zugang zu Gott. Und der wird euch rechtzeitig helfen.
Und was werden heute viele darauf antworten: Das ist nicht meine Erfahrung. Als es mir so schlecht ging, bin ich in ein tiefes Loch gerutscht und kein Gott hat mir geholfen. Die Welt geht den Bach runter. Die Zukunft sieht düster aus. Ich spüre keine Verbindung zum Himmel.
Und was antwortet der Hebräerbrief darauf?
Lasst uns an dem Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten, denn er ist der Sohn Gottes. Lasst uns also voller Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten. So können wir Barmherzigkeit empfangen
und Gnade finden. Und so werden wir zur rechten Zeit Hilfe bekommen.
Das ist der Weg, die Hoffnungslosigkeit zu überwinden. Wir werden keine Hilfe bekommen, wenn wir davon ausgehen, dass es keine Hilfe geben wird. Wir werden niemals eine Verbindung mit Gott spüren, wenn wir davon ausgehen, dass es keine geben kann. Wenn wir die Wege, die in eine gute Zukunft führen, nicht sehen können, dann bleiben wir in der Verzweiflung stecken.
Ich behaupte: Durch Jesus Christus ist unser Leben im Himmel verankert. Himmel und Erde sind nicht mehr getrennt. Wir sind nicht von Gott abgeschnitten außer wir wollen das so.
Nehmen wir mal an, wir wollen das nicht so. Nehmen wir mal an wir sehnen uns nach einer Verbindung mit Gott. Und wir schließen es nicht von vorneherein aus, dass es so etwas geben kann. Aber wir spüren so eine Verbindung nicht und haben noch nie erfahren, dass diese Verbindung existiert. Was können wir daran ändern?
Wie geht das, was der Hebräerbrief uns vorschlägt: am Bekenntnis zu Jesus Christus festhalten und voller Zuversicht vor den Thron unseres gnädigen Gottes treten?
Also irgendwie eine Verbindung zu Gott aufnehmen und Jesus Christus eine Chance geben. Wie kann das gehen?
Eigentlich ist das ganz einfach. Ab und zu beten und in die Kirche gehen und damit rechnen, dass Gott einem schon rechtzeitig helfen wird. Damit kommen wir alle doch durchschnittlich ganz gut klar. Und wenn wir daran denken, dass wir einmal sterben werden, dann können wir damit rechnen, dass Gott uns gnädig ist und wir bei ihm leben können. Das ist das Alltagsprogramm und ich finde das funktioniert doch meistens ganz gut.
Das nichtalltägliche Programm – also dass Leute in einer besonderen Situation eine große Nähe zu Gott gespürt haben, ein inneres Licht gefühlt haben oder sich befreit und erlöst und plötzlich sehr glücklich gefühlt haben, das haben viele erlebt, aber das passiert halt nicht täglich. Und das ist auch gut so. Alle, die mir von so einer Erfahrung erzählt haben, waren davor völlig verzweifelt, überfordert oder in einer großen Gefahr, aus der sie überraschend gerettet wurden. Solche Erleuchtungserfahrungen wie der Buddhismus das nennen würde, gibt es, aber sie passieren in der Regel in Extremsituationen, auf die ich persönlich gerne verzichten kann. Einmal reicht mir da völlig.
Nach so einer Erfahrung fällt es schwer daran zu zweifeln, dass Himmel und Erde eng verbunden sind und wir einen gnädigen Gott haben, der uns barmherzig ansieht und Anteil an unserem Leben nimmt.
Und deshalb finde ich es so traurig, dass heute so viele Leute müde geworden sind, das Bekenntnis zu Jesus Christus aufgeben und in Hoffnungslosigkeit oder sinnloser Aggression versinken. Es ist so schade, weil die Alternative so gut ist. Und weil an einen gnädigen Gott zu glauben so tröstlich und so ermutigend ist, mal ganz abgesehen davon, dass dieser Gott da ist und durch Jesus Christus eine Verbindung zu uns sucht.
Es ist schade, aber am Ende ist das auch nur eine Momentaufnahme unserer Zeit und bekanntlich ändern sich die Zeiten schneller als wir normalerweise damit rechnen. Und mit Gottes Hilfe dürfen wir immer rechnen.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!