Im Übergang 8.11.26

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde, das Kirchenjahr neigt sich dem Ende zu. Am nächsten Sonntag ist Volkstrauertag und wir denken an die Opfer der Kriege am Kriegerdenkmal. Der Sonntag drauf ist Totensonntag und wir denken an die Menschen, die uns begleitet haben und von uns gegangen sind und doch noch ein Teil von uns sind und uns prägen. Das passt zu dem Wetter im November. Wir wenden uns den düsteren Dingen zu, die ein Teil unseres Lebens sind, die aber in Frühling und Sommer nicht so im Vordergrund stehen. Es ist nötig, dass wir durch diese dunkle Zeit gut hindurch gehen, um dann die helle Zeit wieder richtig genießen zu können. Denn das düstere und dunkle gehört zu uns Menschen, so wie die Nacht zum Tag gehört und die Schmerzen der Wehen zur Geburt gehören und der Tod zur Grenze des Lebens.

In dieser dunklen Jahreszeit ist es besonders wichtig, dass wir das göttliche Licht in unser Herz scheinen lassen. Dazu fordert uns unser Predigttext auf, 1. Thessalonicher 5,1-11Aufforderung zu einem wachsamen und nüchternen Leben

1Was die Zeiten und Fristen betrifft,

Brüder und Schwestern,

darüber brauche ich euch nichts zu schreiben.

2Denn ihr wisst selbst ganz genau:

Der Tag des Herrn kommt unerwartet

wie ein Dieb in der Nacht.

3Gerade sagen die Leute noch:

»Wir leben in Frieden und Sicherheit!«

Da wird das Verderben ganz plötzlich

über sie hereinbrechen –

so wie bei einer schwangeren Frau

plötzlich die Wehen einsetzen.

Dann gibt es kein Entkommen.

4Brüder und Schwestern!

Ihr lebt nicht in der Finsternis.

Deshalb wird euch der Tag des Herrn

nicht überraschen wie ein Dieb.

5Denn ihr seid alle Kinder des Lichts

und Kinder des Tages.

Wir gehören weder der Nacht noch der Finsternis.

6Lasst uns also nicht schlafen wie die anderen.

Lasst uns vielmehr wach und nüchtern sein!

7Denn wer schläft, schläft in der Nacht.

Und wer sich betrinkt, ist nachts betrunken.

8Aber wir gehören zum Tag.

Deshalb wollen wir nüchtern sein –

gewappnet mit Glaube und Liebe als Brustpanzer

und der Hoffnung auf Rettung als Helm.

9Denn Gott hat uns nicht dazu erwählt,

dass uns im Gericht sein Zorn trifft.

Vielmehr sollen wir gerettet werden

durch unseren Herrn Jesus Christus.

10Der ist für uns gestorben,

damit wir zusammen mit ihm leben.

Dabei ist es ganz gleich,

ob wir noch am Leben sind

oder ob wir dann schon gestorben sind.

11Darum macht euch gegenseitig Mut

und baut einander auf, wie ihr es ja schon tut.

Der Tag des Herrn kommt überraschend. Christus kommt wieder und es gibt das Jüngste Gericht. Deshalb sollen wir Christen jederzeit wachsam und nüchtern sein. Wir sollen die geistliche Waffenrüstung anziehen: Glaube und Liebe als Brustpanzer, die Hoffnung als Helm. Wir sollen uns gegenseitig ermutigen. Und wir sollen uns klar machen: wir gehören zum Tag, nicht zur Nacht, wo man säuft oder schläft, jedenfalls nicht wachsam und nüchtern ist.

Seit einigen Jahren denke ich immer, wenn ich beim Vaterunser bete: Führe uns nicht in Versuchung. So viel Versuchungen gibt es. Werden die Konfis beim Großwerden diesen Versuchungen ausweichen können. So viele Gefahren gibt es. Und unsere Gesellschaft tappt so hinein in diese Gefahren. Ich würde gerne mehr helfen, mehr beschützen, mehr warnen. Aber ich bin verhältnismäßig ohnmächtig. Und die Gegner sind stark. Die Handyversuchung ist psychologisch gut ausgefeilt. Der gesellschaftliche Druck ist stark. Es ist schwer bei mir zu bleiben. Es ist schwer rauszubekommen, was ich eigentlich will. Es ist schwer, dann bei der Sache zu bleiben.

Wie können wir als Kirchengemeinde vor Ort dabei helfen?

Dass wir Gottesdienst feiern, ist schon mal sehr gut. Wir setzen uns damit einem anderen Einfluss aus. Dem Einfluss des Tags. Dem Einfluss  des Lichts. Wir machen uns klar: wir Christinnen und Christen gehören zu Gott. Wir gehören zum Licht. Was in uns dunkel ist, das kann erleuchtet werden. Wir müssen uns nur dem Licht öffnen.

