Konfliktmanagement 15.12.24 Albrecht Burkholz

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Gemeinde am 3. Advent. Weihnachten kommt immer näher. Und das heißt: da gibt es einen Harmoniedruck. Unser Bild von  Weihnachten ist: eine Familie feiert zusammen unter dem Weihnachtsbaum. Es wird gesungen und es gibt eine Bescherung und ein festliches Essen. Die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren sind für Besuche da. An Weihnachten, wenigstens an Weihnachten, soll Frieden herrschen. Es soll so harmonisch wie möglich zugehen. Schließlich geht es darum, dass Gott sich als Kind gezeigt hat, damit wir zur Liebe und zum Frieden befreit werden.

Da ist es gut, dass die Adventszeit uns innerlich vorbereiten will. Heute geht es darum, wie wir mit Konflikten umgehen. In meinen über 30 Berufsjahren als Pfarrer habe ich da einiges gelernt. Wichtig ist Transparenz. Je angespannter die Lage ist, desto wichtiger ist es, dass niemand Informationen vorenthalten bekommt. Ganz schlecht ist es, wenn eine besondere Gruppe andere von wichtigen Informationen ausschließt.

Ganz wichtig ist es auch, Zeit zu gewinnen. Wenn jemand Stress macht zu schnellen Entscheidungen, muss ich mir Zeit zum Überlegen besorgen. Mindestens einmal sollte ich über die Sache schlafen.

Wichtig ist es auch, nicht aus den ersten Gefühlen heraus zu reden oder zu handeln. Ich muss höflich bleiben, damit wir später wieder sinnvoll miteinander umgehen können.

Was ich auch wichtig finde: je angespannter die Lage ist, desto vorsichtiger bin ich mit schriftlichen Äußerungen.

Und die wichtige Frage: wohin soll das Ganze führen. Wenn man das richtig bedenkt, könnten eigentlich ganz viele Streite und auch kriegerische Auseinandersetzungen und Vorwürfe und Kontaktabbrüche nicht vorkommen. Vielleicht bin ich auf die Menschen noch einmal angewiesen, die ich jetzt gerne schlecht behandeln würde.

Und: das Risiko, mit einer Vorleistung an guter Tag oder Vertrauen in Vorleistung zu gehen, das lohnt sich oft. Denn es geht um Vertrauen. Und alles, was das Vertrauen stärkt, ist gut und konfliktvermeidend oder jedenfalls konfliktbegrenzend.

So viel zu meinen heutigen Erfahrungen und Empfehlungen. 

Der Apostel Paulus hat es ungefähr im Jahr 50 nach Christus mit einem ganz grundlegenden Streit zu tun. 20 Jahre nach Jesu Tod und Auferstehung gibt es Menschen, die keine Juden sind, aber an Jesus als den Retter glauben. Wie sollen sie mit Juden zusammenleben, die an Jesus glauben? Sollen sie sich beschneiden lassen? Sollen sie an die Speisegebote halten und nur mit Juden zusammen essen? Sollen sie kein Fleisch essen, weil alles Fleisch aus einer Opferung in einem Tempel stammt? Sollen sie den Sabbat so streng halten wie fromme Juden, also nur ganz wenig laufen und jede Arbeit lassen?

Darauf gab es viele verschiedene Antworten. 100 Jahre später haben sich dann Christentum und Judentum zu eigenständigen Religionen entwickelt, in Abgrenzung voneinander. Paulus schreibt an die Gemeinde in der Hauptstadt Rom, um seinen Besuch dort vorzubereiten. Seine Antwort ist: Alle Antworten sind in Ordnung. Wichtig ist das Gemeinsame. Gemeinsam sind wir aufgerufen, Gott zu loben, Juden und  Nichtjuden. Und alles Lob hat seinen Zielpunkt in Jesus Christus. Von dort kommt die Rettung und das Heil. Und daraufhin geht unsere gemeinsame Zukunft zu.

Ich lese Römer 15,4-13 4

Alles, was in früherer Zeit in der Heiligen Schrift aufgeschrieben wurde, wurde festgehalten, damit wir daraus lernen. Denn wir sollen die Hoffnung nicht aufgeben. Dabei helfen uns die Ausdauer und die Ermutigung, die wir aus der Heiligen Schrift gewinnen können.

5Diese Ausdauer und diese Ermutigung kommen von Gott. Er gebe auch, dass ihr euch untereinander einig seid –so wie es Christus Jesus angemessen ist.

6Dann könnt ihr alle miteinander Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, wie aus einem Munde loben.

7Daher bitte ich euch: Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird.

8Denn ich sage: Weil Gottes Zusage wahrhaftig gilt,

trat Christus in den Dienst der Beschneidung.

So wollte Gott das einlösen, was er den Stammvätern versprochen hat.

9Aber auch die Völker haben allen Grund, Gott für sein Erbarmen zu loben. Denn in der Heiligen Schrift steht: »Darum will ich dir danken unter den Völkern.

