Judika 3.4.22

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

heute haben wir einen Predigttext, der aktueller ist als wir das uns für einen 2000 Jahre alten Text vorstellen können. Es geht um die Frage: Wie sieht gute Herrschaft aus? Welche Einstellung braucht man, um gut zu regieren? In einer Demokratie geht diese Frage alle an. Denn wir wählen ja die Personen, die staatliche Macht ausüben. Und da müssen wir die Frage bedenken: Welche Personen sind das. Aber hören Sie selbst.

Markus 10,35-45

35Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus,

traten zu Jesus und sagten zu ihm:

»Lehrer, wir möchten, dass du uns eine Bitte erfüllst.«

36Jesus fragte sie:

»Was möchtet ihr denn? Was soll ich für euch tun?«

37Sie antworteten:

»Lass uns neben dir sitzen,

wenn du in deiner Herrlichkeit regieren wirst –

einen rechts von dir, den anderen links.«

38Aber Jesus sagte zu ihnen:

»Ihr wisst nicht, um was ihr da bittet!

Könnt ihr den Becher austrinken, den ich austrinke?

Oder könnt ihr die Taufe auf euch nehmen,

mit der ich getauft werde?«

39Sie erwiderten: »Das können wir!«

Da sagte Jesus zu ihnen:

»Ihr werdet tatsächlich den Becher austrinken,

den ich austrinke.

Und ihr werdet die Taufe auf euch nehmen,

mit der ich getauft werde.

40Aber ich habe nicht zu entscheiden,

wer rechts und links von mir sitzt.

Dort werden die sitzen, die Gott dafür bestimmt hat.«

41Die anderen zehn hörten das Gespräch mit an

und ärgerten sich über Jakobus und Johannes.

42Da rief Jesus auch sie herbei und sagte zu ihnen:

»Ihr wisst:

Diejenigen, die als Herrscher der Völker gelten,

unterdrücken die Menschen, über die sie herrschen.

Und ihre Machthaber missbrauchen ihre Macht.

43Aber bei euch ist das nicht so:

Sondern wer von euch groß sein will,

soll den anderen dienen.

44Und wer von euch der Erste sein will,

soll der Diener von allen sein.

45Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen,

um sich dienen zu lassen.

Im Gegenteil:

Er ist gekommen, um anderen zu dienen

und sein Leben hinzugeben

als Lösegeld für viele Menschen.«

Jakobus und Johannes sind die Schüler der ersten Stunde. Zusammen mit Petrus stehen sie Jesus am nächsten. Somit ist es verständlich, dass Sie sich in der neuen Regierung im Reich Gottes die wichtigsten Ministerposten sichern wollen. Und es ist auch verständlich, dass sich die anderen darüber ärgern. Jesus nutzt die Gelegenheit, um zu erklären, wie gute Regierung organisiert sein sollte und welche Einstellung man dafür braucht. Die Anforderungen sind hoch. Nicht bedient werden wollen, sondern dienen, die Bereitschaft für die anderen zu leiden und akzeptieren, dass es für das Wohl aller vielleicht besser ist, wenn andere die wichtigen Posten bekommen. Jesus erfüllt diese Ansprüche, ob jemand anders unter seinen Gefolgsleuten sie auch erfüllt, bleibt unklar. Aber die Bereitschaft Leiden auf sich zu nehmen wird von allen erwartet. Jesus macht auch deutlich, wo der Unterschied zu normalen Herrschern liegt. Dort sind Unterdrückung und Machtmissbrauch an der Tagesordnung.

Wenn wir uns die Welt so ansehen, können wir Jesus nur zustimmen. Auf dieser Welt gibt es zu viele Diktatoren, die sich nicht für das Wohl ihrer Völker interessieren sondern nur dafür wie sie für sich und ihre Familien Geld und Macht aus den staatlichen Institutionen herausziehen können. Korruption ist ein Riesenproblem sogar in Deutschland. Und wenn in irgendeinem Bereich Korruption normal wird und eine Selbstbedienungsmentalität sich durchsetzt, dann wird dieser Bereich irgendwann aufhören zu funktionieren und das bekommen alle zu spüren.

