Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.
Liebe Gemeinde,
heute geht es um die Kraft des Gebets. So ist unser Predigttext überschrieben. Ich lese Jakobus 5,13-16.
3Wenn jemand von euch Schweres erleidet, soll er beten.
Ist jemand von euch voller Zuversicht,
soll er Loblieder singen.
14Wer von euch krank und schwach ist,
soll die Ältesten der Gemeinde zu sich rufen.
Sie sollen für ihn beten
und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.
15Das Gebet, das im Glauben gesprochen wird,
wird den Kranken retten.
Der Herr wird ihn wieder aufstehen lassen
und ihm vergeben, wenn er Sünden begangen hat.
16Darum sollt ihr einander eure Sünden bekennen
und füreinander beten, damit ihr geheilt werdet.
Das Gebet eines Menschen,
der nach dem Willen Gottes lebt,
hat große Kraft und bewirkt viel.
Die Kraft des Gebets.
Wir Christinnen und Christen können mit Beten viel erreichen. Und was da wirkt, ist natürlich nicht unsere Kraft, sondern Gottes Kraft. Aber Gottes Kraft braucht eine Tür in unser Leben hinein. So wie eine Pflanze mit ihren Wurzeln und Blättern die Energie aus dem Boden und der Luft aufnimmt und verwandelt und so wächst und Frucht bringt – so nehmen wir Christen die Kraft von Gott durch das Gebet auf und wachsen damit. Wir verwandeln diese Kraft Gottes in unseren Alltag hinein. Und dabei werden wir in Richtung von Gottes Kraft verwandelt. Und dann, dann können wir Frucht bringen. Wir können glücklich und zufrieden leben. Wir können andere entspannen. Wir können Druck aus dem Kessel nehmen. Wir können der Angst entgegenwirken. Wir können in der Gotteskraft ruhen. Die Kraft des Gebets ist für uns da und wir können sie anwenden.
Liebe Gemeinde, ich bin mit dieser Gemeinde sehr zufrieden. Konfis und Kirchenvorsteher beteiligen sich am Gebet. Beim stillen Gebet und beim Vaterunser beteiligen sich alle, die im Gottesdienst oder bei einer Beerdigung oder einer Taufe oder einer Trauung sind. Und selbst die, die nicht mitsprechen, sind nach innen ausgerichtet und damit zu Gott hin. Und so sind alle offen beim Beten für Gottes Kraft.
Über diese Kraft des Gebets heißt es an einer anderen Bibelstelle: Gott tut über unser Bitten und Verstehen hinaus Gutes an uns.
Das heißt: Gott tut mehr als wir bitten. Wir verstehen ja immer nur wenig von einer Situation und von dem, was jetzt das beste wäre. Gott hat viel mehr Überblick und weiß, was vom Ende her gesehen gut ist. Was vom Standpunkt der Ewigkeit aus gut ist. Und deshalb können manchmal unsere Bitten nicht direkt wörtlich erfüllt werden. Weil Gott mehr tun will. Wir müssen uns nur dafür öffnen und damit rechnen.
Gott tut auch über unser Verstehen hinaus. Manchmal merken sofort, wie Beten nützt. Eine Bitte wird erfüllt. Wir freuen uns und bedanken uns bei Gott. Manchmal wird eine Bitte sehr lange nicht erfüllt. Dann sind wir enttäuscht und müssen das irgendwie in unseren Glauben einbauen. Und wir hoffen, dass insgesamt etwas Gutes von Gott zu uns kommt, auch wenn wir jetzt nicht verstehen, was das soll und sauer sind. Manchmal geschieht etwas sehr merkwürdiges, irritierendes. Es ist nicht das, was wir erhofft und erbeten haben. Es ist ganz anders als wir es erwartet hatten. Und wir müssen uns drauf einstellen und dann, nach einiger Zeit, merken wir: da hat Gott mehr Überblick gehabt. Es war gut so. Und es war gut, dass ich mich auf das Überraschende und Irritierende nach einiger Zeit eingelassen habe.
All diese Erfahrungen gehören zur Kraft des Gebets. Es ist gut, dass wir viele verschiedene Erfahrungen machen mit der Kraft des Gebets. Dass wir davon erzählen und uns gegenseitig dazu ermutigen, mit dem Beten nicht aufzuhören.
