Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.
Liebe Gemeinde,
heute geht es um den Auftrag, den Jesus seinen Anhängern erteilt. Es geht also um unsere Aufgabe als Christinnen und Christen. Diese Aufgabe betrifft nicht in erster Linie uns als einzelne, sondern es ist eine Aufgabe, die die Gruppe als Ganze gegeben wird. Heute würden wir sagen: Es ist die Auftrag der Kirche, auf uns hier bezogen die Aufgabe unserer Gemeinden.
Ich lese aus Matthäus 9 und 10:
35Jesus zog durch alle Städte und Dörfer des Landes.
Er lehrte in ihren Synagogen
und verkündete die Gute Nachricht vom Himmelreich.
Dazu heilte er jede Krankheit und jedes Leiden.
36Jesus sah die große Volksmenge
und bekam Mitleid mit den Menschen.
Denn sie waren erschöpft und hilflos –
wie Schafe, die keinen Hirten haben.
37Deshalb sagte er zu seinen Jüngern:
»Hier ist eine große Ernte,
aber es gibt nur wenige Erntearbeiter.
38Bittet also den Herrn dieser Ernte,
dass er Arbeiter auf sein Erntefeld schickt!
«5Diese zwölf Jünger sandte Jesus aus.
Er forderte sie auf:
»Nehmt keinen Weg, der zu den Heiden führt!
Und geht in keine Stadt, die den Samaritern gehört!
6Geht stattdessen zu den verlorenen Schafen:
den Menschen, die zum Volk Israel gehören!
7Geht zu ihnen und verkündet ihnen:
›Das Himmelreich kommt jetzt den Menschen nahe!‹
8Macht Kranke gesund, weckt Tote auf,
befreit Menschen vom Aussatz, treibt Dämonen aus!
Als Geschenk habt ihr alles bekommen –
als Geschenk sollt ihr es weitergeben!
9Steckt auch kein Geld in eure Gürtel –
weder Gold noch Silber noch Kupfermünzen!
10Nehmt keine Vorratstasche für unterwegs mit,
kein zusätzliches Hemd, keine Sandalen
und keinen Wanderstock!
Denn wer arbeitet, hat ein Anrecht darauf,
versorgt zu werden.
Jesus macht es seinen Jüngerinnen und Jüngern vor. Er zieht durch die Städte und Dörfer und tut zwei Dinge, die zusammengehören und gleich wichtig sind. Er verkündet die gute Nachricht vom Himmelreich, was nahe ist und für alle zugänglich geworden ist. Und er heilt Menschen und treibt Dämonen aus. Und er sieht sich genau an, was in den Dörfern und Städten los ist. Er findet die Menschen sind erschöpft und hilflos. Und er hat Mitgefühl mit ihnen. Also beauftragt er diejenigen, die ihm folgen auch zu tun, was er getan hat, und er gibt ihnen die Macht dazu.
Jetzt können Sie sagen: Ja, das war damals. Da hat Jesus ja noch gelebt und deshalb konnte er seine Jünger schicken. Wir heute sind weiter weg und das kann Jesus nicht von uns verlangen. Doch kann er. Zumal die Situation heute der von damals sehr ähnlich ist. Oder nehmen Sie nicht auch wahr, dass die Menschen erschöpft und hilflos sind?
Also ich erlebe das täglich. Letzte Woche erzählte mir eine Frau, dass sie keine Nachrichten mehr sieht, weil sie das nicht mehr aushält, was alles Schreckliches in der Welt passiert. Die schlechten Nachrichten, die auf uns einströmen, überfordern uns schon länger. Und sie machen viele wütend und verzweifelt. Die Hoffnung, dass das Leben für die nächsten Generationen noch lebenswert sein wird, schwindet überall. Unsere Aufgabe als Kirche ist es, dem die gute Nachricht entgegen zu setzen und die Hoffnung zu nähren, dass Gott nahe ist und es gut mit uns meint und die Probleme vor denen wir stehen, sich als lösbar erweisen werden und es sich lohnt damit anzufangen, sie zu lösen. Kraft und Mut zu schöpfen und Hoffnung zu verbreiten, das ist etwas, was jede und jeder im eignen Umfeld leisten kann, wenn er oder sie sich die Geschichte Jesu ansieht und darauf vertraut, dass Gott seine Menschen nicht aufgegeben hat.
Ja, können Sie jetzt sagen: Ich bin aber auch erschöpft und hilflos. Ich sehe ebenfalls keine Perspektive für die Menschheit. Unser Land geht den Bach runter und die Welt geht mit.
