Gottes Güte 3.5.26

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

brauchen wir eine Kirche? Brauchen wir diese Kirche? Die Israeliten in der Wüste kamen mit einem Zelt aus und in dem Zelt war die Bundeslade. Und in der Bundeslade lagen die Tafeln mit den 10 Geboten, die Gott ihnen am Berg gegeben hatte. Das war das Heiligste, was es damals gab. Sie waren also mit ihrer Kirche unterwegs. Und wenn ich heute sehe wieviele Leute diesen Gottesdienst in Anspruch nehmen, kann man schon fragen, brauchen wir diese Kirche? Als die Israeliten seßhaft wurden und einen Staat gegründet haben, fanden Sie dass das Zelt und die Bundeslade nicht mehr reichen. Salomo hat einen Tempel gebaut. Unser heutiger Predigttext erzählt von der Einweihung dieses Tempels. Ich lese

2. Chronik 5, 2-5, 12-14 :

2Salomo plante eine Versammlung in Jerusalem.

Die Ältesten Israels sollten kommen,

dazu alle Stammesführer und Familienoberhäupter.

Er wollte nämlich die Bundeslade des Herrn heraufholen.

Sie war noch in der Stadt Davids – das ist Zion.

3Und alle Israeliten versammelten sich

zu einem Fest beim König in Jerusalem.

Das war im siebten Monat.

4Alle Ältesten Israels kamen.

Die Leviten trugen die Lade des Herrn.

5Sie trugen die Lade, das Zelt der Begegnung

und alle heiligen Geräte aus dem Zelt.

Es waren die Priester aus dem Stamm Levi,

die alles wegtrugen.

12Alle Sänger von den Leviten

waren in feines Leinen gekleidet:

Asaf, Heman, Jedutun, ihre Söhne und ihre Brüder.

Mit Zimbeln, Harfen und Leiern

standen sie östlich vom Altar.

Bei ihnen waren 120 Priester, die Trompeten bliesen.

13Die Trompeter und Sänger musizierten mit einer Stimme.

Sie lobten und dankten dem Herrn.

Sie vereinten Trompeten, Zimbeln und alle Instrumente

zu einem Lobgesang für den Herrn:

»Ja, er ist gut!

Für immer bleibt seine Güte bestehen.«

Im gleichen Moment erfüllte eine Wolke das Haus,

das Haus des Herrn.

14Solange diese Wolke da war,

konnten die Priester nicht hineingehen und Dienst tun.

Denn die Herrlichkeit des Herrn

erfüllte den Tempel.

Gott ist wohl mit diesem Tempelbau einverstanden. Denn seine Herrlichkeit erfüllt den Tempel bei seiner Einweihung. Gott lässt sich in dem Tempel nieder.

Aber wir, brauchen wir diese Kirche? Ja, wir brauchen diese Kirche. Wir brauchen heilige Orte, an denen wir Gott begegnen können. Wir brauchen heilige Orte, an denen wir uns versammeln, um Gott zu loben. Wir brauchen diese heiligen Orte, auch um Musik zu machen. Gottesdienste ohne Musik sind nicht denkbar. Jemand hat einmal gesagt: Singen sie es nicht so glauben sie es nicht. Wir brauchen nicht nur diese Kirche als den heiligen Raum. Wir brauchen auch die Orgel oder eben andere Instrumente, um den Gesang in der Kirche zu begleiten. Damit Texte wirklich in unser Inneres fallen können, müssen sie gesungen werden. Denn Musik spricht nicht nur unseren Verstand an sondern unseren ganzen Körper. Und wir sind Gläubige mit unserem Denken und unserem Gehirn, aber auch mit dem Rest unseres Körpers mit all dem, was beim Singen und musizieren bewegt wird, mit unserem Atem, unserer Stimme, unseren Beinen, die wir das Stehen vor Gott brauchen, mit unseren Händen, die wir zum Gebet falten. Viele Generationen vor uns haben in diesem Kirchenraum gebetet und gesungen und musiziert und Predigten gehört und über ihren Glauben nachgedacht. Und sie haben dafür den heiligen Raum gebraucht, in dem sie mal nicht arbeiten mussten, in dem sie sich Zeit für ihre Seele und für Gott nehmen konnten. Sie haben den Raum gebraucht, in dem sie nach oben sehen konnten. Und wir brauchen diesen Raum auch, weil uns die digitalen Räume, die unsere Körper nicht einbeziehen nicht reichen. Wir müssen in einem Raum sein, in dem nicht nur unser Kopf und unsere Augen aktiv sind. Wir brauchen einen Raum, den wir mit dem ganzen Körper betreten können, in dem wir singen und musizieren und uns Gott zuwenden können. Wir brauchen in Messel diese Kirche mit ihrer Geschichte, mit ihrer Schönheit und ihrer Weite und ihrer Geborgenheit und mit unserer Geschichte mit diesem Raum.

