Elke: Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
heute ist der vorgeschlagene Predigttext das Loblied der Hanna aus dem Alten Testament.
Albrecht: Weiß hier jeder wer Hanna ist. Erzähl doch mal von ihr!
Elke: Hanna lebt in Israel in der Zeit als die Stämme noch ihr eigenes Gebiet haben und es nur einen losen Verband zwischen ihn gibt. Es gibt noch keinen Staat Israel. Sie ist verheiratet und die erste Frau ihres Mannes, und sie hat keine Kinder, obwohl sie sich sehr dringend ein Kind wünscht. Die zweite Frau ihres Mannes hat Kinder und jedesmal wenn die Familie zum Heiligtum wallfahrtet und dort ihr Opfer bringt und ein großes Festmahl feiert, wird sie gedemütigt, weil jedes Kind ihrer Konkurrentin ein besonderes Stück Fleisch bekommt und sie bekommt nur ein Stück für sich selbst. Hanna betet verzweifelt im Heiligtum um ein Kind. Der Priester Eli hält sie für betrunken und will sie wegjagen. Dann spricht sie mit ihm und sagt ihr, dass sie nächstes Jahr einen Sohn haben wird. Aber sie muss ihn am Heiligtum abgeben, damit er als Priester dort von Eli erzogen wird.
Hanna singt diesen Lobgesang als ihr Sohn drei Jahre alt ist und sie ihn bei Eli lassen muss, damit er zum Priester erzogen wird.
Albrecht: Hannas Lobgesang. Ich lese
- Samuel 2,1-8
Damals betete Hanna mit diesen Worten:
Mein Herz ist voll Freude über den Herrn.
Der Herr hat mich wieder stark gemacht.
Mein Mund lacht über meine Feinde.
Denn ich freue mich über deine Hilfe.
2Keiner ist so heilig wie der Herr,
denn es gibt keinen Gott außer dir.
Kein Fels steht so fest wie unser Gott.
3Redet nicht so viel und hoch daher!
Kein freches Wort komme aus eurem Mund.
Denn der Herr ist ein Gott, der alles weiß.
Schändliche Taten duldet er nicht.
4Der Bogen der Starken wird zerbrochen,
die Schwachen aber bekommen neue Kraft.
5Die Satten müssen sich ihr Brot verdienen,
die Hungrigen aber sind den Hunger los.
Die Unfruchtbare bringt sieben Kinder zur Welt,
doch das Glück der Kinderreichen schwindet.
6Der Herr tötet und macht lebendig,
er führt ins Totenreich und wieder heraus.
7Der Herr macht arm und macht reich.
Er drückt nieder und richtet wieder auf.
8Den Geringen zieht er aus dem Staub,
den Armen holt er aus dem Dreck.
Seinen Platz gibt er ihm bei den Fürsten
und lässt ihn mit Würde auf einem Thron sitzen.
Denn die Säulen der Erde sind von dem Herrn,
er hat die Welt auf sie gegründet.
Elke: Hanna ist eine erstaunliche Frau. Sie singt ein Loblied auf Gott als sie das Kind, auf das sie so lange gewartet und für das sie gebetet hat, abgeben muss.
Albrecht: Sie besingt den Gott, der die Verhältnisse um und umkehrt. Sie lobt Gott, weil er nicht alles beim alten lässt sondern alles verändert.
Elke: Eigentlich müsste sie so doch wollen, dass ihr Kind bei ihr bleibt. Sie will doch jetzt bestimmt nicht die große Veränderung, die es bedeutet das Kind im Heiligtum in Schilo zu lassen.
Albrecht: Nein, das nicht. Aber sie wollte die große Veränderung, die es bedeutet, dass sie dieses Kind bekommt und damit nicht mehr die verachtete kinderlose Frau ist. Und vielleicht will sie auch für ihren Sohn die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, dass er nun ganz nah am Zentrum der göttlichen Macht lebt.
Elke: Das Kind der Hanna ist der Prophet Samuel. Nachdem sich die Söhne von Eli als korrupt erweisen und die Bundeslade in die Hände der Feinde fallen lassen, wird Samuel der Nachfolger von Eli werden und der bedeutendste Priester und Prophet in der Frühzeit Israels. Er wird die ersten Könige Israels Saul und David salben und er wird ihr Gewissen sein und ihnen sagen, wenn sie gegen Gottes Gebote verstoßen.