Nein, das stimmt so nicht. Oft lohnt es sich genauer hinzusehen. Es gibt immer beides. Die guten und die schlechten Nachrichten. Aber wir nehmen die schlechten viel eher wahr. Es lohnt sich gezielt nach den guten Nachrichten zu suchen. Good News zum Beispiel sammelt solche Nachrichten von Montag bis Freitag und stellt sie zusammen. Da erfährt man, dass Surinam erstmals malariafrei ist oder die Impfrate weltweit bei Kindern gestiegen ist und mehr Bücher gelesen werden. Es gibt immer auch Grund zur Hoffnung. Ich empfehle auch den Newsletter von Fix the News mit guten Nachrichten aus aller Welt. Leider ist der nur auf Englisch verfügbar.
Aber wie ist es mit dem anderen Auftrag Jesu? Dämonen austreiben und Kranke heilen? Als Nichtmedizinerin kann ich mir das tatsächlich nicht so gut vorstellen. Aber vielleicht ist das ja auch falsch. Auch da lohnt es sich näher hinzusehen. Was sind denn die Dämonen unserer Zeit? Wovon sind wir besessen. Da fällt mir schon einiges ein. Suchtstrukturen zum Beispiel. Alkoholkonsum geht zurück. Aber ist das gesund, dass das Handy als erweitertes Körperteil betrachtet wird. Immer mehr online und trotzdem immer einsamer? Hier sehe ich die Aufgabe unserer Gemeinden, Menschen offline zusammen zu bringen. Und das können sie auch leisten. Das tun wir als Kirchengemeinden schon lange und darin sind wir wirklich gut. Nur so ein Beispiel im Umgang mit Dämonen in unserer Zeit. Aber wie ist damit dem Heilen? Klar die Kirchen betreiben Krankenhäuser und Pflegedienste. Das ist wichtig, wenn auch echt schwer geworden. Wir in Messel mussten die Sozialstation des Frauenvereins schließen. Das ist sehr traurig.
Aber wir sollten im Auge behalten, dass viele Krankheiten heute zumindest einen Anteil haben, der stressbedingt ist. Ich erzähle gerne die Geschichte eines Mannes, der unter starkem Bluthochdruck litt, weil die Umstrukturierungen bei seiner Arbeit ihn vor Ärger kochen ließen. Kein Medikament hat etwas genutzt. Eine Woche nach seiner Pensionierung war sein Blutdruck wieder fast normal. Ich denke, es ist unsere Aufgabe als Kirche Räume zur Verfügung zu stellen, wo Menschen sich entspannen können und Abstand von ihrem stressigen Alltag gewinnen und in Verbindung mit Gott treten können. Sorgen im Gebet abzugeben, das empfinde ich als extrem hilfreich. Und um Gottes Hilfe für schwierige Beziehungen zu bitten, entlastet mich enorm. Als Kirche können wir innere Einstellungen fördern, die zu mehr Vertrauen und entspannterem Umgang miteinander führen. Das tut unserer Gesellschaft und auch den einzelnen Menschen gut. Wir erfüllen damit den Auftrag Jesu und fördern das Mitgefühl in der Welt. Ja, auch wir fühlen uns manchmal erschöpft und hilflos. Aber das sind wir nicht. Denn Jesus hat uns Wege gezeigt, wie wir Abstand von dem entwickeln können, was uns belastet. Und er hat uns verheißen uns die Kraft und die Macht zu geben, die Gute Nachricht zu verkünden, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen. Nehmen wir diese Macht in Anspruch! Gerade jetzt in diesen herausfordernden Fusions- und Kürzungsprozessen in unserer Kirche ist es wichtig, im Auge zu behalten, worum es in der Kirche im Auftrag, der von Jesus kommt, wirklich geht. Ja, die einzelnen Kirchengemeinden verlieren ihre Selbstständigkeit. Die Angebote vor Ort werden notwendigerweise ausgedünnt. Wir verlieren als Kirchen Geld und Einfluss und auch Wirksamkeit in der Fläche. Ich bin nicht dafür das Schönzureden. Aber wir werden heute mehr denn je gebraucht. Denn die Menschen auch hier im reichen Deutschland sind tatsächlich erschöpft und hilflos, von Dämonen besessen und krank. Und wir als Kirche haben von Jesus Christus geschenkt das Gegenprogramm: Hoffnung und Vertrauen und Gemeinsamkeit und gegenseitige Unterstützung und den heiligen Geist. Und gerade durch die Kürzungen sind wir gezwungen uns wieder auf das zu konzentrieren, was uns an Kraft und Macht von Jesus Christus her zufließt. Und das wird uns gut tun und auch den Menschen, mit denen wir zu tun haben und mit denen wir zusammen leben. Insofern sehe ich ganz hoffnungsvoll in eine Zukunft, in der die Macht Gottes uns hilft und der heilige Geist uns inspiriert und wir Jesu Auftrag immer besser gerecht werden können.
und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!