Himmelsleiter 21.9.25 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, heute geht es um Engel. Schon am letzten Sonntag fand ich beim Gottesdienst zum Chillen etwas sehr eindrücklich und es ist mir nachgegangen. Meine Frau sagte nach einer  Zeit, in der wir auf der Bank lagen und Claus Heerlein Klavier spielte: „Stellt euch den Engel vor. Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten. Bedankt euch bei diesem Engel. Bedankt euch beim Engel mit einer Geste.  Und diese Körperhaltung nehmt mit in die nächste Zeit.“ 

Ich habe folgende Bewegung gemacht (dankbare Hände) und mich immer wieder daran erinnert. Man nennt das Embodyment. Ein biblisches Wort kommt mir nah und geht mir nach  und ich verankere es im Körper. Denn das Körpergedächtnis ist das beste Gedächtnis, das wir Menschen haben.

Auch heute geht es in unserem Predigttext um Engel. Engel steigen an einer Himmelsleiter auf und ab. Das sieht Jakob im Traum. Er ist auf der Flucht. Er hat seinen Bruder betrogen. Und da sieht er die Engel. Und er hört die Stimme Gottes. Gott sagt: ich begleite dich. Du wirst erfolgreich sein.

Jakob erschrickt am Morgen. Dieser Ort ist heilig. Vielleicht hätte er sich ganz anders verhalten sollen. Er stellt den Stein, an dem er geschlafen hat, um Schutz vor Wind, Kälte und Schlangen zu haben, auf und gießt etwas Öl von seinem Fluchtvorrat auf die Spitze des Steins. So wird er diesen Stein wiedererkennen. Und dieser Stein zeigt: dieser Ort ist etwas Besonderes. Er nennt diesen Ort Beth-El. Haus Gottes. Später entsteht daraus eine wichtige Stadt mit einem wichtigen Tempel.

Wir haben einmal vor Jahren in einem Gottesdienst diese Geschichte gespielt und eine Leiter hier an die Empore gestellt. Ein Mädchen ist im Engelkostüm raufgeklettert und  wieder runtergeklettert. 

Das Erstaunliche ist die Richtung. Erst gehen die Engel nach oben. Das heißt: sie sind schon hier. Unter uns.

Einige Menschen, die ich kenne, haben Engelgeschichten erzählt.

Eine Frau, sie war damals noch ein Mädchen, saß am Ende des Kriegs im Luftschutzkeller. Ein russischer Soldat bedrohte alle im Keller. Ein Mann, den sie nicht kannte, sorgte für eine Beruhigung der Situation. Danach war der Mann verschwunden.

Eine Frau erzählt, dass sie sich als Kind im Schnee verirrt hatte. Sie ging hinter einem Mann her und fand wieder den Weg. Sie schaute sich um. Der Mann war weg und es gab keine Spuren im Schnee.

Eine Frau erzählt: Sie ist im Garten und unterhält sich mit Freundinnen. Die Kinder spielen. Plötzlich hat sie  das Gefühl, dass jemand sie auf die Schulter tippt. Sie schaut sich um und merkt, dass ihre Tochter dabei ist, in die Regentonne zu fallen.

Ein Mann ist im Krankenhaus. Er schwebt an der Grenze zwischen Leben und Tod. Er sieht eine Figur, die ganz in Licht getaucht ist. Sie nimmt ihm die Angst und gibt ihm einen tiefen Frieden. Als er wieder zu Hause ist, weiß er, dass ihm Leben geschenkt worden ist. Er erzählt es mir als Pfarrer, weil er weiß: das hat mit Gott zu tun.

Viele Menschen haben solche Engelerfahrungen. Ich glaube, wichtig ist für uns das grundlegende Gefühl: Wir sind gesegnet. Gott ist da. Gott ist schon längst da. Manchmal sehen wir etwas mehr davon. Aber es ist immer da. Wir werden gesehen und bewahrt.

Wenn wir das doch nur mehr glauben könnten. Wir  könnten es schaffen, aus allem das Beste zu machen.

Leider können viel zu viele Menschen das nicht richtig glauben. Dass sie Gesegnete sind. Dass sie gesehen und bewahrt werden. Und  deshalb machen sie dann nicht das Beste daraus, sondern nur das Zweitbeste oder Drittbeste oder gar das Schlechteste.

