Kerb 31.8.25

Die Liebe Gottes, die Gnade Jesu Christi und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Gemeinde,

wir feiern Kerb. Auch Kirchweih genannt. Diese Kirche hier wurde am Bartholomäustag eingeweiht. Das feiern wir jedes Jahr. Die Kerbborsch und Kerbmädche organisieren dieses Fest mit extrem viel Arbeit und jeder Menge Spaß. Herzlichen Dank an dieser Stelle.

Häuser sind wichtig und Kirchen erst recht. Denn sie sind Orte der Begegnung mit Gott. Gott kommt zu uns und wohnt unter uns. Natürlich nicht nur in den Kirchen. Aber die Kirchen sind die Orte, wo das besonders sichtbar wird. 

Ich habe heute eine Geschichte mitgebracht von Jesus, wie er zu den Menschen kommt und in einem Haus einkehrt und dadurch das Leben von vielen Menschen grundlegend verändert. Ich lese

Lukas 19,1-10

1Jesus kam nach Jericho und ging durch die Stadt.

2Dort lebte ein Mann, der Zachäus hieß.

Er war der oberste Zolleinnehmer und sehr reich.

3Er wollte unbedingt sehen, wer dieser Jesus war.

Aber er konnte es nicht, denn er war klein,

und die Volksmenge versperrte ihm die Sicht.

4Deshalb lief er voraus

und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum,

um Jesus sehen zu können –

denn dort musste er vorbeikommen.

5Als Jesus an die Stelle kam, blickte er hoch

und sagte zu ihm: »Zachäus, steig schnell herab.

Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein.«

6Sofort stieg Zachäus vom Baum herab.

Voller Freude nahm er Jesus bei sich auf.

7Als die Leute das sahen, ärgerten sie sich

und sagten zueinander:

»Bei einem Sünder ist er eingekehrt!«

8Aber Zachäus stand auf und sagte zum Herrn:

»Herr, die Hälfte von meinem Besitz

werde ich den Armen geben.

Und wem ich zu viel abgenommen habe,

dem werde ich es vierfach zurückzahlen.«

9Da sagte Jesus zu ihm:

»Heute bist du gerettet worden –

zusammen mit allen, die in deinem Haus leben.

Denn auch du bist ein Nachkomme Abrahams!

10Der Menschensohn ist gekommen,

um die Verlorenen zu suchen und zu retten.«

Zachäus war klein. Also musste er etwas unternehmen, um Jesus zu sehen. Er ist auf einen Baum geklettert. Zachäus war reich. Er war reich, weil er mit der verhassten Besatzungsmacht, den Römern zusammen arbeitete und damit sein eigenes Volk verriet. Zachäus war unbeliebt. Er war ein Sünder, einer der die Gemeinschaft verlassen hat und Gott mit seiner ungerechten Form Geld zu verdienen beleidigt hat. Also wurde er ausgestoßen. Jesus lädt sich bei Zachäus ein. Darüber ist Zachäus sehr glücklich. Denn damit erkennt Jesus an, dass Zachäus Jude ist und zu seinem Volk dazu gehört. Jesus holt ihn zurück in die Gemeinschaft. Jesus geht dazu ein großes Risiko ein. Schülerinnen und Schüler kennen das. Wenn man versucht jemandem im der Klasse zu helfen, der gemobbt und ausgeschlossen wird, kann man sich selbst schnell am Rand der Klasse und selber ausgeschlossen wieder finden. Aber Jesus ist selbstbewußt und stark genug, um das zu riskieren. So wird das Haus des Zachäus zu dem Ort, an dem Gott erscheint in Form von Jesus, für alle sichtbar und für alle deutlich. Das Haus des Zachäus wird zur Kirche. Denn Jesus betritt es und zeigt Gott. Er zeigt Gott als jemand, der oder die möchte, dass alle zusammen gehören und niemand ausgeschlossen wird. Und er zeigt Gott als jemanden, der oder die bewirken kann, dass ein Leben sich zum Besseren verändert. Gott ist da und Zachäus reagiert damit darauf, dass er das Unrecht, das er getan hat, wiedergut machen möchte.