Ein Verwandter meines Mannes, der in der Baubranche arbeitet, hat uns mal erzählt, dass seine Firma einen großen staatlichen Auftrag bekommen hat, weil sie die einzige war, die dem vergebenden Beamten kein Bestechungsgeld angeboten hat. Einerseits ist es ja super, dass dieser Beamte nicht bestechlich war. Andererseits haben die Firmen, die die Bestechung angeboten haben, wahrscheinlich die Erfahrung gemacht, dass dies nicht der Normalfall ist.

Ich finde es erstaunlich, dass Jesus vor über 2000 Jahren von Herrschenden bereits Unbestechlichkeit verlangt hat und dass er von seinen Nachfolgern erwartet hat, Macht nicht für sich selbst zu nutzen, sondern das Wohl des Volkes ist den Mittelpunkt zu stellen. Das ist mehr preußische Beamtenethik als in Preußen je geherrscht hat. Und gleichzeitig ist es etwas ganz anderes als preußische Beamtenethik, denn Jesus verlangt von sich selbst und seinen Nachfolgern eine innere Einstellung, die das Gute für das Volk und nicht nur für den Staat will. Diese Anforderung für Herrschende hat sich als Ideal in der Kirche immerhin soweit durchgesetzt, dass sogar der Papst, sich als Diener der Gläubigen betrachtet.

Wir haben es hier also mit einem hohen Ideal zur Begrenzung von eigennütziger Machtausübung zu tun. Und es würde allen Regierungen egal in welcher Staatsform gut tun, sich an diesem Ideal zu orientieren. Hier ist die Umsetzung der christlichen Ethik unter den Herrschenden etwas, von dem alle Bürgerinnen und Bürger eines Landes profitieren würden, egal welcher Religion sie angehören.

Und Jesus geht hier noch einen Schritt weiter. Er spricht nicht nur über gute Herrschaft und Machtausübung. Er spricht auch über sein persönliches Schicksal und die Bedeutung seines Leidens und seines Todes. Er ist gekommen, nicht um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben für viele. Er weiß was vor ihm liegt lange bevor seine Nachfolger das begreifen. Und er hat beschlossen diesen Weg zu gehen. Er riskiert Leiden und Tod, weil er seinem Volk einen Weg zeigen will, wie sie Volk Gottes bleiben können in einer Welt, in der die Römer brutal herrschen und ihre Macht missbrauchen. Dem setzt er Gottes Willen und Gottes Gesetz entgegen. Er erweist sich als jemand, der seinem Volk dienen möchte und ihnen einen Weg zeigt, wie sie dem Reich Gottes unter sich Raum geben können. Dies ist gefährlich. Jesus weiß, dass ihn das in Jerusalem in die Auseinandersetzung mit dem Hohen Rat führen wird. Und er weiß auch, dass dies für ihn tödlich endet. Und er weiß ebenso, dass er damit einen Weg zu einer neuen Freiheit weist, einem Sinn, der über dieses Leben hinaus weist und in die Auferstehung mündet. Viele seiner Anhänger sind ihm auf diesem Weg gefolgt. Von dem ersten Stephanus wird in der Apostelgeschichte erzählt. Stephanus wird von der Menge gesteinigt, weil er sich mit Weisheit und großer Überzeugungskraft in öffentlichen Diskussionen über den Glauben durchgesetzt hat und seine Gegner ihn loswerden wollten. Von einem der letzten in Deutschland erzählen die Namen vieler Gemeindehäuser, Dietrich Bonhoeffer, der an einem Mordanschlag auf Hitler beteiligt war, weil er unser Volk vor den Folgen von Hitlers selbstzerstörerischem Krieg beschützen wollte. Jesus hat für Stephanus für die Dietrich Bonhoeffer und für uns einen Weg in Gottes neue Welt geöffnet, indem er den Tod überwunden hat, freiwillig in den Tod gegangen ist und uns einen Weg durch den Tod hindurch in die Auferstehung gebahnt hat. Damit hat auch unser Leben einen Sinn und eine Orientierung gewonnen. Und auch wir können Schwierigkeiten in Kauf nehmen, um das Richtige zu tun, weil wir wissen, es gibt mehr als nur hier unser Glück zu suchen.

und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinn in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben!

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