Heiligabend 24.12.20 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde,

in ungewöhnlicher Form feiern wir Weihnachten dieses Jahr. Aber wir feiern Weihnachten. Gerade Weihnachten ist das Fest, das ausstrahlt: Wir lassen uns nicht unterkriegen. Wir schaffen das. Die Hoffnung wird am Ende Recht behalten.

Wir feiern Weihnachten, das Fest der Lichter, in der dunkelsten Jahreszeit. Licht scheint in der Dunkelheit. Der Weihnachtsbaum, immergrün, ist mit Kerzen besonders hervorgehoben. Hier in der Kirche brennen viele Kerzen. In der Adventszeit haben wir am Adventskranz immer mehr Kerzen angezündet und uns so innerlich auf das Fest der Lichter vorbereitet.

Ich möchte uns heute einen sehr alten Bibeltext mitgeben in dieses ungewöhnliche Weihnachten.

Lukas 1,78f Durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe, damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Das brauchen wir, dass ein Licht aus der Höhe zu uns kommt. Das brauchen wir dieses Jahr noch viel mehr als sonst. Wir brauchen es, dass das weihnachtliche Licht von der Krippe her in unsere Herzen strahlt und uns verändert. Möglichst viele verändert, damit wir wenigstens auf den Weg zum Frieden kommen. Mit diesem Wort Frieden ist gemeint, dass es allen gut geht. Dass alle ihre Möglichkeiten nutzen zum Wohle von allen. Dass die Probleme angegangen und gelöst werden. Dass das Vertrauen wächst und das Misstrauen weniger wird. Dass die Angst sich löst, weil die Hoffnungskraft stark ist.

Wir brauchen es so dringend, dieses Licht aus der Höhe. Es ist da. Und wir finden Zugang dazu, indem wir Weihnachten feiern trotz alledem. Die Kerzen leuchten in der Dunkelheit. Jesus Christus bewirkt in uns und zwischen uns etwas, das uns auf den Weg zum Frieden bringt.

Vielleicht ist es dafür gar nicht schlecht, dass Jesus ein hilfloses Kind in einem Stall ist, bald verfolgt. Vielleicht bringt uns das ja auf den Weg zum Frieden. Wir sind nicht ohnmächtig, wir können helfen. Das macht uns stark, in dieser Zeit, wo wir so oft ohnmächtig sind. Das Kind in der Krippe braucht unsere Hilfe. So kommen wir auf den Weg zum Frieden.

Und wenn wir es nicht schaffen mit dem Weg zum umfassenden großen Frieden, obwohl wir helfen wollen? Das Ganze mit dem Licht aus der Höhe geschieht, weil Gott für uns eine herzliche Barmherzigkeit empfindet. Das heißt, unser Scheitern und unsere Fehler sind schon einberechnet. Die Beziehung zu Gott als dem Grund unseres Seins wird nicht dadurch in Frage gestellt. Wir sind nicht nur stark, um zu helfen. Wir scheitern auch und brauchen Gottes Barmherzigkeit. Das hilft uns hoffentlich, mit uns selbst und mit anderen etwas barmherziger umzugehen. Auch das hilft uns auf dem Weg zum Frieden.

Weihnachten heißt: Gott, unser Schöpfer, meint es sehr, sehr gut mit uns. Gott zeigt seine Menschenfreundlichkeit in dem Kind in der Krippe. Wir machen uns Geschenke. Und dass wir uns Geschenke machen, heißt nicht, dass wir uns nicht das Jahr über ab und zu genervt haben. Aber das ist jetzt nicht mehr das Wichtigste. Das Wichtigste an Weihnachten ist: Gott ist freundlich zu uns. Deshalb sind wir freundlicher zu uns selbst. Freundlicher zu den Menschen in unserer Nähe. Freundlicher zu den Menschen in der Ferne. Wenn das klappt, dann ist das ein großer Schritt auf dem Weg zum großen, umfassenden Frieden, der Gerechtigkeit selbstverständlich enthalten muss.

Wenn Sie jetzt denken, das ist aber ziemlich viel Harmoniedruck. Dabei haben doch alle genug Druck durch Corona. Ja, das mit dem Harmoniedruck ist schwierig. Wir werden daran immer wieder scheitern. Aber wir dürfen auch daran scheitern. Vielleicht können wir den Druck von vorneherein rausnehmen, indem wir uns klar machen. Am Anfang steht die Freundlichkeit Gottes. Wir dürfen also auch freundlich zu uns selbst sein. Wir nehmen uns das vor, mit dem Frieden und der Freundlichkeit. Wir brauchen ja Ansprüche an selbst. Aber wir können auch hierbei mit Maß und Ziel vorgehen. Wir sind nur Menschen. Gott ist ein anderer. Und das ist gut so. Wir sind nur auf dem Weg. Das Licht aus der Höhe will uns in die Herzen scheinen. Und wenn das klappt, dann klappt manches von ganz alleine, ohne dass wir uns anstrengen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.

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