Auf Dauer ist keine Religion je ohne heilige Räume ausgekommen. Und wir heute können das auch nicht.

Damals als der Tempel des Salomo eingeweiht wurde, haben viele Menschen viele verschiedene Instrumente gespielt. Und es erklang der Lobgesang für Gott: „Ja, er ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen!“

Und dabei ging es nicht nur um die Tatsache, dass musiziert und gesungen wurde. Es ging auch darum, was gesungen wurde. „Ja, er ist gut! Für immer bleibt seine Güte bestehen!“

Es geht nicht einfach nur darum, an Gott zu glauben. Es reicht nicht zu glauben, dass es Gott gibt. Es geht auch um den Inhalt des Glaubens. Es geht darum wie wir Gott sehen und was wir über Gott glauben. Und da hat der Lobgesang zur Einweihung des Tempels den wichtigen Punkt gefunden. Sie haben damals nicht nur gesungen: Gott ist groß und mächtig. Das ist Gott auch. Aber wichtiger ist, dass Gott gut ist. Und dass diese Güte unerschütterlich bestehen bleibt. Und dass Gott sich mit seiner Güte uns allen zuwendet. Gott ist anwesend und Gott ist gütig. Das ist der zentrale Inhalt unseres Glaubens, sowohl des jüdischen als auch des christlichen und ebenfalls des muslimischen Glaubens.

Wir sollten uns nicht von Gott fernhalten, weil wir nicht wissen, wie Gott ist und ob Gott uns nicht vielleicht schaden wird, weil Gott uns vielleicht verurteilen wird.  Im Zentrum der Botschaft Jesu steht die Botschaft, die auch bei der Einweihung des Tempels des Salomo gesungen wurde: Gott ist gütig. Wir dürfen uns Gott  nähern. Wir dürfen mit unseren Bitten zu Gott kommen. Und Gott wird uns helfen. Gott möchte bei uns wohnen. Und Gott wird bei uns wohnen, wenn wir das zulassen.

Ja, könnten Sie jetzt sagen: Aber sehen wir uns doch an, was gerade in der Welt passiert. Ist all der Schrecken überall nicht die Strafe Gottes, weil wir uns von ihm abgewandt haben? Nein, ist es nicht. Vielleicht hängt all das Schlimme unter dem wir weltweit gerade leiden schon damit zusammen, dass viele Menschen sich von Gott abgewandt haben vor allen diejenigen, die unsere Welt beherrschen. Das ist aber keine Strafe von Gott, sondern eine Folge schlechter und ungerechter Politik und Herrschaft bzw. Wirtschaft.

Und in all dem, was wir Menschen falsches tun, ist Gott gütig und lässt aus bösen Absichten Gutes entstehen. Als ich am Donnerstag diese Predigt geschrieben habe, habe ich vorher den TazNewsletter Zukunft gelesen. Und da musste ich laut lachen. Der amerikanische Präsident bezahlt Windkraftfirmen, dass sie keine Windräder aufstellen. Er fördert Kohle und Öl und Gas, wo er kann. Und mit seiner Kriegspolitik hat der unabsichtlich den größten Boom erneuerbarer Energien ausgelöst, den die Welt je gesehen hat. Die Länder der Zweidrittelwelt fördern Elektromotorräder, China verkauft in einem Jahr mehr Solaranlagen als in Deutschland in Jahrzehnten aufgebaut wurden. Pakistan ist von den steigenden Ölpreisen praktisch kaum betroffen. Sie haben in den letzten fünf Jahren gigantisch in Speicher und Sonnenenergie investiert. Der Koreanische Präsident hat gesagt: „Die Abhängigkeit Koreas vom Öl ist eine Gefahr für die nationale Sicherheit. Das muss schnell geändert werden“. Ich finde Gott hat Humor. Und Gott kann auch noch aus den absurdesten Entscheidungen von uns Menschen gute Folgen für uns Menschen entstehen lassen. Ich finde wir sollten auf Gottes Güte vertrauen und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Denn in Wirklichkeit ist Gottes Güte unerschütterlich. Gott verdient unser Vertrauen und unser Lob. Ich find immer wieder als Christinnen und Christen haben wir gut lachen. Auch weil wir immer wieder erfahren, wie Gottes Güte uns durch schwierige Zeiten hilft. Genießen wir die Sonne und freuen wir uns über den Regen, der für nächste Woche vorhergesagt ist. Und lassen wir unsere Herzen erfüllen vom Lob Gottes, der gütig ist und uns trägt in diesem Leben und erst recht im Nächsten.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!