Albrecht: Samuel hört Gott sprechen und ist Gott sehr nahe. Und Samuel wird der große Antikorruptionsbeauftragte Gottes sein. Und das besingt Hanna in diesem Lied.
Elke: Ja, aber Predigttext an Ostern ist dieses Lied der Hanna wegen dieser zwei Verse:
6Der Herr tötet und macht lebendig,
er führt ins Totenreich und wieder heraus.
7Der Herr macht arm und macht reich.
Er drückt nieder und richtet wieder auf.
Es geht doch an Ostern nicht um staatliche Moral und den Kampf gegen die Korruption sondern es geht um Auferstehung von den Toten.
Albrecht: Das schließt sich ja nun wirklich nicht aus. Es geht in beiden Fällen um umwälzende Veränderungen, die Gott bewirkt. Wie Gott die Welt zum Besseren verändert. Hier und jetzt vor und nach dem Tod.
Elke: Ok verfolgen wir deine Linie: Gott will Demokratie. Meinst du das steht in diesem Text.
Albrecht: Ja, das sehe ich so. Demokratie bedeutet, dass es unblutige Regierungswechsel gibt je nachdem wie das Volk wählt. Und die alten Regierenden geben höflich die Macht an die neuen weiter und versuchen in den nächsten vier Jahren das Volk davon zu überzeugen, dass sie die besseren Ideen für das Wohl von allen haben. Und niemand kann sich sicher sein, dass er die Macht gepachtet hat und muss auf das Allgemeinwohl achten und darf sich nicht selbst bereichern. Das ist gut. Denn wenn es raus kommt, dass er seine Macht mißbraucht wird er sie sicher verlieren. So muss es sein. Das ist sozusagen institutionalisierte Veränderung zum Besseren wie hier bei Samuel wo Gott den korrupten Söhne von Eli ihre Macht abnimmt und sie Samuel gibt, der keine Hausmacht unter den Priestern und wichtigen Familien in Israel hat.
Elke: Soweit so gut. Aber wie siehst du das mit: Gott tötet und macht lebendig. Er führt ins Totenreich und wieder heraus.
Albrecht: Ich glaube, wir sollten uns auf die Wirksamkeit der göttlichen Macht verlassen. Ich glaube, dass Gottes Experiment mit dieser Welt beinhaltet, dass Ungerechtigkeit und Machtmißbrauch gegen Gottes Willen sind, und Gott Wege finden wird, dass sie weniger werden. Auch wenn für uns momentan nicht so aussieht. Aber wenn wir etwas weiter in der Geschichte zurück blicken, dann ist schon deutlich, dass es heute weniger Willkürherrschaft gibt als sagen wir mal vor 1000 Jahren.
Elke: Ja, und das feiern wir an Ostern, oder was?
Albrecht: Nein, an Ostern feiern wir die Auferstehung von Jesus. Und unsere Hoffnung dass auch wir auferstehen werden und es für uns eine Perspektive über den Tod hinaus, ein Leben nach dem Tod gibt.
Elke: Vielleicht gibt es da doch einen Zusammenhang. Gott steht laut Hannas Loblied für Veränderung zum Besseren und bewirkt diese Veränderung. Und Gott trägt uns durch diese Umbrüche hindurch. Vielleicht gilt das ja auch für den größten für uns vorstellbaren Umbruch, den Tod.
Albrecht: Gott steht für eine Veränderung der Verhältnisse zum Besseren. Das gefällt mir. Ja, ich teile die Hoffnung, dass wir nach dem Tod bei Jesus sein werden und auch diese große Veränderung etwas Gutes sein wird.
Elke: Und diese Hoffnung geht weit über alles hinaus, was man hier in dieser Welt immer noch besser machen kann für alle. Ich finde es gut, wenn wir an Gott denken, dann gibt es keine Grenzen dafür, was sich alles noch zum Besseren verändern kann. Das ist Hannas Erfahrung, die von der verachteten kinderlosen Frau zur Mutter des wichtigsten Propheten in der Frühzeit Israels wurde. Es gibt so viele Möglichkeiten bei Gott. Ich bin gespannt, was noch alles kommen wird.
Albrecht: und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!