Wir heute als Katholische und Evangelische Kirche folgen Jesus. Und unsere Aufgabe ist es, Orte zur Verfügung zu stellen, wo Menschen Jesus begegnen können. Das sind Kirchen und Pfarrheime und Gemeindehäuser und das sind natürlich auch wir selbst. Auch wir selbst können Orte sein, an denen Menschen Jesus begegnen können. Und zwar nicht nur wir als WortGottesBeauftragte und Pfarrerinnen. Wir alle, die wir den Glauben im Herzen tragen, sind Orte an denen Menschen Jesus begegnen können. Wenn wir unseren Glauben bekennen und deutlich machen, dass wir Jesus folgen, dann helfen wir anderen, sich zu trauen, auch religiöse Fragen zu stellen. Dann können andere sich überlegen: Ok vielleicht ist es doch wichtig, ob ich etwas Gutes oder etwas Böses tue. Vielleicht gibt es doch etwas, dass über dieses Leben hier hinausgeht. Und vielleicht gibt es für mich Hilfe bei einer Wirklichkeit, die größer ist als ich es mir vorstellen kann. Und möglicherweise habe ich eine Aufgabe in diesem Leben, die mehr beinhaltet als glücklich zu sein und viel Spaß zu haben. Das kann besonders wichtig werden, wenn das Glück sich verabschiedet hat und der Körper oder die Seele gerade keinen Zugang zu Spaß hat. Was bleibt dann?

Ich muss heute in deinem Haus zu Gast sein! Das sagt Jesus zu Zachäus. Vielleicht gilt das auch für uns. Vielleicht möchte Jesus auch in unserem Haus zu Gast sein. Geht es uns da wie Zachäus. Würden wir uns darüber sehr freuen? Oder würden wir uns eher belastet fühlen, und wäre uns das vielleicht peinlich?

Zachäus wollte unbedingt Jesus sehen. Deshalb ist er auf einen Baum gestiegen, was im Grunde für einen reichen Hausvorstand völlig unmöglich war. Er hat sich damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Aber es war ihm wichtiger Jesus zu sehen als darüber nachzudenken, was andere wohl von ihm denken würden.

Vielleicht können wir hier von diesem Verräter und Betrüger noch etwas lernen.

Und nicht nur von ihm. Mein Mann macht in Taufgesprächen zunehmend die Erfahrung, dass die Eltern, die ihre Kinder taufen lassen, sich vor ihren Freundinnen und Freunden und anderen Eltern dafür rechtfertigen müssen. Und sie tun es trotzdem. Sie wollen, dass ihre Kinder zur Kirche und zu Gott gehören. Auch wenn das nicht unbedingt die Zustimmung der Menschen findet, die für sie auch wichtig sind.

Ich glaube, dass es heute für alle wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder taufen lassen, dass man ab und zu in die Kirche geht und sich dazu bekennt, dass man an Gott glaubt.

Das ist wichtig, damit sich der Raum und der Zugang zu Gott für die anderen nicht schließt. Die Menschen hier und auch die kirchlichen Gebäude sind wichtig, damit alle, die hier wohnen wissen, es gibt die Möglichkeit, bei Gott Hilfe zu suchen. Es gibt die Chance auf den Glauben zuzugehen, wenn ich das möchte. Denn wenn die Gebäude weg sind und die Menschen, die den Glauben leben, nicht mehr sichtbar sind, dann geht dieser Gesellschaft eine wichtige Chance verloren.

Also nutzen Sie die kirchlichen Angebote. Sie sind nicht selbstverständlich. Und wenn sie nicht genutzt werden, werden sie verschwinden.

Und das wäre doch schade auch für unsere schönen Kirchen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus zum ewigen seligen Leben.