In unserem Predigttext geht es darum, dass das Beten in der Gemeinde gepflegt wird. Es ist nicht nur eine Sache der Einzelnen. Als Kirchengemeinde sorgen wir dafür, dass bei vielen Menschen das Beten gestärkt wird. Dass viele Menschen Zugang finden zur Kraft des Gebets.
Das Gebet hat viel mit Krankheit und der Bitte um Heilung zu tun. Auch hier ist die Kraft des Gebets wirksam und wir werden dazu ermutigt.
Das Gebet hat auch damit zu tun, dass wir Sünde wahrnehmen. Wir sollen merken, wo wir falsch liegen. Wo wir falsch handeln. Wo wir falsch wahrnehmen und reden. Wo wir uns selbst schaden. Wo wir wegschauen und damit das Richtige versäumen. Diese Sünde vor Gott zu bringen und sich vergeben zu lassen, macht unser Gebet wirksamer.
Wir Christinnen und Christen sollen unseren Glauben pflegen und vertiefen, damit das Gebet wirksamer wird.
Das ist ein großer Anspruch. Wir sollen also nicht nur Nebenbeichristen sein, sondern richtig einsteigen in die Sache mit Gott. Denn das Gebet vermag viel. Und um so mehr, als wir unsere Seele in Gott versenken.
Das Gebet eines Menschen,
der nach dem Willen Gottes lebt,
hat große Kraft und bewirkt viel.
Also, eine Kirchengemeinde soll so etwas wie eine Volkshochschule in der Kraft des Gebets sein. Wie machen wir das? Welche Kurse bieten wir an? Gibt es da vielleicht den Volkhochschulkurs: Beten für Anfänger. Dann: Beten für Fortgeschrittene. Und dann: Beten für Profis – Trainingslager.
In unserem Predigttext sollen die Ältesten beten, die Hände auflegen, mit Öl salben. Also die Kirchenvorsteher. Die sollen die Profis beim Beten sein. Und bei Krankheit auch mit körperlicher Nähe beten.
Da merken wir, wir können das nicht so direkt von einer Gemeinde von damals auf heute übertragen. Das mit dem Handauflegen und mit dem Salben mit Öl kann sehr gut und wirksam sein. Dass eine Kirchengemeinde offiziell für jemanden betet, kann auch sehr gut sein.
Ich erinnere mich, wie wir uns im Gemeindehaus versammelt haben und für unsere sehr kranke Kirchenvorsteherin Shirin gebetet haben. Es war eine sehr bewegende Gebetsrunde. Leider sind wir nicht erhört worden. Leider ist Shirin gestorben. Und trotzdem gilt dieser Bibeltext für uns weiter:
Das Gebet eines Menschen,
der nach dem Willen Gottes lebt,
hat große Kraft und bewirkt viel.
Ja, wir sind enttäuscht. Ja, wir fragen uns, inwiefern wir nicht nach dem Willen Gottes leben, dass unser Gebet nicht erhört worden ist. Und diese Frage an uns selbst ist ja sinnvoll. Ausgesprochen sinnvoll. Denn nur so kommen wir weiter im Glauben.
Liebe Gemeinde, nur so kommen wir weiter im Glauben. Nur so bekommen wir Zugang zur Kraft des Gebets. Wir müssen durch die Enttäuschung hindurch gehen, dass wir manchmal nicht erhört werden. Jedenfalls nicht so, wie wir es uns erhofft haben.
Ich glaube nicht, dass wir dazu Superchristen sein müssen. Wir ganz normalen Christen können beten und die Kraft des Gebets erleben. Denn die Kraft liegt nicht in uns. Die Kraft liegt bei Gott. Und das ist unsere Hoffnung.
Und wir können beten mit Sätzen, die wir auswendig können. Eine Frau aus unserer Gemeinde hat vor einer Operation immer nur innerlich den Satz wiederholt: Größer als der Helfer ist die Not ja nicht. Aus einem Lied, das in unserem Gesangbuch steht und das wir gleich singen werden.
Wir können auch einfach das Vaterunser beten oder nur eine Zeile daraus. Vater unser im Himmel. Vater unser im Himmel. Vater unser im Himmel. Zum Beispiel.
Kraft von Gott kommt zu uns. Und es braucht nur eine Tür. Eine Tür, die sich einen Spalt öffnet für die Kraft, die vom Himmel her in unser normales Leben kommt.
Beten Sie. Die Kraft kommt von Gott.
Und der Friede Gottes…