Was ich mir heute für uns alle wünsche, ist dieser tiefe und feste Glaube: ja, ich bin gesegnet. Das hat keinen Grund darin, dass ich ein guter Mensch bin. Das sehen wir an Jakob. Er hat betrogen. Dass Gott uns segnet und bewahrt und seine Engel als Begleiter schickt, das haben wir nicht verdient. Aber wir können uns mit unserem ganzen Vertrauen darauf ausrichten und so das Beste aus allem machen. Und wenn es nicht klappt, dann sind wir nur in der Situation von Jakob, der Betrüger, der auf der Flucht ist.

Ich lese nun unseren Predigttext. Und ich bitte darum, dass alle das für sich hören und annehmen. Da sind Engel. Die sind schon da. Die steigen herauf in den Himmel. Die steigen wieder herab zu uns. Himmel und Erde gehören zusammen. Da ist ein Weg zwischen Himmel  und Erde. Eine Himmelsleiter. Wir werden gesehen und bewahrt.

Ich lese 1. Mose 28 ab Vers 10:

Jakobs Traum von der Himmelsleiter in Bet-El

10Jakob zog von Beerscheba nach Haran.

11Unterwegs kam er an einen Ort,

an dem er übernachtete.

Denn die Sonne war schon untergegangen.

Er nahm einen von den Steinen dort

und legte ihn neben seinen Kopf.

Dann schlief er ein.

12Im Traum sah er eine Leiter,

die von der Erde bis zum Himmel reichte.

Auf ihr stiegen Engel Gottes hinauf und herunter.

13Plötzlich stand der Herr vor ihm und sagte:

»Ich bin der Herr,

der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks.

Das Land, auf dem du liegst,

will ich dir und deinen Nachkommen geben.

14Sie werden so zahlreich sein

wie der Staub auf der Erde.

Du wirst dich nach Westen und Osten,

nach Norden und Süden ausbreiten.

Durch dich und deine Nachkommen

sollen alle Völker der Erde gesegnet sein.

15Siehe, ich bin bei dir und behüte dich überall,

wohin du auch gehst.

Ich bringe dich zurück in dieses Land.

Ich werde dich nicht verlassen,

bis ich vollbringe, was ich dir verheißen habe.«

16Als Jakob aus dem Schlaf erwachte, sagte er:

»Der Herr ist an diesem Ort anwesend,

und ich wusste es nicht.«

17Da fürchtete er sich und dachte:

»Vor diesem Ort muss man Ehrfurcht haben!

Hier ist gewiss ein Haus Gottes

und ein Tor zum Himmel.«

18Am Morgen stand Jakob früh auf und nahm den Stein,

den er neben seinen Kopf gelegt hatte.

Er stellte ihn als Kultstein auf

und rieb seine Spitze mit Öl ein.

19Jakob nannte den Ort Bet-El, das heißt: Haus Gottes.

Zuvor hieß der Ort Lus.

20Dann gab Jakob ein feierliches Versprechen:

»Gott stehe mir bei

und behüte mich auf meiner Reise.

Er gebe mir Brot zum Essen

und Kleidung zum Anziehen.

21Wenn er das tut und ich wohlbehalten

zum Haus meines Vaters zurückkehre,

dann soll der Herr mein Gott sein.

22Dann soll ein Gotteshaus an dem Ort entstehen,

wo ich den Kultstein aufgestellt habe.

Ich werde dir den zehnten Teil von allem geben,

was du mir schenkst.«

Denken Sie an den Engel, der da ist. Gott meint es gut mit uns. Auch wenn wir Dinge tun, die nicht okay sind. Stellen Sie sich Ihren Engel vor hier im Kirchenraum….

Bedanken Sie sich bei ihm. Vielleicht mit einer kleinen Geste oder Körperaktion….

Dieses Erinnerung, verbunden mit dieser Körperaktion, bitte ich Sie, jeden Tag einmal zu wiederholen. Unser ganzer Mensch braucht es, den Segen zu spüren. Wir öffnen uns für den Segen mit ganzem Körper, mit ganzer Seele, mit ganzem Gemüt, von ganzem Herzen. Dann können wir Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzem Gemüt.

Und der Friede Gottes….