Deinen Namen will ich preisen mit einem Lied.«

10An einer anderen Stelle heißt es:

»Freut euch, ihr Völker, zusammen mit seinem Volk.«

11Und noch einmal an einer anderen Stelle:

»Lobt den Herrn, alle Völker! Preist ihn, ihr Menschen aus allen Nationen!«

12Und schließlich sagt Jesaja: »Aus der Wurzel Isais wird ein neuer Spross hervorgehen. Er wird sich erheben, um über die Völker zu herrschen. Und auf ihn werden sie ihre Hoffnung setzen.«

13Der Gott, der Hoffnung schenkt, erfülle auch euch in eurem Glauben mit lauter Freude und Frieden.

So soll eure Hoffnung über alles Maß hinaus wachsen

durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Unsere gemeinsame Grundlage sind die Heiligen Schriften. Also für Paulus das, was in unseren Bibeln das Alte Testament ist. 4 Bibelstellen zitiert Paulus hier aus dem Kopf. Als ein Schriftgelehrter, der bei dem berühmten Pharisäer Gamaliel gelernt hat, kennt er die Bibel auswendig. Und aus der Bibel gewinnen wir Ausdauer und Ermutigung. Denn das Ziel ist immer wieder benannt: Juden und die Völker loben gemeinsam Gott. Denn Jesus Christus ist der, der neue Hoffnung bringt für eine gute gemeinsame Zukunft. Paulus ist dieser Jesus Christus begegnet. In ein großes Licht gehüllt, das ihn geblendet hat. Und dabei hat er seine Blindheit erkannt. Gott ist im Namen von Jesus Christus zu loben. Im Namen des hergebrachten Glaubens die an Jesus Glaubenden zu verfolgen, war offensichtlich der falsche Weg. Jesus Christus, in göttliches Licht getaucht, hat ihn davon abgebracht.

Der Grundkonflikt des frühen Christentums zwischen Juden und Nichtjuden war also in Paulus selbst angelegt. Er hat ihn in sich ausgefochten. Deshalb führt seine Antwort weiter. Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird.

Nehmt einander an. Verschiedene Ansichten sollen einander annehmen. Es muss gestritten werden. Es geht um viel. Und Paulus hat viel gestritten. Und doch ist das Ziel: Nehmt einander an.

Christus hat uns angenommen. Christus hat uns angenommen, als wir noch Gegner waren. Christus hat uns angenommen, als wir noch Feinde waren. Paulus hat die frühen Jesusanhänger verfolgt und sie der Todesstrafe durch Steinigung zugeführt. Und dann ist ihm der begegnet, den er verfolgt hat. Jesus Christus als mächtig im Himmel. Jesus Christus in der Herrlichkeit Gottes, vom göttlichen Lichtglanz umgeben.

Jesus Christus hat Paulus angenommen. Und deshalb bemüht sich Paulus, auch wenn er ein leidenschaftlicher Kämpfer für die Wahrheit ist, andere anzunehmen. Damit Gott die Ehre gegeben wird. Gott, der uns Menschen als verschiedene geschaffen hat. Die wir auch im Glauben verschieden sind. Und trotzdem sprechen wir zusammen das Glaubensbekenntnis und beten wir zusammen das Vaterunser.

Nehmt einander an. Das ist ja einfach, wenn es keine Konflikte gibt. Aber dann schwierig, wenn es viele Missverständnisse gibt. Dann, wenn ich gern mal vom Leder ziehen würde und denen mal richtig die Meinung geigen würde und die Leviten lesen – dann gilt es innezuhalten. Zurückzutreten. Durchzuatmen. Und an diesen Bibelvers zu denken: Nehmt einander an, so wie Christus euch angenommen hat, damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird

Ich bin angenommen worden. Deshalb will ich annehmen, so gut ich kann. Meinen Ärger und meinen Zorn hintan stellen. Damit die Herrlichkeit Gottes noch größer wird.

Die Herrlichkeit Gottes wächst offensichtlich, wenn wir Menschen das schaffen: über Grenzen  und Zorn und Ärger und verschiedenen Meinungen und Konflikte hinweg uns annehmen.

Da ist mehr Annehmen, als wir von unseren Gefühlen hinkriegen würden. Weil Gott da einen Vertrauensvorschuss in unser Zusammenleben hineingegeben hat und hineingibt.

Wie geschieht das?

Bibelverse bewirken in uns Ausdauer und Ermutigung. Und dann geschieht auch noch so etwas Übervolles und Geheimnisvolles wie ganz viel Geschenke unter dem Weihnachtsbaum. Im letzten Vers  unseres  Predigttextes heißt es:

Der Gott, der Hoffnung schenkt, erfülle auch euch in eurem Glauben mit lauter Freude und Frieden.

So soll eure Hoffnung über alles Maß hinaus wachsen

durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Das bräuchte eine eigene Predigt. In uns geschieht etwas, das uns verändert. Ich sage es noch einmal wie einen Segen für uns alle persönlich. Ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk:

Der Gott, der Hoffnung schenkt, erfülle auch euch in eurem Glauben mit lauter Freude und Frieden.

So soll eure Hoffnung über alles Maß hinaus wachsen

durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Und der Friede Gottes…