Himmelfahrt 29.5.25

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus  und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, in guter Tradition feiern wir hier ökumenischen Himmelfahrtsgottesdienst auf dem Heimkehrerplatz im Wald. Über uns sind die Bäume. Und über den Bäumen die Weite des Himmels. Wir feiern den Himmelfahrtsgottesdienst unter freiem Himmel. Und wir sehen dabei: der Himmel, das ist ein weiter Horizont. Da ist etwas unbegrenzt. Wenn wir wandern, wandert der Himmel mit uns. Unser Blick kann begrenzt werden, aber wir wissen: der Himmel ist da und er geht mit  uns, egal wohin wir gehen. Der Himmel ist unverfügbar. Weit weg. Nach oben und zur Seite hin unbegrenzt.

Ist der Himmel bedrohlich? Normal nicht, nur bei Unwetter. Wenn der Himmel gnädig ist, dann ist das Leben schön. Dann stimmt das Wetter. Eine Frau hat mir vor kurzem von einem Familienfest mit Busausflug erzählt und das Wetter stimmte und sie sagte: Das war ein Segen. Sie sagte damit: ich bin Gott dankbar, dass das Wetter an diesem Tag gestimmt hat und mein Familienfest so gelungen war.

Der Himmel geht mit uns. Und es ist wichtig, dass der Himmel uns gnädig ist. Wenn wir das irgendwie beeinflussen können, dann würden wir das gerne beeinflussen, dass der Himmel uns gnädig ist.

Seit Jesus Christus, unser Erlöser und Freund, mit dem wir Christen verbunden sind, in den Himmel aufgefahren ist, ist der Himmel uns Christen näher gekommen. Der Himmel ist uns Christen freundlich gesonnen. Denn dort ist der Bereich von Jesus Christus. Jesus Christus, der Weltenrichter, der zur Rechten Gottes sitzt. Gottes Macht ist bei ihm. Unverfügbar. Unbegrenzt. Weit über unserer menschlichen Ebene. Und doch in Jesus Christus uns auch nahe. Nur ein Gebet weit von uns entfernt.

…Wir nähern uns der Sache mit dem Himmel noch einmal von einer anderen Seite. Das Volk Israel war von Gott aus der Gefangenschaft in Ägypten  geführt worden. Am Gottesberg hatten sie die Tafeln mit den 10 Geboten empfangen. Die lagen in der Bundeslade, einem tragbaren, schön verzierten Kasten. Das war ein mobiles Heiligtum. Man konnte es mit in eine Schlacht nehmen. Um eine feindliche Stadt herum tragen, damit die Stadtmauern einstürzen. Mit dem Heiligtum konnten Menschen verpflichtet werden. Und dieses Heiligtum ging mit, wo auch immer das Gottesvolk hinging.

Jetzt aber war das Gottesvolk sesshaft geworden und hatte einen König wie die anderen Völker nebenan. Und der König hatte eine Hauptstadt, Jerusalem, und baute einen Tempel. Der berühmte König Salomo, sagenhaft reich und sagenhaft weise. Sein Vater David hatte die Stadt erobert und er konnte nun die Sache zu ihrem Ziel bringen. Ein König, eine Stadt, ein Tempel. Bei der Tempeleinweihung betet der König Salomo. Ich lese ein kurzes Stück aus diesem Gebet, das wir in 1. Könige 8 finden.

27Doch sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen?

Selbst die unendliche Weite des Himmels

kann dich, Gott, nicht fassen!

Wie könnte das der Tempel, den ich gebaut habe?

Auch dieser wichtige Tempel in der Hauptstadt kann Gott nicht fassen. Selbst die unendliche Weite des Himmels kann Gott nicht fassen. Gott ist größer. Größer als wir es uns vorstellen können.

Das ist eine wichtige Erinnerung. Wir feiern normalerweise Gottesdienste in unseren Kirchen. Unsere Kirchen sind wichtige Orte. Wir erleben in ihnen die Nähe Gottes. In beiden Kirchen wird kirchliche Präsenz ausgedünnt, der Not geschuldet. Trotzdem bleiben unsere Kirchen mit dem Türmen, mit den Glocken, die Erinnerung an alle in Messel: da gibt es die Sache mit Gott. Vergesst nicht, was der Himmel um uns herum uns allen sagt: wir Menschen sind klein und unsere Sorgen sind nicht wichtig im Vergleich zu dem Gott, den alle Himmel nicht fassen können.