Viele Menschen machen gute Erfahrungen damit, dass sie in schlaflosen Stunden ein Gebet, einen Psalmvers oder einen Liedvers auswendig innerlich sprechen und beten. Zum Beispiel den Wochenspruch aus Jeremia vor ein paar Wochen: Heile du mich, so werde ich heil. Hilf du mir, so ist mir geholfen. Das hing bei meinen Großeltern an der Wand und deshalb wirkt das bei mir sehr in der Tiefe.

In einem Gottesdienst gibt es viele solche Texte, die uns mit dem göttlichen Licht verbinden und die die Dunkelheit in uns begrenzen können. Die Dunkelheit einhegen können. Die Dunkelheit in ihrer Wirksamkeit begrenzen können.

Wir machen uns in einem Gottesdienst klar. Gott ist nur ein Gebet weit von uns entfernt. Daran können wir uns hoffentlich im Alltag erinnern. An die Situation in der Kirche. Die Blumen auf dem Altar. Die Orgel. Das Licht. Die Ruhe. Das Entspannen. Der Segen, der mit mir geht. Wir saugen dieses Bild auf. Diese Raumsituation. Diese körperliche Form, uns dem göttlichen Licht gemeinsam mit anderen zu öffnen.

Am Ende unseres Predigttextes, er stammt aus dem frühesten Brief von Paulus, steht ein Satz, den wir leicht umsetzen können: 11Darum macht euch gegenseitig Mut

und baut einander auf, wie ihr es ja schon tut.

Uns gegenseitig ermutigen. Das tun wir schon. Das können wir noch mehr tun. Ich glaube, man muss gar nicht so viel tun. Wir bringen die Blumen nach dem Gottesdienst zu jemandem, der es gerade nötig haben könnte. Wir reden miteinander nach dem Gottesdienst und wenn wir uns im Ort begegnen. Wir können beim Ermutigen gar nicht so viel falsch machen. Wichtig ist, dass wir mit einer Haltung des Unterstützens miteinander reden. Und dabei nicht vergessen: wir alle sind auf das göttliche Licht angewiesen. Damit wir auf der Seite des Tags bleiben. Nüchtern und Wachsam. Die Gefahren der Nacht sind da. Wir können ihnen erliegen. Aber wir gehören zum Tag, weil wir zu Gott gehören.

Wir Christinnen und  Christen haben eine wichtige Botschaft für die Welt, die zu viel Dunkelheit in sich trägt und von zuviel Hoffnungsarmut geprägt ist.

Die Botschaft steht am Anfang unseres Predigttextes: 3Gerade sagen die Leute noch:

»Wir leben in Frieden und Sicherheit!«

Da wird das Verderben ganz plötzlich

über sie hereinbrechen –

so wie bei einer schwangeren Frau

plötzlich die Wehen einsetzen.

Viele Menschen haben solche Gefühle. Es wird ganz schlimm. Unsere Freundin erzählte von ihren Freunden, die sie fragten, wie sie den für den Notfall vorbereitet ist und die paar Vorräte ganz lächerlich fanden und die Idee, dass man sich auf sein Netzwerk von Freunden doch verlassen kann, auch. Das Verderben kommt ganz plötzlich.

Aber es geht weiter. Was so plötzlich kommt, sind Wehen. Eine neue Welt wird geboren. Das Reich Gottes. Die Welt, in der Gott herrscht. Die Welt, in der deshalb Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung herrschen. Deshalb muss die alte Welt untergehen. Die dunkle Welt. Die Welt der Angst. Die Welt der Gewalt. Die Welt der Ohnmacht, der Bitterkeit, der Trauer, die sich im Kreis dreht und nicht rauskommt aus der Abwärtsspirale des Niedergangs und der Ängste.

Deshalb brauchen wir die neue Welt. Sie wird geboren und wir erleben die Wehen der Geburt einer neuen Welt.

Unsere Botschaft mit dem Apostel Paulus ist: was ihr fürchtet, ist nur der Übergang zu einer besseren Welt. Auch wenn ihr euch ohnmächtig fühlt, Gott wird das Licht stärken, damit es die Dunkelheit begrenzen kann. Deshalb lohnt es sich, die  geistliche Waffenrüstung anzuziehen. Glaube und Liebe als Brustpanzer und die Hoffnung auf Rettung als Helm. So können wir gut wachsam und nüchtern sein. Wie es zu Tag gehört. Denn wir gehören zum Tag.

Und der Friede Gottes…

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