Und doch sind wir geliebte Geschöpfe dieses großen Gottes. Gott verbindet sich mit seinen Menschen und begleitet sie mit Segen und Orientierung auf ihrem Weg. Wichtige Wegmarken sind die Kirchen. Und sie verweisen auf den Himmel über uns. Immanuel Kant hat es genannt den gestirnten Himmel über uns und das Sittengesetz in uns.

Meine Botschaft für Sie heute ist: der Himmel geht mit uns. Wir vergessen manchmal, dass wir Geschöpfe des Himmels sind. Unser Alltag füllt uns aus. Da muss ich noch dieses tun und an jenes denken und das  erledigen. Und dann ärgere ich mich über das  und mache mir Sorgen über jenes. Schauen wir in den Himmel. Der Himmel ist da. Für uns. Der Himmel geht über allen auf. Der Himmel umgibt mich von allen Seiten. Egal wieviel Sorgen ich mir mache. Wieviel Ängste in mir stark sind. Wie viel Ärger und Kränkung in mir nagen. Der Himmel ist da. Und er ist mir nah in Jesus Christus. Mit jedem Atem kann ich beten. Jesus – Christus. In der Luft, die mich umgibt, steckt, dass  der Himmel mir gnädig ist. Diese Welt ist so geschaffen, dass sie  ein guter Garten für uns Menschen ist. Eigentlich.

Der Himmel erinnert uns, dass wir in der Tiefe unserer Seele mit Gott, unserem Schöpfer, und mit Jesus Christus, unserem Versöhner und Freund, verbunden sind. Die Kirchen sind Wegmarken. Orte der Besinnung. Des Aufatmens. Des Betens. Die Erinnerung, dass  Gott nur ein Gebet weit von uns entfernt ist.

Nun sind nicht alle Kirchenmitglieder immer im Gottesdienst. Deshalb: schaffen Sie sich Ihren mobilen Altar. Ihren Ort, an dem Sie Zugang zum Himmel haben. Alle Hundebesitzer haben da schon einmal eine gute Chance. Sie gehen oft raus und sind damit unter freiem Himmel. Nutzen Sie das für ein inneres Gespräch mit dem Himmel. Mit dem Ort der Heiligkeit, der über uns ist, mit uns geht, mächtig ist, unverfügbar ist und das Geheimnis umfasst, wer wir wirklich sind im Angesicht der Ewigkeit.

Ich wünsche uns allen, dass wir Orte im Alltag finden, die uns mit dem Himmel verbinden. Das kann eine Art Hausaltar sein. Ein Kreuz, eine Figur, ein Bild. Das kann Bibel, Gesangbuch, Andachtsbuch, Losungsbuch sein. Das kann das Handy sein, auf dem ich christliche Inhalte wahrnehme und vielleicht weitergebe. Für mich ist das die Orgel oder das Klavier und die Gesangbuchlieder, die ich so singe. Für viele ist es der Garten, der sie zur Besinnung bringt, zur inneren Ruhe.

Es gibt viele Formen, wie der Himmel mit seinem Segen zu uns kommt, mit uns geht, in uns stark und wirksam wird. Ich wünsche allen, die hier versammelt sind: finden Sie Ihre Form. Verstärken Sie dabei, was  Ihnen gut tut. Finden Sie vielleicht etwas Neues. 

Meine Frau bietet gerade den Kurs Spiritualität an. Dabei haben wir bisher Körperliche Formen für Bibeltexte, die uns wichtig sind, entwickelt. Bibliotanz und Bibliolog getestet. Bibelteilen, ein im katholischen Bereich verbreitete Methode. Wir werden noch Taizelieder singen. Das sind kurze Texte, die wiederholt werden und mit  einem Bibeltext und Stille kombiniert werden. Wir werden uns  noch mit Handauflegen beschäftigen – das heißt Segen zusprechen mit Berührung. Und mit dem Herzensgebet aus der orthodoxen Kultur. Im Gespräch haben meine Frau und ich festgestellt: es gibt noch viele verschiedene Formen. Finden Sie Ihre und nutzen Sie sie.

Der Himmel ist über uns. Er geht mit uns. Er geht über allen auf. Öffnen wir uns für den Segen, der von Gott her zu uns kommen will. Durch alles, was schwierig ist, hindurch. Alles, was schwierig ist, überwindend. Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere menschliche Vernunft, der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen, seligen Leben. Amen.